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Sonntag, 27 Mai 2007 00:00

27. Mai 07

Bismillah-ir-rahman-ir-rahim 

„Wir und unsere Hörer" können es keinem verdenken, wenn ihm an einem schönen verlängerten Wochenende wie diesem sein Platz neben dem Radio langweilig wird, er sein Auto oder das Motorrad aus der Garage holt und für ein paar Tage wegfährt - die Pfingsttage sind dazu wie geschaffen! Nur wer selber Besuch bekommt oder aus anderen driftigen Gründen verhindert ist, der ist auch heute daheim anzutreffen - auf der Terrasse oder dem Balkon oder im Garten beim Begutachten der Erdbeeren auf dem Beet und der Kirschen am Baum... und für diese häusliche Zunft spielt dann auch heute das Radio wieder und leistet angenehme Gesellschaft mit IRIB. 

Zur häuslichen Zunft gehört Reiner Weichardt in Leipzig. Bei ihm ist vorerst auch beim schönsten Pfingstwetter nicht an größere Ausflüge zu denken.

„Liebe Freunde," schreibt er dem Hörerkasten am 31. März, „im Jahr 2006 mußte ich zwei komplizierte Operationenen (Herzklappen- und Darmoperation) über mich ergehen lassen. Ich bin alleinstehender Rentner; meine Frau ist im Jahr 2001 an bösartiger Krankheit verstoren. Ich kann meinen Haushalt kaum bewältigen, weshalb ich auch kaum meinem Kurzwellenhobby nachgehen kann. Der ganze Behördenkram und der Haushalt nehmen mich sehr in Anspruch. Mittlerweile bin ich 71 Jahre alt. Da geht es nicht so flott mit der Arbeit. Ich wünsche allen Mitarbeitern eine gute Zeit. Ihr Hörer in Leipzig, Reiner Weichardt." 

Früher vor ein paar Jahren ist er einmal ein zweiter Marco Polo gewesen: der Hildesheimer Hörerkollege Engelbert. Die halbe Welt hat er mit seiner Frau bereist, und wenn ihm die Gesundheit kein Schnippchen geschlagen hätte, dann wäre bestimmt auch die andere Hälfte noch dran gekommen.

„Mit den großen Reisen ist es wohl vorbei, da ich nach meiner Darmoperation doch gewisse Schwierigkeiten habe. Bei einer der vielen Untersuchungen, die ich im Zusammenhang mit der Nachbehandlung noch über mich habe ergehen lassen, hat man im Bereich der vorjährigen Operation wieder etwas entdeckt, was bisher noch kein Arzt deuten konnte, obwohl sie mich schon wieder zweimal durch die Röhre geschoben haben. Am Freitag mußte ich noch zur Darmspiegelung, aber das Ergebnis steht noch aus. Überraschen tut mich gar nichts mehr. Dafür habe ich in den letzten Monaten schon zu viel durchgemacht."

Der Heidelbeerhof in Grethem liegt glücklicherweise fast direkt vor der Haustür, in der Lüneburger Heide nämlich und nur 85 km von Hildesheim entfernt. Wenn sich Engelbert nun nicht mehr so weit hinauswagt wie in früherer Zeit, kann er sich die 45 Autobahnminuten bedenkenlos zumuten, in denen er im Handumdrehen „drüben" ist, und bestimt wird er das auch an diesem Pfingstwochenende wieder getan haben.

„In den letzten Jahren waren wir sehr oft unterwegs. Allein 2004 und 2005 jeweils sieben Mal! Unter anderem in Tunesien, Malta, kreuz und quer durch Nordgriechenland und Bulgarien. Auch das ehemalige Jugoslawien war im Programm mit Slowenien, Kroatien (mit der ‚Perle der Adria‘ Dubrownik), dann weiter nach Montenegro und Bosnien-Herzegowina. Einer der Höhepunkte war eine Donaukreuzfahrt von Passau bis ans Schwarze Meer und zurück.

Die Krönung aber war die Tour mit der Hurtigroute, besser bekannt als eine ‚Tour mit dem Postschiff‘,  von Bergen bis nach Kirkenes an der Barentsee und zurück. Übrigens fahren heute da die modernsten Schiffe, und es hat mit der eigentlichen Postschiffromantik nichts mehr zu tun. Es ist keine Kreuzfahrt, denn die Schiffe fahren nach einem genauen Fahrplan und laufen während der Hin- und Rückreise jeweils 34 Häfen an, um die kleinen Ortschaften hauptsächlich im Norden Norwegens mit lebenswichtigen Gütern zu versorgen.

Im Mai dieses Jahres haben wir vor, uns eine Woche oder vielleicht auch länger in Schleswig-Holstein eine Ferienwohnung zu nehmen. Ins Auge gefaßt haben wir Kappeln an der Schlei, also an der Ostsee. - Im Sommer werde ich mich dann zeitweise wieder in Grethem während der Heidelbeerernte um den Hofladen kümmern. Auch Ostern waren wir schon dort und haben den Geburtstag der Zwillinge gefeiert, die am Gründonnerstag 10 Jahre alt geworden sind. Abends sind wir dann zu Osterfeuer gegangen. Anschließend haben wir uns mit Freunden und Verwandten zu einem gemütlichen Beisammensein mit Tanz getroffen." 

„Weniger zögern und mehr wagen ...

öfter innehalten, anstatt zu hasten ...

heute leben, anstatt zu verschieben ...

unsere Träume leben, anstatt unser Leben zu träumen ..." -

das ist: der andere Weg. 

Dieser „andere Weg", für den sich Engelbert Borkner entschieden hat, seit er aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer treten muß, ist weiter zu empfehlen. Weiter zu empfehlen an Leute, die sich ins Bockshorn jagen lassen von den Härten des Lebens, während sich anderwärtig so viele Dinge tun ließen, die dem Leben auch viel Inhalt geben können - über eine Abzweigung und einen anderen Weg!

Hierbei wandern meine Gedanken wieder einmal zum „Waldmeister" nach Schneeberg. Als das Schicksal ihn im vergangenen August vor die vollendete Tatsache setzte, daß die übrige Strecke seines Lebens nun allein zu beschreiten sei, „verstand er sein plötzliches Schicksal nicht mehr. Viele widrige Dinge haben dann zusätzlich auf sein sowieso stark verändertes Leben eingewirkt, daß beinah unter dem Bruchstrich eine gewisse Antriebslosigkeit sichtbar wurde."

Die B-Station im Birkenwäldchen mußte aufgegeben werden, und damit reduzierte sich sein Lebensradius, der in früheren Zeiten von Zschorlau über den Gleesberg bis Schneeberg gereicht hatte und vom Waldmeister in Rundwanderungen mit dem Rucksack fast täglich abgeschritten wurde, auf die kleine Mietswohnung in der Stadt. So sehr er sich nun auch bemüht - gemütsmäßig bringt er es nicht auf die Reihe, und seine Freunde müssen fest mithelfen, daß er am Kurzwellenempfänger, den ihm noch seine Frau zusammengespart und bestellt hat, und vor ihrem Bild hinter den Empfängern nicht völlig in sich zusammensinkt.

„Meine Funkkollegen und die Leute von der ‚Geheimen Hörergemeinschaft im Erzgebirge‘ sind nach wie vor sehr bemüht, mich auf der Ebene zu halten, und passen aus der Ferne auf, daß bei mir schon die richtige Fließgeschwindigkeit eingestellt bleibt. Wenn auch durch die Umstände lückenhaft, so bin ich früh doch öfters mit auf dem Funk und bin dehalb auch über den Frühempfang von Radio IRIB nicht aussagekräftig, denn ich vernachlässige die Kurzwelle in dieser Zeit. Dafür war ich aber abends nachzu immer am Empfänger.

Irgendwo in Zwickau oder im Zwickauer Land sitzt ein Amateurfunker, von dem ich keinen Namen, keine Adresse weiß, gar nichts. Nur eines: Auch er hört dem Hörerkasten aus Teheran zu. Er hatte Ihre Mitteilung über meinen Jako an dem Sonntag mitgemeißelt und hat über sein 16-m-Band anliegende Funkerstationen befragt, wer denn in Schneeberg der ‚Waldmeister‘ sei? Letztlich hat er unseren Rundenführer auf 11 m in Voigtsgrün finden können und mir Grüße ausrichten lassen und den Empfang des Hörerkastens aus dem Iran bestätigt. Ich hoffe, daß es bei ihm kein Zufall war, und daß er sich wieder meldet." 

Wer das wohl gewesen sein mag?

Ich habe da schon meine Verdächtigungen, und zwar gegen einen gewissen Andreas, der am Nordrand des Erzgebirges rund 10 km von Zwickau entfernt in Lichtenstein wohnt. Schon seit 1978 ist er Dxer und könnte der Unbekannte gewesen sein, der in den Amateurfunkerkreisen in und um Zwickau unsere Rundfunkstation ins Gespräch gebracht und somit für kostenlose umfangreiche Population gesorgt hat.

Wenn ich also ins Schwarze getroffen haben sollte, dann muß OM Andres Thriemer in Lichtenstein wissen, was er durch seine harmlose Erkundigung am Funkermike emotional in der kleinen Mietswohnung in Schneeberg bewegt hat. Er soll aber auch wissen, daß seine beiden Briefe bei uns angekommen sind, und recht bald seine QSL-Bestätigung erfolgt!

Ist er es aber doch nicht gewesen, dann war es eben jemand anders, und wir grüßen ihn über die Wellen und reihen ihn dann in die „Geheime Hörergemeinschaft im Erzgebirge" ein, die bei „Wir und unsere Hörer" schon seit Jahren ihren festen Platz hat, auch wenn das Hörerpostteam keine Namen und Adressen hat. 

Von Heinz Przybylla in Limbach-Oberfrohna hat es sie aber, und von Thomas Rößler in Burkhardtsdorf (Ortsteil Kemtau) auch, so war es dem Team auch möglich, den beiden einen Kalender zuschicken und dem Heinz noch eine QSL-Karte. Nur Thomas hat sich entschuldigt:

„Von der Sache her höre ich in der Woche zwei- bis dreimal Ihre Sendungen. Eigentlich müßte ich einen ausgiebigen Empfangsbericht beilegen, aber mir fehlt es zur Zeit an Motivation, obwohl genügend Themen zur Tagesordnung stehen."

Na... gibt es denn keinen Amateurfunker, der auch einmal unseren Thomas in Kemtau wieder ein bißchen in DX-Trab zu bringen vermöchte? Wir haben Not am Mann in Sachen Motivation!!! 

„Limbach-Oberfrohna, am 29. März.

Liebe Freunde!

Vielen Dank für die Post vom 19. März mit dem schönen Kalender, der QSL-Karte und dem Sendeplan. Angekommen war der Brief vorgestern, also acht Tage Laufzeit. Bestätigt wurden auf der QSL-Karte die Berichte vis 150. 151 bis 160 sind noch offen, abgeschickt hatte ich diese am 27. Dezember 2006. Mit dem heutigen Brief sende ich die Berichte Nummer 161 - 175.

Im Fernsehen wurde kürzlich ein Film über Nomaden im Iran gezeigt. Diese ziehen mit ihren Schafen und Ziegen viele, viele Kilometer, um an die Weiden in den Bergen zu gelangen. Ich kann nur sagen, es gibt wunderschöne Landschaften im Iran. Schade, daß im Fernsehen nicht mehr über Ihr Land berichtet wird.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Hörer Heinz Przybylla."

Das ist wirklich schade, denn das Leben der Nomaden im Iran gehört zu den Dingen, die man unbedingt gesehen haben muß, die sich jedenfalls über den Hörfunk nur schwer beschreiben lassen.  

Jedes Jahr verlassen die verschiedenen Stämme der im Iran wohnhaften Wandernomaden im zweiten Frühlingsmonat ihre Winterlager und ziehen mit dem gesamten Hausstand in die Berge hinauf. Auf den grünen Almen schlagen sie ihr Sommerlager auf und richten sich dort für einen Aufenthalt ein, der bis zum Herbst dauert.

Die Nomaden bauen sich keine Häuser oder Hütten. Sie leben während des Sommers in Zelten, die sie je nach Sitte und Zweckmäßigkeit aus Stangen und schwarzen Ziegenhaardecken errichten, mit Schilfmatten abdecken oder aus mitgeführten Holzsegmenten erbauen, die zu einem halbkugelförmigen Zeltgerüst zusammengefügt, zentral durch ein kräftiges Tau abgespannt und dann mit Kamelhaardecken abgedeckt werden, wobei eine Öffnung zum Abzug des Rauches frei gelassen wird.

Auf der „Yaylagh", der sommerlichen Bleibe der Wandernomaden, geht das Leben dann seinen gewohnten Gang:

In den Wohnzelten stellt man die Knüpfbalken auf und webt Kelime, Gappeh und Teppiche. Im Küchenzelt wird gekocht, Brot gebacken und Joghurt hergestellt. Im Schulzelt unterrichtet ein Lehrer die Nomadenkinder. Und in den großen Gemeinschaftszelten sitzen abends die Männer, besprechen ihre Angelegenheiten, empfangen Besuche und wickeln ihre Geschäfte ab. Auch Fehden werden hier geschlichtet, Streitigkeiten beigelegt und Pläne für die Zukunft der Brautpaare geschmiedet.

Es wäre ein großer Irrtum, die iranischen Nomaden mit Zigeunern zu verwechseln oder mir diesen auf eine Stufe zu stellen, nur weil beide wandernde Völker sind. Die Nomaden im Iran ziehen nicht deshalb umher, weil sie heimatlos oder verwahrlost und arm wären. Allein die klimatischen Bedingungen in ihrem Lebensraum machen diese besondere Lebensweise erforderlich. Wo immer sie sich aufhalten, sei es auf „Yaylagh" in den Bergen, sei es auf „Qeschlagh" im Tal, stets sind sie arbeitsam und friedfertig. Ihre Lebensverhältnisse sind geordnet und von den Sitten der Stämme geprägt.

Nomaden sind auch sehr wohlhabend. Reittiere, Geflügel, Schaf-, Ziegen- und Dromedarherden - all das bedeutet großen Reichtum. Dieser wird noch durch die fleißigen Hände der Frauen und Mädchen am Webstuhl und bei anderen Handarbeiten gemehrt. Schließlich zählen handgeknüpfte Teppiche nach wie vor zu den exklusiven Handelswaren unseres Landes.

Übrigens stehen die Nomaden auch bildungsmäßig der seßhaften Landesbevölkerung keineswegs nach. Vielen Mädchen, die im Schulzelt unter den Fittichen eines Landlehrers ihre Lektionen gelernt haben, vielen Jungen, die ihre Schulbücher zwischen Yaylagh und Qeschlagh beim Hüten der Ziegen und Schafe studiert haben, begegnet man später in der Stadt auf der Universität, und erfahrungsgemäß ist bei solchen Jugendlichen Begabung, Fleiß und Intelligenz in einem Maße vorhanden, das über dem Durchschnitt liegt. 

Ich greife jetzt noch ein letztes Mal einen Hörerbrief aus der Hörerpostmappe heraus. Es ist die E-Mail von Helmut Matt, von der noch ein Rest zum Vorlesen übrig ist; und wie es der Zufall so will, spricht auch er in diesem letzten Teil seiner ausführlichen Mail vom 6. Mai über die unzulänglichen Kenntnisse in westlichen Ländern über den Iran, und darüber, wie schade es doch ist, daß so wenig über dieses Land in Deutschland berichtet wird.

„Eure Rundfunkbeiträge Tag für Tag tragen sehr dazu bei, ein Iranbild in der Welt zu verbreiten, in dem der wirkliche Iran präsentiert wird. Daß es vor allem in westlichen Ländern mit einem sachlichen, objektiven und gerechten Iranbild nicht zum Besten steht, ist hinlänglich bekannt. Dies kam auch in Ihrem Beitrag „Das verfälschte Iranbild in den westlichen Ländern" vom 14. April sehr anschaulich zum Ausdruck. Dem verantwortlichen Redakteur dieses Berichtes kann ich nur zustimmen. Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, mit welcher oberflächlichen Einseitigkeit in unseren Medien über Ihr Land berichtet wird.

Eine rühmliche Ausnahme bilden manchmal die persönlichen Berichte von Leuten, die den Iran selbst besucht haben. Immer wieder lese ich Erzählungen von Freiburgern, die sich im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Isfahan zu einer Iranreise entschlossen haben - sei es, um sich an einem Kultur-  oder Theaterprojekt zu beteiligen, oder einfach, um die Partnerstadt und deren Menschen kennen zu lernen. Was da erzählt wird oder zu lesen ist, macht Lust, auch einmal den Iran zu besuchen. Die Berichte stehen in krassem Kontrast zu den leeren und vorurteilsbehafteten Zeitungsartikeln, die sich von der oft gehässigen US-Propaganda das Wort reden lassen.

Das Beispiel der Städtepartnerschaft zwischen Isfahan und Freiburg zeigt aber auch, daß man den Menschen in viel stärkerem Maße die Möglichkeit der persönlichen Begegnung bieten sollte. Sehen, hören, sprechen, verstehen und einander kennen lernen, das sollte an die Stelle von Zerrbildern und Vorurteilen treten. Aber bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg." 

„Weniger zögern und mehr wagen ...

öfter innehalten, anstatt zu hasten ...

heute leben, anstatt zu verschieben ...

unsere Träume leben, anstatt unser Leben zu träumen." 

Das ist der andere Weg ...

vielleicht ein weiter - das gibt auch Herr Matt in Herbolzheim zu - sicher aber einer von den schönen und seltener begangenen Wegen .

Und daran, Wege zu gehen die anders sind und vielleicht auch etwas unwegsamer und weiter, daran sind „Wir und unsere Hörer" schon gewöhnt, meinen Sie nicht auch? Ade. 
 

 

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