Sonntag, 16 Oktober 2011 11:08

9. Oktober. 2011

Bismillah-ir-rahman-ir-rahim  Vielleicht passiert es bei IRIB „Funk in Deutsch“ auch irgendwann einmal, daß die deutschsprachigen Sendungen eingestellt werden so wie es Ende Oktober jetzt bei der Deutschen Welle geschieht.
Natürlich wäre das sehr bedauerlich, steht jetzt auch noch gar nicht zur Diskussion, aber theoretisch gesehen ist angesichts des Beispiels, mit dem die DW hier vorangeht, hiermit nichts mehr unmöglich. Immerhin besteht wohl kaum ein Zweifel daran, daß die DW mit 260 Frequenzstunden pro Tag bisher sicher eine der bedeutendsten und gewichtigsten Rundfunkstationen für interessierte Hörer in der ganzen Welt gewesen ist, und einundsechzig Jahre deutschsprachiges Programm ein Resummee ist, wie es nur wenige Auslandsstationen vorzeigen können.

Hobbyfreund und DXer Dieter Leupold in Dresden kann es gar nicht fassen – die Einstellung des deutschsprachigen Hörfunkprogramms aus Bonn auf der bekannten Stammfrequenz 6075 kHz. Seine E-Mail vom 26. September macht keinen Hehl daraus.

„Leipzig, am 26. September

Betrifft: Deutsche Welle

Hallo, werte deutschsprachige Kurzwellenredaktion in Teheran!

In dieser Mail liegt als Anhang ein Auszug aus dem Juliheft des Radio-Kuriers weltweit hören 2011 über die Einstellung der Kurzwellensendungen der Deutschen Welle in Deutsch, Russisch, Persisch und Indonesisch bei. Leider wird es dann keinen Auslandsdienst mehr aus Deutschland geben.

Mit Good DX und 55, 73

Dieter.“

Aber keine Sorge, liebe Leute, bei Radio „Stimme der Islamischen Republik Iran“ werden die Zuhörer noch nicht „mit dem Stuhl auf die Straße gesetzt“ – um auf einen entsprechenden Ausdruck von Hörerkollege Martin Brosche zurück zugreifen. Nein, Sie dürfen brav vor Ihrem Empfänger sitzen bleiben, die Woche über die Ohren spitzen, sich am Hörerstammtisch zu Wort melden und mit einem Brief oder einer E-Mail dafür sorgen, daß der Briefkasten der deutschsprachigen Redaktion in Teheran auch zukünftig weiter klappert... so wie es der Gager-Paul in Deutschkreutz immer praktiziert und letzlich dafür gesorgt hat, daß der Hörerpostkasten sich verschluckt hat bei den RRs am laufenden Band.

Ja, jetzt haben wir das Malheur und die Hörerpostbearbeiterinnen vom Dienst haben sich doch tatsächlich bei der Numerierung verheddert! Dann aber viel Spaß beim Rekonstruieren und Nachzählen, während der Paul in seine dicke Wolljacke gewickelt zuschaut und dabei erzählt:

„Am beliebten Hörerstammtisch gestern, was gab es Namen, Namen, Namen! Daß einem ganz schwindlig davon wird!

Natürlich freut man sich aber auch über die Anerkennung der guten Arbeit, die die deutschsprachige Redaktion in Teheran mit bescheidenen Mitteln leistet.

Zum Vergleich: Im Hörerbriefkasten einer konkurrierenden Station aus Mitteleuropa wurde am Sonntag gerade eine Hörerzuschrift verlesen von einem Hörer, dessen Name Ihnen wohl bekannt sein dürfte!

Räusper räusper ... hust hust!!

Mit naßkalten Grüßen und Vorfreude auf dem drohenden General Winter,

Paul Gager, Deutschkreutz.“

Die „Vorfreude“ bei Paul steht natürlich in Anführungszeichen, denn wer ist schon über einen so frühen Winter erbaut, der nicht nur, wie erwartet, in den höheren Lagen Westösterreichs Einzug gehalten hat, sondern am 18. September über Nacht auch in die Täler gekommen ist mit Schneetreiben und Temperaturen um zwei Grad, was zu dieser Jahreszeit das letzte Mal 1936 vorgekommen ist. Paul fröstelt es bei der nassen Kälte, brummelt:

„Wie wunderbar... und am ersten Oktober, also gerade rechtzeitig zum Start der langen Heizsaison, werden die Erdgaspreise wieder mal angehoben. Also, es kann nur besser werden“, und schließlich meint er:

„Ab Dienstag sollen angeblich die Temperaturen wieder etwas ansteigen. Aber mit einem kurzen Abstecher zum öffentlichen Sommerbad nach getaner Arbeit, damit dürfte es wohl in diesem Jahr vorbei sein!“

Tja, Paul, das fürchte ich auch. Und Du wirst es auch verkraften können, von Deinem Hörerkollegen aus Lauenburg jetzt zu hören, daß er in seinem Feriendomizil in dieser Hinsicht momentan unvergleichbar besser dran ist.

„26. September

Liebe deutsche Redaktion,

heute kommt mein Empfangsbericht wieder aus meiner Wohnung in der Türkei, wo uns immer noch 34 Grad zum Schwitzen bringen. Aber das wird ja bei Euch im Iran ähnlich sein, nur daß Ihr es ja wohl gewohnt seid.

Aber im Meer ist es herrlich auszuhalten.

Mit freundlichen Grüßen,

Erik Oeffinger.“

Es stimmt, daß in der Hörerpostsendung vom 19. September eine ganze Menge Hörernamen genannt wurden, man muß ja immer mal von Zeit zu Zeit so durch die Reihen gehen und schauen, wer da ist und wer nicht. Bei der Gelegenheit wurden aber viele auch noch nicht erwähnt, so zum Beispiel Hans Kopyciok und Chris Edler in Rostock nicht, die beiden Monitore unserer Station an der Ostsee, und Gerard Koopal, der über den Empfang der Kurzwellen ebenfalls sorgfältig Buch führt und dabei seinen Posten am Atlantik bekleidet.

„Almere in der Provinz Flevoland, Holland

Liebe Redaktion,

habe mir Eure Sendung vom 2. August angehört auf 5940 kHz mit SINPO 5 4 4.

Es gab Nachrichten, eine Story und Musik.

Mit den Nachrichten kann ich nicht immer übereinstimmen. Aber es ist interessant, auch andere Meinungen zu hören.

Viele Grüße,

Gerard Koopal.“

Der Empfangsbericht von Chris Edler und seinem QTH in der Umgebung des Botanischen Gartens in Rostock ist jüngeren Datums, bezieht sich auf die Sendung am 25. September und die Frequenz 9565 kHz; bei seinem Kollegen Hans Kopyciok, der in der Nähe des Hauptbahnhofs wohnt, handelt es sich um vier Berichte, die er über die Sendungen vom 7., 19., 22. und 28. Juli angefertigt hat, sowie um einen älteren vom 3. April, alle mit sehr zufriedenstellenden Empfangsergebnissen.

Von den zahlreichen Kommentaren und Stellungnahmen zu den gehörten Programmpunkten, die Hans Kopyciok aufgeschrieben hat, möchte ich eine kleine Auslese vorlesen und mich bei der Gelegenheit auch gleich beim Schreiber dafür bedanken. Ich denke, seine Ausführungen sind für alle ganz interessant.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mir angewöhnt, mich über viele der unterschiedlichen Kulturkreise, die es auf der Welt gibt, zu informieren, um mir dann eine eigene Meinung zu bilden. So sind Ihre Programme nicht allein wegen der Nachrichten aus dem Nahen Osten, sondern auch wegen der Darstellung von Abschnitten aus dem iranischen Kulturkreis immer interessant. Den Beitrag über das Leben des Imam Hussein (wenn ich den Namen richtig verstanden habe) und den Beitrag über die Hochschulen im Iran im 12. nachchristlichen Jahrhundert am 7. Juli habe daher mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Im Beitrag ‚Islam, Ernährung und Gesundheit‘ am 22. Juli erhielt ich nun endlich Aufklärung über die Tischgewohnheiten im Islam. Ja, auch ich hatte mich immer darüber gewundert, daß man beim Essen auf dem Boden saß! Ich stimme natürlich der Forderung zu, daß Familien gemeinsam speisen sollen. In meiner Familie wurde täglich zumindest das Abendessen gemeinsam genossen.

Auch die Sendung über die Natur und den Umgang des Menschen mit der Natur entsprach in wesentlichen Teilen meinen Ansichten, wenn ich auch an diese Frage von einem ganz anderen weltanschaulichen Standpunkt herangehe. Wir leben gemeinsam auf dieser Erde und haben die Pflicht, diese in jeder Hinsicht zu schützen. Aber wie man sieht, geht Profit doch meist immer vor.

Mit den besten Grüßen,

Hans Kopyciok.“

Bei den Namen, die es noch zu nennen gibt, muß ich nun noch einen besonders hervor heben. Es ist Manfred Soukup, der Name eines Stammhörers, der „Uns und unseren Hörern“ seit Jahr und Tag Gesellschaft zu leisten pflegte, wenn der Hörerstammtisch tagte, und immer mit eigener Post dabei.

Am 21. September 2011 haben unsere Kollegen im Berliner IRIB-Büro wieder einmal von ihm Nachricht bekommen. Dieses Mal kam er aber nicht persönlich vorbei, wie es sonst seine Art und Weise war. Eine Nachricht von seiner Frau war es, die das kleine Team am Schiffbauerdamm plötzlich aufhorchen ließ.

„Das Leben eines lieben Menschen ging zu Ende.

Die Erinnerung aber bleibt.

Sie tröstet, spendet Hilfe und bringt Hoffnung.

Mein lieber Ehemann Manfred Soukup ist am 16. September 2011 verstorben.

Eva Soukup.“

„Manfred Soukup, Stammhörer der deutschsprachigen Sendungen von Radio Teheran, war ein liebenswerter Mensch,“ schreibt Ali Zavareh dazu mit Bedauern.

„Er war stolz auf seine Bekanntschaft und seine Beziehungen zur ‚Stimme der Islamischen Republik Iran‘, pflegte ehrliche Kontakte mit der Rundfunkstation, und immer, wenn er uns hier im Büro besuchte, herrschte eine freundschaftliche Atmosphäre.

Ich habe gerade bei seiner Frau angerufen und ihr unser Beileid ausgesprochen.

Ali Mohammad Zavareh, IRIB-Büro Berlin.“

Auch „Wir und unsere Hörer“ werden Manfred sehr vermissen. Schade, daß er so unversehens von dannen gegangen ist. Aber seine Postkarte aus Vietnam, die Buchzeichen aus Kairo, die vielen Päckchen Sammlermarken aus der DDR, die Spenden für unsere Teekasse und die Mappe mit den schönen Kunstdrucken aus der Serie „Alte Meister“ werden die Erinnerung an ihn stets wach halten und sicher ihr Teil dazu tun, daß wir ihn nicht vergessen.

Sicher erinnern Sie sich noch an die Hörerpostsendung, in der Michael Lindner in Gera nach QSL-Karten von anno dazumal aus Teheran fragte: „Wie haben die ersten QSL-Karten von Euch damals eigentlich ausgesehen?“

Volker Willschrey in Dillingen nahm dies zum Anlaß, im Freundeskreis eine Umfrage zu starten. Also schickte er ein Rundmail an alle Hobbyfreunde und DXer, die er kannte und erkundigte sich bei ihnen, wer denn noch iranische QSL-Karten aus den 60er Jahren hätte. Er selbst hat welche aus den 1971/1972er Jahren, also auch schon rechte Museumsstücke; aber die frühesten, die es gibt, sind das sicher noch nicht.

Werner Schubert in Grafing hätte gerne weitergeholfen.

„Aber leider muß ich Sie da enttäuschen“, schreibt er am 1. Oktober. „Ich bin Jahrgang 1966 und war somit, als Ihr anfingt, erst ein Jahr alt. Die ‚Stimme der Islamischen Republik Iran‘ habe ich erstmals 1979 oder 80 gehört, so genau weiß ich das nicht mehr. Mein erster Empfangsbericht blieb ohne QSL-Karte, so daß ich es im November 83 nochmals mit einem Brief versuchte. Diese QSL liegt nun vor mir: Sie zeigt eine Gruppe von Demonstranten mit einem Transparent, darauf ein Spruch von Imam Khomeini. Die andere Seite gab mir ‚Im Namen Gottes‘ eine Empfangsbestätigung für meinen Bericht vom 25. November 83 auf der Frequenz 9022 kHz. Übrigens, die Karte kam erst im folgenden Jahr, am 7. Mai 84 an. Unter der Anschrift stand noch mit roter Maschinenschrift: ‚Entschuldigen Sie die Verspätung!‘

Sie sehen, die lange Wartezeit auf iranische QSLs hat auch schon Tradition.“

Michael Schmitz vom ADDX-Verein wühlte nun seinerseits in seinem QSL-Karten-Archiv. Und siehe da, es fanden sich zahlreiche Abbildungen von QSL-Karten aus dem Iran. Interessant war aber die älteste davon: Es handelt sich bei diesem Stück um eine QSL-Bestätigung aus dem Jahr 1954. Den Scan davon hat Michael Schmitz umgehend per E-Mail ans deutsche Programm in Teheran geschickt. Eine tolle Sache!

1954 gab es die deutschsprachigen Sendungen aus Teheran zwar noch gar nicht, und die Bestätigung bezieht sich daher eigentlich auch gar nicht konkret auf das deutschsprachige Auslandsrundfunkprogramm. Aber immerhin – ein interessanter Fund, dieser vergilbte QSL-Bestätigungsbrief aus Persien vor fast sechzig Jahren!

„2. Oktober

Sehr geehrte Radioredaktion!

Ab den 1950er Jahren hat Radio Teheran für alle Sprachdienste eine solche QSL-Faltkarte verschickt, wie ich sie Ihnen eingescannt habe, und die einen englischen Text aufwies.

1969 tauchten dann erstmals andere, einseitig bedruckte QSL-Karten auf, die links lediglich das Stationslogo und rechts den englischsprachigen QSL-Text aufwiesen.

Im Jahre 1973 kam die erste QSL-Karten-Serie von Radio Teheran heraus. Sie zeigte rechts die verschiedenen Sendezentren des Landes und links den ebenfalls wieder englischsprachigen QSL-Text. Auch diese Karten wurden für alle Sprachdienste ausgegeben. Es handelte sich hierbei um einseitig farbig bedruckte Karten. Ferner sind dies die ersten Karten, auf denen auch vermerkt wurde, für welchen Sprachdienst sie ausgestellt wurden.

Die Kartenserie mit den iranischen Sendezentren wurde in den Folgejahren in verschienenen Layouts aufgelegt: 1976 mit großem Bildmotiv der Sendezentren und englischsprachig bedruckter Rückseite. 1979 folgte ein neues Layout der Kartenserie, diesmal wieder ohne Angabe des Sprachdienstes.

Ich nehme an, die nach dem Sturz des Schah ab Beginn der 1980er Jahre herausgegebenen QSL-Karten liegen Ihnen noch vor, und es ist nicht nötig, daß ich hierzu weitere Details recherchiere.

Mit freundlichem Gruß,

Michael Schmitz

Redaktion Radio-Kurier - weltweit hören.“

Alle Beispiele wurden von Michael Schmitz mit Scans belegt, so daß wir nun nicht mehr mit leeren Händen dazustehen brauchen und in der Lage sind, Michael Lindner in Gera alle Abbildungen über das Blitzpostnetz zuzuleiten. Aber gerne möchte ich es auch in die Wege leiten, daß die Bilder zusätzlich in unserer Heimseite verewigt werden – die historischen, ganz frühen QSL-Bestätigungen von Radio Iran oder Radio Teheran von anno dazumal.

Ade.

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