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Mittwoch, 20 Mai 2015 02:58

Zerstörung von Kulturerbe in Jemen

 Irina Bokova Irina Bokova
    Am 13. Und 14. Mai war Kairo Gastgeber einer gemeinsamen Konferenz der UNO und 11 arabischer Länder.

Auf der Eröffnungszeremonie dieser Konferenz sagte Irina Bokova, Generaldirektorin der UNESCO – Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur - die Aktivitäten von Extremistengruppen zur Vernichtung von historischen Denkmälern  im Nahen Osten hätte wie nie zuvor zugenommen. Bokova sprach von einem Verbrechen gegen die Menschheit und sagte:  „Mit solchen Maßnahmen will man Furcht und Schrecken unter den Einwohnern der Region hervorrufen.“                             

 Die US-Archäologin Doberah Lehr, welche den Verband   Antiquities Coalition gegründet hat , sagte, die Konferenz in Kairo sei einberufen worden, um diejenigen zu bekämpfen, die das historische Kulturerbe der Menschen zerstören wollen.  

Die Antiquities Coalition ist eine überregionale Organisation, der Archäologen und Experten für Kulturerbe angehören. Sie wurde zum Schutz der historischen Kulturgüter  in aller Welt gegründet.

 Unterdessen warnte der ägyptische Minister für Kulturdenkmäler   auf der  Konferenz vor den  Gefahren, denen die historischen Spuren im Nahen Osten ausgesetzt sind.

                                    

Die Meldungen der Nachrichtenagenturen bestätigen, dass die Zerstörungen an historischen Denkmälern im Nahen Osten und den arabischen Ländern in den letzten Jahren enorm zugenommen haben.

Die Extremisten der IS haben zum Beispiel mit Bulldozern einen großen Teil der Stadt Nimrud im Irak zerstört. Diese Stadt ist der Sitz von Assur Nasir Pal  dem Zweiten – König der Assyrer im 9. Jahrhundert vor Christus gewesen.  Die antiken Stätten in Nimrud wurden von den IS-Terroristen ausgeplündert und dann verheert.

Gemäß Bericht der UNO sind  in Syrien in den vergangenen Jahren  290 Kulturzentren vernichtet  oder beschädigt worden. Außerdem wurden einige von diesen Zentren ausgeraubt.  Dem Bericht von Unitär –  Forschungs-und Ausbildungsinstitut der Vereinten Nationen -   sind in den syrischen Städten Halab (Aleppo) Damaskus,  Ar Ragha und weiteren während der Kriegsgefechte große Schäden entstanden. Laut Unitar konnte dies aus einer  Studie von Satellitenbildern  in 18 verschiedenen Gegenden von Syrien geschlossen werden.  Dieses Institut sprach von einem großen Alarmzeichen für die Bedrohung des Kulturerbes in Syrien.

                                     

Jemen, welches im Süden der arabischen Halbinsel liegt kann von den geografischen Bedingungen her in 5 Gebiete eingeteilt werden: Gebirgsland, Flussebenen, Küstengebiete, Wüstenzonenund Inseln.  Jemen ist die Wiege der semitischen Zivilisation und Heimstätte der ersten Araber. Hier haben Sumerer, Babyloniern, Assyrer und die alten Ägypter  Einfluss ausgeübt.  Der deutsche Orientalist Moritz ist der Überzeugung, dass die erste Buchstabenschrift in Jemen gefunden und dass sie nicht von den  semitischsprachigen Bewohnern von Phönizien sondern von den  Jeminiten erfunden wurde. Die  Phönizier in Kanaan  haben dann ihre Schrift auf der Grundlage der  Schrift der Araber in Jemen aufgebaut.  In Jemen gibt es zahlreiche alte Manuskripte. Ihre Zahl wird auf eine Million eingeschätzt.

Das Land hat auch viele touristische Sehenswürdigkeiten,  zum Beispiel die große Freitagsmosche  in der Altstadt von Sanaa. Sie wurde schon im Jahre 6 nach der Hidschra (um 628 n.Christus) erbaut und  ist die drittälteste Moschee der Islamischen Welt.  Eine weitere historische Stätte ist die Imam-Ali (a)- Moschee. In dieser Moschee hat Imam Ali (a) das Gebet verrichtet und sie wird von den Jemeniten sehr geschätzt.

Außerdem gibt es zahlreiche historische Festungen und Paläste wie Dar al Hadschar – der bekannteste Steinpalast in der Nähe von Sanaa.

Es heißt, dass die Altstadt von Sanaa von Sam, dem Sohn des Propheten Noah (a), errichtet wurde und mehr als 4000 Jahre alt ist. Weitere historische Städte in Jemen sind zum Beispiel Marib mit einem antiken  Staudamm, Sirwah aus dem Reich von Saba, und die historische Stadt Schibam sowie  der Hafen von Aden.

                          

Es ist noch nicht lange her, dass sich  die Nachrichten über die Plünderung von antiken Stätten in Ländern wie Irak, Syrien und Libyen – den wichtigsten Gebieten der menschlichen Zivilisationsgeschichte, häuften. Nun   sind auch die historischen Denkmäler in Jemen, die zum Teil mehrere Jahrtausende alt sind, durch die  Angriffe Saudi Arabiens der Gefahr der Vernichtung ausgesetzt:  zum Beispiel die mehrstöckigen Gebäude im Zentrum der Hauptstadt Sanaa, die mehrere tausend Jahre alt sind und als die ersten Hochhäuser der Menschheit gelten.

Aber auch die historischen Moscheen, die um die 1000 Jahre alt sind und in die islamische Frühzeit gehören, sind in Gefahr, ebenso wie Bauwerke,  die unter den Osmanen errichtet wurden, und bislang unverändert blieben.

Die Internetseite von Al- Manar schreibt hierzu:  „Die Yahya Ibn al Husain Ibn al Qasim –Moschee im Zentrum der historischen  Stadt Al Sa`da ist religiös von hoher Bedeutung für die Jemeniten. Die saudischen Kriegsflugzeuge  haben zu Beginn ihrer Jemen-Offensive diese historische Stätte bombardiert.“

 

Solche Angriffe auf Moscheen und religiöse Stätten sind in Wahrheit nichts anderes als eine Wiederbelebung der auf Unwissenheit beruhenden Denkweise, welche die historischen Denkmäler und Zeichen der alten Zivilisationen der Menschheit ablehnt und ihre Zerstörung befürwortet.  Außerdem erinnern diese Angriffe an die Terrorakte der IS in Syrien und Irak, bei denen diese  religiöse Stätten, Moscheen und Kirchen zerstören.  

Das saudische  Regime, welches das wahhabitische Denken verbreitet,  hat bei seinen Luftangriffen auf verschiedene Städte in Jemen wie die IS bei ihren Angriffen historische Denkmäler diesem Land zerstört.  Bei ihren Bombardierungen erlitten  zum Beispiel die Al Qishlah Festung aus dem  9. Jahrhundert nach Christus  und die historische Burg Seyra in der Provinz Aden aus dem 17. Jahrhundert n. Christus  sowie eine  sehr alte Tempelanlage in der Provinz Marib aus der vorislamischen Zeit  Schäden.

Einige wichtige  historische Denkmäler, die  Zielscheibe der saudischen Flugzeuge waren, sind die Grabmoscheen von  ‘Abd ar-Razzaq ibn Hammam As San`ani , die von Scheych Ahmad  und die von سفیان بن عیینه Safiyan Ibn Uiyana  in der in der Provinz Sanaa.  Der Bazar und die Gebäude in der alten Stadt Sa`ada und der alten Stadt Zabid in der Provinz Al Hudaida  gehören auch zu den historischen Orten die bei den Angriffen beschädigt wurden.

                         

Saudi Arabien setzt seine Angriffe auf die Zivilbevölkerung und religiöse und historische Stätten in Jemen fort und seine Offensive nimmt  immer größeres Ausmaß an. Aber die Staatengemeinschaft und die internationalen Organisationen wie die UNSESCO begnügen sich nur mit Warnungen und ergreifen keine Präventivmaßnahmen.

Auf der Konferenz „Allianz für die Antiken Denkmäler“ in Kairo hat Unesco-Generaldirektorin  Bokova in einer Bekanntmachung ihre große Besorgnis über die Luftangriffe Saudi Arabiens auf die dicht bevölkerten Gebiete von Jemen wie Sanaa und Sa`da  erklärt. Sie verwies darauf, dass diese Bombardierungen  viele   historische Bauwerke in der Hauptstadt von Jemen beschädigt haben und auch in der alten Stadt Sa`ada und im historischen  Baraqisch   , dessen Geschichte bis in die vorislamische Zeit hineinreicht,  Schäden verursacht wurden. Bokova sagte, dass die Angriffe von Saudi Arabien zur Zerstörung von einmaligem  Kulturerbe in Jemen, welches eine Schatzkammer der Identität, Geschichte und des menschlichen Gedächtnisses und ein außergewöhnliches Wahrzeichen für die Errungenschaften der islamischen Zivilisation gilt, geführt haben.

Es sei erwähnt,  dass diese Äußerungen gemacht wurden, während einer der Teilnehmer an der Konferenz in Kairo der Urheber dieser Zerstörungen in Jemen ist, nämlich  Saudi Arabien .

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