Diese Seite drucken
Dienstag, 16 September 2014 04:59

Ein neues Kriegsbündnis gegen IS und Russland

Ein neues Kriegsbündnis gegen IS und Russland
Written by:  lavassani
(Knut Mellenthin)  Wieder einmal bastelt ein US-Präsident an einer internationalen Koalition der Willigen und Billigen.

Diesmal ist es Friedensnobelpreisträger Barack Obama, der Komplizen und Statisten für eine Militärintervention in Syrien und im Irak sucht.

40 Länder sollen sich angeblich schon zum Mitmachen gemeldet haben. Darunter alle autoritären Monarchien der arabischen Halbinsel und die ägyptische Militärdiktatur. Die Monarchien haben beim Aufbau des »Islamischen Staates« (IS), den sie jetzt bekämpfen wollen, lange Zeit durch Waffenlieferungen und Finanzhilfen mitgewirkt. Jetzt drängen sie sich, ihre aus den USA und anderen NATO-Ländern importierten Luftwaffen gegen Ziele im Irak und in Syrien einsetzen zu dürfen. Einige sollen laut Außenminister John Kerry sogar schon Bodentruppen angeboten haben.

Iraks Präsident Fuad Masum murrt vergeblich, daß sein Land keine Luftangriffe Saudi-Arabiens, der Vereinigten Emirate oder Ägyptens brauche. Die Iraker werden nicht mehr gefragt, was sie wollen. Die Regierung in Bagdad hat sich unter dem militärischen Druck des IS und aufgrund der Schwäche ihrer eigenen Streitkräfte den westlichen Helfern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Genau aus diesem Grund hat Obama dem schnellen Anwachsen, der regionalen Ausbreitung und den Greueltaten der Islamisten monatelang zugesehen. In einem Gespräch mit Thomas L. Friedman, das die New York Times am 8. August veröffentlichte, bekannte der Präsident sich zu dieser Abwartetaktik: »Der Grund, daß wir nicht sofort mit flächendeckenden Luftangriffen quer über den gesamten Irak begonnen haben, sobald ISIL auftauchte, liegt darin, daß das den Druck von Maliki genommen hätte.« ISIL ist eine andere Bezeichnung für den IS. Maliki ist der frühere schiitische Präsident Iraks, der von Washington zum Rücktritt genötigt wurde.

In militärischer Hinsicht ist die sich jetzt formierende Koalition ineffektiv und irrelevant: Sie schafft keine größere Schlagkraft. Für die Islamisten stellt die Allianz des gesamten Westens mit den autoritären arabischen Regimes einen enormen Prestigegewinn dar. Obamas Idee, die sunnitischen Staaten der arabischen Halbinsel in die Konflikte zwischen den zerstrittenen Bevölkerungsgruppen Iraks hineinzuziehen, bei gleichzeitiger strikter Ausgrenzung des schiitischen Iran, repräsentiert die für die US-Außenpolitik typische Mischung aus hoher krimineller Energie und grenzenloser Dummheit.

Das hier entstehende Kriegsbündnis dient darüber hinaus einem strategischen Zweck, wie Obama am vorigen Mittwoch in einer Fernsehrede offenbarte: »Die amerikanische Führungsrolle ist die einzige Konstante in einer unsicheren Welt. Es ist Amerika, das die Fähigkeit und den Willen hat, die Welt gegen die Terroristen zu mobilisieren. Es ist Amerika, das die Welt gegen die russische Aggression um sich gesammelt hat…«

(Quelle: Junge Welt)

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren