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Sonntag, 09 September 2012 05:24

09. September 2012

09. September 2012
Bismillah-ir-Rahmanb-ir-Rahim - Am Mikrophon begrüßen Sie auch heute wieder ganz herzlich Schahrzad Tschupankareh und Ahmad Radschabi zu einer neuen Ausgabe "Wir und unsere Hörer".

Wir freuen uns darauf, mit Ihnen, unseren Hörerinnen und Hörern eine unterhaltsame Stunde zu verbringen.
Haben Sie es sich bequem gemacht? Vielleicht eine Tasse Tee oder Kaffee bereitgestellt?
Also, gleich nach einem kurzen Musikstück steigen wir ins Programm ein, gemeinsam mit Ihnen freilich. Also, bis gleich, bleiben Sie dran.

Bevor wir zu Ihren Briefen kommen, über die wir uns - wie immer - sehr gefreut haben, möchten wir Sie über das Engagement einer deutschen Hilfsorganisation im Erdbebengebiet Ost-Aserbaidschans informieren.

Gewiss erinnern Sie sich an das schreckliche Erdbeben, das Anfang August die Provinz Ost-Aserbaidschan im Nordosten Irans erschüttert hat. Mehr als 300 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, die sich am Vormittag in den Häusern aufhielten, verloren ihr Leben, tausende wurden verletzt. Hinzu kam die Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur. Ganze Dörfer in dieser ländlichen Region lagen in Trümmern. Unmittelbar darauf setzten Hilfsaktionen staatlicher und privater Organisationen ein, und inzwischen konnten viele Schäden - zumindest provisorisch - behoben werden.

Das meiste wurde und wird weiterhin von einheimischen iranischen Organisationen geleistet, aber auch aus dem Ausland kam Hilfe, teilweise in Form von Zelten, Decken und Medikamenten, teils durch den Einsatz medizinischer Fachkräfte. Bis zu einer Normalisierung der Verhältnisse bleibt dennoch sehr viel zu tun. Und die Zeit drängt angesichts des bevorstehenden Winters.
Aus den Schlagzeilen ist die Erdbebenkatastrophe im Iran mittlerweile verschwunden. Umso mehr freuten wir uns über einen Hinweis im Internet, wonach die deutsche Hilfsorganisation Humedica weiterhin in der Region aktiv ist. Die in Kaufbeuren im Allgäu ansässige Hilfsorganisation Humedica schickte Mitte August das erste ausländische Ärzteteam ins Katastrophengebiet. Es war ausgestattet mit Medikamenten und sonstigem Material zur medizinischen Versorgung der Verletzten und arbeitete in Kooperation mit dem iranischen Gesundheitsministerium zunächst in mobilen Kliniken in der Region um Ahar.

Die Medizinstudentin Hanna Bellmann berichtete am 28. August auf Spiegel-Online über ihren Einsatz. Viele Bewohner der Dörfer hätten alles verloren, oft auch Verletzte und Tote in der Familie zu beklagen, und seien stark traumatisiert, schrieb sie. "Der Schmerz lässt sich nicht in Worte fassen"... "Es gab Patienten, bei denen wir geweint haben - mit dem Patienten - und versucht haben, Worte zu finden, ihn festzuhalten und für ihn da zu sein."
Unter einfachsten Bedingungen versorgte das Helferteam Verletzungen, kümmerte sich in Zelten oder unter freiem Himmel um Brüche, Quetschungen und offene Wunden - und um die Menschen. Und das, obwohl die iranische Regierung jede ausländische Hilfe zunächst abgelehnt hatte.
Einen der bewegendsten Momente, berichtet Hanna, habe sie im Zentrum des Bebens, im Dorf Goredarag, erlebt: "Da habe ich Itzhak Ifzi kennen gelernt, einen 80-jährigen Mann. Er hatte durch das Beben seine Frau verloren, und da seine Kinder schon vor Jahren das Dorf verlassen haben, hat er niemanden mehr und trug sogar noch die Kleidung vom Tag der Katastrophe." Mit ihm habe sie lange geweint und getrauert, "und in dem Moment sind mir die schrecklichen Auswirkungen des Bebens wirklich bewusst geworden". Und obwohl von manchen Dörfern kaum noch etwas übrig ist, habe sie immer wieder Einladungen zum Tee bekommen: "Die Menschen haben uns von dem Nichts, was ihnen geblieben ist, noch etwas abgegeben. Das war überwältigend."

Kürzlich wurden die Ersthelfer durch ein zweites Team abgelöst. Auch diese Einsatzkräfte berichten auf der Humedica-Website über ihre ersten Eindrücke:
"Mit allen schriftlichen Genehmigungen versehen können wir bereits am Nachmittag nach unserer Ankunft im Dorf Khayradin mit der Behandlung der Patienten beginnen. Wie die meisten Dörfer nahe dem Epicenter, die oft zu 100 Prozent zerstört wurden, liegt auch dieser Ort an einem Hang in dieser hügeligen, steppenartigen, meist menschenleer erscheinenden Gegend. Wir freuen uns zu hören, dass hier zumindest keine Toten zu beklagen waren. Wie die Zukunft für die Menschen hier aussieht, weiß jedoch keiner. Bald wird der Winter kommen, gegen den die einfachen, vom roten Halbmond verteilten, Zelte nichts auszurichten haben. Obwohl tagsüber brütend heiß wird es nachts bereits empfindlich kalt, was auch wir in unseren Zelten zu spüren bekommen."
In einem anderen, ebenfalls komplett zerstörten Dorf haben neun Menschen ihr Leben verloren, davon fünf Kinder. "Wir versuchen", heißt es auf der Website, "als Team, in dieser noch immer sehr traurigen, sehr gedrückten Stimmung nachhaltige Zeichen der Hoffnung zu setzen, durch noch immer dringend notwendige Behandlungen und gelebten Trost. Während ich diese Zeilen in den Laptop tippe, werden Schafe vorbei getrieben und zwei Buben rennen mit einem Ball herum, rufen, haben für einen Moment wohl die schlimmen Momente der vergangenen Tage vergessen. Welch wunderschönes Zeichen von Leben in dieser schlimmen Situation!"
Wir möchten den Humedica-Mitarbeitern an dieser Stelle ganz herzlich für ihr Engagement danken. Insbesondere in der aktuellen politischen Situation sind sie leuchtendes Vorbild für ein Zusammenleben aller Menschen in Geschwisterlichkeit und Frieden.

Um diesem Ziel - einer friedlichen Welt, in der die Menschen unterschiedlicher Kulturen sich respektieren und einander helfen - näher zu kommen, müssen wir einander besser kennenlernen. Dazu möchten wir - das IRIB Team - mit dieser Sendung beitragen. Und Sie, liebe Hörer, unterstützen uns dabei und geben uns wichtige Anregungen.


Jetzt ist es aber erst einmal Zeit für die Beantwortung Ihrer Briefe...

Öffnen wollen wir die Post mit einer E-Mail von Frau Kerstin Lehmann. Sie schreibt: "Hallo, ich habe da mal eine Frage: Wie ist der Iran eigentlich wirklich? Dass die Amis böse sind, ist mir eigentlich seit 09/11 klar, aber vorher habe ich mich über die Todesstrafen aufgeregt, welche ja auch im Iran vorkommen. Aber wie oft eigentlich? Bin ich über den Iran überhaupt richtig informiert, wo meine Infos doch westlich "vorgefiltert" sind? Alles, was ich über den Iran gefunden habe, war eigentlich total nett, nur Radikale, gleich welcher Gesinnung, machen ziemlich fliese Sachen. Wie geht der Iran mit Radikalen um? Ist Ihr Land frei, bzw. empfinden Sie sich als frei? Gibt es Zensur? Armut und Chancenlosigkeit? Von Syrern und Syrienbesuchern weiß ich, dass eigentlich alles anders ist als uns die Medien uns weis machen wollen, wie ist es mit dem Iran? Muss man bei Ihnen Muslim oder zumindest religiös sein? Ein Kopftuch tragen? Gibt es Gleichberechtigung, ein Mindestalter für die Ehe und Scheidungen? Wird man auf offener Straße für Verstöße gegen die Scharia bestraft? Kann man auch alles anders machen und gibt es Punks im Iran?
Ich habe nicht so ernsthaft 'ne Ahnung, wo meine Mail jetzt hingeht, aber ich befinde mich in einem Gewissenkonflikt und muss mich genau informieren, um zu entscheiden, wie ich zum Thema Irankonflikt stehen soll. Dabei würden mir Meinungen von ganz normalen Einwohnern Ihres Landes ungemein helfen, und wenn Sie ein Radio sind, werden Sie diese Meinungen vermutlich auch kennen. Ich habe nicht vor, Ihre Antwort zu veröffentlichen oder so, ich möchte einfach nur ein bisschen mehr wissen.
Mit der Bitte um Antwort und bestem Dank
Kerstin Lehmann

Liebe Frau Lehmen, das sind gleich einige Fragen, auf die ganz unterschiedliche Antworten möglich sind. Das deshalb, weil die Antworten nur subjektiv sein können. Also, sie geben unsere Ansicht wider. Mit den Radikalen geht der Iran nach dem geltenden Gesetz vor. Wenn zum Beispiel jemand zu extremistischen Taten verurteilt wird, hat er die Möglichkeit, in Revision zu gehen. In keinem Land gibt es 100 prozentige Presse-und Meinungsfreiheit. Aber dazu nur soviel, dass Ihre Fragen nicht zensiert worden sind.
Auch im Iran gibt es Armut, das ist gar keine Frage. Aber dazu lesen wir Ihnen jetzt gleich ein paar Auszüge aus dem Reisebericht einer ca. 12-Köpfigen deutschen Delegation vor, die im April im Iran war. Velleicht könnte er für Sie hilfreich sein. Darin hieß es unter anderem:
Bettler, Prostituierte, Elend, Schmutz suche man vergeblich.
Die Löhne betragen im Schnitt 600 bis 900 Euro.
Aber: „Wussten Sie, dass der Arbeitstag im Iran nur sechs Stunden dauert, die Woche nur 30 Arbeitsstunden hat?"
„Die Einkommen und der Lebensstandard sind zumindest in Teheran höher als in den ost- und südeuropäischen Peripherieländern der Europäischen Union." Soviel zur Armut-Frage im Iran.
Man muss hier bei uns nicht unbedingt Muslim oder religiös sein, dafür spricht das Vorhandensein von vielen Kirchen in Teheran und anderswo im Iran. Wir hoffen, Ihnen damit wenigstens einige Fragen beantwortet zu haben.
Alles Gute wünscht Ihnen das Team der deutschen Redaktion

Tino Bossack schickte uns eine E-Mail mit folgendem Inhalt:
Liebe, verehrte Iraner, Liebe Mitarbeiter!
Euer Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden findet meine tiefste Unterstützung! Die zionistische Propaganda, die gegen Euer Land verbreitet wird, ist haltlos, falsch und verwerflich. Ihr könnt sicher sein, dass viele Deutsche meiner Meinung sind – und täglich werden es mehr.
Herr Bossack schreibt dann, irgendwann komme ich Euch besuchen und wir werden über das Böse reden und das Gute tun. Wenn wir den Menschenfeind erkannt haben, kann er uns nicht mehr schaden! Und wenn alle Menschen das Übel erkennen, ist es am Ende!
Tino
Lieber Tino, wir sind sicher, dass viele Deutsche über derartige Propaganda-Lügen relativ bis gut informiert sind. Die Beziehungen, insbesondere zwischen den beiden Völkern Deutschlands und Irans, waren schon immer gut, und dabei wird auch bleiben. Das ist gar keine Frage. Kommen Sie doch hierher, es wird Ihnen nicht schlecht gehen.
Ihnen auch alles Gute

Heinz Eckel schickte uns die folgende E-Mail:
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit einiger Zeit höre ich relativ regelmäßig Ihre Abendsendungen. Den Anfang machte die Tatsache, dass die hiesigen Medien leider nur sehr einseitig über den Syrien-Konflikt berichten, nämlich zugunsten der sogenannten Rebellen. Da ist es dann besonders wichtig, etwas über die wirklichen Hintergründe dieses Krieges zu erfahren: Die Einmischung der westlichen Länder sowie der Türkei, Saudi-Arabien und Katars, die den gewalttätigen Sturz der Assad-Regierung betreiben. Auch Ihre Analysen und Interviews sind in diesem Zusammenhang eine gute Hilfe; ich habe sie verschiedentlich auch schon an andere Aktivistinnen und Aktivisten aus der Friedensbewegung sowie einzelne Redaktionen verschiedener Medien weitergeleitet. Herr Eckel schreibt dann weiter: Ich glaube, dass alle friedliebenden Menschen auf der ganzen Welt gemeinsam gegen die Kriegsstrategie von USA, Nato und ihre Verbündeten vorgehen müssen, denn außer um Syrien geht es dabei ja noch um sehr viel weiterreichende Ziele. Die "Regime-Change"-Ansichten der genannten Länder richten sich ja als Nächstes gegen den Iran und langfristig auch gegen Russland und China. Das könnte zu einem neuen Krieg führen, von der unmittelbaren Gefahr für die betroffenen Länder einmal ganz abgesehen.
Ich möchte Sie daher ermutigen, mit ihren kritischen und hilfreichen Informationen und Analysen weiterzumachen. Menschen aller Konfessionen, Nationalitäten und Ethnien sollten gemeinsam für eine friedlichere Welt kämpfen, gleich an welcher Stelle sie leben und arbeiten.
Mit freundlichen Grüßen
Heinz Eckel aus Berlin.
Lieber Herr Eckel,
Sie haben schon alles gesagt, was dazu gesagt werden soll. Dem ist also nichts hinzuzufügen.
Vielen Dank und alles Gute
Redaktion des deutschsprachigen Programms bei IRIB

In diesem Zusammenhang haben wir auch eine E-Mail von unserem treuen Hörerfreund Peter Blättler aus dem schweizerischen Blünwin erhalten.
Er schreibt:
Sehr geehrtes Team von IRIB
Im verlinkten Artikel, den ich Ihnen zur Information sende, sind die beiden letzten Sätze die wichtigsten: Bei der Zerschlagung Syriens geht es darum, danach den Iran anzugreifen. Amerika mit seinen westlichen Verbündeten haben sich durch verdeckte Operationen bereits in den Krieg gegen Syrien eingemischt. Diese werden wohl chemische Waffen in Syrien einsetzen. Ich schäme mich, was der Westen im Nahen Osten zurzeit anrichtet und weiter anrichten wird.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Blättler
Lieber Herr Blättler,
die westliche Politik ist uns schon lange bekannt. Uns wundert das Verhalten einiger arabischen Herrscher in diesem Zusammenhang. Wie etwa Saudi-Arabien oder Katar. Diese denken plötzlich demokratisch. Diese Herrscher gehören 100-prozentig zu den korrupten Herrschern weltweit. Aber, na ja, das ist offenbar von keiner Bedeutung, wichtig ist, dass sie amerikahörig sind.

Unser verehrter Herr Wilfried Hoffmann hat offenbar Probleme, uns seine Briefe zu faxen und fragt, ob die Fax-Nummer 0098-21-22051635 noch relevant ist. Die Nummer ist weiterhin relevant. Es ist durchaus möglich, dass das Fax-Gerät zu der Zeit; wo Sie faxen wollten, Probleme hatte. Jedenfalls können Sie Ihre Briefe weiter über die alte Fax-Nummer an uns schicke. Hoffentlich wird es klappen.
Alles Gute
Zum Schluss möchten wir uns bei unseren Hörerfreunden bedanken, die uns in den letzten Tagen Empfangsberichte geschickt haben, das sind
Dieter Buchholz, Christoph Preutenbobeck, Helmut Dieterle, Günter Jacob, Marco Hommel und Paul Gager.
Nun ist es Zeit, uns von Ihnen zu verabschieden.

Eine schöne Zeit wünscht Ihnen das Team der deutschen Redaktion von IRIB
Alles Gute bis zum nächsten Sonntag

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