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Donnerstag, 29 Januar 2009 08:37

Esskultur und Gastfreundschaft in Iran

Bevor wir uns in einen weiteren Landesteil Irans begeben, wollen wir heute über ganz allgemein in Iran verbreitetes Brauchtum und alte Traditionen sprechen.Heute geht es um die Sitten rund um das Essen und die Gastfreundschaft, seien Sie herzlich willkommen!

Iran ist schon seit vielen Epochen seiner Geschichte Gastgeber für Reisende und Iran-Forscher, die mehr oder weniger ausführliche Reisenotizen und Reiseberichte hinterlassen haben. Natürlich wurde in diesen Berichten teilweise auch auf die besonderen Sitten und Gebräuche der Iraner bezüglich ihrer Essgewohnheiten eingegangen. An dieser Stelle muss aber darauf hingewiesen werden, dass in einigen dieser Reiseberichte aufgrund ungenauer Kultur- oder Sprachkenntnisse, falsche Informationen festgehalten wurden.
Deshalb wollen wir heute nun etwas genauer auf die Essgewohnheiten der Iraner eingehen.
Wenn auch aufgrund der als global anzusehenden Veränderungen in der Welt zu sagen ist, dass sich die Sitten der Menschen vereinheitlicht und verändert haben, und dieser Prozess auch vor Iran nicht Halt gemacht hat, so kann man doch noch viel Traditionelles in Iran finden. Trotzdem Tisch und Stuhl weiten Einzug im Lande gefunden haben, ist die seit alters her gewohnte „Sofreh" - also das Tuch, dass man zum Essen auf dem Boden ausbreitet, noch sehr beliebt und verbreitet. Die „Sofreh" - oder das „Esstuch" kann von vielerlei Beschaffenheit sein, früher wurde sie ausschließlich aus Stoff gefertigt aber heute sind in der Regel Plastikdecken oder Wachstücher in verschiedensten Farben, Formen und Mustern zu sehen. Um dieses „Esstuch" sitzen die Familien gerne in froher Runde, besonders auch an freien Tagen fühlt man sich dem gemeinsamen Essen an der „Sofreh" verbunden.
Für die Zubereitung der Speisen ist in der iranischen Familie in erster Linie die Mutter verantwortlich. Mit dem ihr eigenen Geschmack sowie mit Geduld und Geschick bereitet sie die Lieblingsspeisen ihrer Familie zu. Die Iraner legen bei den Lebensmitteln auch großen Wert auf Hygiene- und Gesundheitsaspekte und von daher ist es für sie sehr bedeutend, dass die Speisen frisch gekocht sind. Mit besonderer Vorliebe essen sie frische Kräuter zum Essen. Da diese sozusagen in rohem Zustand gegessen werden, ist eine gute Reinigung, mit besonderen, für Kräuter und Gemüse geeigneten antiseptischen Reinigungsmitteln, die dem Wasser zugesetzt werden, erforderlich. Diese frischen Kräuter - wie Radieschen, Pfefferminze, Kresse, feiner persischer Lauch, Perlzwiebeln, Kerbel, Basilikum, Estragon und Bohnenkraut - sind eine Zierde für jede „Sofreh".
Aber nicht nur hygienische und ästhetische Aspekte haben eine Bedeutung für die Speisen der Iraner, sondern auch, dass die Lebensmittel und Speisen nach den islamischen Gesetzen „halal" - also erlaubt - sind. Ebenso ist der Weg ihrer Beschaffung von Bedeutung, d.h. das Geld, mit dem die Lebensmittel bezahlt werden, muss auf religiös rechtlichem Wege erwirtschaftet sein. Auch sitzt man nicht gerne an einem Esstuch mit Leuten, von denen man weiß, dass sie Unrechtes tun.
Die Iraner beginnen ihre Mahlzeiten im Namen Gottes also mit „Bismillah" und danken Gott am Ende des Essens für seine Segensgaben.
Die Iraner sind seit alters her auch für ihre Gastfreundschaft bekannt und es gibt diesbezüglich vielerlei Sitten und Gebräuche und dieses Thema kommt deshalb oft in Sprichwörtern, Erzählungen und Geschichten der Iraner vor. Ein Teil der Gastfreundschaft ist die Bewirtung des Gastes. Der Gast erfährt allgemein eine besondere Aufmerksamkeit und Ehrerweisung und der Gastgeber ist bemüht, eine vielseitige Auswahl an Speisen für den Gast vorzubereiten und anzubieten und durch eine freundschaftliche Atmosphäre dessen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Bei der Bewirtung mit Speisen sind bei den Iranern vielerlei Höflichkeiten die so genannten „T'arofs" üblich und der Gastgeber bringt sein Wohlwollen und seine Zuneigung durch diese Höflichkeiten gegenüber dem Gast zum Ausdruck. Während des Gastmahles wird den älteren Personen und den Kindern spezielle Aufmerksamkeit geschenkt.
An dieser Stelle sollten wir auch noch die Gemeinschaftlichkeit und die Hilfsbereitschaft bei der Vorbereitung und Zubereitung des festlichen Essens, beim Auftragen auf die „Sofreh", und wiederum beim Abtragen nach dem Essen sowie beim Waschen des Geschirrs erwähnen. All diese Aufgaben werden nicht allein der Hausfrau überlassen, sondern die nächsten Familienangehörigen, Nachbarn und Freunde schaffen durch gemeinsames „Mitanpacken" eine freundschaftliche und angenehme Atmosphäre. Ein wichtiger Faktor für diese Einladungen zum gemeinsamen großen Essen, ist die Wertschätzung, welche der Islam auf den Kontakt der Familien, Nachbarn und Bekannten legt. Für die Muslime ist es von großer Bedeutung sich nach dem Wohlergehen ihrer Verwandten zu erkundigen und sich gegenseitig einzuladen und den Kontakt zu pflegen.
Aber nicht alleine Familien und Freunde werden zum Essen eingeladen, unter den iranischen Muslimen ist es weit verbreitet, das man aus verschiedensten Anlässen, wie der Erfüllung von Gelöbnissen, religiösen Feiertagen oder anderen religiösen Anlässen wie z.B. im Fastenmonat, Essen in großem Maße zubereitet und Bedürftige zur reich gedeckten „Sofreh" einlädt. Jeder Muslim, der finanziell dazu in der Lage ist, macht es sich zu einer lieben Pflicht, anlässlich eines Gelöbnisses oder auch nur um eine Wohltat zu tun, diejenigen mit guten Speisen zu verköstigen, für die solche nicht alltäglich sind.
Liebe IRIB-Freunde, da wir uns heute mit den Essgewohnheiten und der Speisekultur der Iraner beschäftigen, wollen wir kurz auch noch auf traditionelle und nationale Speisen eingehen. Die iranische Speisekultur ist abgesehen von Fleisch und Gemüse sehr reichhaltig und abwechslungsreich, da Iran ein Land der 4 Jahreszeiten ist und ein sehr vielfältiges Klima besitzt. In den verschiedenen Regionen Irans kann man auch viele verschiedenartige örtlich-traditionelle Speisen finden. Zum Beispiel können im Norden und Nordwesten unter Verwendung der dort wachsenden wilden Kräuter und Gemüse, zusammen mit Hülsenfrüchten und Fleisch oder auch ohne Fleisch, wohlschmeckende und sehr beliebte regionale Gerichte zubereitet werden. Im Norden und Süden des Landes sind natürlich aufgrund der Meeresnähe Fischgerichte weit verbreitet und die iranischen Garnelen gehören zu den besten Meeresfrüchten mit hoher Qualität und hohem Nährwert und es werden schmackhafte Speisen daraus zubereitet.
Brot gehört zu den wichtigsten Dingen, die man auf einer iranischen „Sofreh" findet. Iranisches Brot wird auf verschiedenste Weise gebacken, und es ist allgemein gesehen sehr dünn und wird als Fladenbrot bezeichnet. Brot wird in Iran in der Regel frisch verzehrt, und die Brotbäckereien backen sowohl morgens früh, als auch vor dem Mittag und dann wieder am Nachmittag, sodass es jedem möglich ist zur Mahlzeit frisches Brot zu bekommen. Die Hauptbrotsorten heißen „Noon lawasch", ein sehr dünnes Fladenbrot aus Weizenmehl; „Noon taftun" - ein rundes, ebenfalls flaches Brot aus Gerstenmehl; „Noon sangak" - ein flaches, längliches Brot, welches auf heißen Kieselsteinen gebacken wird; und „Noon barbari", ein ebenfalls lang gezogenes, aber etwas dickeres Brot. Die beiden letztgenannten Brote werden gerne mit Sesamsamen oder Schwarzkümmel bestreut gebacken, was ihnen ein besonderes Aroma verleiht. In ländlichen Gebieten werden noch vielerlei andere Brotsorten gebacken, regional unterschiedlich. Hier ist es zumeist auch noch üblich in hauseigenen, vertikal in den Boden gebauten Backöfen zu backen, während in den Städten das Fladen- und „Barbari-Brot" im Backofen auf horizontal kreisenden Fließbändern gebacken wird.
Zu den in Iran weitgehend überall verbreiteten traditionellen Gerichten gehören z.B. das „Tschelokabab" , das ist gedämpfter Reis mit Fleischspießen; „Abguscht" bestehend aus Schaffleisch, Hülsenfrüchten, Kartoffeln und speziellen Gewürzen; „Fesendschan", eine Soße aus zerstoßenen Walnüssen mit Granatapfelsirup und Geflügelfleisch oder Hackfleischbällchen; „Ghormesabzi" - ein Gericht aus einer speziellen Kräutermischung mit roten Bohnen und Schaffleisch, welches zu Reis gegessen wird. Zu den Gerichten auf der iranischen „Sofreh" gehören je nach Jahreszeit auch verschiedene Salate und nicht zu vergessen das schon erwähnte „Sabzi" - die sehr beliebte Mischung frischer Kräuter. Wegzudenken sind auch die verschiedensten „Torschis" nicht - das sind in Essig eingelegte Früchte oder Gemüse, deren Zusammensetzung und Herstellung Geheimnis jeder iranischen Hausfrau ist. Im Sommer und Herbst sind also die meisten iranischen Familien mit der Herstellung ihrer „Torschis" beschäftigt, aber auch die vielfältigsten Marmeladen und Konfitüren sind an dieser Stelle zu erwähnen - sie gehören ebenso auf die „Sofreh" einer iranischen Familie, insbesondere auch, wenn Gäste eingeladen sind.
Ein ebenso beliebtes wie gesundes Getränk zum Essen ist der „Dough", der aus einer Wasser-Joghurt-Mischung hergestellt und mit aromatischen Kräutern wie z.B. Pfefferminze gewürzt wird.
Nach dem Essen, wird Schwarztee gereicht und frische Früchte je nach Jahreszeit, werden angeboten.
Wir hoffen Sie haben Appetit bekommen - also bis dann!

 

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