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Freitag, 12 Februar 2016 08:37

Teil 696: Sure Qasas (Die Geschichten) Verse (83- 85)

Die Kurzexegese zu Sure 28, die aus 88 Versen besteht,  neigt sich ihrem Ende zu.  Diesmal besprechen wir die Verse 83 bis 85 dieser Sure. Im Vers 83 steht Folgendes:

(28: 83- 85)


تِلْكَ الدَّارُ الْآخِرَةُ نَجْعَلُهَا لِلَّذِينَ لَا يُرِيدُونَ عُلُوًّا فِي الْأَرْضِ وَلَا فَسَادًا ۚ وَالْعَاقِبَةُ لِلْمُتَّقِينَ

„Jene Wohnstatt im Jenseits ! Wir geben sie denen, die weder Selbsterhöhung auf Erden noch irgendein (anderes) Verderbnis begehren. Und der gute Ausgang ist für die Gottesfürchtigen." (28: 83)

Sie haben beim letzten Mal erfahren, welches schlimme Ende Qarun (Korah) wegen seiner Arroganz und seinen Verstößen gegen die Religion Gottes nahm.  Der Vers 83 zieht daraufhin ein Gesamtresultat aus seiner Geschichte, nämlich:  Wer sich für etwas Besseres hält als die anderen und nach Überlegenheit sucht, der braucht sich keine Hoffnung auf das Paradies im Jenseits zu machen. Denn das Paradies ist die Wohnstätte der Gottesfürchtigen und Geläuterten.

Durch das  Überlegenheitsgefühl und den Hochmut, die typische Merkmale  für diejenigen Wohlhabenden und Mächtigen sind, die das weltliche Leben lieben,  stürzen diese sich selber ins Verderben. Außerdem führen sie mit ihrer Macht und ihrem Reichtum zu Verbreitung von Verderbnis und Unheil in der Gesellschaft.

Gemäß der Geschichtsschreibung hat Imam Ali (gegrüßet sei er), nachdem er auf Drängen der Gläubigen die Regierung übernommen hatte,  gesagt:  „Ich habe die Macht nicht als Mittel zur Selbsterhöhung eingesetzt und die Reichen sollen auch genauso wenig die Macht ihres Besitzes als Mittel zur Herrschaft über die anderen einsetzen."

Wir möchten zu dem Inhalt von Vers 83 der Sure 28 anmerken:

Erstens: Der Besitz von Reichtum und Macht führt nicht automisch zur Verderbnis.  Was zur Entstehung und Verbreitung von Unheil führt, ist das Streben nach Überlegenheit und Vorherrschaft mit Hilfe von Macht und Vermögensbesitz.

Zweitens:  Ein wahrhaft Gottesfürchtiger bleibt bescheiden. Er gibt nicht an und strebt nicht nach Dominanz.

Es folgt Vers 84:


مَن جَاءَ بِالْحَسَنَةِ فَلَهُ خَيْرٌ مِّنْهَا ۖ وَمَن جَاءَ بِالسَّيِّئَةِ فَلَا يُجْزَى الَّذِينَ عَمِلُوا السَّيِّئَاتِ إِلَّا مَا كَانُوا يَعْمَلُونَ

„Wer Gutes vollbringt, soll Besseres als das erhalten; wer jedoch eine böse Tat vollbringt - jenen, die böse Werke tun, wird nur mit dem vergolten, was sie getan haben." (28: 84)


Der Vers 84 verweist auf ein generelles Gesetz des jenseitigen  Lohn- und Strafsystems: Wenn Gott lohnt, schaut er nicht auf den Wert der Tat sondern auf Seine Gnade und deshalb ist sein Lohn für gute Werke wertvoller als die guten Werke selber. Manchmal belohnt Er mit dem Zehnfachen, manchmal mit  dem Hundert- oder sogar Siebenhundertfachen und es kann auch sein, dass Sein Lohn  unmessbar größer ist als eine Tat.  Natürlich hängt die göttliche Gnade und Huld auch davon ab, inwieweit der Mensch ein Werk aufrichtig nur Gott zuliebe tut. Daher kann es sein, dass dieselben Taten unterschiedlich belohnt werden, weil die Motivation verschieden war.

Was jedoch die hässlichen Taten anbelangt, so lässt Gott Seine Gerechtigkeit walten und legt die Strafe gemäß der schlechten Wirkung einer Tat fest. Es kann sein, dass die negative Wirkung einer Tat noch viele  Jahre oder sogar Jahrhunderte nach dem Tod dessen, der sie begangen hat,  anhält und zur Verbreitung von Verderbnis und Sünde in der Gesellschaft führt.

Es fällt bei diesem Vers auf, dass Gott nicht davon spricht, dass Er die Schlechten bestraft, sondern Er verheißt, dass die Sünder mit ihren eigenen Taten bestraft werden.  Am Jüngsten Tag wird das, was sie getan haben, in einer entsprechenden Form zu Tage treten. In Wahrheit werden es ihre eigenen Taten sein, die ihnen am Jüngsten Tag Qual bereiten.

Wir  können uns merken:

Erstens:  Wenn jemand ein rechtschaffenes Werk tut, wird es angenommen und entweder im Diesseits oder Jenseits belohnt.

Zweitens: Es reicht nicht, Gutes zu tun. Entscheidend ist,  dass dieses gute Werk bis zum Jüngsten Tag heil bleibt. Nicht selten wird ein gutes Werk zunichte und ist am Jüngsten Tag nicht mehr präsent, weil der Mensch gesündigt hat, oder Gegenleistungen für seine gute Tat  erwartet, oder stolz geworden ist. Eine geheuchelte gute Tat ist ohnehin ungültig.

Drittens:  Gott belohnt die guten Werke sehr gnädig und großzügig  und die  Schlechten erhalten nur ihre gerechte Strafe.

Wir beenden unseren heutigen Beitrag aus der Reihe „in Richtung Licht" mit dem Vers 85 der Sure 28, Qasas. Und zwar heißt es dort:



مَن جَاءَ بِالْحَسَنَةِ فَلَهُ خَيْرٌ مِّنْهَا ۖ وَمَن جَاءَ بِالسَّيِّئَةِ فَلَا يُجْزَى الَّذِينَ عَمِلُوا السَّيِّئَاتِ إِلَّا مَا كَانُوا يَعْمَلُونَ

"Wahrlich, Er, der den Koran (auf dich herabgesandt und seine Befolgung)   bindend für dich gemacht hat - Er wird dich zur Stätte der Wiederkehr (und deiner Geburtsstätte)  zurückbringen. Sprich: 'Mein Herr weiß am besten, wer es ist, der auf dem rechten Weg ist, und wer sich in einem offenbaren Irrtum befindet.'" (28: 85)


In diesem Vers und in denen, die noch folgen werden und die Sure 28 abschließen, wendet sich Gott im  Koran an den Propheten des Islams. Der Prophet erhält den göttlichen Befehl, Mekka zu verlassen und nach Medina auszuwandern (Hidschra).

Die Götzendiener von Mekka waren mächtig und reich und versuchten zu verhindern, dass sich jemand dem Propheten anschließt und Muslim wird.  Wer sich zum Propheten bekannte, wurde von ihnen unter Druck gesetzt und gequält. Sie verhängten über die kleine Schar von Muslimen eine dreijährige Wirtschaftsblockade und grenzten sie aus der Gesellschaft aus. Doch als auch dies den Willen der Muslime nicht brechen konnte, fassten sie den Entschluss, den Propheten zu ermorden.  Da erhielt der Prophet von Gott die Anweisung, Mekka zu verlassen und nach Medina, das damals noch Yathrib hieß, auszuwandern. Der Prophet wäre gerne in Mekka geblieben, denn es war seine Heimatstadt und dort stand die Kaaba, das Haus Gottes. Aber um den Islam stärken und weiter verbreiten zu können, musste er die Stadt verlassen.

Gott verweist den Propheten in dem Vers 85 darauf, dass der Koran, den Er ihm offenbart, für ihn verbindlich ist. Zugleich verheißt  Er Seinem Propheten (Der Segen Gottes sei auf ihm und Friede seinem Hause), dass er später wieder in seine Geburtsstadt Mekka zurückkehren wird. Er wird dann  anstelle der Götzendiener zusammen mit den Gläubigen in dieser Stadt mit der Heiligen Kaaba herrschen. Außerdem wird dem Propheten empfohlen zu denen, die seine Prophetschaft beharrlich abstreiten, zu sagen: Gott weiß besser, wer von Ihm  zur Rechtleitung der Menschen ausgesandt wurde  und den Menschen Wissen übermittelt und wer sich auf dem Irrweg befindet und nicht bereit ist, die göttliche Rechtleitung zu akzeptieren.

Wir können zu dieser Stelle im  Koran Folgendes feststellen:

Erstens:  Die Herabsendung des Korans und seine Verkündigung unter dem Volke stießen auf die Ablehnung der Ungläubigen und führten letztendlich zur Auswanderung des Propheten. Aber Gott verhieß Seinem Gesandten,  dass er stark und in Ehren nach Mekka zurückkehren werde und diese Verheißung im Koran ging später genauso in Erfüllung.

Zweitens: Die religiösen Pflichten bestehen nicht nur darin, das tägliche Gebetsritual zu verrichten und im Ramadan zu fasten, sondern auch die Verlesung und Verkündigung des Korans und der Ansporn zum Lesen im Koran ist eine Pflicht.

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