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Mittwoch, 10 Februar 2016 05:37

Die große Rückkehr (5)

Die große Rückkehr (5)
    Wir möchten in diesem Teil über die Gründe der Angst vor dem  Tod sprechen.  

Wir haben bereits  das Thema  Tod und ewiges Leben des Menschen behandelt und gesagt, dass der Jenseitsglaube in der Natur des Menschen verankert ist.  Aber einigen stellt sich nun die Frage, warum die meisten Menschen Angst vor dem Tod haben, obwohl der Mensch in Wahrheit Ewigkeit besitzt und seine Seele bei der Trennung vom stofflichen Körper nicht vernichtet wird?

                                 

Die meisten Menschen fürchten sich vor dem Sterben. Der Tod  ist für sie wie ein schlimmer Albtraum  und bereits der Gedanke an ihn verdirbt ihnen den Lebensgenuss.  Wie wir bereits vorher sagten, möchte der Mensch von Natur aus ewig leben. So flüchten einige deshalb vor dem Tod, weil sie denken dass er die Vernichtung bedeutet.  Um uns den Tod besser veranschaulichen zu können, ist der Vergleich mit dem Sonnenuntergang nützlich.  Wenn in einem Teil der Erde Sonnenuntergang ist, ist in einem anderen gerade Sonnenaufgang. Der Tod ist ähnlich wie dieser Sonnenaufgang  eine Wiedergeburt an einem anderen Ort- nämlich im Jenseits.

                                   

Einer der Gründe für die Todesangst ist die Unkenntnis davon, was der Tod überhaupt ist. In einer Überlieferung steht, dass jemand Ima Dschawad (gegrüßet sei er) fragte: „Warum mögen einige den Tod nicht?“ Er sagte: Weil sie den Tod nicht richtig erkannt haben. Wenn sie ihn kennen würden  und zu den  Freunden Gottes, des Höchsterhabenen, gehörten, würden sie ihn zweifelsohne lieben und wissen, dass das Jenseits für sie besser ist als das Diesseits“  Dann stellte Imam Dschawad (a) um die Wahrheit zu verdeutlichen selber eine Frage, nämlich folgende: „Warum  will ein Kind oder ein Geisteskranker nicht die Arznei zu sich nehmen, die seinen Körper gesund werden lässt und seine Schmerzen beseitigt?“ Der Mann sagte: „ Weil sie nichts von dem Nutzen der Medizin wissen.“

Da sagte der Imam:  „Bei dem, der zu Recht Mohammad (salawatullah aleih) zum Propheten bestimmt hat!  Jemand bereitet sich nicht  richtig auf den Tod vor,  es sei denn dass der Tod  für ihn etwas Besseres ist  als jene Arznei für den Kranken.“ Gib Acht!  Wenn die Menschen wüssten,  zu welchen Segnungen ihr Tod führen wird, würden sie ihn lieben und zwar noch mehr als der kluge Mensch, der zur Beseitigung von Krankheit und Genesung gerne die Arznei zu sich nimmt.“ (Ma`ani –l  Achbar   - Scheich Saduq)

 

Die Unkenntnis von der Zukunft ist also einer der Gründe für die Angst vor dem Tod.  In einer Überlieferung heißt es, dass Imam Hadi (a) einen seiner Helfer am Krankenlager aufsuchte.  Er sah diesen  aus Angst vor dem Tod weinen. Imam Hadi (a) sagte ihm: Du Diener Gottes! Du fürchtest dich vor dem Tod, weil du nichts über ihn weißt.“ Dann fragte er ihn:   Wenn dein ganzer Körper schmutzig geworden ist und dich diese Verschmutzung bekümmert und zugleich Wunden und Krankheiten an deinem Körper erscheinen und du weißt, dass du von allem Schmutz und allen Leiden befreit wirst, wenn du ein Bad nimmst und dich wäschst, möchtest du dann ein Bad nehmen oder nicht?“

„Ja, natürlich würde ich das gerne tun“, antwortete der Kranke. Da sagte der Imam: „Der Tod ist für  den Gläubigen wie dieses Bad und lässt in rein werden von den Verunreinigungen. Was an Sünden durch weltliches Ungemach und Krankheiten noch nicht entfernt wurde und zurückgeblieben ist, wird durch den Tod entfernt und gesäubert.“

                             

Die Angst vor dem Tod hat also verschiedene Ursachen und hängt mit den Überzeugungen des Menschen zusammen.  Einige betrachten den Tod nicht als absolute Vernichtung und leugnen auch nicht  das Leben nach dem Tod. Aber sie fürchten ihn trotzdem.  Denn sie hängen sehr am Leben. Wenn jemand Klebstoff auf der Innenseite der Hand, auf der es keine Haare gibt, entfernt, spürt er keinen Schmerz. Aber wenn Klebstoff an einer stark behaarten  Körperstelle ist, bereitet es Schmerzen ihn zu entfernen. Für einen Menschen, der das weltliche Leben sehr liebt, ist es ebenso  sehr hart sich von dieser Welt zu trennen.

Jemand fragte den Propheten (s) weshalb der Mensch den Tod verabscheut und was er dagegen empfiehlt. Er erklärte: „ Wenn du etwas  Eigentum besitzt, so spende es auf dem Wege Gottes für die Zeit nach deinem Tod,  denn das Herz des Menschen hängt an seinem Eigentum, und  wenn er es rascher für die Zeit nach dem Tod vorausschickt, so möchte er gerne wieder an  es zurückgelangen. Wenn er es aber auf der Welt lässt, möchte  er es  nicht verlassen.“

 

Nicht jeder blickt dem Tod ruhig entgegen auch wenn er für ihn das Tor in eine andere Welt ist.  Einige glauben zwar an die Rückkehr zu Gott und die Auferweckung von den Toten, aber sie fürchten sich wegen ihrer hässlichen Taten vor dem Tod. Sie wissen, dass sie nach dem Tod ein Reich betreten, wo sie für alle ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden  und daher fürchten sie den Tod und das was auf sie nach dem Tod wegen ihrer Sünden zukommt.

Wir entnehmen den Überlieferungen, dass einer der Anhänger Imam Hasans (gegrüßt sei er), der gerne Späße machte, zu ihm kam. Als der Imam ihn nach seinem Befinden fragte, sagte er: „Ach (Enkel-) Sohn des Propheten Gottes!  Ich verbringe das Leben entgegen dem, was Gott möchte und entgegen dem was Satan möchte und sogar entgegen dem was ich selber möchte!“

Da lächelte der Imam und fragte: „Wieso?“

Der Mann sagte: „Gott möchte dass ich Ihm immer gehorche und niemals eine Sünde begehen! Aber ich bin nicht so! Und Satan möchte, dass ich immer ungehorsam gegenüber Gott bin und Gott niemals diene. Auch so bin ich nicht! Ich selber möchte, dass ich niemals sterbe und das geht auch nicht!“

 

In dem Moment fragte einer der Anwesenden den Imam (a)  „O Sohn des Propheten Gottes (s) – warum missfällt uns der Tod? Warum mögen wir ihn nicht?“ Da antwortete Imam Hasan (a): „Ihr habt euer Diesseits prachtvoll eingerichtet und euer Jenseits zerstört. Es ist nur natürlich, dass ihr nicht von einem blühenden an einen ruinierten Ort gebracht werden möchtet“  (Bihar al Anwar, Bd.6).

                                 

Wenn wir im  Tod der Beginn eines neuen und ewigen Lebens sehen und ein Tor zu einer großen weiten Welt, werden wir uns nicht mehr vor ihm fürchten falls wir im Leben rechtschaffen gehandelt haben. Im Gegenteil werden  wir diesen Übergang als eine der schönen Dinge in der Schöpfung betrachten. Denn der Tod   sprengt den engen Käfig dieser  Welt  und befreit die Seele des Menschen von allen stofflichen Abhängigkeiten.  

Die rechtschaffenen und Gott suchenden Menschen, welche im Tod eine Brücke und ein Tor betrachten, durch das sie eine andere Welt betreten, sind innerlich beruhigt und begrüßen diesen Übergang.

Imam Ali (der Sohn des Abu Talib) (gegrüßt sei er) sagt (in Predigt 5, Nahdsch-ul Balagha): „Bei Gott!  Der Sohn von Abu Talib liebt den Tod mehr als der Säugling die Milch seiner Mutter.“

Auch hat Imam Husain (a) am Aschura-Tag während des ungleichen Krieges gegen das große Heer des Yazid zu seinen Mitkämpfern gesagt: „Seid geduldig –ihr Söhne edler Männer! Der Tod ist nur eine Brücke, die euch von den Leiden in die weiten Gärten des Paradieses zu den ewigen Segnungen führt. Wem von euch bekümmert es aus dem Gefängnis in den Palast gebracht zu werden? Der Unterschied zu euren Feinden besteht darin, dass sie wie jemand sind, die von einem Palast ins Gefängnis und zur Strafe überführt wird. Mein Vater (Imam Ali) hat vom Propheten Gottes (s) überliefert, dass die Welt das Gefängnis des Gläubigen und das Paradies des Ungläubigen ist, und der Tod  die Brücke für sie (die Gläubigen) zu den Gärten des Paradieses  und für jene  (die Ungläubigen) die Brücke zur Hölle ist.)“  

 

Ein gläubiger Mensch, der auf den unendlichen Segen Gottes hofft, seine  religiösen Pflichten erfüllt, sich von dem was Gott verboten hat, enthält, seine Sünden bereut und reuevoll zu Gott umkehrt, fürchtet sich also nicht vor dem Tod, sondern sehnt sich sogar nach ihm.  Denn er darf in der jenseitigen Welt in Gesellschaft des Propheten Gottes (der Segen Gottes sei auf ihm und den Edlen aus seinem Hause)  sein und er kommt in den Genuss von Segensgaben, die er sich nicht vorstellen kann.

Wer aufgrund der religiösen Sichtweise den Tod als Übergang in das ewige Leben und die Eröffnung eines neuen Lebens betrachtet und von der unendlichen Vergebung Gottes überzeugt ist, der hofft auch auf  die göttliche Huld und seinen Segen und fürchtet den Tod nicht mehr. Wie groß und zahlreich die Sünden eines Menschen auch sein mögen – Gottes Barmherzigkeit ist unendlich. Wer die Spuren seiner Sünden durch Reue und Bitte um Vergebung und Abkehr von den Sünden wäscht, den liebt Gott.

Im Koran steht in dem Vers 222 der Sure 2:

…Wahrlich, Allah liebt diejenigen, die sich (Ihm) reuevoll zuwenden und die sich reinigen."""

Jemand den Gott liebt, der fürchtet sich nicht vor dem Tod, denn durch den Tod wird die Begegnung mit Gott möglich – die große Rückkehr.

Der Mensch muss also, um sich vor der Todesfurcht zu befreien, davon überzeugt werden, dass der Tod Übergang in eine viel größere und unvorstellbare Welt ist und er muss außerdem seine Pflichten als Mensch erfüllen und auf die  große Barmherzigkeit Gottes hoffen. Dann wird er den Tod nicht nur fürchten,  sondern ihn sogar lieben.

 

 

 

 

 

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