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Mittwoch, 17 Februar 2016 13:31

Die große Rückkehr (6)

Die große Rückkehr (6)
   Wir haben darüber gesprochen, dass der Tod eine Pforte ist,  durch die der Mensch die jenseitige Welt, in der er viel höhere Stufen erreichen kann als im Diesseits, betritt.

Allerdings muss er sich auf das ewige Leben im jenseitigen Reich vorbereiten. Die häufige Erinnerung an den Tod, spielt dabei eine konstruktive Rolle.

Der Prophet sagt: „Der Klügste von den Gläubigen ist der, der sich am häufigsten an den Tod erinnert und am besten auf ihn vorbereitet ist.“ (Bihar ul Anwar, Bd. 82) 

Wir möchten nun näher darüber sprechen, welche Bedeutung und Wirkung die Erinnerung an den Tod hat.

Die Liebe des Menschen  zum weltlichen Leben ist eine unbestreitbare Wahrheit.  Denn das Leben ist grundsätzlich schön und liebenswert. Alle Lebewesen streben instinktiv nach Erhalt ihres Lebens. Imam Ali (gegrüßet sei er) sagt:

„Wisset, dass es so gut wie nichts gibt, dessen der Mensch nicht überdrüssig und müde wird, außer dem Leben, denn er findet (anscheinend) im Tod keine Erleichterung. Das Leben ist wie die Weisheit und das Wissen, welche das Herz schlagen lässt  und mit dessen Hilfe der Mensch einsieht und das Ohr hört.  Das Leben löscht jeden Durst und ist die Stütze für Kraft und Gesundheit.“  (Ansprache 133-Nahdsch-ul Balagha).

In der Tat hängt der Mensch in allen Augenblicken am Leben, ob in freudigen oder kummervollen, im gesunden oder kranken Zustand. Denn das Leben ist eine leuchtende Flamme und Grundlage für alle Anstrengungen, Genüsse und Fähigkeiten. Aber es gilt zu beachten, dass das Leben, trotz all seiner Attraktivität selber nicht das Ziel ist, sondern es ist nur ein Mittel. Das hiesige Leben ist das Mittel, um an ein schönes ewiges Leben in der  anderen Welt zu gelangen.   Aber viele sind dermaßen mit dem Leben beschäftigt, dass sie denken das Leben  selber sei mit seinen Genüssen das Endziel für sie.

Der bekannte Bozorgmehr, ein Arzt in der vorislamischen Sassanidenzeit sagt:  „Das Leben auf der Welt und seine Genüsse sind wie Salzwasser. Je mehr man davon trinkt, desto größer wird der Durst und der Mensch handelt auf der Suche nach diesen Lebensfreuden wie eine Seidenraupe. Je mehr sie den Faden um sich herum spinnt, desto härter wird der Kokon und desto schwieriger wird es für sie, sich aus ihm zu  befreien.“

Die Erinnerung an den Tod soll nicht dazu führen, dass man sich die Freuden des Lebens vorenthält, sondern dazu, dass das Leben auf der Erde so gestaltet wird, dass das jenseitige Glück erreicht wird und wir auch in den Genuss der dortigen Freuden kommen. Das Leben im Diesseits ist ein großer Segen, denn das Wohl im Jenseits hängt  von den Taten in diesem irdischen Leben ab. Gemäß den Worten des Propheten Gottes ist das Leben der Acker für das Jenseits und kann niemals das Leben im Jenseits ersetzen.  Und daher müssen wir im Leben Maß halten. Imam Ali (gegrüßet sei er) hat gesagt:

Wer wenig von diesem (Diesseits) nimmt, wird viel von dem bekommen, was ihm Sicherheit gibt! Und wer viel von diesem (Diesseits) nimmt und übertreibt, nimmt viel von dem, was ihm Untergang bringt.“ 

(Predigt 111, Nahdsch-ul Balagha)

 

Ein wahrer Muslim nimmt sowohl das vorübergehende Leben auf der Erde ernst, als dass er auch in diesem Leben für ein ewiges gutes Leben im Jenseits sorgt. Imam Ali (a.s.)  ist sein ganzes Leben über niemals tatenlos gewesen. Nach dem Verlust des Propheten (Gottes Segen sei auf ihm und seinem Hause) und bevor er das Regierungsamt übernahm, hat er unermüdlich Ackerbau betrieben und neue Brunnen angelegt.  Er sagt:  „Es gab eine Zeit, wo ich mir einen Stein auf dem Magen festgebunden haben, um etwas gegen den großen Hunger zu tun, und jetzt  spende ich  jährlich 40 Tausend Dinare.“  Der Imam hat also gearbeitet und er hat Vermögen erzeugt, aber er hat nicht im Geringsten am Leben gehangen. In seinem Brief an Mohammad Ibn Abu Bakr, mit dem er ihn für die Verwaltung von Ägypten bestimmte, sagte er über ein ausgeglichenes Leben und das Maßhalten:

 

…“ die Gottesehrfürchtigen haben heil das  schnell vergängliche  Diesseits hinter sich gelassen und das Jenseits gewählt … Sie wohnten auf der Welt in der besten Art, wie sie bewohnt werden kann, und haben die besten Speisen zu sich genommen und genossen von dieser Welt, wie sie die in Wohlstand Schwelgenden genossen, und haben ihren Anteil an dem Diesseits nicht vergessen.  Dann gingen sie von ihr mit ausreichendem Proviant (für ihre Reise) und mit gewinnbringendem Handel. Sie kosteten den Wohlgeschmack der Weltentsagung in dieser Welt, und sie hatten die sichere Gewissheit, dass sie morgen (in der jenseitigen Welt)  an alles und jede Freude, die sie sich wünschen, gelangen.“ (Brief 27 Nahdschul- Balagha)

 

 

Im Heiligen Koran und in den Worten des Propheten und der Imame  aus seinem Hause wird oftmals betont, dass man sein Herz nicht an das vergängliche diesseitige Leben und seine Freuden hängen soll und demgegenüber wird zur Liebe für das jenseitige Leben angespornt. Dieser Punkt wird deshalb oft wiederholt, damit der Mensch nicht vergisst, dass das irdische Leben mit all seinen schönen Dingen außerordentlich kurz ist. Wird dem Menschen dies bewusst, weiß er jeden Augenblick im Leben zu schätzen und wird versuchen, dieses Leben richtig zu gestalten und optimal zu nutzen. Es gibt aber viele Dinge, die den Menschen vergessen lassen, wie kurz das Leben im Diesseits und wie wichtig das Ewige Leben ist.

Eines dieser Dinge sind langfristige  Wünsche und zu große Erwartungen. Sie gefährden das Glück des Menschen, der Mensch wird nie zufrieden sein, und nach Erfüllung eines Wunsches, hegt er bereits weitere.   Das Streben nach uferlosen  irdischen Wünsche  beansprucht die geistigen und körperlichen Kräfte des Menschen  und steigert seine Liebe zum irdischen Leben so sehr, dass keine Energie, Zeit und Motivation  mehr dafür  bleibt, sich auf das ewige Leben vorzubereiten.

Imam Ali (a) sagt in der Predigt 42 im Nahdsch-ulBalagha:

„Oh ihr Menschen! Es gibt zwei Dinge, die ich für euch am meisten fürchte: Dass ihr Lust und Laune folgt und übertriebene Hoffnungen hegt. Denn das Befolgen von Lust und Laune verhindert die Wahrheit (zu erkennen), und ausgedehnte Hoffnungen (auf das Diesseits) lassen das Jenseits vergessen.“

 

Grundsätzlich ist das Wünschen und Hoffen natürlich nichts Schlechtes. Es spielt sogar eine wichtige Rolle um das Leben in Gang zu halten und Fortschritten in materieller und immaterialler Hinsicht zu erreichen.  Jeder Mensch hegt Hoffnung und Wünsche. Der Prophet (s) hat gesagt: „ Hoffen und Wünschen, sind Segen für mein Glaubensvolk. Wenn sie nicht wären, würde keine Mutter ihr Kind stillen  und kein Gärtner einen Schössling einpflanzen.“ (Bihar ul Anwar,Bd. 74)  

 

Einer der Gründe dafür, dass jedem sein Lebensende verborgen bleibt, mag darin liegen, dass die Hoffnung in seinem Herzen nicht erlischt und er sich weiter anstrengt, das Leben fortzusetzen. In einer Überlieferung aus dem Leben des Propheten Jesus (gegrüßet sei er) heißt es:  Jesus sah einen alten Mann den Acker umgraben. Da sagte Jesus zu Gott: „ O Gott! Nimm ihm das Hoffen und Wünschen.“ Da warf der alte Mann plötzlich die Schaufel beiseite und legte sich auf den Boden, um zu schlafen. Eine Weile danach bat Jesus Gott, : O Gott – gib ihm wieder das Hoffen und Wünschen zurück.“ Da sah er wie der alte Mann plötzlich wieder aufstand und sich ans Werk machte!

Jesus ging zu ihm und fragte ihn, warum er sich so verhalten hat.

Der alte Mann sagte: „Beim ersten Mal dachte ich, ich bin alt und schwach und werde bald sterben. Heute oder morgen sterbe ich, weiß Gott. Warum soll ich  mir so viel Mühe geben? Also habe ich die Schaufel  weggeworfen und mich schlafen gelegt. Aber es dauerte nicht lange, da kam mir in den Sinn: Vielleicht lebe ich noch viele Jahre! Es hat schon viele wie mich gegeben, die ein langes Leben hatten. Solange der Mensch lebt, soll er würdig leben  und sich anstrengen etwas für sich und seine Familie zu tun. Da bin ich aufgestanden, habe mir wieder die Schaufel genommen und wieder  zu arbeiten begonnen.“(Bihar ul Anwar, Bd. 14).

                                   

Es ist dieses Hoffen und Wünschen, welches den Menschen zur Anstrengung anspornt. Werden diese Hoffnungen und Wünsche allerdings maßlos haben sie eine zerstörerische Macht. Dann  arten sie in  Liebe zum Weltlichen aus und lassen den Menschen in Unrecht und Sünde absacken.

Beim häufigen Gedenken des Todes hegt der Mensch nur vernünftige erreichbare Wünsche und nutzt das Leben um sich auf die Ewigkeit vorzubereiten.

 

Wir schließen mit einer weiteren Überlieferung aus dem Leben des Propheten (s)

Einmal nahm sich der Prophet drei Hölzer. Das eine Holz steckte er vor sich in die Erde, das zweite direkt daneben und das dritte platzierte er in einen größeren Abstand von dem ersten Holz. Dann fragte er die anderen: „Wisst ihr was das bedeuten soll?  Die anderen: „Gott und sein Prophet wissen mehr!“ Er sagte: „Das erste Holz ist der Mensch und das zweite ist das Lebensende  und das dritte welches entfernt davon in der Erde steckt, sind die langfristigen Wünsche  des Menschen, die er zu erreichen versucht. Aber der Tod erreicht ihn, ohne  dass er an seine Wünschen gelangt wäre.“  (Tanbi al Chawatir – al Hilli ( Bd. 1)

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