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Sonntag, 04 Februar 2007 00:00

04. Februar 2007

Bismillah-ir-rahman-ir-rahim

Eigentlich war es Herrn X in Hintertupfenbach zuerst gar nicht so nach Radiohören. Obwohl an seinem guten alten Empfänger nichts auszusetzen war und auch das Kurzwellenteil noch tadellos funktionierte. Aber irgendwie konnte er den Bezug dazu nicht finden und stellte sich die Sache einfach entsetzlich langweilig vor. „Nein wirklich! Wie kann man sich nur für diese Kurzwellenhörerei interessieren! Für diese Dxen, wie er das genannt hat!“ brummte er, und dabei ging ihm noch einmal das Gespräch mit dem Nachbarn von heute früh durch den Kopf. „Vielleicht geht mir da irgendetwas ab! Aber für so etwas könnte ich mich nie begeistern.“- Herr X in Hintertupfenbach räumte das Werkzeug in den Kasten und wischte sich mit einem Lappen das Schmierfett von den Fingern. Dann sperrte er probeweise noch einmal das frisch geölte Schloß am Gartentor auf. Jetzt sprang es zu seiner Befriedigung lautlos auf, und beim Zuziehen schnappte es genauso geräuschlos ein. Herr X wollte gerade ins Haus zurückgehen, da vernahm er hinter sich auf der Straße erneut den Schritt seines Nachbarn. Es war schon fast dunkel, doch ohne große Anstrengung sah er es gleich: sein scharfes Ohr hatte sich nicht getäuscht. Das war alles. Das war der Anfang vom Lied. Ob es die Begeisterung des Freundes war, die auf ihn übersprang, oder die klare Februarnacht und der wolkenlose Himmel, an dem bald der Vollmond aufgehen sollte ... das Gespräch am Gartentörchen zog sic hin. Wenig später saß man zusammen in der warmen Stube, und als das Zeitzeichen aus Teheran aus dem Lautsprecher erklang, kauerten beide mucksmäuschenstill vor dem alten Rundfunkgerät und horchten. Schon beim ersten Hörerpostprogramm stellte Herr X erleichtert fest, daß die Leidenschaft, internationale Rundfunksendungen zu hören, sehr weit verbreitet und im Prinzip gar nichts Extravagantes ist. Außerdem wurde ihm klar, daß kurzwellenhörende Menschen harmlose Leute sind und sich nur aufgrund eines besonderen Wissensdurstes aufs weltweite Hören verlegt haben: aus Interesse an der Politik, dem Land, den Leuten, ihrer Kultur, Religion, Musik, Kunst oder Geschichte. Vorerst hörte er sich nur so quer durch das Programmangebot durch und übte sich primär technisch. Aber allmählich ergab es sich, daß er sich auf das Schwätzchen mit dem Herrn Nachbarn am Gartentor freute. Das gemeinsame Hobby hatte sie einander merklich näher gebracht. Als er irgendwann merkte, daß er anfing, sich mit dem einen oder anderen Hörerbriefschreiber zu identifizieren, spürte er, was die Hörerfamilie von IRIB für ein Segen ist und wie wohl es tut, dazu zu gehören. „Gute Freunde, gemeinsame Stunden und alte Lieder bleiben für immer“, hatte er einen Hörerkollegen einmal über den Äther sagen hören. Inzwischen weiß er längst, daß es Frank Bresonik aus Gladbeck war, und daß für diesen „gute Freunde“ die Radiomacher in Teheran, und die unvergänglichen „gemeinsamen Stunden“ die Stunden mit Radio IRIB sind. „Wenn du da bist, träume ich mit dir. Wenn du weg bist, träume ich von dir. So gibt es keine Zeit ohne dich“, sagt dieselbe Stimme heute wieder; aber Herr X weiß nicht mehr, ob es dieses Mal seine eigene ist oder immer noch die von Frank. Schluß mit der Träumerei! Jetzt ist die Reihe an Axel, genauer gesagt: an Axel P. Wagner in Lüdinghausen, welches nicht weit von Hintertupfenbach auf jeder besseren Landkarte leicht zu finden ist. Um Axel Wagner näher kennenzulernen, hören wir nun gemeinsam, was er geschrieben hat. Sein dreiseitiger Brief trägt das Datum: 9. Januar. „Sehr geehrte Damen und Herren der deutschsprachigen Redaktion! Mit Freude, Erstaunen und Dankbarkeit habe ich heute Ihre Segenswünsche zum Weihnachtsfest und zum neuen Jahr 2007 erhalten. So wohlgemeinte und gehaltvolle Grüße aus der Ferne bekommt man ja nicht alle Tage zugesandt! Im vergangenen Jahr habe ich mit großem Interesse sowohl Ihren deutschsprachigen Sendungen auf der Kurzwelle gelauscht als auch Ihre sehr informativen deutschen IRIB-Weltnetzseiten häufiger besucht. Es ist mir inzwischen zur Gewohnheit geworden, auch immer kurz zu hören und zu sehen, welche Meldungen und Kommentare aus Teheran kommen. Freunde und Bekannte staunen dann manchmal, woher ich denn so meine Informationen bekomme.“ Staunen würden nun aber auch Sie, meine Damen und Herren, wenn Sie die Anlagen zu Axel Wagners Schreiben sehen könnten. Lassen wir ihn selbst erklären, was er uns da geschickt hat: „Meine angenehme Überraschung war umso größer, als ich beiliegend in Ihrer Post auch die Einladung zur Teilnahme am ‚Wettbewerb anläßlich des Jahres des erhabenen Propheten Mohammad (Friede sei mit ihm)’ fand. Gerne nehme ich Ihre freundliche Einladung an und beteilige mich mit einem kleinen Beitrag an Ihrer Ausschreibung. Ich hoffe nur, daß ich Ihnen durch die von mir verwendete ‚Frakturschrift’, die bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts hier in Deutschland noch allgemein üblich war, keine unnötigen Schwierigkeiten bereite. Wie Sie im Iran in Farsi ja auch über Ihre eigene Schrift verfügen, so gibt es hier in Deutschland auch eine eigene ‚Deutsche Schrift’. Leider gerät sie immer mehr in Vergessenheit, und nur wenige Deutsche kennen sie noch oder gehen bestenfalls noch kalligraphisch damit um. Ich füge also eine zusätzliche Kopie meines Beitrages in ‚Deutscher Schrift’ bei, damit Sie einmal einen kleine Eindruck gekommen, wie früher in Deutschland geschrieben wurde. Mit herzlichem Dank für Ihre verdienstvolle Arbei und den besten Wünschen, Axel P. Wagner, Lüdinghausen.“ Wenn sich jemand aus dem IRIB-Hörerkreis mit der Liebe Axel Wagners zur Schönschreibkunst identifizieren und sie nachempfinden kann, so sind dies bestimmt Bernd Bickelhaupt an der Bergstraße und Helmut Dieterle im Württembergischen Allgäu. Auch meiner Wenigkeit sind beide Schrifttypen geläufig, obwohl ich erst zur Zeit der lateinischen Normschrift die Schulbank gedrückt habe. Wie würde es mir auch sonst als Bearbeiterin der Hörerpost ergehen, der Briefe und Schriftzüge in allen nur denkbaren Buchstabentypen durch die Hände gehen...- Der Beitrag von Axel aus Lüdinghausen hat jedenfalls eines mit Sicherheit bewirkt: Sein Gedicht über „Frieden, Freundschaft und Brüderlichkeit“ wird uns schon vom Schriftbild her stets in Erinnerung bleiben. Wie es später bei der Auswertung abschneiden wird, das bleibt naürlich abzuwarten. Übrigens hat die Post in der Zwischenzeit zwei weitere Beiträge zu unserem Aufsatz- und Gedichtwettbewerb bebracht. Einen hat Martin Brosche in Schwäbisch Gmünd zu Papier gebracht, und einen Gisela Herrmann in Saarbrücken. Ja, mit einer so regen Beteiligung hätte hier gar keiner zu rechnen gewagt, aber man erlebt eben immer wieder seine Überraschungen! Der Schwäbisch Gmünder Teilnehmer am Wettbewerb war sich am 17. Dezember seiner Begabung im Aufsatzschreiben noch nicht sicher und überlegte: „Na, einen Aufsatzwettbewerb zu Mohammad haben Sie auch. Aber was soll ich schreiben? Helmut Matt wird dies bestimmt meistern, denn er gewann mit Aufsätzen auch in der Türkei schon einmal den ersten Preis, eine Reise.“ – Aber dieses Mal ist es etwas anderes. Der erste Preis ist keine Reise, es gibt überhaupt keinen „ersten Preis“, den da einer wegschnappen könnte oder so. Dafür gelten die Sonderpreise den drei besten Beiträgen, und auch alle andere Beiträge werden mit Geschenkpreisen dotiert, die sicher Freude machen. Nun aber noch ein Wörtchen zu der Einsenderin aus Saarbrücken, über die im Hörerkreis noch wenig bekannt ist. Mit ihrem schönen Aufsatz über den Propheten des Islam und dem beigefügten Brief gibt sie sich heute „Uns und unseren Hörern“ zum ersten Mal ein wenig näher zu erkennen: Gisela Herrmann. „Saarbrücken, am 4. Januar. Liebes Radio-Team von IRIB! Die Freude war wieder auf meiner Seite, als ich Ihre liebe Post erhalten habe. Recht vielen Dank dafür. Ich freue mich immer, wenn ich Post aus dem fernen Iran erhalte. Da habe ich nun somit einen Aufsatz über den Mohammad, den Gesandten Gottes, geschrieben. Ich hoffe, er kommt noch pünktlich bei Euch an. Nun möchte ich Euch verraten, daß ich schon seit Anfang der 90er Jahre Gefallen am Islam hatte. Der edanke daran erfüllte mich mit dem gleichen Gefühl, das man beim Betreten einer wunderbaren grünen Wiese mit verschiedenen bunten Blumen hat. Aber da ich aus Ostdeutschland komme – ursprünglich, denn ich bin keine echt Saarländerin, auch wenn ich schon sieben Jahre hier bin – kannte ich zu jener Zeit keinen einzigen, der im Islam war oder darüber sprach. Es war so, als ob es in Ostdeutschland nur Atheisten und Christen gab. Aber das ist ja nun alles schon Vergangenheit. Nun muß man sich neu finden und besinnen, wie man sein Leben weiter führen möchte. Diese Frage muß sich jeder selbst stellen, genauso wie wenn er vor einem Wegweiser steht und nicht weiß: links? oder rechts? oder gleich geradeaus? Es kommt immer auf das Ziel an. So, liebes Team, in diesem Sinn möchte ich schließen. Es grüßt Sie herzlichst Gisela Herrmann.“ „Nun muß man sich neu finden und besinnen, wie man sein Leben weiter führen möchte. Links? oder rechts? oder gleich geradeaus? Es kommt immer auf das Ziel an.“ Diese Lebensweisheit vermochte Giselas Leben eine neue Richtung zu geben. „Dem Hörerbriefkasten höre ich gern zu. Es ist immer wieder interessant, die Meinungen von anderen Hörern der ‚Stimme der Islamischen Republik Iran’ zu hören oder auch nur der zwanglosen Plauderei zu lauschen,“ schreibt Ralf Urbanczyk aus Eisleben und ist davon überzeugt, daß „Wir und unsere Hörer“ viel zu dem guten Verhältnis der Hörer zur Rundfunkstation beiträgt. Natürlich hat Ralf mit eigenen Anmerkungen zum gehörten Programm schon häufig sein Schärflein zur Gestaltung des Hörerbriefkastens beigetragen und weiß, wovon er spricht. Am 2. Januar brachte er nach dem Ende des Morgenprogramms mit einer neuen Folge aus der Reihe „In Richtung Licht“ sein Einverständnis mit den Aussagen der besprochenen Koranverse zum Ausdruck und schrieb: „Interessant waren die Ausführungen zur islamischen Gerichtsbarkeit (im Zusammenhang mit den beschriebenen Straßen für Frauen bzw. Männer, die Unzucht begehen) im Rahmen der Sendereihe ‚In Richtung Licht’. Wenn ich das richtig sehe, machen die moralischen Regeln des Korans das zum Gesetz, was eigentlich in jeder Gesellschaft gelten sollte und auch in nicht-islamischen Gesellschaften von den meisten Menschen vertreten wird.“ Mit Interesse wird von Ralf Urbanczyk weiter die Sendereihe „Helle Zukunftsperspektiven“ verfolgt. Dem Gespräch mit dem Kulturexperten über die Wirkungen der Gewaltszenen in vielen amerikanischen Kinofilmen konnte er bei gutem Empfang auf 15085 kHz ungestört zuhören. „In der Tat“, pflichtet er dem Sprecher bei, „in den amerikanischen Filmstudios werden viel zu viele Filme gedreht, die Gewalt verherrlichen.“ Auch das Interview mit Peter Philip über die Reise von EU-Ratspräsidentin Angela Merkel in die USA sowie der politische Beitrag über die UNO-Resolution 1737, alles aktuelle Sendungen, die IRIB im Januar über den Äther geschickt hat, konnten Ralfs Interesse finden. Zu der UNO-Resolution gegen die Islamische Republik Iran äußerte sich der Eislebener voller Empörung. Seiner Ansicht nach hat der Weltsicherheitsrat der UNO mit diesem Beschluß nur Schaden zugefügt. „Der Sicherheitsrat sollte seine Anstrengungen auf die Länder richten, die den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet haben und trotzdem Atomprogramme unterhalten. Viel mehr Aufmerksamkeit sollten auch die Länder verdienen, die Atomprogramme unterhalten und keine Inspektoren der IAEA ins Land lassen, die Länder, deren Vertreter in ihren Äußerungen den Einsatz von Kernwaffen in Betracht ziehen, oder die Länder, die schon einmal Kernwaffen eingesetzt haben.“ Eine schlüssige Betrachtung zur Hinrichtung des ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein lieferte Dr. Udo Steinbach am 4.Januar im Interview mit dem IRIB-Redakteur des deutschen Auslandsprogramms. Auch zu diesem Programmpunkt gab es einen Kommentar aus Eisleben: „Die Schuldfrage war hier von vornherein klar. Das im nachhinein noch aufgetauchte Video mit Ton von der Hinrichtung zeigte allerdings, daß gegenwärtig niemand im Irak ein faires Verfahren erhalten wird. Das war wohl auch eine kleine Probe von der Behandlung der Gefangenen in den amerikanischen Lagern im Irak, in Afghanistan, auf Guantanamo und sonst wo. Überall dort gibt es für die Gefangenen ständig Demütigungen, aber Gerichtsverfahren gibt es keine. Daß sich daran auch nichts ändern wird, zeigen die Reaktionen: Es wird der Schuldige gesucht, der dieses Video nach draußen gebracht hat, und nicht etwa das Fehlverhalten der Henker geahndet. Mit den besten Grüßen aus Eisleben, Ihr Hörer Ralf Urbanczyk.“ Die Zeit ist fortgeschritten. Bevor wir gleich die Tafel aufheben, muß ich Ihnen aber noch schnell den „Hammer der Jahres“ erzählen. Diesen Titel trägt die neueste E-Mail aus Kamen, und man muß sie gelesen haben – als Ansprechpartnerin, als Hörerkollege, als Mitmensch mit dem Herzen auf dem rechten Fleck –, sonst kann man sich keine Vorstellung von der Gemütsverfassung des Schreibers machen und davon, wie er sich unter den Schlägen der Schicksalsgeißel windet und krümmt. „Liebe Freunde in Teheran, Kamen, am 21.Januar 2007. Das war ja mal wieder ein Super-Hörerpostkasten heute. Mit dem Sprachkurs komme ich leider nicht so gut zurecht. Die Sprache nur zu hören, ist unglaublich schwer. Es müßte dazu einen Text geben, wo man die Worte auch lesen kann. So, nun muß ich Ihnen aber den Hammer der Jahres erzählen. Ich gehe wieder arbeiten! Ich muß fünf Mal die Woche für 6 Stunden bei der Arbeiterwohlfahrt antreten. Ich verdiene dort – und jetzt kommt’s – in sechs Stunden genauso viel wie meine Anja in einer Stunde. Das sind 7 Euro 50. Das heißt, in einer Stunde habe ich sagenhafte 1 Euro 25. Na, was sagen Sie jetzt? Es ist doch eine Frechheit, jemanden, der über 30 Jahre im Berufsleben steht, so abzuspeisen. Aus der schönsten Stadt der Welt grüßt Sie herzlichst Ihr immer gut (oder: immer noch gut) gelaunter Freund Rudi.“ Da stehe ich nun – konsterniert und wie vor den Kopf geschlagen – und finde kein Wort mehr. Nur dieses letzte: Ade.

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