Donnerstag, 10 Mai 2012 19:33

Israelischer Vizepremier: Iran drohte nicht mit Auslöschung Israels

Dan Meridor Dan Meridor
  Gerhard Wisnewski Meine Güte: da haben die Mainstreammedien so einen schönen Bombenkrieg gegen den Iran herbei geschrieben, und nun das. Vor aller Öffentlichkeit räumte der israelische Vizepremier Dan Meridor ein, Iran habe nie mit der Auslöschung Israels gedroht...

 

 

Seit Jahren werden unsere Qualitätsmedien nicht müde zu behaupten, der Iran wolle Israel »von der Landkarte tilgen«. Ursprünglich stammt die Formulierung aus einer Rede, die Ahmadinedschad am 26. Oktober 2005 auf einer Konferenz namens »Die Welt ohne Zionismus« hielt. Hinterher behaupteten die großen Nachrichtenagenturen, aus denen sich fast alle Journalisten bedienen, Ahmadinedschad wolle

 

  • Israel ausrotten (DPA),
  • Israel von der Landkarte radieren (AFP),
  • Israel von der Landkarte tilgen (Reuters, AP).

 

 

Keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg

Zwar stellte immerhin die Süddeutsche Zeitung den Schwindel 2008 richtig. Demnach habe Ahmadinedschad wörtlich gesagt: »In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.« Was in Wirklichkeit bedeute: »Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der

Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden.« Oder kürzer: »Das Besatzerregime muss Geschichte werden.« Und das sei »keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg, sondern die Aufforderung, die Besatzung Jerusalems zu beenden.« Doch in diesem Fall halfen nicht einmal die rudimentären Selbstreinigungskräfte der etablierten Medien.

 Im August 2011 fand sich die Formulierung schon wieder in den Schlagzeilen: »Mahmud Ahmadinedschad will Israel ›auslöschen‹«, titelte Welt online groß am 26. August 2011. »Iran sei entschlossen, Israel ›auszulöschen‹«, habe er nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur ISNA in einem Interview mit dem libanesischen Fernsehsender Al-Manar gesagt.  Danach belebten auch weitere Springer-Blätter die umstrittene Formulierung wieder: »Irans Machthaber Mahmud Ahmadinedschad hat gedroht, ›Israel von der Landkarte zu tilgen‹«, schrieb die Bild-Webseite am 4. Februar 2012.

Aber ob das stimmt? Zweifel sind angebracht. Denn unterhalb der spektakulären Schlagzeile »Iranischer Präsident Ahmadinedschad will Israel ›auslöschen‹«, relativierte die Berliner Morgenpost (26.08.2011) das Zitat: »Wer für Menschlichkeit ist, muss auch für die Auslöschung des zionistischen Regimes als ein Symbol der Unterdrückung und Diskriminierung sein«, habe Ahmadinedschad gesagt. Woraus klar wird: Auch hierbei ging es dem iranischen Staatschef offenbar nicht um die »Auslöschung« der Menschen, sondern um die »Auslöschung« des »zionistischen Regimes«. Vorausgesetzt, der Ausdruck »Auslöschung« wurde überhaupt benutzt.

 

 

Das Geschäft der Kriegsfraktion

Die Frage ist nur: Warum hängen insbesondere die Springer-Medien so an der Vorstellung, der Iran wolle Israel »von der Landkarte tilgen« oder »auslöschen«? Ganz einfach: damit besorgen die Blätter das Geschäft der israelischen Kriegsfraktion. Schließlich behauptete noch im Januar 2012 der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak, die Iraner seien ein Volk, »dessen Führer sich selbst zum strategischen Ziel gesetzt haben, Israel von der Landkarte zu wischen.« (Zeit-Fragen, 13.02.2012.)

 Kürzlich gab es in der Sache jedoch eine überraschende Wendung. Am 14. April 2012 nahm der Al-Dschasira-Moderator Teymoor Nabili den israelischen Vizepremier Dan Meridor ins Gebet. Meridor ist nicht nur Vizepremier, sondern auch Minister für Geheimdienste und Atomenergie, also genau für die Ressorts, die am besten über den Iran Bescheid wissen müssten. Die Vorstellung, dass der Iran Israel auslöschen wolle, werde ja von vielen Leuten in Israel und den USA verbreitet, sagte Al-Dschasira-Mann Nabili zu Meridor: »Aber wie wir wissen, sagt Ahmadinedschad weder, dass er plane, Israel auszulöschen, noch dass die Auslöschung Israels iranische Politik sei. Die Position Ahmadinedschads und die des Iran war die ganze Zeit, und er hat das wiederholt gesagt, dass der Iran keine Pläne hat, Israel anzugreifen«. Vielmehr wolle Ahmadinedschad die Menschen im Wege einer Volksabstimmung selbst über das Schicksal des israelischen Staates entscheiden lassen, so Nabili. Und den Ausgang dieses Referendums werde Ahmadinedschad akzeptieren.

 

 

»Sie haben nicht gesagt: ›wir werden es auslöschen‹«...

Und tatsächlich gab Meridor die iranische Position daraufhin überraschenderweise einigermaßen korrekt wieder: Demnach träfen die iranischen Führer »grundsätzlich die ideologische und religiöse Aussage, dass Israel ein unnatürliches Gebilde ist, das nicht überleben wird. Sie haben nicht gesagt: ›wir werden es auslöschen‹, da haben Sie Recht«, räumte er ein, »aber dass es ›nicht überleben wird, dass es ein Krebsgeschwür ist und entfernt werden sollte‹. Sie haben wiederholt gesagt: ›Israel ist nicht legitim, es sollte keinen Bestand haben‹.« Womit natürlich der Staat Israel gemeint ist, nicht aber seine Menschen.

Zu befürchten ist allerdings, dass an dieser Wahrheit auch in der Zukunft kein Interesse besteht. Schließlich ist die Behauptung, der Iran wolle Israel »auslöschen«, ein allzu bequemer Grund, sich »zu verteidigen«..(Quelle:http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/gerhard-wisnewski/israelischer-vizepremier-iran-drohte-nicht-mit-ausloeschung-israels.html;jsessionid=6B7B10E8DDA52EE4D793AD729E3E3E43)

 

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