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Dienstag, 16 September 2014 02:11

Dieses Stück Land wird Gaza genannt (4)

Dieses Stück Land wird Gaza genannt (4)
In diesem  Beitrag über den Gazastreifen geht es um Schulbildung und Studium.  Die Palästinenser legen großen Wert  auf ein Studium und hohes Bildungsniveau.

 

Gemäß einer Umfrage, die 2003 unter der Altersgruppe der 10- bis 24jährigen gemacht wurde, sind für 60 Prozent der Palästinenser die Bildung und das Studium das wichtigste.  Diese Einstellung verdient Beachtung, wenn man bedenkt, dass ständig der Schatten des Todes über den Menschen in Gaza schwebt.

Die Alphabetisierungsrate beträgt in Palästina auf  nationaler Basis 91,1 Prozent und unter den jungen Generation 98,2 Prozent.

Die Rate für  die Namenseintragung  in Schul- und Bildungszentren liegt sowohl bei der weiblichen als auch bei den männlichen Bevölkerung nicht nur über dem  Regionaldurchschnitt sondern sogar noch höher als die internationale Norm.

Der Schulbesuch  ist in Palästina bis einschließlich 10. Klasse   Pflicht. Der Besuch der  11. Und 12. Klasse ist freiwillig und Voraussetzung für ein Studium. Die Kindergärten gelten als Vorschule.

Im Schuljahr 2012-2013 gab es 2753  Schulen in dem gesamten palästinensischen Wohngebiet, d.h. Gazastreifen und Westjordanland.  In diesen Schulen haben in dieser Zeit 52 Tausend 690 Lehrer eine Million  136 Tausend und 739 Schülern Unterricht erteilt.  Die im Verhältnis zur Gesamtzahl der Palästinenser sehr hohe Schülerzahl hat damit zu tun, dass die Gesellschaft in beiden Palästinensergebieten jung ist.

Das Schulwesen in beiden Palästinensergebieten fällt in den Verantwortungsbereich des  Ministeriums für Schulbildung und Studium Palästinas , welches 1994 gegründet worden ist.

Dieses Ministerium hat die Gebiete in 22 Schulbezirke eingeteilt. 6 davon liegen im Gazastreifen. Der Anteil das Bildungsbudgets am Gesamthaushalt Palästinas steht in keinem Verhältnis zur Schülerzahl.  2003 wurd 18 Prozent des Gesamthaushaltes für  die Bildung vorgesehen. Die Lücke im  Budgetdefizits des Ministeriums für Schulbildung und Studium wird zum größten Teil durch internationale Hilfen ausgeglichen.

Aber das Ministerium für Schulbildung und Studium ist nicht die einzige Verwaltungsinstanz für das Bildungswesen in Palästina. Ein wichtiger Teil des palästinensischen Schulwesens  wird  von Einrichtungen der UNRWA geleitet.  Das ist das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten. Die UNRWA übernahm 1949 die Aufgabe, ausländische Hilfen an die palästinensische Bevölkerung weiterzuleiten. Sie soll jedem Palästinenser, der als Flüchtling eingetragen ist, verschiedene Dienstleistungen anbieten, darunter Bildungsdienstleistungen.

Die erste UNWRA-Schule nahm im Schuljahr 1959-1960 ihre Arbeit auf.  In den 55 Jahren, in denen die UNRWA im Bereich des Schulwesens der Palästinenser tätig ist, hat sie 710 Schulen eingerichtet. Diese Schulen bieten den 10-jährigen Pflichtunterricht bis zum Alter von 15 an.  Für die höhere Ausbildung der Palästinenser hat die UNRWA kein Programm vorgesehen. Allerdings hat sie 8 Schulen für Technische Lehrgänge und 3 College für Lehrerausbildung eingerichtet, an denen 6200 Palästinenser studieren.

Ein Teil der Palästinenser, die als Flüchtlinge eingetragen wurden, leben nicht in Gaza sondern in Libanon, Syrien und Jordanien.  Die UNRWA sorgt, unterstützt von den Gastgeberländern und manchmal unabhängig davon für den Schulunterricht von palästinensischen Kindern und Jugendlichen in den Flüchtlingslagern.

In Syrien und Jordanien haben die palästinensischen Flüchtlinge auch freien Zugang zu dem Bildungssystem des Gastgeberstaates.

Die UNRWA verwaltet in Gaza 245 Schulen. Zurzeit werden sie von 225 Tausend Schülern besucht. Die meisten dieser Schulen , nämlich 94 Prozent, müssen täglich in zwei Schichten unterrichten. Die Zahl der Lehrer beträgt 20 Tausend. Die UNRWA gibt

97 Prozent des Budgets, welches aus freiwilligen internationalen Hilfen bereitgestellt wird,  für das Bildungswesen aus.  Aber das Budgetdefizit dieses UN-Hilfswerkes  wächst von Jahr zu Jahr.

Vor kurzem hat der Leiter der UNRWA in einem Schreiben an die Arabische Liga die reichen Mitglieder dieser Organisation um eine Hilfe in Höhe von 47 Millionen Dollar gebeten, damit das Hilfswerk den Bedarf seiner 710 Schulen, 138 Kliniken  und 40 Nahrungsverteilungsstellen decken kann.

Durch jede neue Gaza-Offensive des zionistischen Regimes wird  die UNRWA natürlich hinsichtlich ihrer Dienstleistungen an die palästinensischen Schüler eingeschränkt. Von den 138 Schulen, die bei der jüngsten Gaza-Offensive den Bomben  der israelischen Armee zum Opfer fielen, standen 89 unter UNRWA-Leitung.  Bei dem Angriff von 2012 waren 300 Schuleinrichtungen  im Gazastreifen zerstört worden.  Jedesmal, wenn die Zahl der Schulen abnimmt, werden  die Unterrichtsklassen entsprechend noch überfüllter als vorher.

Doch das Budgetdifizit und die überfüllten Unterrichtsklassen sind nur zwei von zahlreichen  Problemen für das Bildungswesen in Gaza.

Wegen finanzieller Armut können die Eltern oft einige Dinge, welche ihre Kinder in der Schule brauchen, nicht besorgen. Die Blockaden, die das Besatzerregime Gaza aufgezwungen hat, schaffen ohnehin weitere Probleme für das Bildungswesen der Palästinenser. Zum Beispiel wird die Lieferung von Baumaterial nach Gaza streng unterbunden. Das stellt ein großes Problem für den Wiederaufbau von bombardierten Schulgebäuden oder den Bau neuer Schulen dar.  Die Blockade zieht auch die Lieferungen von Unterrichtsmitteln in Mitleidenschaft. Die Schulen in Gaza insbesondere die UNRWA-Schulen haben noch mit weiteren Problemen zu kämpfen, die auch durch die israelischen Angriffe entstanden.

Bei einer Gazaoffensive der Israelis  wie der jüngsten suchen viele Familien im Gazastreifen aus Angst um ihr Leben in den UNRWA-Schulen Schutz.  Außerdem ist diese UN-Einrichtung gezwungen,einige, die ihre Wohnung bei Angriffen des zionistischen Regimes verloren haben,  in diesen Schulen unterzubringen.  So werden die räumlichen Unterrichtsmöglichkeiten für die Schulbesucher in Gaza immer begrenzter, obwohl die Zahl der schulpflichtigen Kinder zusehends weiterwächst.

Auch die akademischen Ausbildungsstätten Palästinas, insbesondere im Gaza, sind von den Einschränkungen betroffen. In ganz Palästina gibt es 11 Universitäten, und darüberhinaus 13 Hochschulen für den Bereich Technik und Handel.  4 davon werden vom  palästinensischen Ministerium  und 2 von der UNRWA verwaltet. Die Studenten tragen in der Hauptsache die Unkosten der Universitäten. Ein anderer Teil der Kosten wird von dem palästinensischen Ministerium und mit Auslandshilfen bestritten. Im Studienjahr 2004/2005 waren über 138 Tausend Studenten in Palästina registriert. 55 Prozent von ihnen besuchten Universitäten und 34 Prozent von ihnen betrieben ein Fernstudium. Der Rest studierte an Hochschulen.

Das Interesse an einer Weiterbildung ist unter den Palästinenserinnen nicht geringer als bei dem männlichen Bevölkerungsteil. In einigen Jahren lag es sogar höher. Zum Beispiel  waren 2007 über die Hälfte derjenigen, die sich an Universitäten oder an einem  College eingeschrieben hatten, weiblich.  In Gaza können die Studenten an den Universitäten in diesem Gebiet nur bis zum Master of Science studieren. Für  den Doktorgrad sind sie gezwungen, in das besetzte Palästina zu gehen oder im Ausland zu studieren.

Im Rahmen des Kooperationsprogrammes zwischen den Universitäten besteht eine Chance für junge Palästinenser, ihr Studium in einem anderen Land fortzusetzen.

Die Probleme der Schüler und Studenten Palästinas, insbesondere  im Gazastreifen ähneln sich. Die Bildungsstätten von beiden sind den Angriffen des zionistischen Regimes ausgesetzt und begegnen wegen der Sanktionen diversen Entbehrungen.  Doch Schul- und Universitätsbesucher haben noch andere gemeinsame Probleme, zum Beispiel hinsichtlich der seelischen Belastung.

Wie eine Umfrage der UNO in allen Bildungszentren, d.h. Schulen und höheren Bildungsstätten  im Gazastreifen und im Westjordanland zeigte,  fühlen sich 57 der Besucher in diesen Ausbildungsstätten nicht sicher.
76 Prozent von ihnen leben mit der Furcht vor einem neuen Krieg. 86 Prozent der palästinensischen  Studenten  und Schüler haben Kummer  und 71 Prozent träumen schlecht.  Beides wirkt sich natürlich auf ihre Leistungen aus, inbesondere bei Schülern und Studenten im Gazastreifen.  Unter der noch sehr jungen Schülergeneration lebt jedoch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

 

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