Samstag, 15 Oktober 2011 09:20

4. September. 2011

Bismillah-ir-rahman-ir-rahim Kaum zu glauben, daß es inzwischen September geworden ist... und dazu noch: was für ein schöner September!
Jedenfalls bei uns; denn endlich hat es in allen Teilen unseres sonnenverbrannten Landes wieder einmal richtig geregnet – einen angenehm warmen Septemberregen mit anschließender Abkühlung um geschlagene zwanzig Grad.

Ja, liebe Leute, nichts bleibt, wie es ist. Auch jeder Hochsommer hat sein Ende, der Ramadan ist vorbei, und „Wir und unsere Hörer“ schnuppern in der Hörerpost bereits den allmählich nahenden Herbst.

Oder duftet es da nicht nach Wald und Moos?

Richtig – wenn auch (wie immer) ein bißchen im Hintergrund, wo die Beleuchtung nicht so recht hinkommt, aber er ist da, unverwechselbar, der alte „Waldmeister ohne Wald“, und schaut auf den Kalender.

„In etwa neun Wochen schon wieder muß sich der richtige Erzgebirger sputen, daß sein Weihnachtsberg rechtzeitig fertig wird. Da muß jetzt in dieser Zeit das Waldmoos gesucht und gestochen werden. Wir Alten brauchen dazu nicht unbedingt das Auto; ein richtiger Wanderrucksack paßt besser in die Landschaft.“

Für Christoph mit seinen fast 77 Jahren ist das Schreiben anstrengend geworden.

„Ich konnte es früher wirklich viel besser. Handschriftlich tue ich nur noch das Nötigste. Sie müssen einfach tolerant sein und meine Fehler übersehen“, entschuldigt er sich.

Aber das ist doch nicht wichtig! De Hauptsach is de Maaning, offs Wort kimmts garnet ah...

Ja, die Hauptsache, man kann die Kontakte weiterhin aufrecht erhalten, und dank der Bemühungen auf dem Uraltschreibmaschinchen und den vielen Beilagen zu Lesen und Betrachten, die es immer gibt, klappt das doch wunderbar!

„Von unserer gemeinschaftlichen Kurzwellen-Hörrunde hier im Erzgebirge ist außer mir leider fast keiner mehr übrig. Mein alter Funkerkollege Astor ist vorige Woche nach drei Wochen im Pflegeheim in Aue jetzt auch gestorben. Ich hatte ihn zwei Mal dort besucht. Beim letzten Mal erkannte er uns nicht mehr. Wir waren sein letzter Besuch.

Aber Christian Winkler drüben am Kirchplatz, der eigentlich aus Raschau bei Schwarzenberg stammt, ist immer mit am Stammtisch. Seine Heimatgruppe ‚Rascher vom Knochen‘ hatte übrigens 20jähriges Bestehen. Über einen kurzen Gruß würde er sich sehr freuen!

Auch ich würde mich freuen! Aber mein Postfach bleibt gleichfalls leer.“

Post aus Teheran ist willkommen bei jedem, der irgendwann einmal mit dem Team in der deutschen Redaktion Tuchfühlung gehabt hat – unmittelbar oder mittelbar wie der Chefweihnachtsmann, der schon seit Jahr und Tag im Hintergrund der Hörerpostkontakte mit den Freunden im Erzgebirge mitmischt. Hat er nicht schon oft als Bindeglied fungiert, wenn es an einem Computer oder an einem Internetzugang gemangelt hat? Oder wenn es um die Besorgung einer CD für die Freunde im Teheraner Funkhaus ging? Natürlich hätte er längst auch schon einmal eine Postsendung aus Teheran verdient!

Man sollte die Leute wirklich nicht so lange auf einen Gruß über den Hausbriefkasten warten lassen, Frau Zangeneh!

Gisela Herrmann in Arnstadt, der „Ältesten Stadt Thüringens“, hat auch das Gefühl, es wird langsam Zeit, daß wieder einmal ein Brief aus Teheran kommt.

„An das IRIB-Radio-Team!

Ich habe Euch vor ein paar Monaten geschrieben und noch nichts von Euch gehört. Ich hoffe, ich bekomme wieder einmal Post von Euch, würde mich sehr darüber freuen.

In Saarbrücken konnte ich Eure Radiosendung ja immer gut hören, aber hier in meiner Geburtsstadt ist es schwieriger; eigentlich sehr schade. Was gibt es Neues zu hören von Euch? Alles im grünen Bereich?

Hier gibt es keine Moschee in dieser Stadt, aber es gibt muslimische Menschen hier, und auch eine Grußkarte mit Impressionen vom Rennsteig und eine von Arnstadt habe ich gefunden, die schicke ich heute mit.

Liebe und herzliche Grüße sendet Euch

Gisela Herrmann.“

Das ist nett gewesen von Gisela, die beiden schönen Karten und der nette Brief. Natürlich bleiben sie nicht unbeantwortet, auch die Post von Christoph nicht, aus der ich bei Gelegenheit noch ein paar Teile vorlesen möchte. Vielleicht sind ja unsere Postsendungen inzwischen auch schon angekommen?

Wenn nicht, dann werden sie es in Kürze sicher tun.

Übrigens, das mit dem mangelhaften Empfang von IRIB „Funk in Deutsch“ bei Gisela Herrmann in Arnstadt: Vielleicht interessieren da ja auch einmal die Erfahrungen anderer Hörer, beispielsweise die von Wolfgang Gröppel in Witten-Stockum, der das Kurzwellenhobby mit allen seinen Tücken schon in- und auswendig kennt!

„Hallo!

Glaubt bloß nicht, daß mir bei meiner Anlage auf Anhieb auch alles gleich gelingt. Ich bin hinter englischen Sendern her, die sind in Deutscher Sprache gar nicht zu finden, die auf Madagaskar oder auf der anderen Seite der Welt stehen. Wenn ich Pech habe, dauert so ein Eingriff ein paar Monate. So einfach ist das auch nicht zu machen. Haste endlich den Sender, mußte zum Schreck feststellen, das ist der falsche... und was nun?

Dann geht erst die Arbeit so richtig los – Adresse, Internet und wo ich sonst auch nur den kleinsten Hinweis finden kann.

Übrigens: Ihr könnte Euer Internetangebot weiter ausbauen. Da habt Ihr mehr Platz. Und wie wäre es, wenn Ihr in der PDF-Datei Euren Briefumschlag mit Eurer Adresse zum Herunterladen zur Verfügung stellen würdet? Na, wäre das nichts für Euch?

73, 55

OM Wolfgang Gröppel.“

Daß wir das Vorlesen anderer Teile aus Christophs Brief auf eine andere Gelegenheit verschieben müssen, liegt an der begrenzten Sendezeit unserer Hörersprechstunde. Wie Sie sicher mitbekommenhaben, ist ja von höherer Stelle ein bißchen davon abgekappt worden, so daß „Wir und unsere Hörer“ seit einigen Monaten nur noch knapp 20 bis 25 Minuten für einander da sein können. Da muß man es gut einrichten, daß man ausführlichere Briefzitate ordentlich unterbringt.

So wollte ich heute eigentlich auch den interessanten Brief von Wilfried Hofmann über den Panzerdeal zwischen Deutschland und Saudi Arabien vorlesen; er ist aber drei Seiten lang, und so habe ich es mir jetzt doch anders überlegt, verschiebe den „Leoparden“ – oder die „HighTech-Monsterkatze“, wie Wilfried sich ausdrückt – auf die kommende Woche und lese dafür den etwas kürzeren Brief vom Pfingstsonntag vor, der ja auch noch auf dem Tisch liegt.

„Meine lieben Modertoren!

Eure Sendung vom Pfingstsonntag hat ja wohl einige Hörer etwas traurig gestimmt bezüglich der Streichung einiger Minuten Sendezeit für den Hörerbriefkasten.

Nun ist das eigentlich nicht viel; aber daran gemessen, daß wöchentlich zweimal vierhundertzwanzig Minuten gesendet werden, ist eine Reduzierung um wenige Minuten bei der Hörerpostsendung nicht gerechtfertigt. Sollten der Hörerpostsendung in der Zukunft weitere Streichungen der Sendezeitdauer zugemutet werden, möchte ich hiermit einmal darauf hinweisen, daß diese Sendung bei IRIB auf der Kurzwelle die beste ist, die man hören kann. Auch wenn die Stimme Rußlands eine gewisse Konkurrenz darstellt, aber im allgemeinen nicht an Eure Briefkastensendung herankommt.

Ein anderes gewichtiges Argument gegen eine weitere Kürzung ist die doch oft hohe politische Qualität der Beiträge aus der Hörerpost, die ja manchmal an professionellen Journalismus heranreichen und recht hohe Informations- und Hintergrundnachforschung besitzen. Ob Eure Programmmacher das überhaupt wissen, ist fraglich... oft wird ja in den höheren Etagen etwas praxisfern darüber entschieden, Beitrag ja oder nein.

Wir Permanenthörer hier in Deutschland sind ja auch ein gewisses Aushängeschild für Euch und in gewissem Sinn eine Art Botschafter gegen die erdrückende politische Anti-Iran-Hetze gewisser Politiker. Wenn das Wort ‚Iran‘ in unserer Gegenwart fällt, müssen wir die hochgehenden Wogen glätten und das gesamte Auditorium mit Logik und Realismus auf den Boden der Tatsachen zurück holen. Wenn Ihr Eurem Programmleiter einmal erklärt, daß bei der hitzigen Debatte das Programm um keinen Preis gekürzt werden darf, wird er sich beim Abwägen zwischen Geben und Nehmen sicher für Geben entscheiden.“

Der Rest des Briefes ist von dem Faxschreiber leider nicht ausgedruckt worden; aber was vorgelesen wurde, genügt gewiß, um Wilfried Hofmanns Plädoyer für eine Aufrechterhaltung der Hörerpostsendung in ihrem bisherigen Umfang und Ausmaß deutlich wiedergegeben zu haben.

Dankeschön nach Rechtsupweg, Wilfried Hofmann!

Zu den „Permanenthörern“, wie unser Freund in Ostfriesland die Stammgäste am Radio-Teheran-Hörertisch heute einmal tituliert hat, darf ich sicher auch Lutz Winkler zählen. Nach seiner Rückkehr aus dem Wanderurlaub, den er dieses Jahr in Österreich, genauer gesagt im Alpbachtal, einem Nebental des Zillertas, verbracht hat – in einem siebenseitigen, bilderreichen Reisebericht haben wir noch eine ganze Menge Einzelheiten mehr dazu erfahren – hat er wieder fleißig Radio IRIB gehört, zumeist auf der Direktfrequenz, da die 5940 kHz sehr schwach in Schmitten ankommt, und am 3. August auch wieder einen langen Brief geschrieben.

Ein Aushängeschild für uns? Aber ganz bestimmt ist er das, zumindest eines für den Hörerstammtisch, der der Mitwirkung von Lutz immer aktuelle und hörenswerte Wortbeiträge verdankt.

„Liebe Freunde in Teheran,

leider ist lange keine Post aus dem Iran bei mir eingetroffen. Dennoch weiß ich, daß die Empfangsberichte und Mails bei Ihnen eintreffen; die Zitate meiner Hörerbriefe belegen dies. Nun ist vielleicht auch bei Ihnen die Urlaubszeit angekommen, und viele Mitarbeiter machen erst einmal eine verdiente Pause. Also warte ich weiter auf Post. Geduld ist des DXers erste Tugend.

Ich möchte mich aber an dieser Stelle trotzdem für die Hörerbetreuung bedanken, sei es durch die Zitate der Hörerpost in den entsprechenden Sendungen oder durch die Zusendung der QSL-Karten. Es kommt mir dabei nicht darauf an, daß nun wirklich jeder Empfangsbericht bestätigt wird. Da kann es schon mal vorkommen, daß Sie etwas vergessen, oder daß die Post einen Brief verliert. So tragisch ist das nicht. Ich freue mich jedenfalls, wenn überhaupt eine Reaktion kommt. Also: ein großes Dankeschön an die Redaktion!

Sehr interessant fand ich die Analysen zu den furchtbaren Terroranschlägen in Norwegen. Die selektive Sprache der Medien ist schon bezeichnend. Und die schuldigen Islamisten sind auch schnell herbeigeredet. Da werden ganz schnell die Vorurteile bestätigt – und dann ist es in Wahrheit ein Norweger mit einer rechtsradikalen Gesinnung gewesen!

Egal, von welcher Seite der Radikalismus ausgeht – von rechts oder von links – beides ist zu verurteilen.

Aufmerksam verfolge ich die Sendungen der Reihe ‚Islamische Kultur und Zivilisation‘. Eigentlich entdecke ich dabei immer wieder etwas Neues aus dem Iran, besonders in der Geschichte des mir noch unbekannten Landes. Viele Dinge sind mir eben enfach unbekannt. Die Kurzwelle bildet also. Ich schau dabei auch immer mal im Internet vorbei, um ältere Sendungen nachzulesen oder nachzuhören.

Nun habe ich wieder eine Frage: Viele junge Menschen wollen oder müssen sich motorisieren. Ein Auto ist bei der heutigen minimalen Abdeckung der Verkehrsmittel, besonders auf dem Land, unerläßlich. Arbeitgeber gehen davon aus, daß die jungen Menschen mobil sind. Da benötigt man in den meisten Ländern einen Führerschein oder eine Fahrerlaubnis.

In Deutschland gehen die Kosten eines Führerscheins schon mal in den vierstelligen Eurobereich. Danach folgt eine zweijährige Probezeit. Bei Verfehlungen in der Probezeit verlängert sich diese, und bestimmte Schulungen müssen kostenpflichtig wiederholt werden. Das ist alles recht teuer und kompliziert.

Wie sieht das im Iran aus? Was kostet der Führerschein im Durchschnitt? Gibt es auch bei Ihnen eine Probezeit?

Nun aber Schluß. Ich freue mich auf viele weitere Sendungen aus Teheran!

Viele Grüße an das ganze Redaktionsteam!

Ihr Hörer

Lutz Winkler.“

Lutz sagt es schon: Viele junge Menschen wollen oder müssen sich motorisieren. Meines Erachtens ist es aber eher ein Wollen als ein Muß. Denn die Frage des Motorisiertseins ist doch auch eine Frage der Bequemlichkeit, oder nicht?

Wer nicht bereit ist, eine Stunde früher aufzustehen, um das öffentliche Verkehrsmittel zu erreichen, das ihn zu seiner Ausbildungs- oder Arbeitsstelle bringen könnte, oder keine Lust hat, sich zu den Hauptverkehrszeiten in den überfüllten Bus oder das Abteil der Bahn zu drängeln und deswegen vielleicht auch ein oder zwei Stunden später nach Hause zu kommen, kann natürlich nicht umhin, sich ein eigenes Fahrzeug anzuschaffen. Da geht es den Menschen wie den Leuten: Ein eigenes Auto scheint unerläßlich. Und dennoch, so unerläßlich ist es auch nicht, jedenfalls nicht im Iran. Es kommt eben darauf an, wie flexibel der Mensch ist, und erfahrungsgemäß sind die Leute in unserem Land ausgesprochen flexibel und anpassungsbereit.

Schließlich hat nicht jeder, der in der Stadt oder am Stadtrand wohnt, auch das Glück, in unmittelbarer Nähe zur Metro- oder Stadtbusstation zu wohnen. Und da zwischen den Dörfern sowieso nicht regelmäßig Busse verkehren und die Option „Bahn“ grundsätzlich entfällt, muß der Mensch eben andere Wege finden, um pünktlich am Ort der Verabredung zu sein.

Ein eigenes Auto kommt erst an dritter und vierter Stelle in Frage; nicht etwa, weil der Führerschein so teuer wäre oder die Vorschriften so streng – das sind sie nämlich nicht – , sondern deshalb, weil Autos in Iran für Leute mit mittlerem oder geringerem Einkommen derzeit noch unerreichbar teuer sind. Da man aber trotzdem beweglich sein muß, greift man in Ermangelung eines Anschlusses an die billigen und planmäßig verkehrenden Beförderungsmittel auf kürzere Strecke in der Regel auf die bei uns üblichen und recht billigen Streckentaxen oder den klapprigen, jedoch unverzichtbaren Minibus zurück, zwei private bzw. halbstaatliche Verkehrsmittel, ohne die das öffentliche Leben im Iran in Stadt und Land wohl völlig lahmzuliegen käme. Auf größere Entfernung benutzt man Reisebus und Zug und kommt auch so auf erschwingliche Weise ans Ziel seiner Wünsche.

Ansonsten gibt es die kleinen, unverwüstlichen Motorräder, die für die kleinstädtischen Bedürfnisse völlig ausreichen und sich daher in der Provinz ungemeiner Beliebtheit erfreuen. Man kommt überall hin damit, und nach einem Führerschein wird auf dem Land ja auch nur selten mal gefragt. Vom Verbrauch her sind sie ideal, von der Unterbringung und Wartung her praktisch – und wenn mal was dran kaputt geht, kann man es zumeist gleich selbst wieder reparieren.

Im übrigen sind die Menschen hier gute Fußgänger. Auch das ist für Leute in hochindustrialisierten Ländern vielleicht gar kein Gesichtspunkt mehr. Aber eine oder zwei Stunden Fußmarsch sind für die Landbevölkerung überhaupt kein Problem, und es gibt sogar viele Kinder, die eine solche Strecke täglich zweimal zurück legen, wenn sie zur Schule gehen.

Auch in der Großstadt entgehen viele Leute dem stehenden Verkehr in der Innenstadt, indem sie sich Schusters Rappen anvertrauen. Dadurch kommen sie vielleicht nicht gerade schneller, dafür aber entspannt und gut durchtrainiert nach Hause.

Kurz: Eine zeitliche Pufferzone im täglichen Arbeitsplan, und man kommt auch ohne ein eigenes Auto aus.

Tschüß!

Ade.

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