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Dienstag, 18 Februar 2014 09:39

Avicenna Studienwerk: Erstes muslimisches Begabtenförderungswerk Deutschlands gestartet

Avicenna Studienwerk: Erstes muslimisches Begabtenförderungswerk Deutschlands gestartet
Begabte Studierende und Promovierende aller Fächer können nun auf eine weitere Möglichkeit der Unterstützung zurückgreifen. Das erste muslimische Begabtenförderungswerk Deutschlands ist gestartet. Seit diesem Montag kann man sich für ein Stipendium bewerben.

Was es für Studenten katholischer, evangelischer und jüdischer Konfession schon lange gibt, ist nun auch für Muslime vorhanden. Das Avicenna Studienwerk, benannt nach dem muslimischen Universalgelehrten Ibn Sina (latinisiert: Avicenna), will leistungsstarke und gesellschaftlich besonders engagierte muslimische Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen mit einem Stipendium fördern.

Zum Wintersemester 2014/2015 sollen die ersten 50 vielversprechenden Kandidaten bedacht werden. Interessenten können sich bis zum 30. April 2014 um ein Stipendium bewerben. Das Studienwerk ist das jüngste der 13 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) anerkannten deutschen Begabtenförderungswerke.

Das Avicenna Studienwerk  mit Sitz in Osnabrück agiert unter dem Motto „Fördern. Verbinden. Gestalten“ und unterscheidet nach ideeller und finanzieller Förderung für junge Menschen. Zum einen sollen Beratung durch die Geschäftsstelle, studienbegleitende Betreuung durch Vertrauensdozenten, Vernetzung mit anderen Stipendiaten, Seminare zu religionsbezogenen Themen, Sommerschulen und Sprachkurse geboten werden. Zum anderen können Studierende ein einkommensabhängiges Grundstipendium von bis zu 670 Euro im Monat erhalten. Darüber hinaus wird ein einheitliches Büchergeld von 300 Euro pro Monat gewährt. Auch Kinder werden in der Förderung berücksichtigt. Die maximale Dauer der Förderung orientiert sich eigenen Angaben zufolge an der Regelstudienzeit.

Promovierende können bei Förderungszusage ein monatliches Grundstipendium von bis zu 1050 Euro erhalten, abhängig vom Einkommen des Antragstellers. Darüber hinaus gewährt das Studienwerk eine monatliche Forschungskostenpauschale in Höhe von 100 Euro. In der Regel wird die Promotion über zwei Jahre gefördert. Auf begründeten Antrag hin kann allerdings um maximal ein weiteres Jahr verlängert werden. Geregelt wird die Förderung nach den Richtlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Möglich ist auch eine Unterstützung während eines Auslandsaufenthaltes des Stipendiaten.

„Das Avicenna Studienwerk wurde 2012 gegründet und schließlich 2013 vom Bundesforschungsministerium als das muslimische Begabten Förderwerk anerkannt, so Professor Dr. Bülent Ucar, Vorstandsvorsitzender und Direktor des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück. Nun sei man in der Geschäftsstelle soweit, dass die ersten Stipendien vergeben werden könnten.

Mit den vergebenen Stipendien sollen optimale Rahmenbedingungen für Studium, Persönlichkeitsentwicklung, wissenschaftliche Qualifikation und berufliche Karriere geschaffen werden.

Ziel sei es, auf diese Weise an der Heranbildung verantwortungsbewusster und qualifizierter muslimischer Persönlichkeiten mitzuwirken und diese angemessen auf Führungspositionen in Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur vorzubereiten.

Gefördert wird der gemeinnützige Verein durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Stiftung Mercator sowie private Spenden. Für die kommenden vier Jahre stellt der Bund sieben Millionen Euro zur Verfügung. Eine weitere Million kommt von der Stiftung Mercator, berichtet e-fellows.net.

Für eine Förderung infrage kommen Studenten und Doktoranden muslimischer Herkunft an staatlichen Universitäten. Auch Nicht-Muslime haben in begründeten Fällen Chancen, als Stipendiaten aufgenommen zu werden. So wird die Förderung als legitim erachtet, wenn sie sich für den interreligiösen und interkulturellen Dialog einsetzen oder in einem nahestehenden Fach promovieren, wie etwa Islamwissenschaften.

Warum es ein solches Begabtenförderungswerk überhaupt braucht, erläutert Beschir Hussain, der den Verein gemeinsam mit Matthias Meyer gegründet hat:

„In Deutschland leben ungefähr vier Millionen Muslime. Der Anteil an der Bevölkerung liegt bei rund fünf Prozent. An den Hochschulen gehören aber nur drei Prozent der Studenten dem Islam an, sie sind also deutlich unterrepräsentiert. Auch in den schon existierenden Studienwerken findet man auffallend wenige muslimische Stipendiaten. Der Grund dafür: Viele muslimische Studenten kommen aus bildungsfernen Schichten und wissen gar nicht, dass es solche Förderprogramme gibt. An sie wenden wir uns gezielt.“

Quelle: Deutsch Türkische Nachrichten

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