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Montag, 16 März 2015 06:10

Fahnenträger der Unwissenheit

Fahnenträger der Unwissenheit
  In diesem Beitrag wird über die Zerstörung von historischen Denkmälern im Irak durch die IS-Terroristen gesprochen.

 

Archäologische Funde bestätigen die Vermutung, dass das Zweistromland in Irak Ausgangspunkt der modernen Zivilisationen gewesen ist. Hier lebten die Sumerer ,Aramäer, Asssyrer und Babylonier  und hinterließen Spuren ihrer Zivilisation wie Zikkurate und Statuen, Schmuck und Tongefäße, Waffen usw. Diese historischen Gegenstände dienen den historischen und archäologischen Untersuchungen und geben uns Aufschluss über die Geschichte.

Es ist klar, dass diese Dinge, die mehrere Tausende Jahre bewegter Geschichte  überstanden haben, kostbar sind. Doch nun droht einem großen Teil des prächtigen Kulturerbes die Gefahr der Vernichtung und ein Teil davon wurde jüngst zerstört.

 

Es ist von einem schlimmen Vergehen die Rede, das die Vernichtung des Herzens der alten Kultur und Zivilisation in dieser Region zum Ziel hat. Die Bilder vom Zerschmettern der Museumsgegenstände in Mosul, der Zerstörung von antiken Statuen und  Verbrennung von wertvollen Büchern einer Bibliothek haben bei allen   freiheitsliebenden Menschen und aufgeklärten Muslime tiefe Ablehnung und Besorgnis erregt.

              

Wie andere extremistische Gruppe in der Vergangenheit,  will die starrsinnige Terrorgruppe IS in den von ihnen besetzten Gebieten die Spuren der Geschichte auslöschen.

 

Kürzlich wurden Videos veröffentlicht auf denen Leute mit Hämmern zu sehen waren, die gerade antike Gegenstände im Museum von Mosul zerkleinern. Einige der zerstörten Denkmäler sollen nur eine Nachahmung gewesen sein, aber viele waren unersetzbare, mehrere Tausend Jahre alte Originale. Zweifelsohne war dieser Angriff  in Wahrheit ein Angriff auf das kollektive Gedächtnis der Menschheit. Diese Zerstörungen dokumentieren den Schwachsinn, die sinnlose  Gewalt und Engstirnigkeit  der IS- Terroristen.  Diese Gruppe sieht in den historischen Zeichen eine Gefahr für ihre sinnlose Identität  und versucht auf verschiedenen Wegen Geschichte und Kultur zu vernichten.

 

Noch trauriger ist, dass diese Zerstörungen im Namen einer Religion geschehen und auf listige Weise die religiösen Lehren zur Rechtfertigung dieses irrationalen und unwürdigen Verhaltens missbraucht werden. Völlig im Widerspruch zu diesen Rechtfertigungen haben die IS-Terroristen  vor einiger Zeit gemäß westlichen Quellen,  100 kostbare historische Gegenstände aus Syrien nach London geschmuggelt und diese dort verkauft um den Erlös für ihren Krieg auszugeben. Gemäß Bericht der Times gelangten diese Gegenstände über die Türkei und Jordanien nach London und es handelte sich um Gold- und Silbermünzen aus der Byzantinischen Zeit und um Ton- und Glasgegenstände der alten Römer in einem Wert von mehreren hunderttausend Dollar. Dieser Raubzug ist mit der Handel mit blutigen Edelsteinen in Afrika verglichen worden, als der Erlös aus dem Verkauf von Edelsteinen der Finanzierung von Krieg auf diesem Kontinent diente.  

Frau Saleh, die für das  Museum in Mosul in verantwortlicher Position arbeitete und nach der Besatzung dieser Stadt nach Bagdad geflüchtet ist, ist der Ansicht, dass die Gegenstände in diesem Museum wahrscheinlich deshalb zerkleinert wurden, weil sie ansonsten für den Schmuggel und Verkauf auf internationalen Märkten viel zu groß waren. Sie sagt, kleinere antike Gegenstände können von den IS problemlos geschmuggelt werden und ihnen Tausende von Dollar einbringen.  

Irina Bokova, Generaldirektorin der UNESCO verurteilte die Zerstörung von historischen Gegenständen im Irak durch die IS und sagte, dass man demgegenüber nicht schweige dürfe. In einer Bekanntmachung erklärte  sie die absichtliche Zerstörung von Kulturerbe zu einem Kriegsverbrechen und forderte, dass alle politischen und religiösen Führer der Region etwas gegen diese neue Form des Vandalismus zu unternehmen.

Die Al Azhar-Universität in Ägypten, welche die höchste theologische Einrichtung der Sunniten ist erklärte ihren Abscheu gegenüber diesem Vorgehen der IS und bezeichnete es als ein großes Verbrechen gegen die gesamte Welt.

 

Ajatollah Sistani, welcher für die Schiiten in Irak als hohes Nachahmungsvorbild in religionsrechtlichen Fragen gilt, hat ebenso heftig die Zerstörung des Museums von Mosul und von antiken Stätten kritisiert Sein Vertreter beim Freitagsgebet in Karbala sagte, dieses Vorgehen der IS demonstriere ihre Brutalität und ihren Vandalismus gegenüber der irakischen Bevölkerung. 

                                        

Die Organisation für Kulturerbe, Kunsthandwerk und Tourismus Irans verurteilte in einer Erklärung die Zerstörung des irakischen Kulturerbes durch die IS-Terroristen. Sie forderte die internationalen Gremien, insbesondere die UNESCO, auf Sofortmaßnahmen zur Verhinderung solcher Zerstörungen namentlich in der antiken Stadt Hatra, welche auf der Liste der UNESCO steht, zu ergreifen. Diese Stadt stammt aus der Partherzeit.

 

In der Erklärung der iranischen Behörde hieß es:  „Die Zerstörung des irakischen Kulturerbes durch die IS geschieht im Namen des Islams und um den Islam in Verruf zu bringen, denn solche Maßnahmen sind überhaupt nicht mit den erleuchtenden Lehren  des Islams vereinbar. Die Vernichtung von Spuren der Vorfahren, wo und weshalb auch immer, ist verwerflich. Zweifelsohne  besteht der Hauptgrund für die Zerstörung von Spuren und Werten und des stolzen Erbes  der  Vergangenheit, zu welchem Zweck auch immer, in der Unwissenheit über die Bedeutung und den Wert  des Kulturerbes und der menschlichen Zivilisation.“

 

Hodschatullah Dschudaki, ein Experte für internationale Fragen sagt im Zusammenhang mit der Zerstörung von historischen

Denkmälern im Irak durch die IS-Terroristen:  „Die Mitglieder dieser Gruppe vergleichen die Zerstörung der historischen Denkmäler in den irakischen Städten mit dem Tag, an dem der Prophet in Mekka eintraf  (und die Götzen in der Kaaba zerstörte) und bezeichnen ihr Vorgehen als Götzenzerstörung. Unterdessen besteht hier keinerlei Zusammenhang.  Ziel des  Propheten( Friede sei ihm und seinem Hause) war weder Rache noch Expansion und er hat beim Eintreffen in Mekka der Bevölkerung in dieser Stadt verziehen. Aber die IS versuchen zu siegen, indem sie Furcht und Schrecken unter der Bevölkerung verbreiten und sie umbringen…Unter den Mitgliedern der IS existiert leider keine korrekte Interpretation des Islams. Die Religion rettet die Menschen, wenn sie mit dem Verstand einhergeht. Aber wenn die Religion mit Unwissenheit gepaart ist, beschert sie den Völkern Unheil.“

 Der iranische Schriftsteller und Philosophiedozent Dr. Nasrullah Purdschawadi  hat auf seine Face-Book Seite eine Notiz zu der Zerstörung der antiken Denkmäler durch die IS gesetzt. In dieser heißt es an einer Stelle:

„Die IS gehen zu den antiken Gegenständen im Museum von Mosul und zerschmettern sie. Sie glauben,  wie Abraham zu  handeln,  aber sie vergessen dabei, dass Abraham (a) erst mit seinem Selbst gekämpft hat. Wenn die IS Kunstwerke zerstören, dann nicht nur deswegen, weil ihnen Kunst und Kultur fremd sind, sondern auch weil sie unter dem Komplex der Heimatlosigkeit leiden. Die IS spüren, dass sie keine nationale Identität und keine Geschichte besitzen  und es in ihrer Vorgeschichte keine kulturellen Elemente gibt. Welche Salaf as Saleh (rechtschaffene  Vorfahren zu Beginn der Islam-Ära)  haben denn Kunstwerke zerstört?“  

Natürlich irren sich die IS bei dem Vergleich ihrer Vergehen gegen die Kultur mit dem Vorgehen des Propheten des Islams und des Propheten Abraham auch noch in einer anderen Beziehung eindeutig. Denn diese beiden großen Propheten Gottes waren gekommen, um die Menschen aus der Unwissenheit zu retten und sie haben Götzen zerstört, die von den Menschen angebetet wurden.  Unterdessen hat es niemanden gegeben, der die historischen Denkmäler im Museum von Mosul anbetet.

Den leeren Behauptungen der IS bei der Rechtfertigung ihres Vorgehens kann außerdem  entgegengesetzt werden, dass im Gegensatz zu ihrer Meinung, die Wahrung und Beachtung des Kulturerbes einen wichtigen Platz in den islamischen Lehren einnehmen. Der Islam lehrt uns, dass ein großer Teil des Kulturerbes  aus den wissenschaftlichen Texten und Werken der Vorfahren besteht und deshalb eine wichtige Rolle bei der Übertragung des alten Wissens auf  die kommenden Generationen und beim Fortschritt der Wissenschaft und Kultur einer Gesellschaft gespielt hat.  

Außerdem unterstreicht der Islam, dass der Mensch keine Anbetungsstätten angreifen soll.  Zudem hat der Koran an mehreren Stellen dazu angespornt, die Geschichte der Vorfahren zu studieren, weil man dadurch zum Nachdenken angeregt wird und man daraus Lehren ziehen und  dadurch Wissen und Erkenntnis anreichern kann. Es gehört zu der Methodik des Korans, über das lehrreiche Schicksal der Vorfahren zu berichten und Weisheit und Mahnung in diese Berichte einzubinden und dies zeigt, wie wichtig die Geschichte für unser heutiges Leben ist.     Daher ist die Zerstörung von historischen Denkmälern und die Zerstörung von heiligen Städten und Gräbern von Gottgesandten und den Vorbildern der Religion durch die IS  ein Verhalten, dass  mit einer oberflächlichen und reaktionären Denkweise zu tun hat und/oder sogar ein Komplott zur Zerstörung der Vorgeschichte und Identität dieses geografischen Teils der Welt darstellt.   Die historischen Gegenstände die die IS in Mosul,  Ninive und Nimrud zerstört haben, gelten als materielles Erbe der Menschheit. 

Und daher müssen alle Organisationen Kulturfreunde auf der Welt eine entschiedene Reaktion zeigen. 

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