Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Donnerstag, 09 Oktober 2014 09:20

Der Türkei geht es nicht um den IS, sondern um den Sturz Assads

Der Türkei geht es nicht um den IS, sondern um den Sturz Assads
Written by:  lavassani
(Karin Leukefeld)  »Wenn andere ihre Arbeit tun«, wird auch die Türkei bereit sein, Bodentruppen nach Syrien zu senden. Das sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in der Nacht zu Dienstag in einem CNN-Interview.
Die Türkei sei »zu allem bereit, wenn es eine klare Strategie« gebe. »Wir wollen das Regime, das Menschen in die Türkei treibt, nicht mehr an unserer Grenze«, fuhr er fort. Auf die Nachfrage der CNN-Reporterin Christiane Amanpour, ob der »Sturz des Assad-Regimes« Bedingung der Türkei für ein militärisches Engagement gegen den »Islamischen Staat« (IS) sei, antwortete Davutoglu: »Natürlich.« Es gehe nicht darum, »für die Öffentlichkeit eine Terrororganisation zu bestrafen«, sondern darum, dass »alle terroristischen Organisationen vernichtet« würden. Alle »Verbrechen des Regimes gegen die Menschlichkeit« müssten verhindert werden.

Als türkischer Außenminister hatte Davutoglu zwischen 2005 und 2010 Dutzende bilaterale Wirtschaftsabkommen zwischen der Türkei und Syrien verhandelt, die zu einer nie dagewesenen engen Kooperation der beiden Staaten geführt hatten. Nach Beginn der Unruhen in Syrien 2011 hatte die Türkei eine 180-Grad-Kehrtwende zum bisherigen Partner vollzogen und den Sturz von Präsident Baschar Al-Assad gefordert.

Europa und die USA hatten nach dem Sturz ihrer langjährigen Partner Ben Ali in Tunesien und Hosni Mubarak in Ägypten die Türkei aufgefordert, die Führung in der Region zu übernehmen. Die wirtschaftlich erfolgreiche religiöse Regierung der AKP sollte Vorbild sein und andere Parteien der Muslimbruderschaft anleiten. Vergessen wurde dabei allerdings, dass in der arabischen Welt große Vorbehalte gegenüber der Türkei bestehen. Das Osmanische Reich, Vorgänger der Türkischen Republik, hatte die arabische Welt 400 Jahre lang besetzt gehalten.

»Vom ersten Tag der Krise an (….) hat kein Land mehr getan hat als die Türkei«, behauptete Davutoglu gegenüber dem Sender CNN. US-Vizepräsident Joseph Biden hatte vor wenigen Tagen offen erklärt, dass die Türkei (wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate) Waffen und Geld in Massen an alle geliefert habe, die gegen Assad kämpfen wollten. So seien auch die Al-Nusra-Front und IS bewaffnet worden. Solche Anschuldigungen seien »wirklich sehr unfair«, klagte Davutoglu. Man erwarte mehr »Mitgefühl«. Davutoglu räumte Hilfe für die »moderate Opposition« durch seine Regierung ein. Hätte man diese von Anfang an mit Waffen unterstützt, »hätten wir heute nicht diese Krise mit ISIS«.

Biden hat sich inzwischen offiziell für die Äußerungen entschuldigt. Gleichwohl ist bei der US-Administration und bei den NATO-Bündnispartnern der Türkei die Unterstützung Ankaras für Kampfgruppen in Syrien ein offenes Geheimnis. Städte wie Gaziantep, der Hafen Iskenderun oder der Ort Reyhanli werden von Kampfgruppen als Warenumschlagplätze, für Waffenlieferungen, als Sammelpunkt für Kämpfer und zur medizinischen Versorgung genutzt.

Die Türkei wolle eine Flugverbotszone im Norden Syriens haben, griff Davutoglu in dem CNN-Interview die Forderung der sogenannten Freien Syrischen Armee auf, die im Norden Syriens ein eigenes Staatsgebiet festigen und zum Vormarsch auf Damaskus ausbauen will. Der türkische Außenminister nannte allerdings die großen Flüchtlingsströme in die Türkei als Grund für die Notwendigkeit eines »sicheren Hafens«. Man werde »alles Mögliche« unternehmen, um den Menschen in Kobani zu helfen, denn sie seien »unsere Brüder und Schwestern«, so Davutoglu. »Wenn es die Notwendigkeit gibt, in Kobani einzugreifen, muss in ganz Syrien eingegriffen werden.«

Unweit der Grenze zur Türkei in der syrischen Provinz Idlib hat die Nusra-Front am vergangenen Sonntag einen Priester und 20 (christliche) Bewohner des Dorfes Kunja entführt. Pater Hanna Dschalluf hatte sich geweigert, Häuser der Gemeinde den Kämpfern der Nusra-Front zu überlassen.

(Quelle: Junge Welt)

Mehr in dieser Kategorie: « Niemand hat die Absicht, der Regierung zu unterstellen, dass sie die Lage beherrscht Der UN-Kommissar für Palästinaflüchtlinge zur Lage in Gaza »

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Nach oben