Der Sultan, der es leid war , jeden Morgen aus dem Schlaf gerissen zu werden, ersann einen Plan gegen den Goldschmied.
Er nahm seinen Smaragdring und ging in Begleitung seines Wezirs in die Goldschmiede.
Der Sultan holte den Smaragdring hervor: „Dieser Ring ist Tausend Goldmünzen wert und ich habe Angst, er geht verloren. Du sollst mir einen ähnlichen Ring mit einem Glasstein anfertigen. Dann werde ich meinen Smaragdring nur noch zu besonderen Anlässen tragen.“
Der Goldschmied legte den Ring in eine kleine Schatulle. Dann öffnete er seinen Tresor. Gerade wollte er die Tür des Tresors gut verriegeln, als der Sultan ihn um ein Glas Wasser bat. Sofort ging er ein Glas Wasser aus dem Nebenraum holen. Der Sultan aber ließ seinen Wezir schnell den Ring aus der Schatulle herausnehmen. Als der Goldschmied kam bat er diesen, die angelehnte Tresortür fest zu verriegeln und sagte, nachdem dies geschehen war: „Du hast drei Tage Zeit mir den bestellten Ring anzufertigen. Am vierten Tag will ich ihn zusammen mit dem Smaragdring zurück haben. Aber wehe wenn mein wertvoller Ring verloren geht. Das wird dir das Leben kosten.“
Der Sultan ging und bestieg mit seinem Wezir ein Schiff. Sie fuhren aufs Meer hinaus und dort warf er den Smaragdring ins Wasser.
Der Goldschmied ging nach Hause und berichtete seiner Frau von dem Geschehen. Die sagte: „Geh schnell wieder zurück. Du solltest den Ring des Sultans nicht aus den Auge lassen. Wenn er verloren geht, dann…“ Da bekam es der Goldschmied mit der Angst zu tun . Er eilte in seinen Laden zurück, öffnete den Tresor und fand die leere Schatulle vor.“ Als seine Frau ihm das Mittagessen brachte, erfuhr sie von dem Unglück. Da suchten beide verzweifelt nach dem Ring des Sultans!
Drei Tage lang hatte der Sultan nicht mehr den Goldschmied am frühen Morgen beten hören,
Doch am vierten Tag wurde er wieder von dessen Gebet geweckt.
Da stürmte der Sultan wütend zur Goldschmiede, gefolgt von einem Henkersknecht. Er rief aufgeregt: „Gib mir die beiden Ringe, sonst ist es um dich geschehen!“
Der Schmied öffnete den Tresor und holte die Schatulle hervor . Es lagen zwei Ringe darin: Der Smaragdring und der bestellte Ring mit dem Glasstein.
Der Sultan war völlig verblüfft: „Wie ist das möglich?!“
Der Goldschmied berichtete: „Nachdem ich mit meiner Frau vergeblich nach dem Ring gesucht habe, war ich sehr niedergeschlagen. Ich habe zu Hause gesessen und zwei Tage lang kein Essen mehr angerührt. Da hat meine Frau auf dem Markt einen großen Fisch gekauft. Beim Säubern fand sie einen Ring im Bauch des Fisches. Sie zeigte ihn mir. Es war Euer Smaragdring. Da habe ich schnell den bestellten Ring angefertigt und deshalb heute am vierten Tag wieder mein Gebet beim Öffnen des Ladens gesprochen.
Der Sultan war tief erstaunt und zugleich beschämt. Er zog den Goldschmied in die Arme und rief: „Mein Gott! Du bist wirklich ein rechtschaffener Mann. Ich bitte dich um Verzeihung für das, was ich dir angetan habe. Ich habe den Ring nämlich ins Meer geworfen.“
Dann ließ er zehntausend Dinar für den Goldschmied holen und sagte ihm : „Ich möchte, dass du mich ab jetzt jeden Morgen mit deinem Gebet weckst, nämlich
O du Allwissender, der du das tägliche Brot schickst. Deine Macht ist unendlich. Selbst wenn etwas ins Meer fällt, so kommt es durch deine Macht wieder ans Land.
Nach dieser Geschichte aus dem iranischen Buch „98 Märchen“ folgt unser Sprichwort:
Zuresch be char nemiresad – palanesch ra mizanad.
Ein Mann hatte einen Lastesel, mit dem er sich seinen Unterhalt verdient. Eines Tages aber begann der Esel um sich zu treten. Da schalt ihn der Mann : „Warum bist du nicht vernünftig wie die anderen Esel?“ Kaum waren sie ein Stück weitergegangen, da schlug der Esel wieder mit seinen Hufen aus. Sein Besitzer warnte ihn: „Mach das nicht noch mal!“ Da blieb der Esel bis zum Abend ruhig.
Doch am nächsten Tag riss er sich im Bazaar los und begann durch die Menschenmenge zu rennen. Alle stoben auseinander. Schließlich hielt der Esel erschöpft vor einem Laden an. Sofort hatte ihn eine Menschenmenge umringt. Da erreichte auch der Eselbesitzer den Ort. Die Menge zeterte. Einer sagte: „Du sollstet diesen Esel solange schlagen bis er sich richtig benimmt!“
Ein anderer schlug vor: „Gib ihm ein paar Tage nichts zu fressen!“
Der nächste meinte: „Sperr ihn ein paar Tage ein.“
Der Eselsbesitzer hörte beschämt und stumm zu. Dann nahm er sein Tier am Ziegel und führte es nach Hause. Unterwegs sagte er zu dem störrischen Esel: „Dir geht es zu gut! Ich habe dir immer Heu und Wasser gebracht und nun blamierst du mich auf diese Weise. Du kannst etwas erleben!“
Der Mann sperrte den Esel im Stall ein und gab ihm nichts zu fressen. Das Tier blieb ein paar Stunden still aber dann begann es laut zu schreien: Ia Ia
Der Eselbesitzer bekam Mitleid und so brachte er dem Tier Wasser und Heu. Der Esel schien ruhig. Doch am nächsten Tag begann der Ärger im Bazaar von neuem. Diesmal holte der Eselsbesitzer seinen Stock hervor.. Der Esel ergriff die Flucht und der Besitzer rannte hinter ihm her, gefolgt von einer ganzen Reihe von Schaulustigen. Der Esel rannte auf der Flucht vor den Stockhieben so lange, bis ihm an einer Ruine die Luft wegblieb und er stehen blieb. Sein Besitzer ließ sich erschöpft auf den Boden fallen. Die Schaulustigen warteten was nun passieren werde. Nachdem der Eselbesitzer sich ein wenig ausgeruht hatte, stand er auf, nahm dem erschöpften Esel die Satteldecke ab und breitete sie auf dem Boden auf. Dann warf er einen Blick auf sie und sagte wütend: „Du willst mir auf die Nerven gehen! Jetzt kannst du etwas erleben.“ Darauf begann er mit der Peitsche auf die Satteldecke einzuschlagen. Der Esel schielte verwundert herüber und die Schaulustigen brachen in Gelächter aus: „Was machst du denn da?
„Ich will diesem dummen Esel einen Denkzettel verpassen!“
„Was nützt das denn?“ fragte einer „Du kommst nicht gegen den Esel an, deshalb schlägst du seine Satteldecke?“
So entstand also das Sprichwort: Zuresch be char nemiresad – palanesch ra mizanad - er kommt nicht gegen den Esel an, deshalb schlägt er seine Satteldecke! Man verwendet es, wenn jemand nicht gegen einen Stärkeren ankommt, und sich deshalb an anderen rächt.



