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Mittwoch, 02 Dezember 2015 04:29

Pressemitteilung der IRH zur Flüchtlingsdebatte

Pressemitteilung der IRH zur Flüchtlingsdebatte
P r e s s e m i t t e i l u n g Der Schutzgedanke gegenüber Hilfsbedürftigen ist allen Weltreligionen immanent. Die Aussage des Präsidenten des Zentralrats der Juden Josef Schuster vom 23. November 2015 zur Flüchtlingsfrage hatte große Teile der muslimischen Community in Deutschland sehr empört und die deutsche Öffentlichkeit aufhorchen lassen.

Er hatte in einem Zeitungsinterview eine Obergrenze für den Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland mit der Begründung gefordert, viele Flüchtlinge kämen aus Kulturen "in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil" seien. Nicht nur von Seiten der Muslime wurde es als unfair und grenzüberschreitend angesehen, dass er die Flüchtlingsthematik in Zusammenhang mit der Frage der Geschlechtergerechtigkeit, dem Umgang mit Homosexuellen und der Herkunft zahlreicher Asylsuchender aus arabischen Ländern brachte.

Die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen, wie auch Pro Asyl, breitere politische Kreise und große Teile der Presse hatten die Äußerungen des Zentralratsvorsitzenden stark kritisiert. In einer die ganze Gesellschaft herausfordernden und aufwühlenden Frage wie der Flüchtlingsthematik sind alle gesellschaftlichen Kräfte gehalten, die Würde der Zuflucht-Suchenden zu schützen und die höchste Aufmerksamkeit der Lösung ihrer Notsituation zu widmen. Alle anderen Fragen sind erst einmal hintenan zu stellen. Sorgen, die die Gesellschaft oder ihre Teile haben, dürfen bei ihrer Äußerung in Anbetracht der existentiellen Nöte der Flüchtenden die Grenzen der Sachlichkeit nicht überschreiten. Es ist alles zu vermeiden, was in irgendeiner Weise Ressentiments gegen tatsächlich in großer Bedrängnis befindliche Menschen wecken könnte.

Wir haben wahrgenommen, dass der Präsident des Zentralrates der Juden nunmehr in einer zweiten Erklärung seine Positionen ohne Hinweis auf vermeintlich bestehende uns fremde Einstellungen bei den Flüchtenden für die Aufnahme der schutzbedürftigen Menschen ausgesprochen hat. Er weist richtigerweise darauf hin, dass die Flüchtlinge menschenwürdig versorgt und erfolgreich in unsere Gesellschaft integriert werden müssen, wobei er den aktiven Beitrag des Zentralrats der Juden dazu zusagt.

Gleichzeitig erachten wir es aber als nicht richtig, im Anschluss daran auf einen nicht genau definierbaren „Wertekodex“ zu verweisen, weil das Asylrecht und die Hilfe für einen notleidenden Menschen bedingungslos sind. Es ist auch verfehlt in diesem Zusammenhang und dieser Situation eine Wohlgesonnenheit gegenüber bestimmten Drittstaaten von den Flüchtlingen einzufordern, die in ihrer Fluchtsituation andere Sorgen haben. Von ihnen kann lediglich - dies jedoch mit aller Entschiedenheit – von Anfang an der Respekt und die Einhaltung der deutschen Verfassung und Gesetze eingefordert werden.

Die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen sieht den Schutzgedanken gegenüber Hilfsbedürftigen als allen Weltreligionen immanent an. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, wenn in dieser das ganze Land bewegenden Frage Juden, Christen, Muslime und Anders- wie Nichtglaubende gemeinsam ihren Beitrag an der Unterstützung und erfolgreichen Integration der Flüchtlinge ohne Ansehung ihrer Person, Religion und Herkunft leisten möchten.

30. November 2015

Ramazan Kuruyüz

Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen/IRH

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Islamische Religionsgemeinschaft Hessen e.V.
Postfach 10 05 45
35335 Gießen

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Internet: http://www.irh-info.de

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