Dienstag, 17 Juli 2012 13:54

Warum auch Politiker fasten sollten

Warum auch Politiker fasten sollten
 Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges (47)Von: Dr.

Yavuz Özoguz
Im Namen des Erhabenen
Muslime stehen an der Schwelle zum Monat Ramadan, der in wenigen Tagen beginnen wird. Doch was hat Fasten mit Politik zu tun?
 Zunächst ist das Fasten eine spirituelle Angelegenheit zur Annäherung an den Schöpfer allen Seins und zudem ist es eine körperliche Angelegenheit, bei dem der Fastende lernt, seinen Körper besser zu beherrschen. Ein wirklich und richtig fastender Erwachsener nimmt auch dabei ab. Nicht der Körper soll den Menschen beherrschen, sondern der Mensch seinen Körper und dadurch auch geübter darin werden, seine Seele dem in seinem Herzen wohnenden Geist Gottes zu unterwerfen. Zweifelsohne beinhaltet das Fasten gerade in diesem Bereich so viele verschiedene Aspekte, dass sehr viele Bücher darüber geschrieben wurden. Und ebenfalls zweifelsohne beinhaltet das Fasten auch die Dimension der Solidarität mit den wirklich Hungernden. Zumindest für wenige Stunden spürt der Fastende, wie es jemanden ergeht, der wirklich Hunger hat, allerdings mit der Einschränkung, dass der Fastende weiß, dass er in wenigen Stunden hinreichend zu essen bekommen wird, wohingegen der wirklich Hungernde dieses Hungergefühl als Dauerzustand hat.
 In der Islamischen Republik Iran ist die Zeit des Monats Ramadan eine besonders gesegnete Zeit mit vielen gemeinsamen spirituellen Aktivitäten. In die höchsten Ebenen der Verantwortung kann im Iran nur derjenigen aufsteigen, der eine sehr positive Einstellung zum Fasten hat. Eine Familie zu haben, in der der Ehepartner und die Kinder fasten, ist zweifelsohne “Standard“ für einen hohen Verantwortungsträger in der Islamischen Republik Iran. Und dass der Verantwortungsträger selbst fastet – außer es gibt religionsrechtliche Hindernisse – ist selbstverständlich. Zwar fragt niemand den anderen, falls er nicht fastet, was die Gründe sind. Er kann auf Reisen sein, er kann krank sein, er kann sonstige Gründe haben. Es ist im Iran nicht so wie in fanatischen Salafisten-Staaten, wo jeder verfolgt wird, der in dem Monat etwas zu sich nimmt und es andere mitbekommen. Aber dennoch ist das Fasten ein so grundlegender Bestandteil des täglichen Lebens, dass es gar keine Frage ist, dass auch die Politiker, die Parlamentarier, die Minister und alle Verantwortungsträger diesen Monat für die Selbstläuterung nutzen.
 
Neben allen den stets diskutierten und erläuterten spirituellen und materiellen Effekten gibt es somit eine politische Dimension des Fastens, die eher weniger Aufmerksam erzeugt: Es ist die Selbstbeherrschung in der Verantwortung für andere. Und diese Art der Selbstbeherrschung bedarf eines gewissen Trainings, bedarf einer “Fitness“, bedarf einer Auffrischung in einer jährlichem Art Trainingslager, bedarf der Rückbesinnung und der regelmäßigen Schulung. Doch warum?
 Einige sehr einfache und grundlegende Prinzipien werden in der “modernen“ Gesellschaft völlig außer Kraft gesetzt, nicht weil die logische Grundlage dafür verloren gegangen ist, sondern weil wir von vielen Menschen beherrscht werden, die keine Selbstbeherrschung kennen. So ist die Selbstbeherrschung in Politik verloren gegangen, nicht weil diese Tugend nicht mehr nötig wäre, sondern weil die Machthaber nicht selbstbeherrscht leben wollen.
 Wie kann man z.B. von jemand, der noch nicht einmal die Verantwortung für seine eigene Familie tragen kann, erwarten, dass er die Verantwortung für ein ganzes Land trägt? Wie kann man von jemandem, der nicht einmal den Frieden in der eigenen Familie wahren kann, glauben, er hätte die Fähigkeit sich für den Weltfrieden einsetzen? Es ist absurd. Wie kann man von jemandem, der noch nicht einmal die grundlegende partnerschaftliche Beziehung entwickeln und bewahren kann, erwarten, dass er oder sie vernünftige Beziehungen von ganzen Staaten entwickelt und aufrecht erhalten können? Dazu ein Beispiel aus der heutigen Politik. Die US-Außenministerin Clinton hat – unter dem Druck der Zionisten – der Islamischen Republik Iran einmal mehr indirekt Krieg angedroht. Eine Frau, die noch nicht einmal ihren eigenen Ehemann davon abhalten kann, dass dieser sich sündhaft mit Praktikantinnen vergnügt, will im Namen aller Amerikaner und im Auftrag der Zionisten dem fastenden ehrenhaften Volk der Islamischen Republik Iran den Krieg erklären. Wenn der Hintergrund nicht so grausam und brutal wäre und diese Menschen in ihrer Unbeherrschtheit so viel Leid anrichten könnten, wäre es ein trauriger Witz zum Lachen über die Absurdität und zum Weinen darüber, wie ein Mensch sich selbst so sehr erniedrigen kann.
 Auch in Deutschland müssen wir uns diesbezüglich Fragen stellen. Wie soll ein Mensch, der seine Ehepartner regelmäßig wechselt, die Verantwortung für ein ganzes Land tragen? Wie soll ein Minister, der nicht einmal seinen eigenen Körper in halbwegs vernünftigen Gewichtsgrenzen halten kann, Selbstbeherrschung bei wichtigen Entscheidungen für das ganze Land üben können? Wie soll jemand, in dessen Lebensplanung keine Kinder passen und er oder sie keine Kinder wünschen (obwohl sie sowohl körperlich als auch finanzielle in der Lage wären Kinder zu erziehen), wichtige Entscheidungen für die Zukunft eines Volks treffen können weit über die Zeit des eigenen kurzen Daseins hinaus? Und wie soll ein Mensch, der bereits durch Hunger erpressbar wäre, unabhängig entscheiden?
 
Der Fastenmonat ist nicht nur ein Segen für Muslime! Auch für Menschen, die in der Nähe von bewusst und wissentlich Fastenden wohnen, ist der Fastenmonat ein Segen. So werden im Iran auch christliche und jüdische Nachbarn zum Iftar (gemeinsames Fastenbrechen) eingeladen. In Deutschland landen die muslimischen Gemeinden die Lokalpolitiker und viele andere mehr ein. Einzelne Familien laden auch ihre nichtmuslimischen Nachbarn ein. Immer mehr Politiker – bis auf wenige Innenminister der Länder und des Bundes – haben verstanden, dass der Anteil der muslimischen Wähler beständig zunimmt.
 Der Fastenmonat Ramadan ist der besondere Monat des Schöpfers, in dem er alle seine Geschöpfe einlädt zur Wahrheit, unabhängig davon, ob sie an Ihn glauben oder nicht. Eine Rückbesinnung auf die wahren Werte des Daseins tut uns allen gut, unabhängig davon, welcher Religion wir angehören. Früher haben die Völker, selbst in schweren Kriegen, in bestimmten Monaten eine Pause eingelegt. Wünschen wir allen unterdrückten Völkern der Welt, alle Besetzten – insbesondere in Palästina – dass Sie den Segen dieses Monats zu spüren bekommen.
 Ich wünsche uns allen den Frieden Gottes und einen gesegneten Monat Ramadan
Dr. Yavuz Özoguz
(Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)
Schilfweg 53
D-27751 Delmenhorst
e-Mail: yavuz@muslim-markt.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren