Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Samstag, 25 Juni 2011 03:25

EHEC zeigt sein Gesicht

EHEC zeigt sein Gesicht
Der EHEC-Ausbruch hat die Republik wochenlang in Atem gehalten, Ärzte wurden bis an ihre Grenzen gefordert.
Nun beginnt die wissenschaftliche Aufarbeitung: Zeitgleich wurden jetzt erste Ergebnisse hochrangig publiziert. Sie zeigen: Der Übeltäter war gar nicht EHEC, zumindest nicht so richtig.

Bei ihrer Interaktion mit Darmzellen zeigen alle aktuellen Ausbruchsstämme das für enteroaggregative E. coli (EAEC) typische Anheftungsmuster, das einer "Mauer aus Backsteinen" gleicht.

NEU-ISENBURG (nös). Einen Monat lang haben Ärzte, Infektiologen und Seuchenärzte gebannt auf die Bundesrepublik geschaut. Hochpathogene Escherichia coli hatten vor allem den Norden der Republik im Griff. Ungewöhnlich viele schwere Verläufe des hämolytisch-urämischen Syndroms, kurz HUS, haben die Klinikärzte bis zum äußersten gefordert. Das Problem: Es gibt keine Lehrbuch-Therapie.
"Es ist erstaunlich, dass im 21. Jahrhundert in einem hoch entwickelten Land eine Massenepidemie durch Lebensmittel auftritt", sagte jüngst der Wiener Nephrologe Professor Wilfried Druml anlässlich einer Sondersitzung bei der Jahrestagung der deutsch-österreichischen Gesellschaften für Intensivmedizin.
Ebenso erstaunlich nannte Druml es, "dass dadurch das Gesundheitssystem an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit kommt".
Die große Erkrankungswelle ist offenbar bereits abgeebbt, das Robert Koch-Institut (RKI) spricht seit Tagen von Fallmeldungen "auf deutlich niedrigerem Niveau als zuvor". Doch nun kommt die Zeit der wissenschaftlichen Aufarbeitung.
Es schien beinahe eine konzertierte Aktion, als am Donnerstag in gleich zwei hochrangigen Journals große Originalarbeiten zu der EHEC- und HUS-Welle veröffentlicht wurden.
Den Anfang machte ein Forscherteam um den Münsteraner Mikrobiologen und EHEC-Experten Professor Helge Karch. Sie hatten als nationalen Referenzzentrum für HUS bereits in den Tagen nach dem Ausbruch mit den Analysen begonnen. Nach wenigen Tagen Arbeit konnten sie dem Erreger einen Namen geben: HUSEC041.
Insgesamt 80 Stuhlproben aus 22 Kliniken haben sie unter die Lupe genommen, sich das Genom genau angesehen und mit ihrer Referenzsammlung verglichen. Nun haben sie ihr Profil erweitert und publiziert (The Lancet Infectious Diseases 2011; online 23. Juni).
Karchs Ergebnis: "Alle Isolate waren vom Typ HUSEC041 und teilen dasselbe Virulenzprofil." Das hatte es offenbar in sich, denn der Erreger hatte viele Eigenschaften von enteroaggregativen E. coli (EAEC oder EAggEC), mit denen er etwa besser an der Zellwand festhaften konnte. Das könnte, folgern die Autoren, die hohe Zahl der schweren Verläufe erklären.
Doch völlig vorbei ist der Erkrankungswelle offenbar noch immer nicht. Viele Patienten werden weiter an den Kliniken behandelt. Der Chefarzt der Nephrologie am Asklepios-Klinikum Hamburg-Barmbek, Privatdozent Karl Wagner, sagte der "Ärzte Zeitung", nach zehn Tagen ohne Neuzugänge sei ein neuer Patient mit HUS aufgenommen worden. "Der Keim hat sich in der Umwelt festgesetzt", lautet Wagners Fazit. (Ärzte Zeitung 25.06.2011)

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren