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Donnerstag, 26 November 2015 07:48

Potsdamer Exkursion im Iran/ Metropole Tabriz

Potsdamer Exkursion im Iran/ Metropole Tabriz
Tabriz (uni-potsdam.de ) -  Eine Studiengruppe der Universität Potsdam und der Universität Frankfurt am Main hat vom 10. bis 25. September eine Studienreise nach Iran gemacht. 

Gründe dafür, Tabriz als Ausgangpunkt einer Iranexkursion zu wählen, gibt es mehrere. Dank ihrer günstigen Lage an der Seidenstraße nahm die Stadt als wirtschaftliches Zentrum schon in der Antike eine bedeutende Rolle ein. Eine erste Blütezeit erlebte sie, als der mongolische Ilkhanenfürst Ghazan Khan (1271–1304) seinen Regierungssitz nach Tabriz verlegte. Durch eine regelrechte Reformwelle, intensive Handelskontakte in die christliche Welt, seine liberale Einstellung gegenüber anderen Religionen und die massive Förderung von Wissenschaft und Künsten machte er Tabriz zu einer der größten Metropolen der Epoche. Entscheidend jedoch war, dass er als christlich Getaufter zum Islam konvertierte, wodurch er dessen Ausbreitung vorantrieb und die Mongolen mit der iranischen Hochkultur verband.

Auch unter dem ersten Safawidenherrscher Ismail I. nahm Tabriz eine wichtige Rolle ein. Der aus einem nomadischen Turkstamm hervorgegangene Ismail I. okkupierte die Stadt im Jahre 1501 und krönte sich hier selbst zum König der Könige Irans (Schâhinshâh-i Irân), dem Pendant des westlichen Kaisertitels. Nachdem er vom sunnitischen zum schiitischen Islam konvertiert war, erhob er Letzteren zum Pflichtbekenntnis für sein gesamtes Reich. Wie so oft war auch hier nicht die Religion das Problem, sondern die Politik: Die Osmanen hatten ihren Einfluss nach Osten ausgedehnt und versuchten, die nomadisierenden Turkstämme zu unterwerfen, die sich in die militärische Opposition begaben und die Errichtung eines eigenen Staatsgebildes anstrebten.

Wir  besuchten die 'School of Architecture' der Tabriz Islamic Arts University, die in mehreren, aus dem 18. Jahrhundert stammenden Stadtvillen untergebracht ist. Wie viele traditionelle Häuser im Iran verfügen diese repräsentativen Bauwerke über einen von außen zugänglichen Hof mit Gartenanlage und einen nicht weniger prachtvoll bepflanzten, abgeschirmten Innenhof. Besonders schön ist das Winterhaus des Behnam-Komplexes, dessen Empfangssaal wir bei der Begegnung mit den Honoratioren der Einrichtung bewundern dürfen. Neben den Miniaturfresken und den verzierten Kaminen beeindrucken vor allem die farbigen Fensterfronten. Spannend ist die Ausstellung von Abschlussarbeiten, die zum Teil ein sehr hohes Können und den innovativen Einsatz von 3D-Druckern dokumentieren.

Die Besichtigung der Blauen Moschee (Masdsched-e Kabud) ist ein erstes Highlight. Sie wurde 1465 im Auftrag des turkmenischen Stammesfürsten Jahan Schah (1397–1467) erbaut und in den 1770er Jahren durch Erdbeben teilweise zerstört. Beeindruckend sind einige erhaltene kobaltblaue, geometrische Fliesenpartien, deren Ränder mit Goldlasuren versehen sind.

Für eine zweite, weitaus imposantere Attraktion haben wir fast keine Kraft mehr und die ersten Exkursionsteilnehmer fallen über marode Baustellentreppen: Die Ali Schah-Zitadelle (Qiblawand) wurde 1315 zunächst als Moschee errichtet und später auch als Festung genutzt. Mit großer Begeisterung jagt uns unserer lokaler Touristenführer durch die verschiedenen historischen Epochen, die dieses ausschließlich aus unverzierten Backsteinen errichtete Riesenmonument – die zehn Meter dicken Mauern erreichen immerhin eine Gesamthöhe von 25 Metern – überdauerte. Wir können noch die Einschläge bewundern, mit denen russische Truppen 1911 das Bauwerk schmückten. 

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