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Sonntag, 04 März 2007 00:00

4. März 2007

Bismillah-ir-rahman-ir-rahim


Bei dauerndem Schneefall, dicht mit Wolken verhangenem Himmel und Temperaturen um den Gefrierpunkt draußen sitzen "Wir" wieder an der Arbeit und blättern in der Post "unserer Hörer". Vorüber ist der Spuk vom Vorfrühling in den Hecken, vorbei das vorlaute Vogelzwitschern im Garten und im Park. Wieder ist der Winter der Herr im Revier, und daran kann auch das Datum auf den diversen Kalendern von Helmut Lesser oder von Bernhard Westhölter oder von Martina Pohl nichts ändern. Es ist zwar März geworden, aber die Rößlein bleiben doch lieber noch etwas im Stall...

Viele Poststücke liegen auf meinem Tisch. Es sind rund einhundert an der Zahl. Fast drei Tage habe ich gebraucht, nur um sie zu öffnen und zu lesen, und heute wollen wir mit Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, darüber sprechen. Dabei ist es vielleicht am besten, zuerst einmal im Überblick durchzugehen, von wem die einzelnen Briefe geschrieben worden sind. Und zugleich sei an dieser Stelle den drei Kollegen im Berliner IRIB-Büro, wo alle diese Briefe bis zum heutigen Termin sorgsam verwahrt wurden, für die geflissentliche Weiterleitung nach Teheran gedankt. Es hat zwar dieses Mal ein bißchen länger gedauert, bis alles herüberkam und auf meinem Schreibtisch landete. Aber dafür brauchen auch keine Vermißtmeldungen gemacht oder Demolierungen, Flecken und Eselsohren beklagt zu werden. Und vor allen Dingen sind auch die wertvollen Beiträge von Frau Marzena Opalinska, Herrn Ralf Ladusch, Herrn Reinhold Mardorf, Herrn Markus Kretz, Herrn Andreas Mieth und Herrn Gerd Wedemeyer zum Aufsatzwettbewerb über den Propheten "Mohammad, den Verkünder von Frieden, Freundschaft und Brüderlichkeit" eingetroffen, auf die die Schreiber eine enorme Mühe verwendet haben. Die Anzahl der Teilnehmer an unserer Ausschreibung beläuft sich somit bis dato auf 16 Personen: Zwei davon haben ihren Beitrag in die Form eines Gedichtes gefaßt, einer in die Form eines Dialogs, einer in die Form einer Legende, und einer in die Form einer wissenschaftlichen Dissertation im Umfang von 17 Seiten. Die übrigen Teilnehmer wählten die Aufsatzform und setzten sich schriftlich nach bestem Vermögen mit der Theamtik auseinander. Ohne Zweifel hat sich ein jeder viel Mühe gegeben, hat jeder sein Bestes gegeben, und allein diese Tatsache ist des Dankes, des Lobes und der Anerkennung von seiten der Rundfunkanstalt wert. Wir sind gespannt, wie sich das später konkret ausdrücken wird, und halten allen Teilnehmern die Daumen für eine faire Preisverteilung, sobald die Stationen im Einzelnen durchlaufen sind, sprich: die Lektüre, die Einschätzung und Bewertung durch die Jury erfolgt ist. Dazu ist von jedem Beitrag noch eine erforderliche Fassung in Persisch vorzulegen, die von den Kollegen in der deutschsprachigen Redaktion angefertigt werden muß. All das ist viel Arbeit - das brauche ich Ihnen nicht zu sagen - und deshalb dauert die ganze Prozedur wohl auch einige Zeit. Aber "in der Eile liegen Fehler", und im Iran sagt man daher gern: "Lieber später als nie".

So. Nun aber, wie versprochen, einen Überblick über die eingetroffenen Hörerbriefe aus beziehungsweise über Berlin.


Aus Schneeberg im Erzgebirge kam ein ganzer Stoß großer Umschläge, darunter auch einer mit einer Tonmitschnittkassette für die Techniker vom Dienst. Der Absender: Christoph Schmitt. Eine weiter Tonkassette kam von einem Hörer mit leider unleserlichen Angaben zu Name und Adresse aus Italien. Aus Österreich haben wir zweimal Post von Paul Gager in Deutschkreutz erhalten, einmal von Patrick Robic in Leibnitz und siebenmal von Günter Kastner in Salzburg. Max Wahl und Helmut Dieterle schickten jeweils einen großen Umschlag, und vom Verlag "UN" in Oberhausen sowie von Dieter Schütt, dem Herausgeber der Hamburger Publikation "Der Funke", liegen jeweils zwei Büchersendungen vor.

Drei große Kouverts mit sehr diversem Inhalt hat Helmut Lesser bei der Post in Gebesee aufgegeben, und ein großes Kouvert mit einer CD über Friedrich Rückert wurde von Michael Lindner aus Triptis geschickt. Zwei weitere ebenso große Kouverts tragen die Absender Manfred Soukup, Berlin, und Reiner Peuthert, Stendal. Aus Haßfurt in Franken kam ein dickes Buch: Es handelt sich um "Steinbachs Naturführer Alpenblumen", ein ganz ausgefallenes Taschenbuch zur wissenschaftlichen Bestimmung von Hochgebirgsblumen - ein wertvolles und seltenes Geschenk von unseren Freunden Andreas und Gerhard Marschall.


Weiter geht es mit der Species der Viel- bezw. Oftschreiber. Als Vielschreiber bezeichne ich zum Beispiel den Seeheimer Bernd Bickelhaupt, der drei Doppelbriefe mit Empfangsberichten und enggeschriebenen Textseiten zum Hörerbriefkasten beigesteuert hat; oder Werner Schubert, den arbeitslosen Buchbinder aus Grafing, der uns mit einer Postkarte und zwei Briefen nicht nur vom Empfang, sondern auch über die Höhen und Tiefen seines Lebensalltags in Kenntnis gesetzt hat, und der stets ein freundliches Wort für "Uns und unsere Hörer" hat. Von Gerd Wedemeyer in Wiesbaden sind drei dicke Briefe eingetroffen, von Herrn Westhölter in Wermsdorf gleich fünf, und den Vogel abgeschossen hat Heinz-Günter Hessenbruch in Remscheid mit sieben Briefen, einer Weihnachtkarte und Briefmarken sowie zwei Zeitungsausschnitten und 61 Empfangsberichten von Ende November bis Ende Januar. Jeweils zwei Briefe liegen von Dirk Pranke in Filderstadt, Jürgen Zerm in Hornbach und Markus Kretz in Merzig vor, und Andreas Mieth in Berlin wanderte ebenfalls zweimal zur Post, einmal mit einer Weihnachtskarte und einmal mit einem Brief.


Nach dem großen Stoß mit besonders umfangreichen Zusendungen an IRIB kommen wir nun zu dem noch größeren Stoß mit traditionellen Empfangsrapportzuschriften von alten Stammhörern und neuen oder aber frisch aktiv gewordenen Hörern, die sich nach einiger Zeit des Schweigens wieder einmal zu Wort gemeldet haben. Es sind sehr viele. Aber das soll mich nicht davon abhalten, sie namentlich zu nennen und auf diese Weise der allgemeinen Ungewißheit über die Ankunft ihrer DX-Post ein Ende zu setzen:

Joachim & Heike Schubert, Stammhörer unseres Programms seit 1974 in München

Oskar Schmitt, ADDX-Mitglied in Hamburg

Bernd Riga, ein alter Hörer in Saarbrücken

Eike Möckel, seit altersher in Magdeburg auf Sendung

Andreas Klein, mit seinem neuen Weltempfänger jetzt auch ein neuer IRIB-Fan in Leipzig

Tobias Fuchs in München

Reinhol Mardorf in Essen

Ralf Ladusch in Berlin

Frank Unglaube, unser Hamburger Freund mit seiner Bilderbuchschrift

Karsten Hoch, ein bekanntes Gesicht aus Dortmund, das nach einer dreijährigen Schreibpause zugunsten der Weiterbildung an Schule und Universität heute endlich wieder einmal unter den Anwesenden ist

Matthias Arndt, seit Jahren IRIB-Hörer in Tabarz

Manfred Schäfer in Limbach-Balsbach

Dieter Buchholz in Oschersleben

Dieter Eisenhauer in Fränkisch-Crumbach

und Heinz-Jürgen Wolf in irgendeinem Verwaltungsbüro der Weltstadt München.


Aus Lichtenstein hat Andreas Thriemer, und aus Limbach-Oberfrohna Heinz Przybylla geschrieben, in Hohenstein-Ernstthal tat dies ihr Landsmann Thomas Morgner. Dieter Ringhausen heißt ein weiterer Absender; er wohnt in Niederkassel, und aus Neugersdorf kam ein Brief von Franz Künzel. Es gibt auch noch Weihnachts- und Neujahrskarten, und zwar von Werner Schubert in Grafing, Torsten Schackert in Köthen, Günter Kastner in Salzburg, Karl Schneider in Etschberg, Heinz-Günter Hessenbruch in Remscheid sowie von den beiden Andreassen Mieth&Mücklich in Berlin.

Besonders angetan hat es uns jedoch die Karte, die Werner Spinnehörn in Frankfurt mit in den Umschlag gesteckt hat: Es ist eine Karte aus dem Bildkartenbuch "Vincent van Gogh - Bilder der Provence" mit der Abbildung des Gemäldes "Weg im Park von Arles" aus dem Jahr 1888.

So, meine geduldigen Zuhörer, nun hole ich erst einmal etwas Luft. Einen Brief habe ich aufgehoben, weil er etwas ganz Besonderes ist, und ich gebe Ihnen dazu, bevor die nächste Zwischenmusik beginnt, nur diesen einen Hinweis: Was sagt Ihnen der QTH Hildesheim? Erinnern Sie sich noch? Denken Sie doch einmal scharf nach...


Und jetzt erzähle ich Ihnen die Geschichte von Engelbert Borkner, Ihrem Kollegen in Hildesheim ... wie es vor Jahren zu seinem urplötzlichen Abtauchen kam, wie wir später nach ihm Ausschau hielten und nach ihm suchten und uns mit dem Gedanken nicht abfinden konnten, ihn für immer aufzugeben ... und wie er dann unversehens plötzlich wieder da war, sie ein heimgekehrter Odysseus aus einem tosenden Orkan.

"Jede Begegnung, die unsere Seele berührt, hinterläßt eine Spur, die nie ganz verweht."

Mit diesem Sinnspruch von Lore-Lillian Boden hatten "Wir und unsere Hörer" uns am Heiligabend zum letzten Mal nach unserem verschollenen Hörer in Hildesheim umgetan. Ja, tatsächlich - noch immer vermißten wir ihn und seine stets interessanten Briefe im Hörerkasten, noch immer kreisten unsere Gedanken um ihn, den gebürtigen Danziger mit seiner unsteten Seele, die ihn und seine Frau Ursula immer und immer wieder in die Ferne zog. Auch nach fünf Jahren bestand für alle die Frage: "Was wohl aus ihm geworden sein mag?" - "Vielleicht hat er sich doch von seiner schweren Operation am Hals nicht mehr erholt?" - Leider kam nie mehr ein Lebenszeichen. Auch eine Antwort auf die sporadischen Briefe und die Weihnachtsgrüße jedes Jahr blieb aus. Allmählich brannte der Docht unsere Hoffnung herunter.

Nur jeden Spätsommer, wenn die Heidelbeeren reif wurden, schob sich der Name Engelbert Borkner wieder vor, und dann konnte ich ihn in meiner Phantasie bei seinem Freund in Grethem in der Lüneburger Heide Blaubeeren pflücken sehen, wie früher vor Jahr und Tag.

Deshalb traf uns in der vergangenen Woche, als wir uns die neuen Hörerbriefe vorknöpften und uns ein Kouvert nach dem anderen vornahmen, fast der Schlag. Mein Blick fiel auf den altbekannten Absender in Hildesheim! "Das ist doch nicht die Möglichkeit!" fuhr es mir durch den Kopf. Aber sie war es! Es war dieselbe Anschrift, derselbe Name: es war Post von Engelbert Borkner.

Ich konnte und kann es auch jetzt noch nicht fassen. Egal, was los gewesen ist, egal, was ihn zu diesem tödlichen Schweigen veranlaßt haben mochte, heute hat er es endlich gebrochen, und nun erzählt er "uns und unseren Hören", wie es ihm ergangen ist in der langen Zeit.


"Hildesheim, am 19.Januar 2007.

Liebe Frau Zangeneh, liebe deutschsprachige Redaktion!

Heute, nach rund fünf Jahren, wieder ein Lebenszeichen von mir. Wie ich aus meine Unterlagen ersehen kann, hatte ich den letzten Kontakt mit IRIB bzw. mit Ihnen im April 2002. Seitdem ist so einiges passiert. Ich habe damals generell mit dem Kurzwellenempfang Schluß gemacht, weil ich eine Auszeit nehmen wollte. Wie Sie vielleicht noch wissen, sind wir sehr viel gereist, und das konnte ich dann nicht mehr mit meinem Hobby vereinbaren. Es blieb zu viel liegen, und in den kurzen Zeiträumen, die wir zuhause waren, gab es wichtigere Sachen zu tun.

Unsere Reisen gingen bis Ende 2005. Auch für das Jahr 2006 hatten wir schon wieder gebucht. So unter anderem nach Island mit dem Schiff mit anschließender Inselrundfahrt mit dem Auto. Auch eine Reise in die Ukraine bis zur Krim war festgemacht. Und so einige andere Trümpfe hatte ich noch im Ärmel. Anfang 2006 kam dann der große Hammer. Zu Beginn eines Jahres lasse ich mich immer von meinem Hausarzt auf Herz und Nieren untersuchen. Alle Ergebnisse waren hervorrragend ... bis auf die Stuhlprobe. Jetzt begann ein unbeschreiblicher Hürdenlauf von Arzt zu Arzt. Es fing mit der Darmspiegelung an, wo dann auch Krebs im Enddarm festgestellt wurde. Eigentlich wird sofort operiert; aber in meinem Fall sollte der Krebs erst durch Bestrahlungen verkleinert werden. Der Beginn der Behandlung wurde auf Ende April gelegt. Parallel lief dann noch eine Chemotherapie. Die Bestrahlung dauerte sechs Wochen, die Chemo vier. Dann mußte eine Pause eingelegt werden, damit sich der Darm wieder regenerierte.

Der OP-Termin wurde auf den 6. Juli festgelegt. Die Operation dauerte viereinhalb Stunden. Alles verlief bestens. Um noch das letzte Risiko auszuschließen, bekam ich nochmals von Anfang August bis Mitte November eine Chemotherapie.Dies war die wahrste Hölle. Erst im Dezember hatte ich mich davon erholt.

Um mal andere Tapeten zu sehen, sind wir über den Jahreswechsel für acht Tage in die Lüneburger Heide gefahren. Am 6.Januar bemerkte ich eine Schwellung meines linken Beins, und am folgenden Tag kehrten wir schleunigst zurück und es ging gleich in die Notfallpraxis eines unserer hiesigen Krankenhäuser. Die behielten mich gleich da, denn ich hatte eine Oberschenkelthrombose. So durfte ich dort 11 Tage bleiben.

In der Heide hatte ich meinen KW-Empfänger mitgenommen und habe auch einige Ihrer Sendungen aufgezeichnet. Leider erfolgt die Zusendung der Berichte verspätet. Ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr wieder auf der Kurzwelle aktiv zu sein, aber nicht mehr so wie in früheren Jahren. Dazu bin ich von einem auch Ihnen bekannten Hörer ermuntert worden. Es ist Werner Schubert aus Grafing, mit dem ich übrigens schon seit Jahren in Kontakt stehe.

Somit wäre alles Wichtige geschrieben, und ich hoffe, dieses Jahr ohne weitere große Blessuren zu überstehen und verbleibe mit herzlichen Grüßen aus Norddeutschland, Tschüs Ihr Engelbert Borkner."


Für Engelbert in Hildesheim und IRIB in Teheran hat hiermit eine neue Phase der Freundschaft begonnen. Engelbert hat sie eröffnet mit drei Empfangsberichten und einem zweiten Brief, und wenn uns und unserem Hörer das Kismet dieses Mal wohlgesonnen ist, wird sie Bestand haben, so wie es sich für eine echte, belastungsfähige Sender-Hörer-Freundschaft gehört. Sie wird Bestand haben wie die Freundschaft mit Werner Schubert, der den verschollenen Hörerfreund aufgelesen und seinem Sender in Teheran zurückgebracht hat. Wie die Freundschaft mit allenHörern, deren Namen wir heute vorgelesen haben, und die doch in ihrer Vielzahl nur ein kleiner Teil der großen IRIB-Hörerfamilie sind. So lange es den Radio-Teheran-Hörerkasten gibt, wird sie bestehen, und "Wir und unsere Hörer" werden sie zu schätzen wissen, genauso wie es bisher immer gewesen ist. Da sind wir uns doch einig, oder? Ade!

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