„Ja, und bei 37°C und mehr werdet Ihr ja ziemlich geprüft während Eurer Fastenzeit“, bemerkt Wilfried Hofmann dazu verständnisvoll, der seit dem 1. August in Rechtsupweg die Sache mitverfolgt. Natürlich: Bis zum Fitr- der Zuckerfest ist nichts zu machen, da muß noch ein paar Tage geduldig über Zeilen wie diese hier aus Überlingen hinweg gehört werden, wo es heißt:
„Heute ist es sehr warm. Ich esse gerade ein großes Stück Kirschkuchen, den Bernd heute morgen gebacken hat. Schade, daß Ihr so weit weg seid, sonst hätten wir selbstversgändlich ein paar Stücke vorbei gebracht für die unermüdlichen und fleißigen Radiomacher!
Viele Grüße von Martina.“
„Sehr warm“ am Bodensee? Hat Wilfried oben an der Atlantikküste recht gehört?
„Wir hier in Ostfriesland haben selten einmal 20°C, meistens weniger, Ihr könnt uns ja 10°C abgeben, damit wir auch einmal den Sommer genießen können!“
Irgendwann kommt auch das, liebe Leute; dann genießt Wilfried auch wieder einmal den Sommer wie die Leute in wärmeren Gegenden und unsereiner frischen Kirschkuchen, wie ihn nur Bernd in Überlingen backt. Aber „Preuti“ im schönen Odenthal greift dem feierlichen Ende der Fastenzeit schon heute vorweg, gerade so, als könnte er es denen, die fasten, zuliebe gar nicht mehr abwarten, und schreibt bereits am 23. und 24. August:
„Liebe Freundinnen und Freunde, gern wünsche ich Ihnen eine gute Wochenmitte mit orangenem Blumenzauber aus meinem Garten und ein gutes und friedliches Ende des Ramadan!
Beste 73 von Ihrem Stammhörer Christoph!“
Abgesehen von den gesalzenen Wärmegraden auf den Thermometern in unseren Breiten hat das Auditorium von „Funk in Deutsch“ aber schon einiges von den Besonderheiten des Ramadan mitbekommen können durch die Rundfunk-Sendebeiträge bei Radio „Funk in Deutsch“ und durch „Radio Islam“ auf der IRIB-Heimseite im Internet. Oder sollten Sie etwa noch nicht auf die kleinen, aber feinen Häppchen geklickt haben, die dort als Audiodateien auf ein andächtig zugewandtes Ohr warten? Na, dann holen Sie das aber mal schnellstens nach!
„Sehr geehrte Damen und Herren!
Vielen Dank für die Neuigkeiten aus Ihrem Land.
Sie berichteten heute wieder über den Ramadan, der alljährlich die Gläubigen zum Fasten anhält.
Es gehört schon eine große Beherrschung dazu, den ganzen Tag über nicht zu essen und – was viel wichtiger ist – nicht zu trinken. Wie handhaben Sie eigentlich den Ramadan in der deutschen Abteilung? Wie ist der Prozentsatz der Iraner, die sich an die Vorgaben zum Ramadan halten?
Ich wünsche Ihnen alles Gute, und viele Grüße aus Pyrbaum!
Dieter Feltes.“
Es ist eigentlich überflüssig, daß ich das sage; aber wie man sich denken kann, gehören natürlich nicht alle Mitarbeiter bei der Rundfunk- und Fernsehanstalt IRIB der islamischen Religion an; folglich gibt es für diese Kolleginnen und Kollegen auch keinen Grund, im Ramadan zu fasten. Außerdem können auch andere Ursachen vorliegen, daß der eine oder andere sich nicht ans Fasten hält, beispielsweise weil er es nicht will oder nicht kann aufgrund von Krankheit, Schwangerschaft oder körperlichen Gebrechen.
Aber das alles ist kein Grund, sich in aller Öffentlichkeit so zu verhalten, als wäre nicht Ramadan. Schließlich ist das Prinzip des Fastenhaltens im Ramadan kein Privatvergnügen, sondern ein weltweit praktiziertes Ritual der Muslime. Klar, daß ihm da in einer mehrheitlich islamischen Gesellschaft ein besonderer sozialer Stellenwert zukommt.
Ich glaube nicht, daß irgendwann einmal Statistiken aufgenommen worden sind über die Verbreitung der Einhaltung der Vorgaben zum Ramadan. Aber der größte Teil der iranischen Bevölkerung hält sich an sie, und das ist für den Rest Anlaß genug, ihn ebenfalls zu respektieren.
Kurz: Im Ramadan sind bei IRIB Teeküche und Kantine geschlossen, keiner raucht, keiner lutscht Bonbons oder kaut Kaugummi, und nicht einmal Daumen oder Zeigefinger werden geleckt, wenn man am Sprecherpult noch ein letztes Mal die Seiten seines Manuskriptes durchblättern will.
Daß die Bürozeit für einen Teil der Büroangestellten im Ramadan zwei Stunden früher endet als sonst, ist für diese zwar schön, für das Team bei „Funk in Deutsch“ aber kaum von Belang; die Produktion der Radiosendungen erfordert ja immer ganze Arbeit, egal ob Fastenzeit ist oder nicht.
Zu den kleinen, aber feinen Häppchen auf der IRIB-Heimseite zählt auch die Rubrik „In Richtung Licht“, die im Monat Ramadan, dem Monat der Herabsendung des Heiligen Koran, für interessierte Hörer von großem Nutzen gewesen sein könnte. Das schöne an dieser Rubrik ist ja, daß man jeden beliebigen Koranvers auf Mausklick aufrufen und sich im Original vortragen lassen kann. Des weiteren ist es dann möglich, die Erläuterungen, soweit sie bisher von der deutschsprachigen Redaktion ausgearbeitet und gesendet worden sind, im Podcast dazu abzuhören.
Diese Möglichkeit zu nutzen, ist auch unserem treuen Hörer Wolf-Lutz Kabisch in Malschwitz nahe zu legen. Wolf-Lutz liest nämlich die jeweiligen Tages-Suren, aus denen ja in der Regel zum Auftakt der Hörfunksendungen nur einzelne Verse rezitiert werden, immer komplett bis zum Schluß, wobei er zwei verschiedene Übersetzungen benutzt. Die Erläuterungen, die dazu bei „Iran Radio Islam“ vom deutschsprachigen Dienst der IRIB als Podcast zur Verfügung stehen, können ihm zum besseren Verständnis der Texte sicherlich dienlich sein.
Bei der Sure „Mohammad“ ist „Funk in Deutsch“ mit seiner Sendereihe „In Richtung Licht“ noch nicht angekommen. Ab und an beginnt das deutschsprachige Programm aber auch mit einem Zitat aus dieser Sure. Und dabei hat Wolf-Lutz ein Problem:
„Der Vers 4 dieser Sure liefert, so wie ich das verstehe, einen direkten Aufruf zum Mord an Ungläubigen „... herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel angerichtet habt...“, „... bis ihr sie niedergemacht habt...“).
Verstehe ich hier etwas falsch? Oder ist hier tatsächlich eine Legitimation für terroristische Tätigkeiten gegeben, indem Gläubige den Befehlen nachkommen?
Freundliche Grüße von Ihrem Hörer Wolf-Lutz Kabisch.“
Im Originaltext des Heiligen Koran ist von einem „Gemetzel“ nicht die Rede.
Wenn Sie die Stelle noch einmal aufschlagen wollen: Vers 4 der Sure 47. Da steht:
„Wenn ihr auf einem Feldzug mit den Ungläubigen zusammentrefft, dann haut ihnen mit dem Schwert auf den Nacken, bis ihr sie vollständig niedergezwungen habt. Dann legt sie in Fesseln, um sie später entweder auf dem Gnadenweg oder gegen Lösegeld freizugeben.“
Hodschatulislam Mohsen Qara’ati schreibt in seinem Buch „In Richtung Licht“ dazu:
„Dieser Vers bezieht sich auf die Konfrontation von Gläubigen und Ungläubigen im offenen Kampf, wo die Ungläubigen es darauf angelegt haben, die Gläubigen zu vernichten. In einer solchen Situation wird dem Gläubigen befohlen, rücksichtslos zuzuschlagen und die Gegner zu töten, bis er den Feind vollkommen niedergekämpft und in die Knie gezwungen hat.
Ziel ist nicht, ein Blutbad anzurichten, sondern dem Angriff der Feinde machtvoll entgegenzutreten, bis man sichergehen kann, man hat ihn überwältigt. Danach soll man sich auf die Gefangennahme beschränken und die Gefangenen nach Beendigung des Kampfes gegen Lösegeld oder auch einfach aus Gnade wieder freigeben.“
Manche Leute mißverstehen diesen Vers und ziehen daraus den falschen Schluß, daß der Koran es für legitim halte, wenn Heiden und Ungläubige von Muslimen auf Schritt und Tritt umgebracht würden. Sie übersehen dabei das Wort „harb“ in der Bedeutung von „Krieg, Kampf“ im zweiten Teil des Verses, aus dem deutlich wird, daß die Aussagen dieses Verses nur in diesen Zusammenhang zu stellen sind.
Unsere Sendebeiträge über das Filmschaffen in Hollywood haben im Kreis von „Wir und unsere Hörer“ schon des öfteren interessante Reaktionen hervorgerufen. Für den heutigen Hörerstammtisch möchten Human und ich nun wieder einmal zwei davon vorlesen. Es handelt sich um Anmerkungen von Joachim Thiel in Wuppertal und Wilfried Hofmann in Rechtsupweg zu dem Beitrag vom 21. Juni.
Zunächst Joachim Thiel.
„Wuppertal, am 21. Juni
Guten Abend nach Teheran!
Hier ist mein Bericht Nr. 236. Ich hörte Ihre Sendung auf 5940 kHz mit starkem Signal, keinerlei Interferenzen, mittlerem Rauschen und fast keinem Schwund.
Mir ist nicht bekannt, wer der Autor des Berichtes über Hollywoodfilme ist. Jedoch kann ich mir nur vorstellen, daß die unterschiedliche Kulturauffassung zu der Einschätzung führte, daß in jenen Filmen die Amerikaner als quasi ‚Retter der Welt‘ dargestellt würden.
Meines Erachtens werden die Filme (namentlich Hollywoodfilme) erstellt, um einen möglichst hohen Einspielbetrag zu erwirtschaften; einerseits, um die hohen Produktionskosten einzuholen, und darüber hinaus einen Gewinn zu erzielen.
Um diesen Zweck zu erfüllen, wählt man Charaktere, die potentiell für westliche Zuschauer interessant sind: spannend und heldenhaft, wobei das Drehbuch so ausgelegt ist, daß es ebenfalls für Spannung sorgt. Alles ist also auf maximalen Gewinn angelegt.
Im Gegensatz zu Filmen in anderen Kulturen sind Hollywoodfilme somit nicht belehrend, aufklärend und wissensverbreitend, sondern dem Kommerz gewidmet. Und da gibt es eben Themen, von denen man sich möglichst viele interessierte Zuschauer verspricht.
Besten Gruß, Joachim Thiel.“
„Rechtsupweg, am 27. Juni
Mein liebes Moderatorenteam!
Euer Beitrag vom 21. Juni betreffend Filmschaffen in Hollywood war erneut wie auch schon in der Vergangenheit für mich ein innerlicher Parteitag.
Aber bei aller berechtigter Krikt am amerikanischen Filmschaffen gibt es noch ein paar wenige sozialkritische Filme aus den 50er und 60er Jahren, die bemerkenswert waren. Ich denke hier an zwei Filme mit den Titeln ‚Kleiner dreckiger Billy‘ und ‚Die letzte Vorstellung‘ – Filme, die beide in Schwarzweiß und für mich kleine Kunstwerke sind. Sie stellen die ganze gesellschaftliche Misere dieses Landes in hervorragender Weise dar und haben auch damals international beste Noten bekommen.
Aber wo sind diese Filme nur geblieben?
Ich habe über einen mir bekannten Filmkritiker aus Frankfurt recherchiert und mußte mir folgendes sagen lassen:
Diese Filme sind in den USA nach Drehende einige wenige Male in der Provinz des Landes gelaufen, also auf dem Dorf, und wurden dann umgehend nach Europa verkauft. So konnte man ja bestätigen, daß diese ungeliebten Filme auch im eigenen Lande gezeigt wurden. Sehr clever, wie ich finde... so kann man die landeseigenen Kritiker besänftigen und die Pseudodemokratie nach außen und innen gerade noch retten!
In Deutschland haben wir ähnliche Vorkommnisse. Der Film ‚Weil du arm bist, mußt du früher sterben‘ ist verschollen, und Kopien sind nicht erhältlich, da es in den 40er und 50er Jahren ja noch keine Kopie von VHS oder ähnlichen Ton- und Bildträgern gegeben hat.
Andere Filme dieser Couleur sind auch nicht aufzutreiben oder mit dem Vermerk ‚Stark beschädigt‘ oder ‚In wissenschaftlicher Bearbeitung‘ zur Zeit nicht ausleihbar.
Also Pseuodemokratie auch in Deutschland, pur nach dem Motto: Was das Volk nicht weiß, macht es nicht heiß.
Macht weiter so, Ihr seid auf dem richtigen Weg in die Zukunft!
Allah beschütze Euch.
Euer Hörerfreund Wilfried Hofmann.“
Ja, liebe Leute, so sieht es aus mit unserem Hörerpostkasten. Scharfsinnige Anmerkungen, erläuternde und kritische Beiträge, neugierige Fragen... und dann gibt es ja auch immer weiter die Empfangsberichte, die für die Techniker zur Kontrolle der Ausbreitungsbedingungen relevant sind.
In diesem Zusammenhang ist der Bericht von Bernd Kleinhans aus Schwäbisch Gmünd bemerkenswert. Es ist übrigens sein allererster an IRIB. In seiner Gegend ist gegen Ende der Morgensendung im Hintergrund ein starker holländischer Sender zu hören gewesen. Ähnliches war bei Christoph Paustian in Häusern aber nicht festzustellen, obwohl sein QTH ziemlich in der gleichen Gegend liegt.
Interessant ist es manchmal auch zu erfahren, ob und wie die deuschsprachigen Sendungen aus Teheran eigentlich in Gegenden zu hören sind, die nicht zum Zielgebiet gehören, und da ist für „Uns und unsere Hörer“ die Post von Peter Erich Boeck viel wert, weil sie aus dem fernen Indonesien kommt.
„Lombok/Indonesien, am 7., 16. und 20. Juni frühmorgens
Geehrte Redaktion!
Meinen diesjährigen Urlaub habe ich wieder bei meinen Freunden in Indonesien verbracht. In den letzten vier Wochen habe ich darum auch wieder eine stattliche Zahl Empfangsberichte verfassen können. Zwar habe ich von September 2010 bis Ende Mai 2011 einige Programme verfolgt und auch einen Bericht verfaßt. Jedoch fand ich bisher nicht die Zeit, ihn auch abzuschicken, weil die Arbeitsbelastung im Büro gewaltig gewachsen ist. Sie bekommen ihn daher mit dieser Post.
Ich habe in Indonesien versucht, an drei verschiedenen Standorten Eure Sendungen zu hören: Mataram auf der Insel Lombok, Tanjung in Nord-Lombok und Narmada in West-Lombok. In der Großstadt Mataram waren die Bedingungen schlecht, weil wegen der dichten Bebauung keine vernünftige Antenne zur Verfügung stand und der behelfsmäßige Dipol jede Menge Störsignale einfing. Der Beginn des Programms war mehr zu erahnen denn zu verstehen. In Tanjung und Narmada hatte ich wesentlich besser Empfangsbedingungen.
Ich höre schon seit 40 Jahren Rundfunksendungen auf Kurz- und Mittelwellen. Bitte bestätigen Sie mir diesen Empfangsbericht aus Indonesien mit Ihrer QSL-Karte. Über Ihren Wimpel und einige Aufkleber für meine Hobbyecke würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank!
Peter-Erich Boeck aus Offenbach.“
Bei 20°C und kühlem Wind sind wir heute in Ostfriesland gestartet, und an Land gegangen sind wir an der sonnigen Küste von Lombok in Indonesien.
„Wir und unsere Hörer“ brauchen keinen fliegenden Teppich... die Hörerbriefe machen das schon!
Tschüß!
Ade.



