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Freitag, 19 Februar 2016 14:12

Islam richtig kennenlernen (21)

Islam richtig kennenlernen (21)
  Wir besprechen diesmal die logische Beweisführung  für die Existenz Gottes.  Dies ist auch ein Weg zur Gotterkenntnis. Für jeden Menschen besteht eine Möglichkeit zu Gott zu finden. 

                                      

Die Methoden zur Gotterkenntnis lassen sich in drei große Kategorien einteilen: 

Eine davon ist die Erkenntnis durch Erfahrung und Beobachtung, und zwar wird dem Menschen bei  näherer Betrachtung der erstaunlichen Schöpfung und der vorhandenen Ordnung und Zusammenhänge auf der Welt die Existenz eines mächtigen und wissenden Schöpfers und Planers bewusst.  Das heißt, der Mensch gelangt über die Betrachtung der Folgen zur Ursache – d.h. von den Geschöpfen zum Schöpfer. Zur Erzielung dieser Erkenntnis sind natürlich auch gewisse rationale Überlegungen notwendig.

Ein zweiter Weg, den wir ebenso bereits besprachen, ist die Beachtung der Fitra – der Gott gegebenen Natur. Hier braucht der Mensch keine logischen Begründungen oder Beobachtungen der Natur, um Gott zu erkennen.  Sondern eine innere Stimme ruft ihn zu seinem Herrn und dem Schöpfer allen Seins.

 

Ein dritter Weg zur Gotterkenntnis führt über die Vernunft und logische Begründungen.  Diese Methode bedient sich einer Reihe von Prinzipien der Vernunft,  um sich  die Wahrheit der Existenz Gottes und einiger seiner Attribute zu erschließen. 

Zweifelsohne ist der rationale Weg zur Gotteserkenntnis eine starke Stütze für den religiösen Glauben.  Denn wenn sich der menschliche Verstand einer Wahrheit beugt, dann schließt sich ihm auch das Herz an.  Die Beseitigung von Zweifeln durch rationale Argumente und Beweise trägt wesentlich zur Wahrung des Glaubens bei und beugt der Gefahr vor, dass die Grundlagen des Glaubens schwach werden.  

Weil der menschliche Geist zu philosophischen Überlegungen neigt,  haben Denker  über rationale Beweise versucht, die Welt und Gott zu erklären und dabei auch beachtliche Resultate erzielt. Wir werden heute eines dieser Argumente welches als Beweis für die Existenz Gottes dient, besprechen.

Wenn wir ein wenig tiefer über die Dinge auf der Welt nachdenken – von den Atomen bis zu den Galaxien, den Pflanzen bis zu den Tieren und zum Menschen,  sehen wir, dass sie alle in einer Abhängigkeit stehen. Das bedeutet: Für ihre Entstehung sind sie alle auf andere Faktoren angewiesen und solange diese Faktoren und Ursachen nicht existieren, können auch sie selber nicht existieren.  Anders ausgedrückt: sie  sind nicht unabhängig, sondern  auf eine Reihe von Ursachen angewiesen.

                                       

Da die Existenz jedes Dinges  von der Existenz anderer Dinge  abhängt, ist es also so, dass es sie in einer bestimmten Zeit nicht gab bzw. gibt. Das bedeutet:  Sie sind nicht schon seit ewigen Zeiten gewesen, sondern erst später entstanden. 

 

Nun taucht die Frage auf, woher diese abhängigen Dinge ihre Existenz  erhalten haben und von welchem Ausgangspunkt sie abhängen.  Zum Beispiel  begegnen wir bei der Entstehung einer Pflanze oder eines Menschen einer Reihe von stofflichen Ursachen und Faktoren und auch diese sind wiederum von anderen Faktoren abhängig. Letztere sind ebenso wieder Folge von bestimmten Ursachen und hängen von diesen ab.

Das Wachstum eines Samenkorns im Erdreich ist von mehreren Faktoren abhängig: Es braucht Sonnenlicht, Wasser und Mineralstoffe. Die Existenz dieser Faktoren ist für die Entstehung der Pflanze aus diesem Kern notwendig.   Unterdessen sind aber auch Wasser, Boden, Mineralstoffe und Sonnenlicht jeweils wieder durch eine Reihe von Faktoren und Dingen verursacht worden, d.h. solange diese für ihre Entstehung notwendigen Dinge nicht vorhanden war, gab es sie selber auch nicht.

 Alle Dinge im Dasein hängen also von einer Serie von Ursachen ab und alle von ihnen bedürfen dieser Ursachen. Lässt sich diese Kette der Abhängigkeiten bis ins Endlose fortsetzen?

Sind sämtliche Faktoren und Ursachen selber auch wieder von anderen Dingen abhängig? Die Antwort lautet: Nein!

Die Kette der Ursachen muss logischerweise letztendlich irgendwo zu Ende gehen, und zwar bei einer Ursache, die nicht mehr Folge einer Ursache ist: einer unabhängigen Größe, die  von sich aus besteht. Anders lässt sich die Ursächlichkeit der Entstehung der Dinge im Dasein nicht erklären.

Der Koranexeget Ajatollah Makarem Schirazi bringt ein einfaches anschauliches Beispiel:  „Bei Betrachtung des kindlichen Denkens,  stellen wir fest, dass ein Kind nicht  akzeptiert, dass  man die Kette der Ursachen bis ins Unendliche fortsetzen kann. Das liegt daran, dass  es  sich geistig noch nicht in komplizierte philosophischen Streitgespräche und Beweisführungen verwickelt hat und seine Fitra (die Gott gegebene gute Natur) noch heil ist. Es  leuchtet  ihnen daher nicht ein, dass die Ursächlichkeit bis ins Unendliche fortsetzbar sein soll.

 Kinder fragen aus Neugier ihre Eltern wo verschiedene Dinge herkommen. Zum Beispiel fragt ein Kind seinen Vater: „Du bist mein Vater. Wer ist dann dein Vater? Der Vater sagt: „Der und der.“ Dann fragt das Kind: „Und wer ist sein Vater?“ Der Vater:  wieder: „Der und der.“  Das Kind setzt seine Fragen immer weiter fort bis der Vater schließlich bei Adam angelangt ist und sagt: „Der Vater von uns allen ist Adam (a).“ Aber das Kind lässt nicht locker und fragt: „Und wer ist der Vater von Adam ?“

Der Vater sagt: „Gott hat ihn ohne Vater erschaffen.“ Aber das Kind ist nicht mit dieser Antwort zufrieden und fragt: „Wer ist der Vater von Gott?“  Also gibt der Vater dem Kind  gestützt auf dessen  noch heile  Fitra eine klare und entschiedene Antwort, nämlich: „Gott ist der Schöpfer aller Dinge . Er existiert von selber.“

Und interessanterweise  ist das Kind in dem Moment zufrieden und fragt nicht weiter.  Aber wenn der Vater ihm nicht diese Antwort gegeben hätte, wäre das Kind geistig nicht zufriedengestellt gewesen.“

Es lässt sich also ganz allgemein sagen, dass alle Dinge im Dasein  von einem Wesen abhängig sind, welches selber unabhängig ist, d.h. nicht die Folge einer Ursache sondern  und aufgrund seines Wesens ist.  Dies ist der Eine Gott – der Schöpfer der Welt.

Ajatollah Makarem Schirazi sagt:

„Wenn die Kette der Ursachen und Folgen abbricht und an eine Stelle (Ursache)  angelangt wo nichts mehr über dieser Ursache steht, dann ist die Existenz dieser Ursache von sich aus und  die Behauptung der Religionsgelehrten (dass es Gott gibt) ist bewiesen. 

Ajatollah Shirazi sagt außerdem: Wenn aber jemand die Kette der Ursachen und Folgen gedanklich immer weiter zurückverfolgen will ohne  an einem  Punkt anzugelangen  und die Ursächlichkeit bis ins Unendliche weitergedacht wird, gelangt jeder gesunde Menschenverstand  zu der Einsicht, dass eine solche unendliche Fortsetzung der Ursächlichkeit  nicht sein kann.

Der französische Philosoph und Mathematiker " Descartes (1596-1650) argumentiert zu dieser Frage auf seine eigene Art: Er sagt:

„Ist meine Existenz unabhängig oder an eine andere gebunden? Wenn sie unabhängig wäre, dann hätte ich selber meine Entstehung verursacht  und mir alle guten Eigenschaften und jegliche Vollkommenheit verliehen  und in mir gäbe es keine Bedürfnisse und keinen Wunsch mehr, d.h. ich wäre Gott geworden.  Aber wenn ich die Macht hätte, mir Existenz zu verleihen, dann müsste ich doch auch in der Lage sein, meiner Existenz Beständigkeit zu geben. Aber ich bin nicht in der Lage dazu und der Fortbestand meines Seins ist von der Existenz eines Anderen abhängig.  Dieser Anderer ist mit Gewissheit Gott, der ein vollkommenes vom Wesen her beständiges Wesen ist und weil Er aufgrund Seines Wesens besteht, besitzt Er  natürlich alle Attribute der Vollkommenheit.“

Mit dieser Argumentation will Descartes anhand der fehlenden Unabhängigkeit seiner eigenen Existenz  die Existenz Gottes beweisen. Mit anderen Worten:  Nachdem wir akzeptiert haben, dass es in der Welt Sein gibt, müssen wir das Sein eines Wesens akzeptieren, das schon immer war, von sich aus  existiert und von allem anderen unabhängig ist. 

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