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Sonntag, 16 Oktober 2011 13:30

Anhaltende Unruhen im Jemen

Anhaltende Unruhen im Jemen
Sanaa.16.10.2011(Wirtschaftsblatt.at/IRIB)- Der Jemen kommt nicht zur Ruhe: Während in der Hauptstadt Sanaa Zehntausende gegen die Herrschaft des umstrittenen Präsidenten Ali Abdullah Saleh auf die Straße zogen, übte die Extremistenorganisation Al-Kaida Vergeltung für die Tötung eines hochrangigen Mitglieds.
Kämpfer der Gruppe sprengten eine Gasleitung des französischen Unternehmens Total in die Luft. Der bei Al-Kaida für Propagandafragen zuständige Ägypter Ibrahim al-Banna starb laut Berichten bei einem Luftangriff.

 

In Sanaa kam es bei den Protesten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen jemenitischen Sicherheitskräften und Gegnern der Regierung. Dabei wurden in Sanaa am Wochenende mindestens 22 Demonstranten erschossen. Eine Frau wurde nach offiziellen Angaben bei Protesten in der südlichen Stadt Tais getötet.

Nach Angaben des jemenitischen Verteidigungsministeriums wurde Banna neben 23 anderen Menschen bei einem Angriff durch jemenitische Militärflugzeuge in der südlichen Provinz Shabwa am Freitagabend getötet. Neben ihm starben laut Anrainern auch ein Cousin und ein Sohn von Anwar Al-Awlaki. Banna habe zu den gefährlichsten Aufständischen gezählt und weit oben auf der Fahndungsliste gestanden. Anrainer und örtliche Behörden erklärten, sie gingen davon aus, dass die Aktion durch ausländische Streitkräfte erfolgt sei. Es habe mindestens drei Angriffe auf verschiedene Ziele gegeben. Für die USA stellt die Tötung Bannas einen weiteren Schritt im Kampf gegen Al-Kaida dar. Ende September war bereits der Al-Kaida-Funktionär Awlaki bei einem Luftangriff im Jemen ums Leben gekommen. Die Regierung in Washington äußerte sich nicht direkt zu dem Vorfall. Es hieß lediglich, dass die USA weiterhin eng mit Jemens Streitkräften zusammenarbeiteten.

Die Vergeltung der Al-Kaida ließ nicht lange auf sich warten. Kurz nach dem Luftangriff sprengten Extremisten die Total-Pipeline, über die Gas aus der Maarib-Provinz zum Hafen in Balhaf transportiert wird, wo sich die größte Gasverflüssigungsanlage Jemens befindet. Für die jemenitische Wirtschaft, die seit Monaten unter den Unruhen im Land leidet, ist dies ein schwerer Schlag. Die Anlage ist das größte Industrieprojekt des Landes. Jemen LNG arbeitet neben Total mit GDF Suez und Korea Gas zusammen. Total flog nach dem Anschlag fast die Hälfte seines ausländischen Personals nach Dschibuti auf der anderen Seite des Roten Meeres aus.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gingen unterdessen die Proteste gegen Präsident Saleh weiter. Zehntausende marschierten am Samstag in Richtung des Regierungsviertels, um gegen den seit 33 Jahren autokratisch regierenden Herrscher zu demonstrieren. Streitkräfte eröffneten das Feuer auf die Menschen. Nach Angaben von Augenzeugen und Informationen von Krankenhäusern wurden zwölf Menschen getötet und Dutzende verletzt. Auch am Sonntag gingen Sicherheitskräfte auf Demonstranten los. In Sanaa starben vier Jemeniten im Kugelhagel, in der Stadt Tais wurde eine Demonstrantin getötet.

Zudem soll es nach Angaben weiterer Augenzeugen erneut zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Anhängern des mächtigen Stammesführers Sadek Al-Ahmar gekommen sein. Dabei seien vier Stammeskämpfer ums Leben gekommen. Ahmar unterstützt die Opposition.

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