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Montag, 05 Mai 2014 07:30

"Die Arier" - preisgekrönte Dokumentation heute im ZDF

"Die Arier" - preisgekrönte Dokumentation heute im ZDF "Die Arier" - preisgekrönte Dokumentation heute im ZDF
In seiner Reihe "Das kleine Fernsehspiel" strahlt das ZDF in der Nacht von Montag auf Dienstag um 23.55 Uhr Mo Asumangs preisgekrönte Dokumentation "Die Arier" aus.     
Er war König der Könige, Arier und Kind von Ariern. Das Grab von König Dareius I. von Persien in Naqsch-e Rostam in der Hochebene im Norden des heutigen Iran kündet vom Stolz eines Geschlechts, über das Herodot und Zarathustra berichteten. Er predigte die Gleichheit von Menschen aller Hautfarben und Religionen. Seine Nachfahren sehen sich bis heute als Arier und leben in der Tradition der Toleranz.

Die Nazis und ihre rechtsextremen Nachfolger sind für die Arier aus dem Iran Verbrecher, die den Begriff mit ihrer pseudowissenschaftlichen Rassenlehre diskreditiert haben. Wie es dazu kommen konnte, fragt Mo Asumang in ihrer sehr persönlichen Spurensuche für den Dokumentarfilm "Die Arier", den das ZDF am Montag, 5. Mai, um 23.55 Uhr in seiner Reihe "Das kleine Fernsehspiel" ausstrahlt.

Der Film über den Missbrauch des Wortes Arier als Synonym für Herrenmenschen erhielt beim 19. Filmfestival Türkei/Deutschland in Nürnberg im März den Öngören Preis für Demokratie und Menschenrechte. Wenige Tage später wurde er beim 14. Phoenix Film Festival mit dem "World Cinema Best Documentary"-Award sowie dem "World Cinema Audience"-Award ausgezeichnet.
 

Die abenteuerliche Reise in die Abgründe rechtsextremer Bewegungen und ihrer ideologischen Unterfütterung führt die Moderatorin über drei Kontinente. Am Anfang steht Asumangs Biografie. Die Eltern der Mutter waren überzeugte Nationalsozialisten. Der Vater stammt aus
Ghana. Auf Grund ihrer Hautfarbe wird die heute 50 Jahre alte Mo Asumang immer wieder Opfer von Vorurteilen und Anfeindungen rechter Gruppen.

Darüber will sie mit Ariern ins Gespräch kommen. Sie beginnt in Mecklenburg-Vorpommern. Im Nordosten Deutschlands sind Arbeitsplätze knapp und Ausländer rar. Trotzdem hat sich der Hass in vielen männlichen Köpfen festgesetzt. Sie verweigern jede verbale Auseinandersetzung. In den USA sind führende Vertreter der arischen Rassenlehre gesprächiger. 1018 Gruppen predigten 2011 die Überlegenheit des weißen Mannes. Die ersten entstanden vor rund 150 Jahren, sicher nicht zufällig beinahe zeitgleich mit dem Ku-Klux-Klan. Ursprünglich bezeichnete sich als Aryas vor 3000 Jahren ein zentralasiatisches nomadisierendes Hirtenvolk, das 1000 Jahre später in den heutigen Iran und nach Indien zog. Die Ähnlichkeit von Sprachen der Region mit vielen europäischen Sprachen ließ Wissenschaftler im 18. Jahrhundert in der Kurgan-Theorie über eine ur-indogermanische Sprache spekulieren. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff des Ariers von der Sprachwissenschaft und völkerkundlichen Theorien mit der biologischen Abstammungslehre vermischt. Alle hellhäutigen und blonden Europäer stammten danach von den Ariern ab. Die Idee einer arischen Rasse geht auf den Franzosen Arthur de Gobineau zurück. In seinem Essay "Sur l’inegalite des races humaines" formulierte er in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die arische oder nordische Rasse sei allen anderen Rassen überlegen. Eine Vermischung von Rassen sei grundsätzlich von Nachteil. Vere Gordon Childe führte sie 1926 in "Die Arier: Eine Studie der Ursprünge der Indogermanen" weiter. Die Überlegenheit der nordischen Rasse im Körperbau mache sie zu einem Träger einer höheren Sprache. Auf dieser Theorie, die den Großteil der Menschheit ausschließt, bauten Hitlers Ideologen ihren Vernichtungsfeldzug auf.

Die historischen Fakten lässt Mo Asumang eher nebenbei einfließen. Die Autorin und Regisseurin des Films interessiert vor allem, warum Menschen heute an diese Theorie glauben. Sie konfrontiert sie mit ihrer eigenen Existenz als "Mischling", als intelligente und gebildete Frau, die in mehreren Sprachen zu Hause ist.

In den USA bekommt sie zumindest Antworten auf ihre Fragen. In Deutschland steht sie vor den Vertretern einer geschlossenen Gesellschaft, die sich weder mit Argumenten noch mit Fakten auseinandersetzen will. Diese Sprachlosigkeit der Vertreter der Herrenrasse widerlegt eindrucksvoll alle Theorien ihrer Überlegenheit.

(Quelle: Badische Zeitung)

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