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Sonntag, 07 Juli 2013 02:48

Wenn ASS die Nase verschnupft, droht schwerer Asthmaanfall

Ihre Patientin hat einen chronischen Nasenkatarrh, doch allergologische Tests liefen negativ.
Dahinter kann auch eine Analgetika-Intoleranz stecken. Typisch für die „Aspirin-exacerbated Respiratory Disease“ (AERD) ist ein Jahrzehnte dauernder Entwicklungsprozess. Am Anfang zeigen betroffene Patienten chronische nasale Symptome, etwa Fließschnupfen, später entwickeln sich eine Anosmie und Polyposis nasi. Analgetika-Unverträglichkeit kann bis zum Atemstillstand führen Allmählich geht die Symptomatik in ein nicht allergisches Asthma über und gipfelt schließlich in einer dramatischen Intoleranzreaktion. Typischerweise kommt es dabei etwa 30 bis 45 Minuten nach der Einnahme von ASS zu einem eventuell lebensbedrohlichen Asthmaanfall, erklärte Professor Dr. Winfried J. 
Randerath vom Institut für Pneumologie der Universtität Witten/Herdecke am Krankenhaus Bethanien in Solingen. Frauen sind von der ASS-Intoleranz wesentlich häufiger betroffen als Männer. Dem Syndrom liegt eine Störung des Arachidonsäure-Abbaus zugrunde. Nicht steroidale Analgetika sind aber nicht die Ursache der Erkrankung, sie verstärken nur durch Hemmung der Cyclooxygenase das Entstehen von Leukotrienen. Diese Mediatoren bewirken u.a. eine Schleimhautschwellung und Bronchokonstriktion. In manchen Fällen kommt es zum Atemstillstand, schon kleinste Dosen können genügen. ASS-Intoleranz: Nasale Provokation 
statt Pricktest Häufig findet sich auch eine Kreuzintoleranz gegenüber anderen NSAR, auch nach dem Genuss alkoholischer Getränke können Probleme auftreten – durch Kreuzintoleranzen gegenüber den darin enthaltenen Sulfiden. Fließschnupfen, Hustenanfälle oder Urtikaria nach der Einnahme von Acetylsalicylsäure können für eine AERD sprechen, das Fehlen dieser Symptome liefert aber noch keinen Gegenbeweis, betont der Autor. Weil es sich bei der Analgetika-Intoleranz nicht um eine Allergie handelt, haben Pricktest und IgE-Antikörper-Bestimmung in der Diagnostik keinen Platz. Die Befunderhebung stützt sich – neben Anamnese und klinischer Untersuchung – auf die nasale Provokation mit Lysin-Acetylsalicylsäure. Dies sollte nach Meinung des Experten stationär erfolgen, um im Falle einer Intoleranzreaktion sofort intensivmedizinisch eingreifen zu können. Ein negatives Resultat schließt eine Analgetika-Intoleranz nicht aus, in unklaren Fällen sollte eine inhalative Provokation erfolgen. Toleranz-Induktion mit steigenden ASS-Dosen Patienten mit Analgetika-Unverträglichkeit müssen NSAR strikt meiden und auf Ausweichpräparate wechseln. Zur medikamentösen Therapie der AERD sind inhalative, aber oft auch systemische Steroide, Betamimetika und Leukotrien-Antagonisten erforderlich. Bei sehr großen Polypen oder knöchernen Destruktionen kann ggf. ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein, die Rezidivrate ist jedoch hoch. Therapeutisch hat sich zudem die adaptive Desaktivierung bewährt, hierfür wird durch ansteigende ASS-Dosen bis 500 mg unter Ausnutzung der Refraktärzeit eine Toleranz induziert. Bei vielen Patienten verschwinden hierunter die Riechstörungen, die Nasenpolypen gehen zurück und die Atmung bessert sich. Quelle: Winfried J. Randerath, Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 541-546

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