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Montag, 09 Juni 2014 06:56

Das Kulturerbe in Syrien im Strudel der Vernichtung (2)

Burg Krak des Chevalier und der Bergregion Wadi al-Nadara Burg Krak des Chevalier und der Bergregion Wadi al-Nadara
   In diesem zweiten Teil geht es um die Zerstörung bzw. Entwendung von Kulturerbe durch die Terrorbanden , die in Syrien aktiv sind.  Im  ersten Teil sagten wir, dass der blutige Krieg in Syrien, der den Tod von Tausenden verursachte und Millionen in die Flucht trieb, 

auch  Besorgnisse hinsichtlich des Schicksals der wertvollen historischen Spuren in diesem Land hervorgerufen hat. Während des Kriegsgeschehens in diesem Land  haben historische Bauten schwere Schäden erlitten und Museen wurden geplündert . Außerdem dienten archäologische Anlagen und das Weltkulturerbe in diesem Land den Rebellen und Terroristenbanden als militärischer Stützpunkt.

Vor Beginn des Krieges in Syrien war der Tourismus einer der wichtigen Pfeiler der Wirtschaft dieses Landes und viele Bürger arbeiteten in der Fremdenverkehrsindustrie und den damit in Verbindung stehenden Bereichen.  Doch inzwischen bezieht das Land keinerlei Einkommen mehr aus dem Fremdenverkehr und so gut wie kein Tourist kommt mehr nach Syrien. Wie der Fernsehsender Al Alam berichtete, erklärte  der World Monument Funds (WMF) mit Hauptsitz in New York City den Mangel an finanzieller Unterstützung, Wirtschaftsprobleme und Kulturarmut als Gefahrenfaktoren für historische Bauwerke in 41 Ländern der Welt.  Zum ersten Mal zählen nun auch die beiden Länder Syrien und Mali mit ihrem vollständigen Kulturerbe dazu.  

 

Joanne Farchakh Badschali von der WMF, welche Recherchen über das Ausmaß an Zerstörungen und Plünderungen von  Kulturerbe im Irak während der Besatzung  durch die USA durchgeführt hat,  sagt: „Die syrische Regierung hat circa 10 Jahre vor dem Krieg in ihrem Land landesweit insgesamt 25 Kulturmuseen eingerichtet, um auf diese Weise die Tourismusindustrie zu fördern und es werden wertvolle kulturelle Gegenstände  in diesen Museen aufbewahrt. Joanne Farchakh bemängelt jedoch, dass die syrische Regierung diese Museen nicht ausreichend genug gegenüber Diebstahl abgesichert hat was nun zu einem ernsthaften Problem geworden ist. Sie berichtet weiter: Zum Beispiel ist nun das Museum von Homs ausgeraubt worden und niemand weiß wer es war. Noch schlimmer ist, dass die Zwischenhändler von historischen und künstlerischen Werken heute den Markt in der Türkei und in Jordanien  mit aus Syrien gestohlenen Kunstwerken überschwemmt haben.  

Allerdings hat Interpol einen Teil der gestohlenen kostbaren Gegenstände aus Syrien in Jordanien, der Türkei und dem Libanon wieder beschlagnahmt, aber die bewaffneten Banden sind weiterhin mit modernen Geräten mit dem Raub von Kulturerbe in Syrien beschäftigt.“ Laut dem Leiter der Museen und antiken Plätze in Syrien werden dem syrischen Kulturerbe  durch die von den Mafiabanden gelenkten und  organisiert mit moderner Ausrüstung erfolgenden  Plünderungen noch ein größerer  Schaden zugefügt als durch den Krieg.  Er verweist zum Beispiel auf die Entwendung einer einmaligen Mamorfigur von unglaublichen Wert  aus der Zeit der Aramäer im 8. Jahrhundert vor Christus.

 

Die  syrische Kulturministerin  sagt, dass die Gruppen aus dem Westen mit Hilfe der Terroristen zu den historischen Plätzen gelangen und das syrische Kulturerbe ausplündern. Dr. Lubana Maschouh sagt auch: „Die Terrorgruppen machen sich  in den besetzten Gebieten ohne Beachtung der Grundsätze bei Ausgrabungen  auf die Suche nach historischen und zivilisatorischen Spuren. Durch den Verkauf von gestohlenem  nationalen Kulturerbe des Landes  gelangen sie an Geld und Waffen. Der Kultur von Syrien werden dadurch irreparable Schäden zugefügt.“

Sie fuhr fort: Einige Archäologengruppen  plündern aufgrund der Analysen von zum Beispiel Satelittenbildern, die ihnen westliche  Länder zur Verfügung gestellt haben, und mit Hilfe der Terroristen das antike Kulturerbe Syriens aus.“

Die Kultusministerin von Syrien  unterstreicht, dass die Hälfte der 435 Kulturzentren im Land während der Krise aufgrund von Zerstörungsmaßnahmen und Angriffen der bewaffneten Terrorgruppen in verschiedenen Provinzen vernichtet oder schwer beschädigt wurden.“  

Die Zerstörung von antiken Bauwerken durch die Terroristen in Syrien ist eine traurige Tatsache. Einige archäologisch wertvolle Orte sind zu Schlupfwinkeln der Rebellen geworden. Zum Beispiel die Bauten in dem inneren Teil der Ruinen von  Bosra (Bostra). Zu  dieser Anlage gehörte eines  der am besten erhalten gebliebenen römischen Amphitheater der Welt, von dem nun nicht  mehr viel übrig geblieben ist. Auch sind einige Bauten aus der byzantinischen Zeit in den Gebäudeanlagen in  Al-Bara (Nordwestsyrien, ) und Deir Sunbel zu Ruinen geworden.  Die Holzläden des Großen Bazaars von Halab (Aleppo) die ebenso zum Weltkulturerbe in diesem Land gehörten, sind sämlich abgebrannt. Die Mauern der Marienkirche Um Az zinnar  einer syrisch-orthodoxen Kirche in Chums wurden beschädigt, aber auch die Säulen des Baal-Tempels in Palmyra und  die Stadtmauern dieser alten Stadt blieben nicht unverschont. Die historischen Felder  in Damaskus, Palmyra , Halab (Aleppo) Bosra und den nördlichen historischen Gebieten in Syrien, „Tote Städte“ genannt, gehören gleichfalls  zu den beschädigten Stätten.

Die englische Zeitung Independant berichtete, dass die Mitglieder der ISIS (Islamische Staat von Irak und Syrien (auch Daisch oder ISIL) im vergangenen Januar byzantinische Mosaike aus dem 8. Jahrhundert  nahe der Stadt Ar Raqqah in Nordsyrien zersprengt haben.  Außerdem haben die Takfiri-Gruppen, die nur sich selber als Gläubige betrachten, das Relief auf einem Friedhof aus der Römischen Herschaftszeit und die römischen Satuten  in der Provinz Aleppo vernichtet.  Independant schrieb, dass antike Bauwerke , die in den vergangenen 5 Jahrtausenden erhalten geblieben sind, bei den jetzigen Verhältnisse rasch in  Trümmerhaufen verwandelt werden könnten.

Nicht ohne Zusammenhang  mit der Zerstörung des Kulturerbes in Syrien muss auch die Entstehung einer neuen Art von Syrien-Tourismus verstanden warden. Kurz nach Kriegsbeginn in Syrien warnten  europäische Sicherheitskreise, dass dieses Land zu einem Reiseziel für Terroristen, die von der Al Qaida unterstützt  werden, geworden ist. Es wurde darauf hingewiesen, dass  unter einigen englischen Bürgern ein so genannter Terror-Tourismus Mode geworden ist, der die Sicherheit gefährdet. Der Leiter des englischen Sicherheitsdienstes MI5  gab vor dem Ausschuss für nationale Sicherheit des britischen Parlaments  bekannt, diese Art von Tourismus  mit terroristischen Absichten habe wegen den laufenden Probleme in Syrien zugenommen.

Laut Andrew Parker ist Syrien inzwischen für einige Leute  ein attraktives Reiseziel geworden, die in Zusammenarbeit mit der Al Qaida und zur Unterstützung der Terroristen dieser Gruppe in dieses Land reisen.

Wir müssen ergänzen, dass diese Leute und Gruppen zwar erklären, sie wären religiös motiviert, aber in Wahrheit keine Spur von  Glauben besitzen und in  verschiedenen Formen bewiesen haben, dass sie sich nicht an den Islam und an die Prinzipien der Menschlichkeit halten. Zum Beispiel hat einer der Anführer der Takfiri-Terrobande ISIS (Daisch) in Syrien erklärt, er werde alle Kirchen, die nach dem Beginn der islamischen Ära erbaut wurden,  zerstören. Das zeugt nicht nur für den Fanatismus dieser Leute,  sondern auch dafür, dass sie zwischen den Religionen Unfriden stiften wollen.

Unterdessen hat der Prophet des Islams keine Gebetsstätte anderer Himmelsreligionen zerstört.

Die aufständigen Gruppen haben wiederholt Angriffe auf die Heilige Grabstätte von Zeynab, einer Enkelin des Propheten Gottes (s) und die Schwester von Imam Hussein (a) verübt. Sie haben auch andere  Bauten, welche den Muslimen viel wert  sind, zerstört und dass sind weitere anti-religiöse Aktivitäten der Terrorgruppen in Syrien, die leider fortgesetzt werden. Vor kurzem hat die Terrororganisation ISIS  die Kuppel , die Minarette und den Schrein von  Uwais al Qarani, Ammar Ibn Yasir  und   Ubai Ibn Qays Nachai, die alle  Prophetengefährten waren, zerstört. Diese Terroristen haben schließlich das Mausoleum dieser drei Persönlichkeiten aus der islamischen Frühzeit dem Erdboden gleich gemacht.

Außerdem hat die Gruppe, die sich „Freie Armee“ nennt , vorher die Ruhestätte einer  anderen Persönlichkeit   aus der islamischen Frühzeit namens Hujr ibn Adi in Damaskus zerstört. 

Das Vorgehen der Terroristen hat nicht nur die Muslime, insbesondere die Schiiten,  verletzt und erzürnt, sondern fand auch auf internationaler Ebene ein negatives Echo und entlarvte erneut diese Verbrecher und ihre Unterstützer.

Es taucht nach aller Besorgnis und allem Bedauern noch eine ethische Frage hinsichtlich der  Zerstörung von historischen und religiösen Schatztümer in Syrien auf.  Die Menschlichkeit diktiert nämlich, dass der Tod von tausenden Menschen in diesem Krieg um ein Vielfaches schlimmer ist als die Vernichtung und die Entwendung von dreittausendjähriger Zivilisationsgeschichte in diesem Land.  Dazu ist zu sagen, dass auch  dieser Kulturraub  mit menschlichen Problemen verknüpft ist, denn diese Plünderungen haben der Fremdenverkehrsindustrie dieses Landes einen schweren Schlag versetzt und bedrohen auf diese Weise die Zukunft von  Millionen von Einwohnern in diesem Land. Kann daher die Staatengemeinschaft wirklich ihr schwaches Verhalten gegenüber diesen Ereignissen verteidigen?

 

 

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