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Montag, 21 Juli 2014 12:28

Mahnen uns die Toten wirklich?

Mahnen uns die Toten wirklich?
Von: Willy Wimmer - Es ist eine Tragödie, was sich mit dem Absturz einer Maschine von Malaysian Airways über der Ukraine am 18.
Juli 2014 zugetragen hat. Die Tragödie hat sich auf dem Rücken unschuldiger Menschen fortgesetzt. Statt innezuhalten und den Toten Respekt zu bezeugen, wurde das Opfer, das sie gebracht haben, in ein Gegenteil verkehrt. Mit dem Absturz der Maschine begann der Versuch, diese Tragödie einer der Parteien eines aktuellen und nicht minder blutigen Konfliktes auf dem Boden in der Ukraine in die Schuhe zu schieben. Selten zuvor sind Opfer eines schrecklichen Flugzeugabsturzes so instrumentalisiert worden, wie das seither geschieht. Diese Instrumentalisierung nimmt kein Ende und sie wird fortgesetzt, selbst bei der dringend erforderlichen Aufklärung durch die Institutionen, die die internationale Zivilluftfahrt für Unglücke dieser Art vorgesehen hat. Jeder, der in der Ukraine Verantwortung hat, wird daran gemessen werden müssen, wie er sich dieser Verantwortung stellt. Für die zivilisierte Menschheit sollte allerdings auch klar sein, dass diejenigen geächtet werden müssen, die Schuld auf sich genommen haben. Das wirft jedoch die Frage danach auf, ob wir in Anbetracht aller Abläufe, mit denen wir es offenbar zu tun haben, jemals eine faire und offene Aufklärung selbst durch die zuständigen internationalen Organisationen erleben werden? Das internationale Klima ist nicht nur wegen des Bürgerkrieges in der Ukraine, derart vergiftet, dass man an Aufklärung kaum denken kann. Gerade wegen der Ereignisse seit dem Frühjahr in der Ukraine muss nach dem Inszenierungsmuster ähnlicher Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit befürchtet werden, in dem Absturz der Maschine und der großen Zahl der Opfer nur einen Zwischenschritt zu einer weit größeren Katastrophe sehen zu müssen. „Racak“ war der Einstieg in den Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Kommen diese Muster jetzt wieder? Es fällt doch auf, dass ständig AWACS-Aufklärungsmaschinen in der Nähe des ukrainischen Luftraumes in der Luft sind und alle Daten von dort nicht nur aufzeichnen sondern auch auswerten. Gerade der Abschuss von Raketen oder die Flüge von Maschinen, sei es der zivilen wie militärischen Luftfahrt, werden durch diese Maschinen und ihre Aufklärungssensoren penibel aufgezeichnet. Warum hört niemand etwas von diesen Erkenntnissen oder scheint es zweckmäßig zu sein, die Erkenntnisse für einen geeigneten Augenblick zurückzuhalten? Aber es sind nicht nur NATO-Aufklärungsmaschinen dort in der Luft. Das gilt ebenfalls für die entsprechenden Maschinen der russischen Streitkräfte. Wird dieses Verhalten den Toten und ihren Angehörigen gerecht? Natürlich nicht. Ebenso wenig wie die mit fester Stimme vorgetragenen Stellungnahmen darüber, was angeblich zweifelsfrei die eigenen Satelliten-Aufklärungssysteme über den Abschuss von Flugabwehrraketen und die Abschuss-Standorte erkannt haben oder haben wollen. Natürlich werfen so weitreichende Anschuldigungen, die uns alle ins Elend ziehen können, doch Fragen auf. Wo waren denn diese angeblich so präzise arbeitenden Systeme, als die erste Maschine aus dem leidgeprüften Malaysia vor wenigen Monaten folgenlos vom Himmel verschwunden war.? Die Angehörigen der getöteten Flugpassagiere wollen Aufklärung über das Schicksal ihrer Liebsten. Sie haben ein Anrecht darauf, dass die Toten in Würde beigesetzt werden. Dieses Recht haben aber auch die Völker, die nach diesem Absturz Opfer aus ihren Reihen zu beklagen haben und eigentlich alle diejenigen, die in Europa den Eindruck haben, wieder an der Schwelle eines größeren Konfliktes zu stehen. Dieses Anrecht hat aber auch das leidgeprüfte Malaysia, das sich in den letzten Jahren in beispielhafter Weise dafür eingesetzt hat, die globalen Standards des Völkerrechts zu achten und zu wahren. Sie haben sich in Kuala Lumpur nicht gescheut, die Mächtigen dieser Welt an deren Taten zu messen. Dieses Volk, das eigentlich nur in Frieden leben will, ist in diesen Monaten sichtbar in das Kreuzfeuer von Kräften, auch auf seinem eigenen Staatsgebiet gekommen, die nichts Gutes mit ihm vorhaben.

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