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Mittwoch, 21 September 2016 10:34

Mit uns durch Iran-185

Im Namen Gottes. Wir begrüßen Sie zu einer weiteren Folge aus dem Reisemagazin „Mit uns durch Iran“. In der letzten Woche streiften wir im Teheraner Basar herum und lernten die Teile und Begriffe kennen, so wie Sara, Karawanserei, Timtsche, Hodschreh und  die architektonischen Eigenschaften des Basars.

 Wie gesagt, haben sich bestimmte Berufe in bestimmten Basarteilen zusammengefunden: Der Basar der Teppichhändler, der Goldschmiede-, und Verkäufer, der Stoffhändler, Schuster, Crystal-Verkäufer und Haushaltsgeräteverkäufer, um die wichtigsten zu nennen.

Unser Rundgang im Basar findet heute eine Fortsetzung. Also, belgeiten Sie uns.

In der städtischen Struktur hat der Basar stets verschiedene Rollen gespielt. Die wichtigste Rolle ist seine wirtschaftliche Bedeutung; als Zentrum für den Handel sorgt er für ein Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot. Somit regeln sich auch die Preise. Der Basar ist der Platz, wo neue inländische Waren angeboten und von dort aus exportiert werden. Das beeinflusst die Wirtschaftspolitik der Regierung und nimmt gleichzeitig auch von   dieser Politik Einfluss. Im Basar zeigen sich Stagnation oder Konjunktur. Mit Blick auf die Bedeutung des Perserteppichs auf Weltmärkten bildet dieser Sektor einen wesentlichen Teil des Basars. Nach dem Eingang durchquert man den Basar der Schuster, der mit unterschiedlichsten Schuhen gefüllt ist; man gelangt dann an den Basar der Teppiche oder Abbas-Abad. In den letzten Jahrzehnten nahm dieser Basar eine enorme Entwicklung auf, so dass er sich heute nicht mehr auf den Abbas-Abad-Teil beschränkt. Die angenehme Ruhe im Teppich-Basar wird wohl in keinem anderen Teil wieder zu finden sein. Auf beiden Seiten der Hauptstraße des Teppichbasars zweigen zahlreiche Gänge ab, die zu den Timtschen  und großen und kleinen Saras (سرا) führen. In den überdachten Innenhöfen sind vor den Saras und den Hodschrehen unzählige prächtige Teppiche übereinandergestapelt. Diese Fülle an handgeknüpften Teppichen zeigen sich wie ein Heft aus Wolle und Seide, auf jeder Seite sieht man ein neues abwechslungsreiches und schönes Muster; die Käufer blättern in diesem Heft nach ihrer Wahl.

In einigen Hodschrehen hängen wertvolle Bilder, ebenfalls Teppiche, die per Hand geknüpft sind. In einem anderen Teil werden Webprodukte von Nomaden verschiedener Landesregionen angeboten.

In einem anderen Sara findet man alte Teppiche; sie werden hier vor dem Export möglicherweise repariert und restauriert. Der französische Abenteurer Orsel war regelrecht verliebt in die Perserteppiche: „Der beste und sehenswürdigste Teil des Teheraner Basars sind die Teppiche, die unterschiedliche Dimensionen und Muster für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel aufweisen.“

Nach dem Teppichbasar gelangt man in den Stoffhändler-Basar. Auch er gehört zu den größeren Sektionen des Basars. Tausende Käufer suchen  in den Hodschrehen und den Gängen nach ihrem gewünschten  Stoff, in manchen Hodschrehen werden nur Stoffe für Anzüge angeboten. Doch die meisten Geschäfte bieten bunte Stoffe auch für andere Kleidung und Bettbezüge an. Trotz dieses Durcheinanders wühlen sich die Träger mit ihren Handkarren gekonnt durch die Menge und liefern die Ware an den Mann. Anschließend kommen wir über eine Hauptstraße zum Emamzadeh Zeyd.

Hier ist Seyed Zeyd bin Ali, ein Nachfahre des geehrten Propheten begraben. Im Gebäude sind  ein Innenhof und ein Iwan, bespiegelter Säulengang, Kachel-bearbeitete Kuppel und andere Teile vorgesehen. Das Hauptgebäude wurde unter den Safawiden Anfang des 10. Jahrhunderts n. Hedschra gebaut. Im Innenhof befindet sich ein Marmorgrabstein, auf dem der Name des letzten und tapferen Königs der Zandiyeh-Dynastie, Lotfali Khan Zand, eingraviert ist. In der Nähe der Grabkammer befindet sich ein Spiegelzimmer;  die umliegenden Torbögen und die unzähligen Bäume auf dem 30.000 qm großen Gelände verleihen der Anlage große Anmut. Zurzeit wird der Innenhof als Schule genutzt.

Der Basar der Goldschmiede genießt einen besonderen Ruf. Er hat sich natürlich ziemlich viel verändert im Vergleich zu jener Zeit, als Orsel ihn besuchte; er schrieb darüber: „Vor den Kunden werden nicht viele Waren ausgelegt, doch in den Hinterzimmern und fern der Kundenblicke werden hier Schätze bewahrt.“

Heute sind die Gänge und Schaufenster hell beleuchtet, große Mengen an Gold und Juwelen strahlen um die Wette; Kunden suchen sich ihr Objekt aus. Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Basarteils zeigt sich schon an der Zahl der Bankfilialen in der näheren Umgebung.

Junge Paare und ihre Familien kaufen hier ihre Eheringe für die Hochzeit.

Wir müssen noch erwähnen, dass der Basar nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich, kulturell, politisch und religiös von Bedeutung ist. Wichtige religiöse Zeremonien werden in den Moscheen im Basar veranstaltet. Ein geschlossener Basar demonstriert Trauer und Teilnahme an religiösen Zeremonien oder politischen Protesten, was Tradition hat.

Die zeitgenössische Geschichte Irans zeigt, welche Rolle der Basar in verschiedenen Epochen gespielt hat. Bei zeitgenössischen Bewegungen wie der Tabak-Aufstand, die konstitutionelle Revolution und die Islamische Revolution bildete der Basar eine geschlossene Front mit den Geistlichen gegenüber internen Despoten und ausländischen Imperialisten. Beim Aufstand 1963 und in den Jahren, die zum Sieg der Islamischen Revolution führten, haben die Basar-Leute im Gleichschritt mit Bürgern gegen das blutrünstige Schah-Regime gekämpft. Auch nach dem Revolutionssieg setzte der Basar seine Unterstützung fort. Im Laufe des Krieges flossen von hier aus Geld und Waren zur Unterstützung an die Kriegsfront gegen Irak; Bassij-Kämpfer meldeten sich an der Front.

Abgesehen von politischen Aspekten ist es die abgenutzte und komplizierte Struktur des Basars, die den Dienstleistungsorganen Kopfzerbrechen bereitet. Diese Struktur blieb durch alle Ereignisse weitgehend unberührt. Städtische Dienstleistungen wie Strom, Wasser, Gas usw. können nur schwer angeboten werden. Bei Unfällen wie Feuer oder Erdbeben sind Hilfeleistungen sehr schwierig; ein Zugang ist sehr gefährlich, denn das Alter und die Dichte in diesem Gebiet bilden das größte Problem. Denkmalschutz und Rathaus versuchen diese alte Struktur zu erhalten, aber gleichzeitig auch sie aufzubauen und zu stabilisieren, so dass sie natürlichen Katastrophen standhalten kann. Darunter zählen verschiedene Neubauten, Renovierungen, Stabilisierungsprogramme und Bau von Dächern und Kuppel. Die rasante Städteentwicklung in Teheran hat teilweise dazu geführt, dass die traditionelle Architektur geändert wurde, manche Teile wurden renoviert oder neu gebaut, daher ist die Symmetrie zwischen einigen Teilen ziemlich abhandengekommen. Neu Einkaufspassagen, die in den vergangenen Jahren gebaut wurden, haben viele Kunden, denn sie liefern den Kunden ihre Ware schneller, gleichzeitig unterscheidet sich der Preis auch nicht sonderlich vom Basar. Da kann man die Reza-Passage, Maryam-Passage oder das neue Einkaufszentrum in der Marwi-Gasse nennen.

In der nächsten Woche werden wir eine weitere Attraktion Teheran unter die Lupe nehmen.

 

 

 

 

 

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