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Montag, 17 März 2014 10:39

Nouruz-Geschichten (1)

Nouruz-Geschichten (1)
In diesem Beitrag  erfahren sie über eine alte Geschichte, auf die ein Brauch  am Vorabend zum letzten Mittwoch des alten Jahres zurückgeht.

 

Liebe Freunde!  Das alte Jahr packt sein Bündel und das neue Jahr naht mit dem Frühling heran.  Es ist kurz vor Nouruz. Nouruz, das neue iranische Sonnenjahr,  erinnert die Iraner an alte Märchen und Bräuche aus weit zurückliegender Vergangenheit.  Die Feste und Bräuche  und die Sitten zum  Nouruz gehen oft auf alte Erzählungen zurück. Diese Erzählungen  wurden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben und blieben auf diese Weise bis in unsere Zeit erhalten.  Aus der Fülle der vielen Erzählungen und Märchen haben wir dieses Jahr drei Nouruzmärchen für sie herausgesucht.  Es sind  die Geschichte zum Suri - Mittwoch, die Geschichte von der Ankunft von Amu Nouruz (dem Onkel Nouruz) und die Geschichte von Mir Nouruzi.

 

Es ist ein alter Brauch der Iraner am Vorabend zum letzten Tschaharschambeh also zum letzten Mittwoch eines Jahres ein Feuer anzuzünden.  Beim Sonnenuntergang wird dieses Feuer am sogenannten Tschaharschambeh Suri angefacht. Früher ließ man es dann bis zum Sonnenaufgang brennen.  Dieser Brauch geht auf iranische Mythen aus der Antike zurück. Und zwar auf die Geschichte der bekannten iranischen Heldenfigur  Siyawasch,  von der  Firdausi in seinem  Buch der Könige schreibt.  Der Held Siyawasch sprang nämlich durch ein Feuer, um seine Unschuld zu beweisen.  Hier nun die Geschichte.

Siyawasch war der Sohn des  Kai Kawous, des Königs der Iraner. Nach seiner Geburt wurde er dem berühmten iranischen Rustam anvertraut, damit dieser ihn zu einem Pahlavan – zu einem Helden -  heranzieht.  Nachdem Siyawasch herangewachsen war  und alle Fertigkeiten und Tugenden erworben hatte,  brachte Rustam ihn in den Palast des Kai Kawous zurück.

 

 Siyawasch war ein stattlicher junger Mann geworden mit einem schönen Gesicht und schöner Gestalt  und allen gefiel er.

Als die schöne Gemahlin  seines Vaters und seine Stiefmutter Sudabeh den Jüngling erblickte,   verliebte sie sich sofort  in ihn. Sudabeh begann, Siyawasch auf sich aufmerksam zu machen.

Aber Siyawasch war sehr anständig und reinen Herzens  und er gestattete sich keine Sünde.

Sudabeh war jedoch   ihrem launischen Verlangen verfallen und ließ nichts ungetan.  Doch vergeblich. Schließlich legte sich Sudabeh einen listigen Plan zurecht.

                         

 

Sudabeh sagte zu Kai Kawous, Siyawasch sei nun zu einem  stattlichen Jüngling herangewachsen und es sei an der Zeit, dass er eine Gemahlin für ihn auswählt. Kai Kawous ahnte nichts Böses und bat Sudabeh , dass sie eine geeignete Braut für Siyawasch findet und dafür sorgt, dass sich die beiden treffen und kennenlernen.

Sudabeh nutzte die Gelegenheit und lockte Siyawasch in ihren Palast, indem sie sagte, sie wolle ihm  dort ein schönes Mädchen vorstellen, dass eine geeignete Gemahlin für ihn sein werde. Siyawasch gehorchte der Sudabeh und kam zu ihr in den Palast. Sudabeh aber, die sich heftig in Siyawasch verliebt hatte,  gestand ungeduldig dem Sohn ihres Gemahls  ihre Liebe zu ihm.

Siyawasch  war ein edler Mensch und tadelte sie: „Was sagst du da?! Das sind  Versuchungen des Teufels!  Er hat dich in seiner Hand. Aber ich werde nie gegen das Gebot Gottes verstoßen und meinen  Vater nicht hintergehen! Du bist die wichtigste Frau in diesem Reich und ich habe dich immer als meine Mutter betrachtet.  Aber nun werde ich das, was sich zugetragen hat, meinem Vater erzählen, damit er weiß, mit wem er zusammenlebt!“

Siyawasch sprang verärgert auf und verließ eilig den Palast von Sudabeh.  Da überkam Sudabeh die Furcht, der Vorfall könnte ans Tageslicht kommen.  Daher begann sie zu schreien und zu zetern, zerriss sich die Kleidung und tat so, als ob Siyawasch etwas Unanständiges von ihr, die sie doch immer wie eine Mutter für ihn gewesen war, verlangt hätte.

Durch das Geschrei der Sudabeh erfuhr König Kai Kawous von der Geschichte und er stellte Siyawasch zur Rede damit er  eine Erklärung abgibt.

Da erzählte Siyawasch seinem Vater was sich in Wahrheit  abgespielt hatte. 

                             

Alles sprach für die Unschuld des Siyawasch, aber wie konnte Siyawasch seine Ehre zurückgewinnen und die Schande verdeckt werden?

Kai Kawous stand vor einer schwierigen Entscheidung.  Er liebte sowohl seine  Gemahlin Sudabeh als auch seinen Sohn Siyawasch, der einmal  sein Nachfolger werden sollte.

Im alten Iran war es damals Brauch, die Sünder und die Unschuldigen mit dem Feuer auf die Probe zu stellen.  Sie mussten das Feuer überwinden und das konnte nur jemand, der unschuldig war.  Im alten Iran glaubte man nämlich,  dass das Feuer keinen Unschuldigen verbrennen wird.

Siyawasch sagte seinem Vater , er wolle seine Unschuld  durch die Feuerprobe beweisen und sprach: „Vater, wenn ich ein Sünder bin, wird mich das Feuer vernichten und wenn ich kein Sünder bin, werde ich heil aus dem Feuer wieder hervortreten.“

                              

Kai Kawous ließ ein großes Feuer anzünden. Er konnte es  aus der Ferne von dem Fenster seines Palastes aus sehen. Eine große Menschenmenge hatte sich versammelt, um der Feuerprobe zuzuschauen.  Siyawasch ritt auf seinem schönen Pferd mit einem silbernen  Helm auf dem Haupt am Vater vorbei, grüßte ihn voller Hochachtung und ritt dann ins Feuer. Alle schrien auf und fürchteten um ihn.  Unterdessen war auch Sudabeh , die in den obersten Stock des Palastes gestiegen war, Zeuge des Geschehens.

                                     

Siyawasch  durchquerte das Feuer  und trat auf der anderen Seite der hohen Flammen wieder unversehrt hervor.

Dies alles geschah am letzten Dienstag des alten Jahres und deshalb hat der König Kai Kawous  am  darauffolgenden Mittwoch bis zum Freitag ein großes Fest im ganzen Land feiern lassen.

                            

 Aus der Geschichte, entstand für die Iraner der Brauch, am Dienstagabend beim Sonnenuntergang  ein Feuer anzuzünden und über dieses Feuer hinwegzuspringen -  in Erinnerung an Siyawasch, der mit seiner Anständigkeit und Unbescholtenheit erhobenen Hauptes die Feuerprobe überstand.

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