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Montag, 24 November 2014 08:44

Deutsche Unternehmen hoffen auf Lockerung der Sanktionen

Iranerinnen beim Shopping in Tabriz - im Iran gibt es eine breite Mittelschicht. (AFP) Iranerinnen beim Shopping in Tabriz - im Iran gibt es eine breite Mittelschicht. (AFP)
Written by:  lavassani
Bodenschätze, Mittelschicht, Facharbeiter: André Schwarz vom Bundesverband Groß- und Außenhandel sieht im Iran "alles vorhanden, um gutes Geschäft zu machen". Die deutschen Unternehmen hofften daher auf eine Lockerung der Sanktionen - zumal andere Länder dort längst aktiv seien, sagte Schwarz im DLF.

Birgid Becker: Verhandelt wird im Moment nicht mehr über das Atomprogramm des Iran. Die Gespräche wurden am frühen Nachmittag unterbrochen. Morgen soll es weitergehen in Wien. Dort soll Iran mit den fünf UN-Vetomächten, also mit den USA, mit Großbritannien, Frankreich, Russland und China, und außerdem mit Deutschland über den seit zehn Jahren schwelenden Konflikt um sein Atomprogramm verhandeln. Der Iran soll alles unterlassen, was zum Bau von Atomwaffen führen könnte; das will die sogenannte Sechsergruppe. Iran seinerseits dringt darauf, dass die Sanktionen gegen das Land eingestellt werden. Hoch sind, Herr Schwarz, auch die Erwartungen, die es bei deutschen Unternehmen an diese Verhandlungen gibt. Was genau stellt man sich da vor?

Schwarz: Nun ja, wir müssen hier sehen, dass der Iran ein ganz spannender und interessanter Markt war und im Prinzip auch immer noch ist. Wir reden von fast 80 Millionen Einwohnern, wir reden davon, dass es da wirklich eine breite Mittelschicht gibt, gut ausgebildete Facharbeiter. Das Land ist reich an Bodenschätzen, es hat durchaus auch eine diversifizierte Wirtschaft. Also eigentlich alles vorhanden, um gutes Geschäft zu machen, und das haben wir natürlich auch in der Vergangenheit gemacht und das ist natürlich durch die Sanktionen, die mit der Zeit immer stärker und stringenter wurden, doch ganz massiv zurückgegangen.

Becker: Aber wie es am Schluss des Beitrags auch angeklungen war: Strategische Angelegenheiten wie die Atomverhandlungen, die müssen vom obersten Führer Irans, von Ayatollah Khamenei abgesegnet werden. Und ob der zu einer Entspannungslinie bereit ist, die man ja bei Präsident Rohani unterstellt, das scheint noch längst nicht ausgemacht, oder?

Schwarz: Das ist auch nicht ausgemacht. Wir haben zwar große Hoffnungen in diese Verhandlungsrunde, die gerade läuft, aber wir sind durchaus auch skeptisch, was da am Ende rauskommen wird. Wir müssen schlichtweg abwarten. Und man muss auch sagen, darüber hinaus, egal was da rauskommt: Das ist ein Geschäft, ein Markt, der immer hinter der Politik anstehen muss. Und dann muss man einfach schauen, wie der Kurs dann weitergeht. Aber - das sollte man vielleicht auch mal deutlich aussprechen - es gibt tatsächlich hier schon eine Reihe von anderen Ländern, die ich jetzt gar nicht einzeln nennen möchte, die durchaus schon deutlich aktiver vor Ort ihre Wirtschaft unterstützen. Das heißt, gerade vor dem Hintergrund würden wir uns natürlich schon sehr freuen, wenn es zu einer Einigung käme.

Becker: Und wen meinen Sie, um das dann doch konkreter auszusprechen? Wen meinen Sie da an Ländern?

"Korea ist auch aktiver als wir"

Schwarz: Ich möchte keine anderen Länder jetzt benennen. Nur Tatsache ist, wenn man sich den Markt anschaut: Beispielsweise China ist doch sehr aktiv, Korea ist auch aktiver als wir. Es gibt asiatische Länder und es gibt auch eine Reihe anderer Länder, die einfach in der Region nicht nur Geschäfte machen, sondern auch sich sozusagen in Stellung bringen für den Fall, dass es dort vorangeht.

Becker: Nun ist der Iran ja tatsächlich getroffen durch die Jahre der Sanktionsmaßnahmen. Fabriken liegen still, weil Teile für die Reparatur und Wartung von Maschinen kaum noch ins Land gelangen. Auch Lieferungen von Autokomponenten blieben ja weitgehend aus. Der Nachholbedarf ist also riesig. Aber die Frage: Gibt es auch Geld im Land, um Waren aus dem Ausland einzukaufen?

Schwarz: Geld gibt es natürlich. Iran ist ja grundsätzlich ein reiches Land, gesegnet vor allen Dingen mit vielen Bodenschätzen. So haben wir auch Öl und Gas, aber auch vieles andere, was sehr dringend benötigt wird auf den Weltmärkten. Das Problem ist natürlich, Sie sprechen es an: Reich zu sein heißt noch nicht, liquide zu sein. Das ist sicherlich ein Punkt, wo man auch hinschauen muss. Es steht alles noch unter der Voraussetzung, ob diese Entspannung weitergeht, denn der Zahlungsverkehr, der ist schwierig und man muss schauen, sagen wir mal, wie es weitergeht, inwiefern weitere Sanktionen aufgehoben werden in Zukunft. Das ist ja gerade das Ergebnis, was man jetzt eigentlich noch nicht vorweg nehmen kann. Was man aber vorweg nehmen kann ist, dass die leichte Lockerung, die wir schon in den vergangenen Monaten gesehen haben, im Prinzip seit Jahresbeginn, dass die schon enorme Wirkung gezeigt haben. Kleine Schritte, große Wirkung, denn der Handel, unser Handel mit dem Iran hat um ein knappes Drittel, über 30 Prozent zugelegt in den ersten Monaten.

"Die deutsche Wirtschaft hat einen guten Ruf in der Region"

Becker: Vielleicht das noch zum Schluss: Wie gut ist denn überhaupt die Position möglicher deutscher Iran-Lieferanten? Oder anders: Wie erfolgreich bringen sich da mittlerweile auch die Erzfeinde von einst, die Amerikaner in Stellung? Vor 1979, vor der Islamischen Revolution hat man da ja recht gute Geschäfte gemacht.

Schwarz: Haben wir auch als deutsche Wirtschaft. Die deutsche Wirtschaft hat einen guten Ruf in der Region. Wir sind dort anerkannte und auch gern gesehene Geschäftspartner. Wir liefern gute Qualität zu einem ordentlichen Preis, sind pünktlich, also alles, was man sich wünscht. Wir haben vor allen Dingen eine Produktpalette - Sie haben eben den Nachholbedarf angesprochen, das Land war in der Tat jetzt über viele Jahre ja von der Weltwirtschaft isoliert. Es hat den großen Nachholbedarf, ob es jetzt Industrieanlagen angeht, in der Ölindustrie, Infrastruktur. All das, da haben wir die entsprechende Produktpalette einfach im Angebot und insofern wäre das gut für beide Seiten, wenn es zu Lockerungen da käme bei den Sanktionen.

(Quelle: Deutschlandfunk.de)

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