Für Karim war das besonders schlecht, denn das Kamel war sein einziger Besitz gewesen, während Qanbar zu Hause noch andere Kamele besaß.
In der kleinen Ortschaft hatten Qanbar und Karim an einer Quelle ihren Durst gestellt und dann in den Schatten eines Baumes aufgesucht, um ein wenig zu schlafen. Als Karim aufwachte, richtete er sich auf und schaute ein wenig um sich. Da entdeckte er einen kleinen schwarzen Lederbeutel unter einem Felsgestein. Er ging und öffnete ihn. Das Säckchen war voller Goldmünzen. Aufgeregt rief er seinen Freund: „Qanbar, Qanbar steh auf.“
Qanbar schaute verschlafen zu Karim herüber und schloss dann wieder die Augen.
„Steh auf!“ rief Karim wieder. „Sieh was ich gefunden habe.“
Dann schüttelte er das Säckchen, damit Qanbar die Münzen klirren hört.
Qanbar war plötzlich hell wach. Karim erzählte freudig lachend, wo er den Beutel gefunden hatte und sagte: „Ich glaube Gott hat uns diesen Beutel geschickt, um den Verlust der Kamele auszugleichen. „Ja“, sagte Qanbar. „Dieses Säckchen gehört nun uns. Was sollen wir mit den Münzen machen?“
Karim sagte: „Da brauchen wir nicht lange zu überlegen. Wir teilen sie uns !“
Aber Qanbar dachte anders. Er wusste dass Karim gutgläubig und anständig ist. Er aber war ein listiger Mensch. Qanbar sagte zu Karim:
„Weißt du, wenn wir alle Münzen mit in die Stadt nehmen, könnte jemand etwas merken und versuchen sie zu stehlen. Wir sollten nur so viel davon nehmen, wie wir brauchen und den Rest unter einem Baum verstecken. Wenn wir wieder Geld nötig haben, holen wir uns den Rest!“
Karim willigte ein. Sie nahmen eine Handvoll Münzen aus dem Beutel und teilten diese unter sich auf. Den Beutel mit dem Rest versteckten sie unter dem Baum und rollten einen großen Stein darüber. Fröhlich machten sie sich auf den Weg in die Stadt.
Es vergingen einige Wochen. Qanbar hatte alle Münzen ausgegeben. Nun war der Zeitpunkt gekommen, seinen Plan auszuführen. Es war dunkel und keiner würde ihn sehen. Er machte sich auf den Weg zu dem Baum, wo der Rest der Münzen versteckt lag. Qanbar rollte den Stein beiseite, holte das Geldsäckchen aus der Erde und brachte den Stein wieder an den vorherigen Platz. Dann machte er sich auf den Heimweg.
Liebe Hörerfreunde. Diese Geschichte aus Kalileh wa Damneh wird beim nächsten Mal fortgesetzt und nun ist die Reihe an dem iranischen Sprichwort, nämlich Ta Ablah dar Dschihan ast, Mufles dar nemimanad.
Ein Rabe hatte mehrere Tage nichts gegessen und großen Hunger. Auf der Suche nach etwas Futter gelangte er an ein Haus. Die Frau des Hauses hatte einige große Brocken Schafskäse in eine Schüssel gelegt und saß neben dem Wasserbecken im Hof. Sie hatte den Wasserhahn geöffnet, um den Käse, der in einer Salzlake gewesen waren, zu waschen. In der Nähe saß auch eine Katze und starrte auf die Käsestücke.
Der Rabe dachte beim Anblick des Käses: „Hoffentlich ist diese Frau so dumm und geht kurz weg! Dann kann ich mir ein großes Käsestück holen. Aber wenn die Katz miaut, was ist dann?“
Der Rabe saß auf der Mauer des Hauses und äugte auf den Käse herunter, als die Frau einen Lärm im Haus hörte, und ohne auf die Katze und den Raben zu achten, zum Haus ging und den Käse liegen ließ. Die Katze machte sogleich einen Satz und schnappte sich ein Stück Käse, doch etwas verfrüht: Die Frau, die bei der Haustür angelangt war, bemerkte es, machte kehrt und lief hinter der Katze her. Da sah der Rabe eine günstige Gelegenheit gekommen. Er flog von der Mauer herunter und griff sich mit dem Schnabel ein gutes Stück Käse. Dabei dachte er: „Was für eine einfältige Frau! Solange es noch solche Leute gibt, brauchen hungrige wie ich und die Katze sich nicht zu sorgen. Sie werden schon etwas zu Essen finden.“
Der Rabe trug den Käse davon. Nachdem er das Dorf verlassen hatte, setzte er sich auf einen Baum.
Zufällig kam ein hungriger Fuchs vorbei. Dessen Blick fiel auf den Käse und ihm lief das Wasser im Mund zusammen. Er dachte: Diesen Käse muss ich haben!
Der Fuchs blieb unter dem Baum stehen und rief: Grüß dich Herr Rabe! O wie schön! Welch einen schönen Schwanz und welch einen schönen Schnabel du hast. Und wie herrlich schwarz leuchten deine Federn!“
Der Rabe hätte ihn gerne zurückgegrüßt. Aber da fiel ihm ein, dass dann der Käse aus seinem Schnabel fällt. Deshalb schwieg er. Doch der Fuchs hatte so schön gesprochen und ihm Komplimente gemacht!
Der Fuchs schmeichelte ihm weiter: „Gott habe deinen Vater selig! Er hatte nicht nur ein schönes Gefieder, so wie du es von ihm geerbt hast, sondern auch eine schöne Stimme. Wenn er krächzte, war es einfach entzückend! Ich weiß nicht ob deine Stimme auch so schön ist! Vielleicht hast auch du diese Stimme von deinem Vater geerbt.“
Der Rabe konnte sich nicht erinnern, dass sein Vater je eine schöne Stimme gehabt hat. Er sah wie der Fuchs sich in einen Winkel setzte und hörte ihn sagen:
„Ach sing doch ein bisschen für mich, damit ich feststelle, ob deine Stimme so schön ist wie die von deinem Vater. Ich bin sicher, dass es so ist!“
Der Rabe mochte es, dass der Fuchs so löblich über ihn sprach und er dachte, ich sollte einmal so richtig für ihn krächzen. Deshalb schloss er die Auge und ließ so gut er konnte, sein Krächzen ertönen.
Kaum hatte er den Schnabel geöffnet, fiel natürlich der Käse zu Boden. Der Fuchs schnappte sich den Leckerbissen und verschlang ihn, bevor der Rabe so richtig begriffen hatte, was überhaupt passiert war.
Der Rabe war auf den Fuchs hereingefallen. Da dachte er: Diesmal war ich der Dumme. Solange es Dumme auf der Welt gibt, bleibt jemand wie der Fuchs nicht hungrig. Ta ablah dar Dschihan ast, Muflis dar nemimanad. Dieser Satz wurde zum Sprichwort und man benutzt ihn, wenn jemand aus Dummheit etwas aus der Hand gibt.



