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Freitag, 12 Februar 2016 08:36

Teil 694: Sure Qasas (Die Geschichten) Verse (76- 78)

Teil 694: Sure Qasas (Die Geschichten) Verse (76- 78)
Wir besprechen drei weitere Verse aus der Sure 28, Sure Qasas. Der erste dieser Verse ist der Vers 76:

(28: 76- 78)


إِنَّ قَارُونَ كَانَ مِن قَوْمِ مُوسَىٰ فَبَغَىٰ عَلَيْهِمْ ۖ وَآتَيْنَاهُ مِنَ الْكُنُوزِ مَا إِنَّ مَفَاتِحَهُ لَتَنُوءُ بِالْعُصْبَةِ أُولِي الْقُوَّةِ إِذْ قَالَ لَهُ قَوْمُهُ لَا تَفْرَحْ ۖ إِنَّ اللَّـهَ لَا يُحِبُّ الْفَرِحِينَ

"Wahrlich, Korah (Qarun)  gehörte zum Volke Moses, und doch unterdrückte er es. Und wir gaben ihm so viele Schätze, dass eine Schar kräftiger Männer die Schlüssel dazu nur mit Mühe hätte tragen können. Da sagte sein Volk zu ihm: 'Freue dich nicht (ungebührlich); denn Allah liebt diejenigen nicht, die (trunken und hochmütig) frohlocken'." (28: 76)

An dieser Stelle im Koran erinnert Gott an Korah, auf Arabisch „Qarun". Korah war  einer der Wohlhabenden unter den Kindern Israels zur Zeit des Moses. Wie aus den Chroniken hervorgeht, war er sogar ein enger Verwandter von Prophet Moses und anfangs ein Anhänger von ihm. Doch wegen seines Reichtums wurde er hochmütig und lehnte sich sogar gegen Prophet Moses  auf.

Der  Pharao, von dem zu Beginn der Sure 28 die Rede war,   ist die Personifizierung von aufsässigen Mächten, die das Volk unterdrücken und Recht und Wahrheit bekämpfen. Samiri, der das goldene Kalb schuf, personifiziert  Künstler, welche die Menschen auf den Irrweg bringen und sie zum Aberglauben und zum Götzentum verleiten, und  Korah ist die Personifizierung eines Wohlhabenden, der sich angeberisch und hochmütig gegenüber den anderen verhält und sich den Lehren Gottes widersetzt.

Laut dem obigen Vers wurde Korah aus Stolz und Oberflächlichkeit aufrührerisch. Je größer sein Reichtum wurde, desto mehr vergaß er Gott und die anderen und desto mehr dachte er an Anhäufung von Gold und Silber und Edelsteinen.  Aber Vermögen muss der Allgemeinheit etwas nützen. Es soll nicht angehäuft werden, sondern im Wirtschaftskreislauf angewendet werden, damit es auch anderen einen Nutzen bringt.

Wir können uns einprägen:

Erstens: Es ist in sich nichts Schlechtes, Vermögen zu besitzen.  Schlecht ist es, sich etwas darauf einzubilden und Gott und dem Prophet gegenüber rebellisch zu werden und den Menschen Unrecht anzutun.

Zweitens: Nicht nur Wein macht trunken.  Manche charakterschwache Leute werden so berauscht und stolz, wenn sie an Reichtum gelangen, dass sie alles andere vergessen.  Gestützt auf Reichtum und Einfluss oder Macht, verletzen sie die Rechte anderer und werden von Lebenslust berauscht.

Was steht nun im nächsten Vers, dem Vers 77 der Sure 28? Dort lesen wir:


وَابْتَغِ فِيمَا آتَاكَ اللَّـهُ الدَّارَ الْآخِرَةَ ۖ وَلَا تَنسَ نَصِيبَكَ مِنَ الدُّنْيَا ۖ وَأَحْسِن كَمَا أَحْسَنَ اللَّـهُ إِلَيْكَ ۖ وَلَا تَبْغِ الْفَسَادَ فِي الْأَرْضِ ۖ إِنَّ اللَّـهَ لَا يُحِبُّ الْمُفْسِدِينَ

"'Sondern suche in dem, was Allah dir gegeben hat, die Wohnstatt des Jenseits; und vergiss deinen Teil an der Welt nicht; und tue Gutes, wie Allah dir Gutes getan hat; und begehre kein Unheil auf Erden; denn Allah liebt die Unheilstifter nicht'." (28: 77)


Bereits aus dem vorherigen Vers ging hervor, dass es unter den Anhängern von Prophet Moses einige sehr verständige Leute gab. Sie betrachteten sich angesichts des Reichtums von Korah nicht als minderwertig, sondern sie warnten ihn sogar mutig: Gib Acht, dass du nicht stolz und übermütig wirst, denn dann mag Gott dich nicht mehr und auch das Volk mag keine arroganten Wohlhabenden.

Aus dem Munde dieser weitsichtigen Gläubigen lässt der Koran im Vers 77 noch vier weitere Mahnungen verkünden. Die wichtigste davon lautet, dass das irdische Leben der Acker für die Ewigkeit ist.  Wenn du hier nichts für das Jenseits säst, wirst du dort nichts ernten können.  Der Reichtum, der dem Korah beschert wurde, ist eine Saat, die er auf Erden streuen muss, damit sie im Jenseits Früchte trägt. Saatgut, welches im Speicher aufgehäuft wird, bringt keine Ähren.

Der zweite gute Rat lautet: Und vergiss deinen Teil an der Welt nicht.  Das bedeutet: Wenn wir dir, Korah, raten, dass du mit Hilfe deines weltlichen Besitzes einen Proviant für ein gutes Leben im Jenseits anlegen solltest,  ist damit nicht gemeint, dass du nichts von deinem Reichtum im Leben haben sollst und alles auf dem Wege Gottes hergeben müsstest. Vielmehr kannst du selber dir und deiner Familie ein angenehmes Leben damit ermöglichen. Du solltest eben an beides denken.

Der dritte Rat lautet: Tue Gutes. Du sollst nicht denken, dass dieser Reichtum dir gehört. Der eigentliche Eigentümer ist Gott.  Gott  hat dir  all das  Gute beschert und wie ein Pfand überlassen. Du bist nur ein Treuhänder. Gott hat  dir also Gutes getan, so tu auch du den Bedürftigen Gutes.

Als viertes mahnten die  Gläubigen Korah: Wenn du unsere guten Ratschläge nicht ernstnimmst, dann wird dein Reichtum dir und der Allgemeinheit nur Unheil bringen. Dein Vermögen wird nichts zur Weiterentwicklung der Gesellschaft beitragen, sondern es wird den Boden für das Entstehen von Klassenunterschieden liefern und das Volk wird dich hassen.

Wir haben heute in  den kapitalistischen Gesellschaften eine Parallele vor uns: Nur ein sehr geringer Bevölkerungsanteil ist in diesen Gesellschaften  im Besitz von  Banken und dem Kapital und die Mehrheit muss hart arbeiten, damit die Reichen immer reicher werden.

Wir können uns also merken:

Erstens: Bei allen wirtschaftlichen Tätigkeiten soll der Mensch die Zufriedenheit Gottes am Jüngsten Tag ins Auge fassen  und dabei darf und soll  er auch an sein finanzielles Auskommen und den angemessenen Unterhalt seiner Familie denken.

Zweitens: Wir sollten, wie gesagt, für unser Schicksal im Jenseits planen und zugleich uns um ein gutes Schicksal und das Wohl im Diesseits bemühen. D.h. wir sollten mit dem, was uns  im Leben  an Materiellem beschert wird, unsere  natürlichen Wünsche und Bedürfnisse  erfüllen und den Rest für das Jenseits ausgeben und Gutes damit tun.

Drittens: Wenn der Mensch Vermögen und Reichtum besitzt ist dies nicht automatisch etwas Schlechtes, denn er kann es  in Hoffnung auf ein gutes Leben im Jenseits  für rechtschaffene Tätigkeiten und Wohltaten einsetzen, und so kann Vermögen sogar zur Erreichung des ewigen Glücks dienlich sein.

In dem Vers 78 der Sure 28 steht Folgendes:


قَالَ إِنَّمَا أُوتِيتُهُ عَلَىٰ عِلْمٍ عِندِي ۚ أَوَلَمْ يَعْلَمْ أَنَّ اللَّـهَ قَدْ أَهْلَكَ مِن قَبْلِهِ مِنَ الْقُرُونِ مَنْ هُوَ أَشَدُّ مِنْهُ قُوَّةً وَأَكْثَرُ جَمْعًا ۚ وَلَا يُسْأَلُ عَن ذُنُوبِهِمُ الْمُجْرِمُونَ

"Er (Korah)  sagte: 'Es (die Schätze) wurde mir nur um des Wissens willen, das ich besitze, gegeben.' Wusste er denn nicht, dass Allah vor ihm schon Geschlechter vernichtet hatte, die noch gewaltigere Macht und größeren Reichtum als er besaßen? Und die Schuldigen werden  (beim Eintreffen der Strafe) nicht nach ihren Sünden befragt." (28: 78)


Dem Vers  78 entnehmen wir, wie der hochmütige Korah auf die Mahnungen der Gläubigen antwortete.  Anstatt einsichtig zu sein, sagte er stolz, er habe sich diesen Reichtum durch sein Wissen und seine Anstrengung verdient.  Er wollte damit  sagen: Daher gehört alles mir und ich kann damit  tun und lassen, was ich  will. Keiner  kann mir vorschreiben, was ich damit machen soll. Ich weiß selber, wann ich es verwenden und wann ich es für mich behalten soll. Wenn Gott mir diesen Reichtum beschert hat, dann bestimmt deswegen, weil er  mein Wissen und meine Anstrengungen gesehen hat und ich es aus Seiner Sicht würdig bin, diesen Reichtum zu besitzen.

Aber der Koran nimmt indirekt zu  dieser falschen Denkweise von reichen Leuten, die hochmütig sind, Stellung,  indem er in Bezug auf Korah sagt: Hat er nicht  davon gehört, dass es in der Geschichte Leute gegeben hat, die noch  viel mächtiger und reicher als er waren, aber im Diesseits mitsamt ihrem Besitz vernichtet wurden, weil sie sich gegen das Recht und die Wahrheit stellten?

Wir sehen:

Erstens: Reichtum darf den Menschen nicht stolz machen, selbst wenn er durch sein Wissen daran gelangt ist. Vielmehr muss der Mensch ein solches Vermögen und Wissen als etwas Gutes betrachten, das Gott ihm zukommen ließ.

Zweitens: Der Mensch handelt sich die diesseitige Vernichtung ein, wenn er sich auf Wissen, Macht und Reichtum etwas einbildet.

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