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Donnerstag, 26 Juni 2014 01:49

Fußball, Kultur und Gesellschaft (3)

Fußball, Kultur und Gesellschaft (3)
In diesem dritten Teil werden weitere Auswirkungen des Fußballsportes auf die menschliche Gesellschaft untersucht.

Der FIFA-Welt-Pokal findet zurzeit, 2014, in Brasilien statt und und international herrscht Fußballfieber.  Die Fußballweltmeisterschaften in Brasilien  begannen, während hinter den Pforten der Stadien die Gegner dieser Veranstaltung  gegen die hohen Ausgaben für diese Spiele protestieren .

Wir sagten ja, dass Fußball und der Weltpokal  nicht nur Sportereignisse sind, sondern wirtschaftliche , kulturelle und soziale und sogar politische Aspekte  aufweisen. Ob wir wollen oder nicht, wir müssen akzeptieren, dass Fußball mehr als ein Sport und der FIFA-Weltpokal mehr als ein internationales Sportereignis ist.

Zu den Dingen, bei deren Beachtung etwaige Probleme bei zukünftigen Weltpokalen  vermieden werden können, gehören die geografischen Bedingungen im Gastgeberland  , ebenso wie die dortige kulturelle und soziale Lage, seine Bevölkerungsgröße und die Position des Landes in der Weltgemeinschaft , aber auch geografische Gegebenheiten.

 

Wenn zum Beispiel die brasilianischen Regierungspolitiker die öffentliche Meinung in ihrem Land richtig analysiert hätten, wäre es nicht zu diesen weitgehenden Demonstrationen in diesem Land gekommen und wären nicht dermaßen große kostspielige Sicherheitsvorkehrungen für die Spiele notwendig gewesen.

 Auch hätte die  FIFA niemals für das Jahr 2022 das Land Katar mit seiner  kleinen geografischen Fläche und seinen ungünstigen Klimabedingungen am Süden des Persischen Golfes  als Gastgeberland für den Weltpokal ausgesucht. Auf diese Weise hätte sie viele Probleme von den Teams, die an dieser Wettbewerbsrunde teilnehmen werden, ferngehalten.  Denn auch für die teilnehmenden Fußballteams spielen natürlich die Bedingungen im Gastgeberland, darunter die klimatischen und geografischen,  eine Rolle. 

Katar mit circa 11 Tausend 500 km Fläche und einer Einwohnerzahl von weniger als eine Millione, soll 2022 Gastgeber der Fußballweltmeisterschaften sein, und wird über eine Millionen Sporttouristen aufnehmen müssen.  Das heißt, dass die Regierung in diesem kleinen Land für ein Ereignis von der Dauer von nur einem Monat,  die  Infrastrukturen für seine jetzige  Bevölkerungszahl innerhalb von 8 Jahren für die Erwiderung der Bedürfnisse einer  doppelt so großen Zahl von Menschen ausbauen muss.

Der Fußball  kann zu den historischen Errungenschaften nach der Renaissance gezählt werden. Die westliche Gesellschaft nach der Renaissance  war darum bemüht, die Folgen jeden Ereignisses rational zu kontrollieren und hat sich mit zunehmender  Technik entfaltet.  Sie konnte die natürlichen und menschlichen Gefahren in gewissem Umfange drosseln aber sie hat auch neue künstliche Gefahren heraufbeschworen.

In den früheren Gesellschaften waren körperliche Kräfte für die Teilnahme an kriegerischen Auseinandersetzungen notwendig und der Sport diente diesem Endziel. Heute ist der Sport ein Erzeugnis des Modernismus und viele Faktoren und Abläufe in der modernen Welt haben dem Sport Eigenständigkeit beschert. Viele Berufsbereiche haben aber auch direkt mit dem Sport zu tun , wie Medizin, Wirtschaft, Pychologie, Soziologie  usw.

Darüber hinaus gibt es unbestreitbar auch eine Wechselwirkung zwischen den verschiedenen  politischen Interessengruppen  und dem Fußball. Simon Kuper hat in seinem Buch „Fußball gegen den Feind“  die wichtige Rolle der – wie er es nennt - internationalen Sprache des Fußballs einer Betrachtung unterzogen.  Er  hat 22 Länder besucht, um der erstaunlichen Auswirkung von Fußball auf die Politik und die Kultur in diesen Ländern auf die Spur zu kommen.  In einem Abschnitt seines Buches über die Bedeutung des Fußballs für die Politik, schreibt er: „Barcelona gilt in jedem Land als der wichtigste Sportclub. Warum?  Weil die Leiter dieses Fussballclubs und die Spieler gerne möchten, dass sie nur als Sportclub bezeichnet werden.  Aber es spielt ja keine Rolle was sie sagen, denn ein Fußballclub ist das, was er für seine Anhänger bedeutet.  Barcelona hat überall seine Anhänger zum Beispiel in  Tianjin in China und die Anhänger von Barcelona  fühlen sich mit  Katalonien, dessen Verwaltungszentrale Barcelona ist, verbunden.“

 

Die Bürger von Katalonien betrachten sich als erstes als Katalanen und dann erst als Spanier . Um dies zu demonstrieren, haben sie lange Gefechte und Aufstände gegen die spanische Zentralregierung in Madrid geführt. Sie haben bis zum Tod des spanischen Diktators Franko im Jahre 1975 unter der Herrschaft von Madrid gestanden.  Simon Kuper schreibt: „Barcelona ist hundertmal bekannter als Katalonien. Es ist und der große Stolz der Katalanen. General Franko kannte einmal die Zusammensetzung der Mannschaft von Real Madrid auswendig  und wenn Real Madrid in Barcelona spielte, durften die Fans von Barcelona nicht die katalanische Flagge mit dabei haben.“

Professor Lluis Flaqer,  ein katalanischer Soziologe schreibt dazu:“Die Menschen durften  auf der Straße nicht rufen: `Franko, du bist ein Verbrecher!` Deshalb riefen sie ähnliches den Spielern von Real Madrid zu.

Wir sehen also, dass die Politik sich auch auf den Fußball als wichtiges Thema des modernen Lebens auswirkt  und ihn als Hebel nutzen kann.

Fußball ist für  Millionen von Menschen eine Beschäftigung. Mehr als 280 Millionen Menschen spielen professional oder zum Zeitvertreib Fußball.  Der Fußball liefert ein Profil von den  seelischen Zuständen und den Verhaltensweisen einer Gesellschaft.  Fußball ist nicht nur ein Wettkampf. Er spiegelt menschliche Werte wieder. Darunter auch positive, denn bei diesem Sport kann man Eifer, Teamwork, Nachsicht, Ehrlichkeit und Ausdauer lernen.  Es lässt sich also sagen, dass der Fußball auch einen erzieherischen Wert hat und der Mensch ihn nutzen kann um seine Personalität zu entfalten.

Der Fußball sorgt entscheidend für ein soziales Zusammengehörigkeitsgefühl  und er versammelt verschiedene Bevölkerungsgruppen umeinander.  Doch kann der Fußball auch  bei politischen Konflikten  Anlass zu Spaltungen und Problemen und schmerzlichen Ereignisse geben.  Es kann exemplarisch das Ereignis vor einigen  Tagen angeführt werden, bei dem  in Nigeria und Kenia die Terrorbanden Boko Haram und al Schabaab brutal  gegen die  Fussballfans vorgingen, als diese die Weltmeisterschaften auf dem öffentlichen Fernseh-Bildschirm verfolgten. Laut dem Nachrichtenportal AKI  hatte diese Terrogruppe vorher Anschläge angedroht, um zu verhindern, dass sich die  Fußballfans versammeln.  Die Nachrichtenquellen erklärten, dass die Boko Haram und die Al Schabab den FIFA-Weltpokal auf diese und ähnliche Weise nutzen, um noch mehr Leute umzubringen. Diese beiden Gruppen verübten einen Angriff in einer kleinen  Küstenstadt  in Kenia und brachten 60 Menschen um. Sie verkündeten,  sie würden gegen die Fans der Fußballweltmeisterschaften 2014 vorgehen.

Der  englische Schriftsteller George Orwell hat den Fußball als eine Quelle für Unmoralitäten und für einen Krieg ohne Schiesserei erklärt. Unterdessen hat der  französische Philosoph  Jean Paul Sartre auf die Frage, was Fußball sei, gesagt: „Fußball ist ein  einfaches Spiel, bei dem wegen der Gegenwart des Gegenrteams alles kompliziert wird.“

Solche  Aussagen  verweisen jede auf eine bestimmte Seite des Fußballs und keine kann für sich alleine die jetzige gesellschaftliche Gesamtposition des Fußballs vollständig beschreiben.  Jedoch  mahnen uns solche Feststellungen , dass wir uns nicht nur während wichtiger Wettkämpfe wie dem FIFA-Weltpokal mit den kulturellen und sozialen  Seiten des Fußballs auseinander setzen sollten.  In Wahrheit  ist jedes Team, das an diesem wichtigen Sportereignis teilnimmt, nicht nur ein Team, sondern der Vertreter einer  Einstellung, die auf einer bestimmten Geschichte, Kultur und Geografie  beruht und um ein Nationalmannschaft richtig zu kennen , müssen wir seine Kultur, Geschichte und Geografie kennen.  Außerdem ist es notwendig, die wirtschaftliche, politische und soziale Bedeutung des Fußballs in jeder Gesellschaft zu erfassen und man darf darüber hinaus nicht den Spielchen der Medien und der Propaganda  zum Opfer fallen.

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