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Freitag, 20 Juli 2007 14:16

Teil 3

Im zweiten Teil unseres Beitrags haben wir von der zunehmenden Hinwendung zum Osten gesprochen, die sich im 18. Jahrhundert unter den Dichtern in Europa entwickelte. Im heutigen dritten Beitrag aus der Reihe „Von Weimar bis Shiraz" möchten wir näher betrachten, wie Johann Wolfgang von Goethe mit dem Orient Bekanntschaft schloss.

Die Hinwendung zum Orient begann für Goethe mit dem Heiligen Buch der Juden. Natürlich war Goethe bereits mit der Bibel vertraut und seit seiner Kindheit war seine Vorstellung vom Osten geprägt worden. Mit dem Islam, den Muslimen und den Völkern im Osten, speziell im Orient war der Westen schon Jahrhunderte vorher in Kontakt getreten. Der Koran wurde 1143 nach Christus zum ersten Mal ins Lateinische übertragen. Vierhundert Jahre später gab ihn Martin Luther in Basel in Druck. So konnte Goethe auch einen Eindruck vom Koran gewinnen. Er versuchte sogar Teile des Koran in die deutsche Sprache zu übersetzen.
Schon in der Anfangszeit seines literarischen Wirkens zählte Goethe zu denjenigen, die sich lobend über den Islam äußerten. Besonders die Bedeutung des Wortes „Islam" und deren feiner, tiefer Sinngehalt beeindruckten ihn. Goethe brachte den Grad seines regen Interesses für den Islam wie folgt in schöner Poesie zum Ausdruck:

Narrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist,
Wenn Islam Gott ergeben heißt:
Im Islam leben und sterben wir alle.

Goethe, der sich mehr mit dem Islam vertraut machte, nannte den Grundsatz von der Existenz des einzigen Gottes den höchsten weltanschaulichen Gedanken. In seinen Reimen führt er alle Errungenschaften des Propheten des Islam auf dessen bekannten Ausruf: „sagt: Es gibt keinen Gott außer dem Einzigen Gott und finde Rettung bei ihm."
Hier die Verse Goethes:
Und so muss das Rechte scheinen
Was auch Mahomet gelungen.
Nur durch den Begriff des Einen
Hat er alle weit bezwungen.

Goethe interessierte sich in Wirklichkeit bereits als junger Mensch für den Propheten des Islam und dies trotz der unbegründeten Vorurteile, die viele im Westen über den Islam hatten. Goethe verteidigte den Islam und dies wirkte sich allmählich immer mehr auf die deutsche Orientalistik und auf die intellektuellen Geistesströmungen in diesem Lande aus - ein Punkt, der zu erwähnen ist.

Neben der persönlich gewonnenen Erkenntnisse über den Islam wirkten sich auch Reisebeschreibungen von Orientalisten, die sich in verschiedenen orientalischen Ländern aufgehalten hatten, auf Goethes Bekanntschaft mit dem Orient aus. Goethe weist im zweiten Teil seines lyrischen Werkes "West-östlicher Diwan", welchen er als Erläuterung schrieb, auf diese Reiseberichte hin. Er geht in diesem Teil seines Werkes auf den Reisebericht Marco Polos und den von Johannes von Monte Villa ein. Er weist auf das Leben des Pietro della Valle hin, welcher 1586 in Rom geboren wurde und Reisen nach Ägypten und Damaskus unternommen hat. Pietro della Valle ist auch im Iran gewesen und zwar zur Zeit der Safawiden. Er hat viel über die damalige Hauptstadt Irans, Isfahan, deren Parks, Karawansereien und Bauwerke geschrieben.
Der Gesandte von Schleswig Holstein, Adam Olearius geb. 1599 hatte ebenfalls den Orient bereist. Von seiner Reise in den Iran 1635-39 brachte er einen Iraner und ein Buch in persischer Schrift mit nach Hause. Dieses Buch war nicht weniger als das Golestan. Golestan ist das schöne Poesiewerk des bekannten iranischen Dichters Saadi aus Shiraz. Mit Hilfe des Iraners, - er hieß Haqwardi übersetzte Olearius dieses Gedichtswerk ins Deutsche.

Diese gelang 1653 nach Christus. Gottfried Herder äußerte sich, nachdem er die Golestanübersetzung gelesen hatte, wie folgt darüber:
„Dieses Werk ist die beste Blütenknospe, die im Garten eines Sultans aufbrechen kann".

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