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Freitag, 26 Dezember 2014 06:06

Österreichisch-iranische Kooperation bei der Qualitätsprüfung von Gewässern

Hossein Mostafavi Hossein Mostafavi
Written by:  lavassani
"Das ist eine große Revolution für den Iran“, sagt Hossein Mostafavi. Er spricht nicht über Politik, sondern über Wissenschaft. Denn er konnte mit einem Team der Universität für Bodenkultur in Wien ein für den Iran völlig neues Bewertungssystem etablieren, das die Qualität von Fließgewässern beurteilt.
„Wasser ist in der iranischen Kultur sehr wichtig, auch im Gründungsmythos unserer Vorfahren wurde sieben Tage an den Flüssen gefeiert. Doch in den letzten Jahrzehnten haben Fließgewässer, so wie überall auf der Welt, starke Belastungen durch menschliche Eingriffe erfahren“, sagt Mostafavi. Er konzentrierte sich schon im Biologie-Studium in Teheran auf Süßwasser und erfuhr von der Möglichkeit, in Wien eine Dissertation über die Ökologie iranischer Fließgewässer zu schreiben.

Gemeinsam mit Stefan Schmutz, Leiter des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Boku, wurde der Antrag beim österreichischen Wissenschaftsfonds FWF eingereicht. Schmutz ist international angesehener Experte, der viele Parameter etablierte, die den ökologischen Zustand von Oberflächengewässern klar aufzeigen. Etwa der von ihm mitentwickelte Europäische Fisch-Index (EFI), der das Vorkommen von Fischarten heranzieht, um die Ziele der EU-Wasserrahmen-Richtlinie zu verfolgen und zu kontrollieren.

„In den USA und in Europa wird schon lange anhand der Fisch-Population der Zustand von Gewässern bewertet. Durch meine Dissertation wurde der erste Fisch-Index für den Iran entwickelt. Das macht mich stolz“, sagt Mostafavi. Immerhin haben in ganz Asien erst vier Länder einen ähnlichen Fisch-Index. „Unsere Methode ist für die asiatische Welt gänzlich neu: Mit der Kombination von Modellierung und Untersuchung an Probestellen können in Zukunft aquatische Ökosysteme im Iran und in ganz Asien besser gemanagt und erhalten werden.“

Mostafavi investierte fast fünf Jahre Arbeit in seine Dissertation. Der Iran hat aufgrund von geografischen und klimatologischen Bedingungen sehr diverse Ökosysteme, von ganz trocken bis ganz feucht, von minus 28 Meter Seehöhe am Kaspischen Meer bis zu 5671 Meter auf der Spitze des Damavand. Für über 1700 Stellen an Flüssen und Bächen im Iran wurde auf Basis von Datenbanken die Wasserqualität und der Einfluss menschlicher Eingriffe ermittelt. Am Computer wurde modelliert, wie das Vorkommen von Bachforellen den Zusammenhang von menschlicher Beeinträchtigung und Wasserqualität aufzeigen kann.

„Süßwasser erfüllt viele ökologische Funktionen. Durch Kraftwerke, Flussbegradigungen, Landnutzung und Industrie gehen manche der lebenswichtigen Funktionen verloren“, so Mostafavi. Im zweiten Teil der Studie besuchte er 190 Stellen an Fließgewässern im Iran, um Proben zu nehmen, die Fisch-Zusammensetzung zu kontrollieren, chemische und physikalische Parameter zu messen und den menschlichen Einfluss zu dokumentieren. Für den multimetrischen Fisch-Index wurden „beeinträchtigte“ Stellen mit vom Menschen eher unberührten verglichen.

Gastfreundschaft und Wissenschaft

Durch die Kombination mehrerer Modellierungsverfahren etablierte Mostafavi hier neue Parameter, die in Zukunft für offizielles Gewässermonitoring im Iran genutzt werden können. Neben dem FWF hat auch das Iranische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Technologie seine Dissertation finanziert. „Wien wird immer meine zweite Heimat bleiben. Ich habe hier große Gastfreundschaft erfahren und konnte auf hohem wissenschaftlichen Niveau arbeiten. Ich werde mich immer an das schöne Österreich erinnern. Bei meiner Rückkehr nach Teheran werde ich das erworbene Wissen an meine Studenten weitergeben“, sagt Mostafavi.

ZUR PERSON

Hossein Mostafavi wurde 1976 in Savadkooh-Zirab geboren und studierte Biologie im Iran. Er kam für seine Dissertation 2010 nach Wien, wo er an der Boku entwickelte Methoden lernte, die er nun im Iran einsetzen will. Der neue Fisch-Index soll helfen, die Gewässerqualität abhängig von menschlichen Beeinträchtigungen klar zu bewerten. Privat hat Mostafavi in Wien vor allem Kunst und Kultur genossen und wurde zum Opernfan.

(Quelle: Die Presse) 

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