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Sonntag, 28 Januar 2007 00:00

28. Januar 2007

Hörerpostsendung 28.Januar 2007

 Bismillah-ir-rahman-ir-rahim

 Es gibt wohl kaum ein Volk, das nicht stolz wäre auf seine Helden, auf seine Söhne und Töchter, die in ferner oder jüngerer Vergangenheit große Taten vollbrachten und der Menschheit einen Dienst erwiesen, der unbezahlbar ist. Jeder von ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, könnte Beispiele anführen: Florence Nightingale, Albert Schweitzer, Mahatma Gandhi, Malcom X, Che Guevara, Martin Luther King, Ahmad Schah Mas`ud, Mostafa Chamran ... Es sind Menschen wie Du und ich, und doch sind sie anders: sie sind von unbeugsamer Art, willensstarke Naturen mit Vernunft und Verstand, die an ihre Ideale nicht nur glauben, sondern sich für sie auch einsetzen – komme, was da will. Die feste Überzeugung, daß alles machbar ist und gelingen wird, wenn man nur will und die Anfeindungen, Mühen und Opfer dafür nicht scheut, offenbart ihren Charakter. Was sie dazu bewegt, den Weg der Einzelgänger zu beschreiten, ist der Ruf ihres Herzens. Was sie dazu befähigt, ist ihr Glaube an sich selbst. Was sie zum Helden macht, ist die Geschichte, das Zeugnis der späteren Generationen. Seit Menschengedenken bringt die Erde solche großen Geister hervor. Immer wieder und an ganz verschiedenene Orten tauchen sie auf und setzen der Welt ein Zeichen: an den Klippen der irischen Steilküste genauso wie vor den Kliffs Ostafrikas; auf den Inseln in der Karibik genauso wie auf den lateinamerikanischen Hochplateaus; in den Weiten Chinas genauso wie in den engen Schluchten des Hindukusch. Die meisten von ihnen aber sind stets namenlos geblieben. Nur den wenigsten haben Kunst, Literatur und Geschichte ein Denkmal gesetzt. Ihre Gesichter haben sich in der Menge verloren, als sie sich zusammenrotteten, das Banner der Revolution hißten und loszogen, um die Tyrannen das Fürchten zu lehren. Jedes Jahr im Februar, wenn sich die Wintermüdigkeit allmählich bemerkbar macht und die Gemüter der Freudlosigkeit dieser Jahreszeit überdrüssig zu werden beginnen, tauchen mit einem Mal Erinnerungen an den Februar 1979 aus dem Gedächtnis auf. Plötzlich fällt die Starre von den Menschen, und vor ihrem inneren Auge erwacht die Vergangenheit zu neuer Gegnwart. Die Helden der Islamischen Revolution ziehen namenlos und in langen, endlosen Reihen erneut durch die Straßen, und wieder werden sie von den Maschinengewehren der Milizen des Schahregimes dahingemäht wie Korn. Jedes Jahr im Februar erinnert sich die Generation von heute stolz an die Helden von gestern: an die Märtyrer und ihre Ideale und Wertvorstellungen, an ihren Traum von Freiheit, Unabhängigkeit und einer Islamischen Republik, einen Traum, der durch Willenskraft und Opfersinn und die einmütige Befolgung der Weisungen Imam Khomeinis am 11.Februar 1979 Wahrheit wurde. Und dabei spürt sie auch bei Frost und Schnee dankbar die Wärme einer neuen Lebensfreude in die Adern wiederkehren. Das Selbstverständnis als Verfechter des kulturellen und religiösen Kapitals der Nation gegenüber den Machthabern der Zeit hat im Iran sehr alte Wurzeln. Seit undenkbaren Zeiten ist das Vorbild der schiitischen Völker der „Märtyrer von Kerbala“, bei dem es sich um den Enkel von Prophet Mohammad handelt. So versteht es sich von selbst, daß sich auch der islamische Iran an Imam Hussain (a.s.) orientiert. Ausschlaggebend ist dabei seine Heldentat am Tage „Aschura“, dem zehnten Tag des Mondmonats Muharram, durch die er die Religion seiner Väter vor dem Untergang rettete, indem er durch sein Blut bezeugte, daß die Erhaltung von Recht und Wahrheit über alles geht. Die Unbeugsamkeit und Unveräußerlichkeit der Würde ist deshalb bei den Schiiten besonders ausgeprägt; sie ist es, was damals den Herrschern das Leben genauso schwer machte wie heute. Es war Muharram. Man schrieb das Jahr 61 nach der Hidschrah. Die Diskrepanzen zwischen dem mohammad-gläubigen Volk und der herrschenden Elite, die sich schon zu Lebzeiten von Imam Ali und Imam Hassan (a.s.) mehr und mehr vom Vorbild des Propheten losgemacht und einen eigenen Weg eingeschlagen hatte, waren ins Extrem gestiegen. Die Unversöhnlichkeit der Ahl-ul-Bait mit dem Thron in Damaskus hatte bereits vielen Getreuen des Leben gekostet, und Ali, Fatima und Hassan hatte durch Meuchelmord und Intrigen das Märtyrium ereilt. Nun war Hussain (a.s.) die religiöse Instanz im Volk, lehrte den Islam seiner Väter und verwies auf die Mängel und Fehlerhaftigkeiten im Regierungsapparat, wo unter dem Mäntelchen des Islam alles praktiziert wurde, nur nicht der Islam. Yazid war über die Aufmüpfigkeit des Imams in Rage. Sie unterminierte seine Gewaltherrschaft und animierte die Bevölkerung zum Aufstand. So entschied er sich dazu, den Imam zum Treueeid zu zwingen und ihn sich unterwürfig zu machen. Imam Hussain (a.s.) sah, worauf dies hinausgehen sollte, und verließ mit seinen nächsten Angehörigen die Stadt. Auf dem Weg von Mekka nach Kufa lauerte der Karawane aus Medina ein bewaffnetes Söldnerheer auf und versperrte ihr den Weg. Wieder wurde Imam Hussain (a.s.) von dem Befehlshaber bedrängt, den Befehl zu befolgen, seinen Treueschwur zu leisten und sich nicht länger dem Willen des Herrschers in Damaskus zu widersetzen. Doch alles Drängen blieb ohne Erfolg; der Imam führte seine Karawane von der Straße weg und ließ sie in einer Einöde namens Neynawa absatteln. Ein Lager wurde errichtet, und man wartete. Man wartete. Die Sonne brannte aufs Land, und Menschen und Tiere dürstete es. Ein großes Heer hatte entlang des Euphrat Stellung bezogen und den Zugang zum Wasser unter seine Kontrolle gebracht. Boten liefen hin und her, doch die Verhandlungen hatten keinen Zweck. Yazid blieb bei seinem Befehl und Imam Hussain bei seinem Entschluß. „Wehe dem Gottesdiener, der sich vor dem Tyrannen erniedrigt!“ „Wehe dem, der die Schmach der Würdelosigkeit auf sich lädt!“ Am 10. Muharram begann der Kampf. Er dauerte nicht lange, schon am frühen Nachmittag war von der Schar der Gerechten keiner mehr übrig. Besudelt mit dem Blut der Märtyrer überfiel der Feind das Lager der Frauen und Kinder. Er plünderte es und setzte es in Brand. Die Gefangenen erwartete man am Hof in Damaskus. Eine Vorhut trug die Häupter der Gefallenen auf Lanzen wie Kriegstrophäen davon. So ging das Heldenepos von Kerbala (wie seitdem der Ort dieses Massakers heißt) in die Geschichte der Menschen ein. Jahr für Jahr wird im Muharram von den Gläubigen in traditioneller Weise an das Geschehen erinnert, und das ist der Schwur der heutigen Generationen, dem Islam treu zu bleiben, und die Erneuerung des Bündnisses mit Imam Hussain, der die Welt durch das eigene Beispiel lehrte, wie man für seine Überzeugung lebt und stirbt. Die Sendung „Wir und unsere Hörer“ ist eigentlich ein Beitrag, der hauptsächlich durch die Zuschriften, die die Hörer von IRIB bei uns in den Hörerbriefkasten werfen, gespeist wird. Aber aus aktuellem Anlaß war die Ausnahme, die heute einmal gemacht worden ist, nicht zu vermeiden. Sonntag, Montag und Dienstag stehen in dieser Woche ganz im zeichen der Trauerzeremonien für den „Märtyrer von Kerbala“. Die Musik in unserem deutschsprachigen Programm ist ernst, und am Montag und Dienstag werden nur noch Trauermärsche zwischen den Wortbeiträgen zu hören sein. So bin ich Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, eine Erklärung schuldig gewesen, und ich hoffe, es ist mir gelungen, die Zusammenhönge ein wenig zu erklären. Erlauben Sie mir nun, einen Griff in die Hörerpost zu tun und ein Gedicht zum Vorschein zu holen, das ein Hörer in Haßfurt seinem Sender in Teheran gewidmet hat. „Danke und viele Grüße an Radio Teheran!“ Diese Grußbotschaft ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der Verszeilen. Liebevoll wurden sie aneinander gereiht von Gerhard Marschall – und liebevoll will ich sie auch vorlesen, so wie es meine Aufgabe hier am Sprechertisch ist. „Dort, wo Minarette in den Himmel weisen, Alltag Glaube, Glaube Alltag ist ... Nun, dort würd’ ich gerne einmal reisen, Käm’ mit Achtung, Neugier und als wissensdurstiger Tourist! Erhabene Moscheen, Kuppeln des Glaubens erstehen, Uralte Tradition, Kultur und gelebte Religion, Naghsch-e Rostam, Persepolis, die Pasargadae sehen, Die Menschen, Natur, Geschichte wären mir gern Lohn. Verloren auf den Spuren Harun Ar-Raschids und Dariuschs gehen, Isfahan, Königsmoschee, Madresse Madar-e Schah und Königsplatz ... Entdecken, was Handwerk, Kunst und Religion erbracht. Land und Leute, Flora, Fauna,Denkmäler ... so manchen Schatz, Erhabene Baukunst, Fayencen, Höfe, Teppiche ... in schönster Pracht. Ghom, die heilige Oasenstadt, von der Wüste aus zu sehen und zu schauen, Reisen, überall wo man als Gast wohl gehen dürfte, Über Basare, alte Gassen, weiter dann auch wohl zu grünen Auen, Susa – Ahwas – Abadan – die Küste, zu Fuß, zu Boot und durch die Lüfte ... Zagros und Schiraz mit Schah Tscheragh erklimmen, Erfahren und erahnen, was Sa’adi und Hafiz einst schrieben. Alles, was der Orient den Sinnen bietet, bis sie verschwimmen, Nicht scheuen! Aus dem Sand der Geschichte wohl zu sieben! Rey und Tehran, mit Elburs und dem Demawend Am Thron der Sonne Golestanpalast und Schahyad-Denkmal stehen. Die Städte, wie ein „alter Perser“ sie wohl kennen lernt, Im Abendrot die Wüste Lut und Dascht-e Kawir sehen! Oh – dies ist immerdar ein Traum von mir. Träumen werd’ ich immer gern noch ein paar Jahre. Etwas weit und teuer ist’s ja doch von hier, hab’ aber ja noch Zeit, bevor ich dorthin fahre. Eingeschaltet und im Äther lauschen ... Radio Teheran vertreibt bis dahin uns die Zeit! An den persischen Träumen sich berauschen ... Nun seid bedankt – Ihr Radiomacher – alle Zeit!“ Das war aber ein Gedicht! Wie groß muß doch das Fernweh sein, das den guten alten Herrn Vater von Andreas Marschall zu diesem Lied inspiriert hat! Nichts wünscht er sich mehr, als eine Reise in den Iran, und nichts würde uns mehr freuen, ihn tatsächlich irgendwann einmal als Gast begrüßen und durch das Land seiner Träume begleiten zu dürfen. Möge ihm das Glück diesen Wunsch nicht verweigern, bevor die Uhr abgelaufen ist. Möge es IRIB gelingen, sein Fernweh zu lindern, so lange die Uhr noch tickt. A propos „Glück“: An dem Tag, an dem im Hörerpostkasten eine Sinnspruchkarte präsentiert wurde, auf der das schöne Gedicht „Glück“ von Clemens Brentano stand, begann Michael Lindner in seiner Gaststube in Triptis nachzudenken. Nachzudenken über das Glück! Als er mit der Arbeit fertig war, die Gäste nach Hause gegangen waren und die Läden heruntergelassen werden konnten, betrat er den zehn Quadratmeterraum seiner Wohnung, wo er sich sein Reich eingerichtet hat, und begann zu schreiben. An wen? An „Radio Teheran“. „Liebe Freunde! Damit in der deutschen Redaktion der ‚Stimme der Islamischen Republik Iran’ der Briefkasten niemals leer bleibt, schreibe ich Euch heute schon wieder einen Brief in der Hoffnung, daß ich damit meine Freundschaft und Verbundenheit mit dem Sender meines Herzens bekunden kann. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß Euer Hörerbriefkasten immer gut gefüllt ist, was ich an der Sendung ‚Wir und unsere Hörer’ messen kann. Es ist ja auch kein Wunder. Wer so tolle Programme über Kurzwelle ausstrahlt, der muß einfach mit einer riesigen Hörerschaft rechnen, die weder Mühen noch Porto scheut, um mit Euch Kontakt zu halten. Ob Lob oder negative Kritik – das spielt keine Rolle. Wichtig ist, daß man mit einander kommuniziert und die Dinge sachlich angeht. Da ich gerade von der Sendung ‚Wir und unsere Hörer’ spreche, möchte ich an Eure Ausführungen vom 5.November anknüpfen, wo ein Gedicht über das ‚Glück’ zu hören war. Diese Verse haben mich dazu bewogen darüber nachzudenken, was ich unter Glück verstehe. Hier also meine Gedanken dazu: Glück ist all das, was einem der Alltag positiv erscheinen läßt. Glück sind die winzigen Kleinigkeiten des Lebens, die von den meisten Menschen kaum noch wahrgenommen werden. Und das größte Glück neben dem Weltfrieden und der persönlichen Gesundheit ist es, wenn man diese Kleinigkeiten des Alltags in unserer übersättigten Gesellschaft überhaupt noch bemerkt und nicht ständig von einem Millionengewinn im Lotto träumt. Könnt Ihr Euch mit meiner Auffassung von ‚Glück’ identifizieren? Über eine ander Sache habe ich mir heute auch noch Gedanken gemacht. Da wir Dxer eine relativ kleine verschworene Gemeinschaft sind, habe ich mir überlegt, wie ich andere Leute auf dieses schöne Hobby aufmerksam machen könnte. Da ist mir die Idee gekommen, mich an die Heimatzeitung ‚OTZ’ zu wenden, die in ganz Thüringen erscheint. So entstand ein Artikel mit Fotos, der mit sehr einfachen Worten das BC-DX-Hobby umschreibt und hoffentlich die Neugier der Leser geweckt hat. Leider werde ich nicht erfahren, ob dieser Artikel Früchte trägt und tatsächlich die Anzahl der Hobbyfreunde anwachsen läßt. Aber ich bin sicher, daß hier und dort ein Empfangsversuch gestartet wird. Toll wäre natürlich, wenn auch das Programm aus Teheran von Neulingen entdeckt würde. Falls sich also mal ein neuer Hörerfreund bei Euch meldet und sich auf diesen Artikel in der OTZ bezieht, dann laßt es mich doch bitte auch wissen. Natürlich lege ich Euch diesen Zeitungsausschnitt bei. Auf dem Foto mit meiner Hobbyecke ist auch ein iranisches Souvenir zu erkennen. Findet Ihr es? Zwei weitere Empfangsberichte wollen ebenfalls bestätigt werden, es sind die Nummern 531 und 532. Im Sinne der Freundschaft und des Friedens grüße ich Euch alle aus der Weltstadt Triptis im Freistaat Thüringen! Euer treuer Freund Michael Lindner.“ Es ist übrigens auch der große Wunsch vom Schneeberger Jürgen Schönfelder gewesen – einem in Kurzwellenhobby-Freundeskreisen wohlbekannten Dxer –, sein Steckenpferd publik zu machen, und bis zu seinem Lebensende im Herbst 2006 war er um den Nachwuchs für dieses Metier besorgt. Leider hat er die Veröffentlichung des Zeitungsartikels in Thüringen nicht mehr miterlebt. Es hätte ihm bestimmt einen Stein vom Herzen gerollt zu wissen, daß es auch heute überall viele jüngere Leute gibt, die internationalen Rundfunkfernempfang betreiben und genau wie er, bevor er auf den Rollstuhl und ins Pflegeheim Lößnitz mußte, von dieser einzigartigen verständigungs- und friedensfördernden Informationsquelle regelmäßig Gebrauch machen. In den Sendungen der Auslandsrundfunkstationen gibt es vieles, was nicht in der Zeitung steht, und wer internationalen Rundfunk hört, ist immer breitbandig gebildet und politisch wie landeskundlich und kulturell bestens informiert. Michael Lindner gehört ohne Zweifel zu den zuverlässigen Nachwuchs-Dxern, was schon aus seiner enormen Souvenirsammlung ersichtlich ist, in der der kleine, in einem unteren Fach erkennbare Bilderrahmen aus Isfahan nur ein winziger Bestandteil ist. Die ältere Zunft darf also beruhigt sein: Ihr Hobby stirbt nicht aus, so lange wie es Leute wie unsere Hörer gibt. Nächstes Mal lernen Sie wieder eine ganze Reihe von ihnen kennen. Bis dann: Ade

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