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Sonntag, 06 März 2016 05:33

Die große Rückkehr (9)

Die große Rückkehr (9)
    Wir sagten, dass der Mensch im diesseitigen Leben die notwendigen Vorkehrungen für ein gutes jenseitiges Leben in der Ewigkeit treffen sollte. Das Diesseits ist der Ort zum Handeln.

Das Jenseits ist der Ort der Verrechnung unserer Taten. Es wirkt sich erheblich auf unser irdisches Leben aus, wenn wir über diesen wichtigen Grundsatz nachdenken und ihn verinnerlichen. Dennoch müssen wir Übertreibung genauso vermeiden wie Untertreibung und immer den geraden Weg, der sich durch Ausgewogenheit auszeichnet,  entlanggehen.

Jemand, der an die große Rückkehr zu Gott glaubt, weiß, dass ein Tag kommen wird, an dem er das Resultat all seiner Handlungen erleben wird. Es ist der Tag, an dem das Ewige Leben der  Menschen beginnt. Alle seine Taten im Diesseits sind registriert worden und der Mensch wird an diesem Tag die Verbildlichung seiner Taten sehen: Die guten Taten werden eine wunderschöne Form annehmen und die schlechten eine scheußliche. Die Pein im Jenseits beginnt bei diesen verkörperten schlechten Taten.

Aufgrund dieses Wissens über das Verborgene achtet der Jenseitsgläubige sehr genau auf sein Verhalten und auf das was er tut und redet und sogar auf sein Denken. Denn er weiß, dass er Worte und Taten und Denken nicht als eine Reihe flüchtiger Erscheinungen betrachten darf. In  Wahrheit hat der Mensch nämlich alle seine Taten vorausgeschickt für das kommende ewige Leben im Jenseits. Es hängt von diesen Taten ab, wie sein ewiges Leben aussehen wird.  Qais Ibn Asim,  ein enger Getreuer des Erhabenen Propheten (s) berichtet davon, dass er einmal zusammen mit einer Schar des Bani Tamim – Stammes den Propheten aufgesucht hatte. Er weiter: „Ich sagte: `O Prophet Gottes! Wir leben in der Wüste und können weniger eure Gegenwart nutzen! So mahne uns!` Da gab uns der geehrte Prophet einige gute Ratschläge und sagte zum Beispiel: `Du wirst unweigerlich jemanden haben, der dir Gesellschaft leistet und sich niemals von dir trennt. Er wird mit dir begraben, während du gestorben bist und er lebt. Wenn dein Begleiter edel ist, wird er dich würdigen und wenn er ein Übeltäter ist, dann überlässt er dich den Ereignissen.  Danach wird dieser Geselle zusammen mit dir auferstehen am Jüngsten Tag und du wirst für ihn verantwortlich sein. Gib also genau Acht, dass der, der dir Gesellschaft leistet, gut ist. Dann wird er dein Vertrauter sein; und anderenfalls (wenn er schlecht ist), wird er dir Grauen bereiten. Dieser Geselle ist dein Handeln `“

Die verinnerlichte Beziehung zu Gott und die praktizierte Treue zu den Geboten Gottes wirken wie eine Versicherung des menschlichen Herzens gegenüber teuflischen Gedanken. Ein Mensch, der an die Rückkehr zu Gott und das Jenseits glaubt, ist sich der großen Allbarmherzigkeit und Gnade Gottes gewiss. Aber er weiß auch, dass dadurch nicht die Bestrafung völlig gelöscht wird.  Man kann nicht die Allbarmherzigkeit und endlose Güte Gottes so deuten, dass er gleichgültig gegenüber Unrecht und Ungerechtigkeit wäre und vor Seiner Heiligkeit der Unterdrücker und der Unterdrückte auf die gleiche Stufe zu stehen kämen. Die Gerechtigkeit Gottes gebietet, dass Er jedem das gibt, was er verdient. Dies ist der Sinn  und ein allgemein gültiges Gesetz der göttlichen Gerechtigkeit.

In den Versen 53 und 54 der Sure Yunus (Jonas) (Sure 10) heißt es:

"Und sie fragen dich: `Ist das (die Verheißung der Strafe Gottes) die Wahrheit?`Sprich: Ja, bei meinem Herrn! Es ist ganz gewiss die Wahrheit; und ihr könnt es nicht verhindern.`“

„Und wenn eine jede Seele, die Unrecht begangen hat, alles besäße, was auf Erden ist, würde sie versuchen, sich damit (von der Strafe) loszukaufen. Und sie werden (Reue empfinden aber aus Furcht vor Bloßstellung) die Reue zu verbergen versuchen, wenn sie sehen, wie die Strafe (über sie) kommt. Und es wird zwischen ihnen in Gerechtigkeit entschieden werden, und sie sollen kein Unrecht erleiden.“

Die göttliche Gerechtigkeit  und Weisheit ergibt nur dann einen Sinn, wenn die Unterdrücker und Unrechttuenden bestraft werden. Das Gegenteil ist nicht vorstellbar, nämlich dass Gott im Jenseits, die Unterdrücker, welche mit ihren üblen Verbrechen die Geschichte verfinstert haben, in seinem schönen Paradies liebevoll behandeln werde. Die Bestrafung für die Unterdrücker ist göttliche Gerechtigkeit und ein Segen. Es könnte keine Rede mehr von der Gerechtigkeit Gottes und Seiner Barmherzigkeit sein, wenn  die verdorbenen Individuen nicht ihre Strafe für schlechte Taten  erhielten. Es ist absolute Gerechtigkeit Gottes, dass in Seinem Reich auch nicht die geringste gute oder schlechte Tat übersehen wird.

Daher sagt der Fürst der Gläubigen Imam Ali (gegrüßet sei er):

„Bei Allah, ich würde lieber eine Nacht auf den Dornen der Sa´dan-Pflanze in Wachheit verbringen, oder als Gefesselter in Ketten, als am Tage der Auferstehung Allah und Seinem Gesandten als jemand zu begegnen, der irgendeinem Diener (Allahs) Unrecht getan hat, oder als jemand, der (selbst) eine Ruine unrechtmäßig enteignet hat...“

(Ansprache 224 Nahdsch-ul Balagha)

Einen Punkt, den die große Gottesfreunde  im Zusammenhang mit dem Ausgang im Jenseits, hervorgehoben haben, ist die  Furcht des Menschen  vor Gott oder anders ausgedrückt: Die Furcht vor Gott wegen der eigenen Taten. Diese Furcht hilft dem Menschen sein Handeln unter Kontrolle zu bringen. Dank  der Furcht vor den schlimmen Folgen einer Sünde und Unrecht, wird der Mensch bedachter und vorsichtiger und zügelt seine rebellischen widerspenstigen Triebe. Wer sich aber auf die Allbarmherzigkeit Gottes verlässt, der scheut einerseits keine Sünde und kein unwürdiges Verhalten mehr und hofft andererseits dennoch auf die Gnade Gottes. Ein solcher Mensch denkt weder daran, Gottes Gebote zu befolgen noch daran die Läuterung der Seele anzustreben.

Möglicherweise sackt er moralisch völlig ab, wobei er sich trotzdem eine gute Zukunft im Jenseits erhofft. Zudem kann es sein, dass er  auch andere vom rechten Weg abhält,  indem er sein falsches Tun damit rechtfertigen will,  dass Gott barmherziger ist als jeder Barmherzige.

Die Propheten Gottes und die Anführer der Religion haben den Menschen die Botschaft Gottes übermittelt und haben ihren Aufruf auf Hoffnung und auf Furcht aufgebaut.  Zum einen gaben sie ihren Anhängern frohe Kunde von den ewigen Gaben im Paradies als Lohn für die Befolgung der göttlichen Gebote und auf der anderen Seite mahnten sie die Menschen, die religiösen Gebote nicht zu übertreten damit sie nicht der Strafe Gottes anheimfallen.   Der Heilige Koran sagt über den Erhabenen Propheten des Islams im Vers 28 der Sure Saba:

„Und Wir haben dich nur als Bringer froher Botschaft und Warner für alle Menschen entsandt; jedoch die meisten Menschen wissen es nicht.“

In Wahrheit sollte der Mensch sowohl sich vor der Strafe fürchten als auch auf die Huld Gottes hoffen.  Bei diesem Zwischenzustand  hofft  er einerseits  auf die endlose Gnade des Herrns und denkt andererseits zugleich  an die Folgen jeder Tat und die Konsequenzen seines Tuns in der jenseitigen Welt. Überwiegt jedoch die Furcht die Hoffnung, so überkommen den Menschen Resignation und Schwäche. Und wenn  die Hoffnung die Angst überwiegt, dann übermannt ihn der Stolz und er begeht Versäumnisse.

In einer Überlieferung von Imam Sadiq (a) heißt es: „Es gebührt sich, dass der gläubige Gottesdiener so sehr Gott fürchtet, als befände er sich nahe der Hölle und neben dem Feuer ,und dass er so sehr auf Ihn hofft, als wäre er im Paradies!“ (Korankommentar Tafsir Nemumeh, Bd. 20)

Abu Dharr Ghaffari, der geschätzte Prophetengefährte, der von Gottesglaube erfüllt hat, überkam  große Furcht für seinen Sohn, als dieser gestorben war und er machte sich Sorgen über dessen jenseitigen Ausgang. Denn er wusste nicht, ob er zu den Seligen gehören oder bei den Unglückseligen eingereiht wird. Am Grabe seines Sohnes sagte er besorgt, innerlich aufgewühlt von quälenden Gedanken: „Mein Sohn! Gott möge dich in Seine endlose Barmherzigkeit aufnehmen … …Der Kummer über dein ewiges Schicksals hält mich heute von dem Kummer über deinen Tod zurück. Bei Gott! Ich beweine nicht deinen Tod sondern ich vergieße Träne wegen den Phasen, die vor dir liegen. Ach wüsste ich doch, was du nach deinem Tod gesagt hast und was dir gesagt wurde.“

Und dann wandte er sich an Gott und betete zu Seiner Heiligkeit: „O Gott! Ich verzeihe ihm das, zudem er mir gegenüber als sein Vater verpflichtet war. O Gott, vergib ihm was Du als Dein Recht ihm zur Pflicht gemacht hast, denn Du bist mehr als ich der Großzügigkeit würdig.“(Furu` Kafi, Bd. 3)

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