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Montag, 04 Januar 2016 11:08

Der zweite offene Brief an die jungen Menschen im Westen (Teil 6 – Quellen und Impulse der Gewalt im Westen )

 Der zweite offene Brief an die jungen Menschen im Westen (Teil 6 – Quellen und Impulse der Gewalt im Westen )
  Ajatollah Khamenei, das Oberhaupt der Islamischen Revolution Iran hat in seinem Schreiben an die westliche Jugend sein Bedauern über den Terroranschlag in Paris und die Ermordung von unschuldigen Menschen zum Ausdruck gebracht. Er hat dazu aufgerufen den Ursprüngen solcher Gewalttätigkeiten nachzugehen

und nachzuforschen, wieso junge Menschen, die in Europa aufgewachsen sind, Anhänger von Terrorgruppen  wie die IS-Terrormiliz werden. An einer Stelle heißt es:

„Es stellt sich außerdem die Frage, wie jemand, der in Europa auf die Welt gekommen ist und in der dortigen Umgebung geistig und seelisch geformt wurde, von solchen Gruppen angeworben werden kann. Soll man etwa glauben, dass Leute, die ein oder zweimal in  ein Kriegsgebiet gereist sind, von einem Tag auf den anderen so radikalisiert sind, dass sie auf ihre eigenen Landsleute schießen? Mit Sicherheit darf man hierbei nicht die Wirkung der ungesunden kulturellen Nahrung, die sie ein Leben lang in einer  verschmutzten, Gewalt hervorbringenden Umgebung erhalten haben, vergessen.

In diesem Zusammenhang sind umfassende Analysen nötig, welche die offenen und versteckten Verunreinigungen der Gesellschaft feststellen. Vielleicht haben tiefe Hassgefühle, die in den Jahren der industriellen und wirtschaftlichen Entfaltung wegen Ungleichheiten und eventuell wegen gesetzlicher und struktureller Benachteiligungen in die Herzen von Bevölkerungsgruppen der westlichen Gesellschaften gesät wurden, zu Minderwertigkeitskomplexen geführt, die hin und wieder krankhaft auf diese Weise abgebaut werden.“

                            

Dier eigentliche Nährboden für gewaltsames Verhalten, dem die westlichen Gesellschaften heute begegnen,  sind in der Gesellschaftsstruktur verankerte Ungleichheiten und Benachteiligungen.

Der norwegische Soziologe Stein Rokkan (1921-1979) führt die gesellschaftlichen Klüfte auf wichtige Ereignisse in der Geschichte , u.a.  die nationalen Revolutionen und die Reformzeit im 15. Und 16.  Jahrhundert  und  Industrierevolution im 18. Jahrhundert zurück . Nach seiner Ansicht sind die Klüfte, die durch nationale Revolutionen entstanden, kultureller Natur und beziehen sich auf das Identitätsgefühl während die Industrierevolution  wirtschaftliche und soziale Klüfte hervorrief.

Im 18. Jahrhundert und mit Beginn der Industrierevolution  im Westen begann praktisch eine neue Phase für die Menschheit. Die Produktionsmethoden wurden immer weiter entwickelt und  abwechslungsreicher ebenso wie die Produkte die die Fabriken in die Gesellschaft einbrachten. Und dies hatte einen Wandel in den sozialpolitischen Beziehungen in den westlichen Ländern zur Folge. Die Industrierevolution ereignete sich in der Wirtschaft, aber sie hatte auf alle Lebensbereiche des Menschen ihre Auswirkungen, ob Politik, Kultur oder Gesellschaft.

 

Die ersten Jahre des 19.  Jahrhundert gingen mit der Ausdehnung der britischen Kolonien in Kanada und auf Australien, in den  Süden Afrikas und auf Neuseeland einher  und im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts eskalierte erneut im Gefolge des Wachstums der Industrie und des Kapitalismus der Konkurrenzkampf um die Kolonialisierung der Welt.  Der Machteinfluss  Frankreichs  dehnte sich auf Nordafrika aus. Auch  Spanien und Italien vergrößerten ihre Vorherrschaft in  Afrika. Deutschland hat Ende des 19. Jahrhunderts begonnen mit den anderen  Kolonisatoren zu rivalisieren. Schließlich wetteiferte man auch um die Inseln  im Pazifik  und die Einrichtung von Handelssitzen in China und die Vereinigten Staaten von Amerika betraten letztendlich als der neue Imperialist die Arena.

In einer seiner Ansprachen hat Ajatollah Khamenei gesagt: „Eines der größten Verbrechen an der Menschheit hat darin bestanden, dass während der Industrierevolution auf der Welt   in diesen  vergangen zwei drei Jahrhunderten  die Wissenschaft zu einem Mittel für die Gewaltanwendung wurde.  Die Engländer, die zu den Vorreitern der Industrierevolution gehörten,  haben ihre Möglichkeiten missbraucht, um überall auf der Welt die Völker in Ketten zu legen.  Wissen Sie, was während der Herrschaft der Engländer  auf dem Subkontinent Indien, auf diesem großen und wohlhabenden Gebiet, alles geschehen ist?! Und nicht nur dort!  Die ganze ostasiatische Region hat viele lange Jahre lang – mehr als ein Jahrhundert – unter ihren Stiefeln gelegen. Mit den Mitteln der Wissenschaft, die sie besaßen, haben sie die Menschen beherrscht.  Den Menschen drohte der Tod – wieviele von ihnen mussten sterben, wieviele Hoffnungen wurden zerstört, wieviele Nationen wurden in die Rückständigkeit gedrängt, wieviele Länder wurden verheert?!  Dies war der Nutzen, den sie aus den Mitteln der Wissenschaft gezogen haben. Es war der größte Verrat an der Wissenschaft. Ebenso war es der größte Verrat an der Menschheit. 

Sie wollen nicht, dass dieses Herrschaftsmonopol zerstört wird.  Jede Nation, welche durch  Unabhängigkeit und zwar ohne ihren Fahrschein und ihre Erlaubnis , ohne  weiter von ihnen dirigiert zu  werden und in ihrer Faust  zu bleiben, auf eigenen Füßen stehen kann,  hat diesem Machtmonopol  einen Hieb versetzt. Und dies hat sich erfreulicherweise heute im Iran ereignet.“   

Die Benachteiligung von Menschen und Ungerechtigkeit gibt es schon seit eh und je und die Benachteiligung wegen der Rasse und die höhere Einstufung einer bestimmten Rasse gegenüber einer anderen ist von den westlichen Kolonialherren betrieben worden.  Dabei hat das Streben nach  Bereicherung. welches zu den typischen Merkmalen der  Renaissance in Europa gehört hat, erheblich beigesteuert.  Im 18. Jahrhundert erreichten  die geografischen Entdeckungen und der  Sklavenhandel ihren Höhepunkt. Die Zahl der Sklaven hat nach einigen Angaben bis zu 30 bis 50 Millionen Menschen erreicht. Und der Handel mit ihnen hat Europa reich gemacht.  Ein afrikanischer Autor schreibt: Jahrhundertlang war der Sklavenhandel das größte Ereignis unserer Geschichte und der Rassismus war das direkte und traurige Resultat.“

Frantz Fanon  ;1925-1961, französischer Politiker, Psychiater und Vordenker der Entkolonialisierung vertritt in seinem Buch über den Rassismus und die Kultur folgende Auffassung:

„Der westliche Imperialismus beherrscht die Welt  gestützt auf seine technische Überlegenheit. Die Vorreiter des Imperialismus überkam die falsche Vorstellung, dass, wenn sie eine höhere Zivilisation besitzen, eine bessere Rasse seien.  Ab da vermischte sich der Rassismus in verschiedener Form  mit der westlichen Kultur und Zivilisation und wurde allmählich zu einem ihrer Eckpfeiler. Von der Herabsetzung der für niedriger gehaltenen  Rasse bis zu Herabsetzung des Menschen und der Leugnung der  menschlichen Würde ist es nur ein kleiner Schritt.  Der Westen ist bestrebt, den Einheimischen ihre  Identität zu nehmen. Er beschlagnahmt sogar ihre  Geschichte und schreibt an ihrer Stelle  eine andere, damit die einheimische Bevölkerung glaubt, sie habe keine Identität.“ 

Der Westen , der heute angeblich die Menschenrechte und Demokratie verteidigt, hat in seiner Geschichte schwere Diskriminierungen begonnen gegen Frauen, Dunkelhäutige, Muslime und Einwanderer und dieser Rassismus wird heute in ihren Gesellschaften wieder ausgeprägter und erlaubt die Entstehung  und Organisierung radikaler rassistischer Netzwerke.

Benachteiligung und engstirniges Denken aufgrund der Religions- oder Rassenzugehörigkeit nehmen in westlichen Breiten zu  und gefährden die internationale politische Ordnung und Sicherheit.  Die übertriebene Angst vor Fremden und Anderem sowie die   wachsende Diskriminierung  sind signalisierende Vorzeichen für   Fanatismus und Hass.  Die radikale Rechte unter Christen lebt wieder in Europa auf und das ist eine ernsthafte Herausforderung für das dortige Gesellschaftssystem.  Die rechtsradikale Politik unterstützt Rassendiskriminierung und Aristokratie, sie preist das Einheimische und die eigene Rasse und verbreitet Angst vor Ausländern und dem Fremden. Ihre Ideologie basiert auf Faschismus, Nazismus und Chauvinismus.

In den 90iger Jahren haben sich  rechtsradikale christliche Parteien in einigen europäischen Ländern gebildet. Ihre Abneigung gegen den Islam und Immigranten wächst, begünstigt durch  zunehmende  Wirtschaftsprobleme.  Solche Gruppen und ihre Anhänger sind radikal und halten sich für besser als die anderen und verstoßen gegen die soziale Gleichberechtigung. 

Die Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes ist ebenso eine tiefverwurzelte Ungerechtigkeit im Westen. Ajatollah Khamenei sagt über die Unterdrückung der Frau im Westen unter dem Deckmantel der Freiheit:  „Seitdem die Europäer die moderne Industrie geschaffen haben – zu Beginn des 19. Jahrhunderts als die westliche Kapitalisten die großen Fabriken erfanden und billige und anspruchslose Kräfte brauchten, die wenig Ärger bereiten,  haben sie das  Gemurmel von der Befreiung der Frau lautwerden lassen, damit sie die Frauen aus der Familie heraus in die Fabriken holen und sie als billige Arbeiter ausnutzen,  ihre eigenen Taschen füllen und der Frau ihre Würde und ihren Rang nehmen.“

 

In der Tat werden die Frauen in vielen europäischen Ländern noch immer  schlechter bezahlt als die Männer. Gemäß Statistiken der EU besteht noch immer eine geschlechtlich bedingte Lohnspanne von 18 Prozent in ganz Europa.  Die Beschäftigungsraten von kinderlosen Frauen beträgt 75 Prozent und die von Müttern 54 Prozent.  Bei den Männern , die keine Kinder haben beträgt sie 80 Prozent und bei den Männern mit Kindern 85 Prozent.   Gemäß vorliegenden statistischen Daten  ist die Beteiligung der Frauen in beschlussfassenden Ämtern nur sehr gering.  Im Durchschnitt machen die Frauen nur 24 Prozent der Mitglieder der nationalen Parlamente aus.   

Eine weitere Benachteiligung ist die Benachteiligung wegen der Hautfarbe. Der Protest gegen die Polizeigewalt in Europa und den USA gegen Dunkelhäutige ist in sich ein Aufschrei gegen alles Unrecht, welches diesen Menschen in diesen Ländern geschieht. Die Diskriminierung insbesondere in den USA hat oft mit der Hautfarbe zu tun.  Weißhäutig zu sein bedeutet automatisch bessere Möglichkeiten zu erhalten. Eine dunkle oder rote Hautfarbe führt ohne berechtigten Grund zu Entbehrungen. Die Medien verbreiten ein negatives Image von den Farbigen und Dunkelhäutigen und verschärfen damit die Schwierigkeiten bei der Suche nach Arbeit für diese Menschen.  Afroamerikaner sind vielen Schwierigkeiten ausgesetzt – wie geringes Einkommen, Armut, Ausschluss von der höheren Bildung, willkürlichen Festnahmen und Polizeigewalt.

 

 

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