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Donnerstag, 06 November 2014 09:45

Explosive Lage in Al-Quds (Jerusalem)

Blendgranaten gegen Palästinenser: Am Mittwoch gingen israelische Einsatzkräfte schießen am Mittwoch Ostjerusalem auf Demonstranten. FOTO: REUTERS Blendgranaten gegen Palästinenser: Am Mittwoch gingen israelische Einsatzkräfte schießen am Mittwoch Ostjerusalem auf Demonstranten. FOTO: REUTERS
Written by:  lavassani
Erneut Tote in Ostjerusalem. Israels Regierung kündigt den Ausbau von Siedlungen an und lässt palästinensische Häuser zerstören. Hamas bezeichnet die Lage als explosiv.
(Karin Leukefeld)  In Jerusalem ist am Mittwoch vormittag ein Mann mit seinem Fahrzeug absichtlich in eine Menge von Personen gefahren. Krankenhausberichten zufolge wurde dabei ein Mensch getötet, mindestens 13 Personen wurden verletzt. Der Fahrer soll nach Augenzeugenberichten ausgestiegen sein und Passanten mit einer Metallstange angegriffen haben. Kurz darauf wurde er von der israelischen Grenzpolizei erschossen. Der Vorfall ereignete sich laut Polizeiangaben an einer Straßenbahnhaltestelle an der »Grünen Linie«, wie die Grenze zwischen West- und dem von Israel besetzten Ostjerusalem genannt wird.

Ein ähnlicher Vorfall hatte sich bereits vor knapp zwei Wochen ereignet. Damals hatte ein Palästinenser sein Fahrzeug in eine Gruppe von Passanten gefahren, die auf eine Straßenbahn gewartet hatten. Dabei waren ein Kleinkind und eine Frau getötet worden, der Fahrer wurde erschossen. Die Eltern des jungen Mannes berichteten später, er sei in ärztlicher Behandlung wegen traumatischer Erfahrungen in israelischen Gefängnissen gewesen. Als Strafmaßnahme war das Haus der Familie von der israelischen Armee zerstört worden.

Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete, soll es sich bei dem Fahrer am Mittwoch um den 48jährigen Ibrahim Muhammad Daoud Al-Akkari aus dem Flüchtlingslager Schuafat gehandelt haben. Ein Bruder des Mannes sei demnach bei dem Gefangenenaustausch für den israelischen Soldaten Gilad Shalit 2011 freigekommen und in die Türkei abgeschoben worden.

Kurz vor dem Vorfall war bekanntgeworden, dass es am Mittwoch morgen erneut zu gewalttätigen Auseinandersetzungen um die Al-Aksa-Moschee gekommen war. Israelische Einsatzkräfte trieben palästinensische Demonstranten mit Blendgranaten auseinander. Diese sollen laut Polizeiangaben mit Steinen auf die Beamten geworfen haben. Dabei soll die Polizei kurzzeitig auch die Moschee betreten haben, was ihr untersagt ist. Unbestätigten Angaben zufolge sollen bei den Auseinandersetzungen 20 Personen verletzt worden sein.

Der Sprecher der Hamas, Sami Abu Zuhri, brachte den Angriff Al-Akkaris in Zusammenhang mit den Ereignissen um die Al-Aksa-Moschee in Ostjerusalem. Es sei eine »natürliche Antwort« auf die Verbrechen Israels in Jerusalem, sagte Zuhri. Die Stadt sei kurz davor zu explodieren.

Seit Wochen gibt es Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und zionistisch-nationalistischen Siedlern, die sich unter dem Schutz der israelischen Armee auch gewaltsam Zugang zum Tempelberg verschaffen wollen. Der dortige Felsendom steht unter dem Schutz des jordanischen Königs, was im Friedensvertrag zwischen Jordanien und Israel aus dem Jahre 1994 festgelegt ist. Für Muslime heißt das Gelände, auf dem sich auch die Al-Aksa-Moschee befindet, Al-Haram Al-Scharif und gehört zu ihren wichtigsten religiösen Stätten.

Vor einer Woche war der bekannte rechtsextreme Rabbi, Yehuda Glick, von einem Palästinenser niedergeschossen worden. Der Schütze wurde unmittelbar darauf von der israelischen Armee getötet. Glick mobilisierte dafür, dass Juden auf dem Berg einen Tempel bauen können.

Die angespannte Situation in Ostjerusalem wird durch fast tägliche Bekanntgaben angeheizt, dass neue Wohnungen für Siedler in Ostjerusalem gebaut werden sollen. Zuletzt hatte das israelische Innenministerium am Montag angekündigt, weitere 500 Wohnungen für Siedler in Ramat Shlomo bauen zu wollen. Der Ort, der früher zum palästinensischen Schuafat gehörte, war 1967 von Israel besetzt und später annektiert worden.

In dem Ostjerusalemer Stadtteil Silwan hatte die israelische Armee am Dienstag erneut zwei Häuser von Palästinensern zerstört. Die Familien waren zuvor nicht informiert worden und wurden daran gehindert, persönliche Gegenstände mitzunehmen. Die israelischen Behörden gaben an, die Häuser seien ohne offizielle Genehmigung gebaut worden. Anwälte berichteten, dass die Bewohner diese wiederholt bei den entsprechenden Stellen beantragt, aber nie eine Antwort erhalten hätten.

Jeff Halper, Vorsitzender des Israelischen Komitees gegen Hauszerstörungen, wirft der israelischen Regierung »zynische Rechtsbeugung für politische Zwecke« vor. Die »routinemäßig« erteilten Befehle, Häuser zu zerstören, verletzten die vierte Genfer Konvention. Seit Beginn der Besatzung 1967 habe Israel rund 48.000 Häuser zerstört, so Halper. »Palästinenser können dagegen zwar Berufung vor einem israelischen Gericht einlegen, aber ihnen gelingt es nie, damit Erfolg zu haben.«

(Quelle: Junge Welt)

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