Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Sonntag, 28 September 2014 17:05

Putin kommt

Putin kommt
Von: Willy Wimmer Natürlich wäre es für Deutschland angemessen, den russischen Präsidenten bei uns willkommen zu heißen. Wo sich doch der Fall der Mauer zum fünfundzwanzigsten Male jährt.

Oder im kommenden Jahr, wenn dank russischer und anderer Hilfe die Wiedervereinigung Deutschland ebenfalls vor 25 Jahren ermöglicht worden ist. Nein, Fehlanzeige. Unsere Regierung hat nach Kräften dazu beigetragen, in Europa ein Klima gegenüber einem Nachbarland und seiner gewählten Staatsspitze entstehen zu lassen, das durch nichts gerechtfertigt ist. Es sei denn, man macht sich die amerikanischen Weltherrschaftsphantasien zu Eigen. Wie will man im Interesse seines eigenen Volkes und des Landes, dessen Wohl man fördern soll, einem Menschen begegnen, den man im eigenen Bündnis schlichtweg mit den Untoten der Geschichte in einen Topf geschmissen hat.?

Keine Sorge. Putin kommt, aber in eine andere europäische Hauptstadt. Der russische Präsident Putin wird in Belgrad am 20. Oktober 2014 einen Besuch abstatten, um mit den Serben und denjenigen, die sich Jugoslawien verbunden fühlen, des Tages zu gedenken, an dem vor siebzig Jahren Belgrad von den Achsenmächten befreit werden konnte. Wer mit diesem Tag der Befreiung langfristig die Hoffnung verbunden haben sollte, eine gerechtere und menschlichere Ordnung erleben zu dürfen, der wurde in der Folge enttäuscht, zuletzt im Frühjahr 1999 durch den Angriff ohne Kriegserklärung und unter Bruch des Völkerrechtes gegen diese leidgeprüfte Stadt. Auch diesmal durften deutsche Bomber nicht fehlten.

Kriegsangst, die wir vor Monaten noch weit von uns gewiesen haben würden, schleicht durch alle Ecke Europas. Die Ursache liegt nahe der russischen Grenze. Als der Westen daran ging, eine frei gewählte Regierung in der Ukraine unter Einsatz von Milliarden Dollar zu stürzen und von Kiew aus die Brandfackel der ethnischen Trennung dieses Vielvölkerstaates gegen die russischsprachige Bevölkerung zu schleudern und mit Hilfe faschistischer Kräfte  Kriegsmethoden gegen die eigene Bevölkerung zu mobilisieren, war klar, dass dieses Vorgehen nicht folgenlos bleiben würde. Die Ursache dafür wurde bei denen gesetzt, die die Kaskaden losgetreten haben. Die sitzen bekanntlich nicht in Moskau. Russland kann seine Belange hinlänglich vertreten und seine Sache zu Gehör bringen. Uns im Westen kann es allerdings nicht gleichgültig sein, in welchem Maße unserer eigenen Regierungen aus dem „gemeinsamen Haus Europa“ eine erneute Trümmerwüste zu machen bereit sind.

Da kommt der Besuch des russischen Präsidenten Putin in Belgrad zur rechten Zeit. Damit wird an diesem Tage in Belgrad auch die Dimension des Leids gerade für das russischen Volk und die Menschen in der damaligen Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg deutlich. Einem solches Volk und einem solchen Staat setzt man im gemeinsamen Haus Europa nicht den Stuhl vor die Türe, nur weil andere Weltherrschaftsgelüste haben, die uns allen das eingebrockt hatte, was zu solchen Tagen wie in Belgrad geführt hatte. Die Fehler werden immer im eigenen Land gemacht, die das Nachbarn und das eigene Volk ins Elend stürzen. Was hindert aber die Regierung der Vereinigten Staaten bis heute daran, die Archive darüber zu öffnen, in welchem Umfang nach Versailles die nationalsozialistische Bewegung auf tatkräftige Aufbauarbeit aus den USA zählen durfte. Schon deshalb lässt uns entsprechendes Vorgehen heute in der Ukraine nicht kalt.

Auswege aus der Situation? Neues erfinden ist nicht nötig. Wir alle in Europa sind mit den größten Schwierigkeiten fertig geworden, weil wir uns an eine Tisch gesetzt haben. Der Anstoß dazu kam damals schon aus Moskau. Gibt Belgrad Europa mit dem Besuch von Präsident Putin eine neue Chance?

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren