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Donnerstag, 29 Oktober 2015 02:22

IS-Aktivitäten in Afghanistan?

Einer der Anführer der Terrormiliz IS in Pakistan und Afghanistan, Hafiz Said Khan, in einem Propagandavideo. Einer der Anführer der Terrormiliz IS in Pakistan und Afghanistan, Hafiz Said Khan, in einem Propagandavideo.
  In den letzten Monaten wurden verschiedene Ansichten über das Auftreten der IS-Terrorgruppe in Afghanistan und ihre dortigen  Aktivitäten geäußert. 

Es sind Angriffe einiger Terrorgruppen in Afghanistan wie in Hilmand und Nangahar den IS-Terroristen zugeschrieben worden, denn diese Gruppen trugen bei diesen Anschlägen das Banner der IS bei sich. Einige aber sagen, dass andere Gruppen durch Mitführung der Flagge der IS vorgetäuscht haben, dass diese Gruppe auch in Afghanistan tätig ist und dort Stützpunkte hat.

Vor kurzem berichtete die UNO, dass 70 der IS-Befehlshaber in Syrien und Irak  nach Afghanistan übergewechselt sind, um dort eine Miliz aufzustellen.  Gemäß diesem Bericht sollen die IS-Terroristen in 25 Verwaltungsgebieten Afghanistan aktiv sein.

Die afghanische Regierung bestätigt jedoch IS-Aktivitäten in nur zwei afghanischen Verwaltungsgebieten.  Damit liegen also schon erhebliche  Meinungsunterschiede zwischen der UNO und der afghanischen Regierung über die IS-Aktivitäten in diesem Land vor.

In dem betreffenden Bericht der UNO heißt es, dass die IS- Kräfte in Afghanistan sich aus Tchechenen, Usbeken, Tadschiken , Kirgisen, Tataren und chinesischen Uiguren zusammensetzen.

Beobachter sagen aber, dass es sich um Kräfte handeln, die bisher zu verschiedenen Gruppen in Afghanistan wie die Al Kaida oder Verbrecherbanden oder sogar die Taliban  zählten  und  sich nun unter der IS neu organisieren.

Handelt es sich wirklich bei den IS-Terrorgruppen, die in Afghanistan tätig sind, um ideologisch motivierte Leute?  Politische Beobachter meinen, dass es sich um bezahlte Legionäre  handelt. Die Kräfte, die in Afghanistan vorgeben, IS-Mitglieder zu sein, legen nicht die Brutalität dieser Terrorgruppe an den Tag.

Nach Ansicht der afghanischen Regierung kann die IS-Terrorgruppe nur in Afghanistan tätig sein, wenn sie vom Ausland Unterstützung erhält. Pakistan begrüßt zwar die Anwesenheit der IS in Afghanistan, aber die IS von Abu Bakr Al Bagdadi lehnt es ab, und befürwortet stattdessen   eine IS, die vom militärischen Nachrichtendienst seiner Streitkräfte, dem ISI, aufgestellt wird.

Das US-abhängige Saudiarabien, welches mit dem israelischen Besatzerregime kooperiert, hat  Riesensummen in die Gründung von Terrorgruppen in der Region, darunter die IS-Terrormiliz, gesteckt.

  Die Taliban in Afghanistan streben im Gegensatz zu den IS kein Kalifat, wie es unter der Sunniten in der Vergangenheit üblich war, an, sondern wollen das Islamische Emirat in Afghanistan bilden.

  Durch Aktivitäten in Afghanistan könnten die  IS Zugang nach Zentralasien und zum Kaukasus finden.   Das  Ferghanatal  in Tadschikistan ist z.B. für die IS von strategischer Bedeutung.  Da die Zukunft der IS in Syrien und Irak ungewiss ist  und ihre Stützpunkte dort in der Ebene liegen, könnten ihre Kräfte völlig aufgerieben werden und daher hoffen sie in den gebirgigen Gebieten von Aghanistan, Pakistan , Zentralasien und auf dem Kaukasus Schutz zu finden.  

Die IS hofft daher nach einer Niederlage im Irak und Syrien ihre Kräfte in den Stammesgebieten nach Nord-Afghanistan und Pakistan zu bringen um von dort aus in Zentralasien einzudringen .Es sei erwähnt, dass die Taliban zwar mit den Al-Kaida ein Treuebündnis geschlossen haben aber keine IS- Präsenz in Afghanistan wünschen.

Die afghanische Regierung ist durch Aufbauschung der Gefahr der IS, um Erhalt von größeren  finanziellen und militärischen Hilfen aus dem Westen bemüht und die USA und Nato bedienen sich der Aktivitäten der IS als Vorwand für die  Fortsetzung ihrer  Militärpräsenz in Afghanistan nach 2016.

Während die IS-Terrorgruppe Gelegenheit zu Aktivitäten in Afghanistan gefunden hat, werden aber die Taliban weiter als einflussreiche Gruppe bezeichnet und Regionalstaaten und internationale Kreise fordern Verhandlungen zwischen ihnen und  der afghanischen Regierung.  Zugleich möchten die Taliban durch Verstärkung ihrer Angriffe in Afghanistan Macht demonstrieren, um bei Verhandlungen mit der Regierung mehr Zugeständnisse zu erhalten.

Afghanistan, Pakistan und Amerika gehören zu den Ländern, die behaupten, dass die IS noch keine ernsthafte Gefahr in Afghanistan bilden.

Natürlich nutzen die westlichen Länder das Thema IS aus, um ihre Militärpräsenz in Afghanistan zu verlängern. Es gibt aber neben den afghanischen Regierungskräften auch gute potentielle Glaubenskämpfer in Afghanistan für die Konfrontation mit der IS-Terrorgruppe . Nur zeigt der afghanische Präsident Aschraf Ghani bislang kein Interesse an ihrem Einsatz und ihrer Forderung nach einer Mitbeteiligung im politischen und militärischen Bereich.

Die Regierung im pakistanischen Islam Abad würde nach Ansicht politischer Kreise von der Bildung der IS in Afghanistan profitieren. Eines ihrer wichtigsten Ziele besteht darin, die Taliban durch die IS zu ersetzen. Islamabad   ist an einer Fortsetzung der  Aktivitäten der Paramilitärs in Afghanistan gelegen.

ISI, der militärische Nachrichtendienst der pakistanischen Armee hat bewiesen, dass er unter keinen Umständen Sicherheit und Ruhe in Kaschmir und Afghanistan wünscht. 

Die IS-Terroristen können außerdem in Zukunft Russland und China Schwierigkeiten bereiten und Pakistan könnte dem Westen also durch seine Politik einen Dienst erweisen.

Abdul Ghader Wahedi , der ehemalige IS-Sprecher in Afghanistan, bekannt als Abu Ibrahim Khorassani, hat jedenfalls gesagt, dass IS in Afghanistan die Taliban aus dem Weg räumen will.

Der Analytiker Wahid Mojdeh, ein ehemaliger Taliban-Anführer, sagt, nachdem die afghanischen Taliban nicht den Forderungen Pakistans entsprachem, habe sich eine die Gruppe namens pakistanische Taliban in Ost-Afghanistan formiert. Diese hat sich später als IS ausgegeben und die afghanischen Taliban aus einigen Gegenden vertrieben. Letztere leisteten keinen Widerstand, weil sie von ihrem Anführer Mullah Omar  keinen entsprechenden Befehl erhielten und nicht wussten was sie tun sollten.  Dann schrieb Mullah Omar an den IS-Führer Abu Bakr Baghdadi. Er erhielt eine scharfe Antwort was zu Auseinandersetzungen zwischen Taliban und IS führte.

Wahid Mojdeh weist weiter daraufhin, dass  im Zusammenhang mit der IS in Afghanistan nur einige wenige Leute identifiziert wurden, darunter Abdul Rahim Muslimdust, der gegen den Nachrichtendienst Pakistans ist und eine Zeitlang der Kadi der pakistanischen Taliban war. Laut Mojdeh werben die IS mit Geldangeboten für Söldner in Afghanistan, habe aber gerade deswegen wenig Chancen für Sympathien unter den Afghanen.

Die Bevölkerung in Hilmand soll sogar gegen die IS  rebelliert haben. Diese Terrorgruppe hat die Bevölkerung nicht mit ideologischen Argumenten sondern mit materiellen Anreizen für ihre Ziele zu gewinnen versucht.  Mojdeh sagt,  die Taliban seien seit Anfang 2015 auf Anraten Pakistans unter dem Deckmantel der IS in Afghanistan tätig um nicht selber ihrem Ruf noch mehr zu schaden.. Außerdem habe Hekmatyār bekannt gegeben, diejenigen, die gegen die Taliban kämpfen, kämen nicht aus dem Ausland sondern es seien Taliban, die das Banner gewechselt und ihren Treueid an Mulla Omar zurückgenommen haben.

Es scheint erst der Beginn eines neuen Spiels zu sein. Bislang ist  noch niemand unter dem Titel Emir der IS in Afghanistan  beobachtet worden.  Es war zunächst davon die Rede, dass die IS-Rebellen von einem gewissen Mullah Abdul Rauf Khadim angeführt wurde, der insgeheim tätig war aber plötzlich in Südafghanistan ums Leben kam.

Nach Khadim gaben sich  weitere Personen nacheinander  als IS-Anführer oder Sprecher in Afghanistan und Pakistan aus.

Die Mitglieder der IS-Terrorgruppe in Afghanistan haben von Beginn an angekündigt, dass sie nicht die afghanische Regierung und  die Sicherheitskräfte  oder die ausländischen Kräfte in Afghanistan sondern die Taliban im Visier haben. Nach einem längeren Schweigen nahmen die afghanischen Taliban Stellung und erklärten, dass sie ernsthaft mit  IS-Mitgliedern, die in Afghanistan aktiv sind, konfrontieren werden.  In den Verwaltungsgebieten Farah, Nimros, Hilmand und Nangahar kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen ihnen und IS-Mitgliedern.

Die Tatsache , dass Kabul und Islamabad beide darum bemüht sind, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bringen, verstärkt den Verdacht, dass die IS-Mitglieder in Afghanistan und Pakistan in gewisser Weise die Unterstützung der Sicherheitsdienste beider Länder insbesondere des ISI in Pakistan genießen, da sie die Taliban schwächen und sie zu Verhandlungen mit Kabul  zwingen können. 

Wahid Mojdeh ist der Ansicht, dass die IS-Terrormiliz in Afghanistan von Pakistan organisiert wurde, um die afghanischen Taliban unter Druck zu setzen.   

Nach dem jüngsten Bericht der UNO über die IS-Präsenz in Afghanistan schrieb die US-Zeitung Wallstreet Journal, die Aktivitäten der IS in Afghanistan könnten eventuell  zu einer langfristigen Gegenwart der Amerikaner in Afghanistan führen. 

Laut Dschawid Kuhestani, einem Experten für Sicherheitsfragen in Afghanistan hat sich aufgrund von internen Streitigkeiten der Taliban ein Teil von ihnen im Südwesten unter Anführung von Qayum Zaker und Mullah Abdul Rauf Khadim und die Mehrheit des Alizai-Stammes im Bezirk Kajaki (Hilmand)  , sowie Mussa Qala und die Taliban aus einigen Gebieten der Quetta-Shura den IS angeschlossen oder diese Talibans haben ihre Tätigkeiten unter der Bezeichnung IS fortgesetzt.

Kuhestani unterscheidet nach 4 Talibanzweigen: Die Gruppe von Qayum Zaker, welche im Begriff ist, sich der IS anzuschließen,

Die Gruppe von Achtar Mohammad Mansur, Staatsoberhaupt des ausgerufenen Islamischen Emirats von Afghanistan,

Die Gruppe von Mullah Hassan und Mansur Dadullah, die quasi nicht mehr aktiv sind

Sowie die Gruppe des Talebanführers Abdur Razzaq.

Auch haben sich einige Araber in Afghanistan wie Jemeniten und Kuwaiter sowie Sudanesen der IS angeschlossen.

Die IS-Terrorgruppe ist für ein größeres Projekt als nur für Afghanistan gedacht, ein Projekt, das auf Zentralasien und den Kaukasus ausgedehnt werden soll. Diese Terrorgruppe könnte sich alle Teile der Taliban unter dem Banner eines so genannten Islamischen Kalifats einverleiben. 

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