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Mittwoch, 03 September 2014 10:27

Dieses Stück Land wird Gaza genannt (2)

Dieses Stück Land wird Gaza genannt (2)
Im ersten Teil haben wir einen kurzen Blick auf die lange  Vergangenheit und auf die Geographie dieses von Krisen heimgesuchten Gebietes geworfen. Nun wollen wir über die Flüchtlingslager in Gaza berichten. 

Zehntausende Palästinenser im Gazastreifen leben in Flüchtlingslagern . Die Lager werden Makhayyem (Machayem)  genannt.  Das größte dieser Lager ist das Dschabaliyah -Lager in der Nähe der gleichnamigen Stadt im Gouvernement Gaza.  

Über 110 Tausend Menschen leben im Dschabaliyah-Lager. Es gibt aber nur  ein einziges klinisches Zentrum und nur eine Zentrale für Verteilung von Nahrungsmitteln.  Fast genauso groß ist das Rafah-Lager im  Süden des Gaza-Streifens . Dort leben 104 Tausend Menschen. Alle 25 Schulen in diesem Lager müssen in einer Vormittags- und einer Nachmittagsschicht unterrichten, weil die Zahl der Schüler groß ist.

Das drittgrößte Flüchtlingslager ist „Al Shati“ an der Mittelmeerküste in der Nähe der Stadt Gaza.  In Al Schati leben 87 Tausend palästinensische Flüchtlinge auf einer Fläche von weniger als einen Quadratkilometer . Ihnen steht ein Minimum an Möglichkeiten zur Verfügung.

Das Gouvernement Chan Yunis  hat ebenfalls ein gleichnamiges Camp für 72 Tausend Bewohner errichtet. Es gibt 25 Schulgebäude im Chan-Yunis Camp. Auch diese arbeiten in zwei Schichten.

 

 Das ebenso sehr große Flüchtlingslager Noseyrat  im Gouvernement Dair al Balah bietet 66 Tausend Flüchtlingen halbwegs Unterkunft. Das Gouvernement Dair al Balah hat noch ein weiteres Camp, das nach diesem Gouvernement benannt ist und  auf einer sehr geringen Fläche von weit weniger als  einem Qudratkilmeter  21 Tausend Flüchtlinge  aufgenommen hat.  Das dritte Flüchtlingslager in Dair al Balah ist das  Al- Maghazi –Lager . In diesem sehr kleinen Lager leben 12.000 Menschen auf engem Raum.

 

Als letztes Flüchtlingslager im Gazastreifen ist Al Bureij (Al Bureidsch) zu nennen, wo sich  34 Tausend Menschen eine Fläche  von circa einem halben Quadratkilometer  teilen.

Das Leben in den Flüchtlingslagern ist wirklich nicht einfach.  Die Einwohner leiden unter der großen Bevölkerungsdichte. Sie leiden an  mangelndem  Wohnraum ebenso wie Mangel an geeignetem Nutz- und Trinkwasser. Auch Arbeitslosigkeit und Armut sind eine Plage für sie.

Dazu kommt, dass die Stromversorgung nicht ausreicht  oder manchmal ganz abbricht.

 

Viele Palästinenser in den Flüchtlingscamps im Gazastreifen haben im Gefolge der Militärangriffe Israels oder wegen der Unterdrückungspolitik dieses Regimes ihr Haus oder ihre Wohnung verloren.

Während der Offensiven von 2008 und 2009, welche die zionistische Armee auf den Gazastreifen verübte,  sind 2114 Palästinenserhäuser in Gaza von den Bomben und den Raketen dieses Besatzerregimes zerstört worden und 3242 verloren ihr Zuhause. Die meisten diesen Menschen sind als Flüchtlinge registriert und wurden in den vorläufigen Camps untergebracht.

Abgesehen von den Zerstörungen, die das zionistische Regime bei solchen Großoffensiven anrichtet, betreibt es auch ansonsten eine Politik der  systematischen Beseitigung von   Palästinenserhäusern. Dieses Regime rechtfertigt den Abriss von Palästinenserhäusern damit, dass es sich und seine  Kräften schützen müsse.

Zum Beispiel hat Tel Aviv einen Teil der Gebiete von Gaza  an der Grenze von Rafah unter dem Vorwand besetzt, dort Anlagen zur Vorbeugung gegen das  Eindringen von palästinensischen  Milizegruppen errichten zu müssen. Alle Palästinenserhäuser die dem Mauerbau in Rafah im Wege waren, hat das Besatzerregime mit Bulldozern in Begleitung von Waffengewalt abreißen lassen.  Auch die Palästinenserhäuser in näherer  Umgebung der Maueranlage wurden dem Erdboden gleichgemacht, und zwar wieder unter vorgeschobenen Sicherheitsgründen. 

Die Organisation human rights watch teilte 2004 mit, dass 16 Tausend Palästinenser im Gazastreifen wegen Zerstörung ihrer  Häuser in Rafah obdachlos  wurden. Es war Rafah, wo die amerikanische Menschenrechtsaktivistin Rachel Corrie 2003 bei den Protestaktionen gegen die Zerstörungsoperationen der israelischen Bulldozer ums Leben kam.

Während der zweiten Intifada in Palästina hat Tel Aviv als Anti-Terror-Strategie  3000 Häuser von Palästinensern, deren Familienmitglieder  sich den paramilitärischen anti-israelischen Gruppen angeschlossen hatten, mit Bulldozern zerstört. Sie zerstörten auch mit  Bulldozern , Bomben oder Explosionsmaterial Häuser unter dem vorgeschobenen Argument, dass sie möglicherweise von den Paramilitärs benutzt werden könnten.

 Die UNO verurteilte diese  Aggressionen Tel Avivs als Präsedenzfall einer Kollektivbestrafung und Verstoß gegen die internationalen Rechtsbestimmungen.

 

Damit sind die Wohnungsprobleme der Gaza-Bevölkerung noch nicht zu Ende. Sie werden durch Blockade des Gazastreifens verschlimmert. Das zionistische Regime hat bislang streng die Lieferung von Baumaterial in dieses Gebiet behindert.  Deshalb geht der Wiederaufbau von zerstörten Häusern oder die Häusereparatur und der Bau von neuen Unterkünften  für die Menschen in Gaza mit großen Schwierigkeiten einher und ist manchmal überhaupt nicht möglich.

Die Zionisten behaupten, die paramilitärischen Gruppen würden das Baumaterial für den Bau von unterirdischen Tunnelgängen verwenden und deshalb werde die Sicherheit Israels durch Lieferung von Baumaterial gefährdet. Die UNO begründete in ihrem Bericht den Abbruch der Wiederaufbauarbeiten in Gaza mit dem großen Mangel  an Baumaterial und erklärte, dass diese Organisation der Bevölkerung von Gaza nicht bei der Beschaffung einer geeigneten Unterkunft helfen konnte.

Das Bevölkerungswachstum in Gaza und der Bedarf an Wohnungen in diesem Gebiet wächst,  aber die Zahl der Wohnungshäuser oder noch bewohnbaren Gebäude für die Palästinenser nimmt weiter ab. Dies hat auch noch weitere  negative Begleiterscheinungen für die Menschen in Gaza.  Wegen der  starke Nachfrage nach Wohnungen und des geringen Wohnungsangebotes sind die Mietpreise  für die Familien in Gaza im Vergleich zu früheren Jahren um 400 Prozent teurer geworden. 

Die große Bewohnerzahl in den Gebäuden im Gazastreifen spiegelt in einem kleineren Format die  Bevölkerungsdichte im ganzen Gazastreifen wieder. Gemäß statistischen Angaben leben über eine Millione 700 Tausend Menschen im Gazastreifen.  Ein Vergleich der  durchschnittlichen  Einwohnerzahl in Gaza pro  Quadratkilometer  mit der gleichen statistischen Größe für andere Länder zeigt, dass der Gazastreifen eines der dicht besiedelsten Gebiete auf der Erde ist.  2014 beträgt die Zahl der Einwohner  pro Quadratkilometer 5046 Menschen.  Die Zentrale des Gazastreifens, die Stadt Gaza, steht unter den Städten mit der größten Bevölkerungdichte weltweit an sechster Stelle. Die Bevölkerungswachstumsrate in Gaza ist außerdem größer als an irgendeinem anderen Ort auf der Welt. Alleine in den Jahren 2008 und 2009 betrug die zusammengefasste Geburtenziffer in Gaza 5,2 Prozent.

 

Zu den charakteristischen Merkmalen der Bevölkerung in Gaza zählt daher auch, dass sie jung ist. 43, 5 Prozent der Bevölkerung im Gaza-Streifen ist 14 Jahre alt oder jünger. Die Bürger im Alter von 25 bis 54 machen ungefähr 30 Prozent der Gesamtbevölkerung dieses Palästinensergebietes aus.  Diese Gruppe ist auf der Suche nach Arbeit und Unterkunft , will heiraten oder ist bereits verheiratet .  Die Altersgruppe 15-24 bildet die dritte große Bevölkerungsgruppe im Gazastreifen.  Diese Gruppe erwartet nach der Gewährleistung von  Nahrung und medizinischer Versorgung auch die Möglichkeit zur Weiterbildung.

Viele Theoretiker Israels sind der Überzeugung, dass sich die Palästinenser leichter kontrollieren lassen, wenn sie ihre Dörfer verlassen müssen  und sich in den Städten ansiedeln.   In der Tat haben die Zionisten mit ihrer aggressiven Politik erreicht, dass die städtische Bevölkerung in Gaza 2011 wegen Landflucht auf 74 Prozent anstieg.

 Ein typisches Merkmal der Bevölkerung des Gaza-Streifens ist ihre Zusammensetzung hinsichtlich der Religionszugehörigkeit.    99,3 Prozent der Einwohner  dieses Gebietes sind Muslime und zumeist Sunniten.  Die Christen bilden 0,7 Prozent der Bevölkerung.

Dies war der zweiter Teil unserer Sendung, mit der wir sie etwas mehr mit Gaza vertraut machen wollen.  Wir laden sie ein,  uns auch im nächsten 3. Teil auf unserer Reise in dieses Gebiet im Nahen Osten zu begleiten.

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