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Montag, 04 August 2014 09:03

Teil 602: Sure Nur (Licht) Verse 6- 14

Teil 602: Sure Nur (Licht) Verse 6- 14
Wir setzen die Besprechung der Sure 24 bei den Versen 6 bis 10 dieser Sure fort:

(24: 6- 14)


وَالَّذِينَ يَرْمُونَ أَزْوَاجَهُمْ وَلَمْ يَكُن لَّهُمْ شُهَدَاءُ إِلَّا أَنفُسُهُمْ فَشَهَادَةُ أَحَدِهِمْ أَرْبَعُ شَهَادَاتٍ بِاللَّـهِ ۙ إِنَّهُ لَمِنَ الصَّادِقِينَ

„Und (was)  jene (betrifft), die ihre Ehefrauen (des Ehebruchs) bezichtigen und keine Zeugen (dafür) haben außer sich selber – von solchen Leuten soll die Aussage des Mannes  allein (genügen), wenn er viermal bei Allah schwört, dass er die Wahrheit rede," (24: 6)



وَالْخَامِسَةُ أَنَّ لَعْنَتَ اللَّـهِ عَلَيْهِ إِن كَانَ مِنَ الْكَاذِبِينَ

„Und (sein) fünfter (Eid) soll sein, dass der Fluch Allahs auf ihm lasten möge, falls er ein Lügner ist." (24: 7)



وَيَدْرَأُ عَنْهَا الْعَذَابَ أَن تَشْهَدَ أَرْبَعَ شَهَادَاتٍ بِاللَّـهِ ۙ إِنَّهُ لَمِنَ الْكَاذِبِينَ

„Von ihr aber soll es die Strafe abwenden, wenn sie viermal den Schwur bei Allah leistet,  dass er (hinsichtlich seines Vorwurfs) ein Lügner ist." (24: 8)



وَالْخَامِسَةَ أَنَّ غَضَبَ اللَّـهِ عَلَيْهَا إِن كَانَ مِنَ الصَّادِقِينَ

„Und (ihr) fünfter (Eid) soll sein, dass Allahs Zorn auf ihr lasten möge, falls er die Wahrheit rede." (24: 9)



وَلَوْلَا فَضْلُ اللَّـهِ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَتُهُ وَأَنَّ اللَّـهَ تَوَّابٌ حَكِيمٌ

„Wäre nicht Allahs Huld und Seine Barmherzigkeit über euch und wäre Allah nicht Vielvergebend und Allweise (würden viele von euch die schwere Strafe Gottes erfahren)." (24: 10)


Wir sagten, dass wenn jemand einen Mann und eine Frau der Unzucht bezichtigt,  aber keine vier Zeugen beibringen kann, für seine Beschuldigung bestraft wird. In den Versen 6 bis 9 wird die Regelung für den Ausnahmefall genannt, dass ein Mann  als einziger für den Ehebruch seiner Frau  zeugt. In diesem Fall muss der Mann vor dem Richter  viermal bei Gott schwören, dass er die Wahrheit gesagt hat und beim fünften Eid  sagen, dass Gott ihn verfluchen soll, falls er lügt.  Seine Frau kann dann vor dem Richter entweder sich zu der Tat bekennen oder sie abstreiten. Um sich zu verteidigen soll sie  auf ähnliche Weise wie der Mann schwören, d.h. sie schwört viermal,  dass ihr Mann lügt und beim fünften Mal verdammt sie sich selber, falls ihr Mann die Wahrheit sagt.

Nach diesen Eiden fällt für den Mann die Strafe wegen Verleumdung und für die Frau die Strafe wegen Unzucht flach. Diese  Eide haben allerdings auch Folgen. Zum Beispiel gelten die beiden für immer geschieden, ohne dass die Scheidung ausgesprochen werden muss. Sie können einander nie wieder heiraten.

Wenn also kein Zeuge vorhanden ist, kann nur ein Schwur bei Gott hinsichtlich der Bestätigung bzw. der Dementierung eines Vorwurfs etwas nützen.  Dabei gilt für Mann und Frau das gleiche Schwurrecht.

Wir sehen:

Erstens:  Bei Privatgeheimnissen genügen die Aussagen der Eheleute vor dem Richter und sind keine fremden Zeugen notwendig, so dass sowohl das Ansehen der Frau als auch des Mannes bewahrt bleibt. Außerdem kommt der Fall auf diese Weise nicht an die Öffentlichkeit, was zur Verbreitung von Unzucht in der Gesellschaft beitragen könnte.

Zweitens: Die Eidregelung des Islams dient dazu, dass die Eheleute sich nicht gegenseitig bloßstellen.

Drittens: In der Islamischen Gesellschaft muss ein Schwur bei Gott so heilig sein, dass niemand wagt, unberechtigt zu schwören oder einen Schwur nicht anzunehmen.

Wir betrachten nun den Vers 11 der Sure 23:


إِنَّ الَّذِينَ جَاءُوا بِالْإِفْكِ عُصْبَةٌ مِّنكُمْ ۚ لَا تَحْسَبُوهُ شَرًّا لَّكُم ۖ بَلْ هُوَ خَيْرٌ لَّكُمْ ۚ لِكُلِّ امْرِئٍ مِّنْهُم مَّا اكْتَسَبَ مِنَ الْإِثْمِ ۚ وَالَّذِي تَوَلَّىٰ كِبْرَهُ مِنْهُمْ لَهُ عَذَابٌ عَظِيمٌ

„Diejenigen, welche die große Lüge vorbrachten, bilden eine Gruppe von euch. Glaubt nicht, dies(es Gerücht) sei übel für euch; im Gegenteil, es gereicht euch zum Guten (weil es zur Befreiung der Sittsamen von dem Vorwurf und Bloßstellung der Lügner führt). Jeder von ihnen hat zu der Sünde , die sie begangen haben, beigetragen; und für denjenigen von ihnen, der den Hauptanteil daran verschuldet, gilt eine schwere Strafe." (24: 11)


Dieser Vers knüpft an die Verse über  die Bestrafung von Leuten an, die verheiratete und ehrbare Frauen der Unzucht bezichtigen. Er  nimmt auf einen  konkreten Fall Bezug.

Gemäß Geschichtsschreibung war der Erhabene Prophet (s) auf einer Reise von seiner Gemahlin Aischa begleitet worden. Auf der Rückkehr nach Medina musste Aisha eine private Angelegenheit erledigen und trennte sich von der Karawane. Einer der Propehtengefährten, der wie sie hinter der Karawane zurückgeblieben war, begleitete sie  auf der Rückkehr.  Da sprachen einige eine schwere Verleumdung gegen ihn und Aischa aus und verbreiteten diese gewaltige Lüge  unter dem Volk.

Der Vers 11 der Sure 24 , den Gott herabschickte, war  ein Trost für den Propheten und die Gläubigen, die sehr erregt und betrübt über diese Verleumdung waren. Gott erklärte ihnen, dass  dieser Vorfall Gutes in sich birgt, weil nämlich die Leute, die dieses falsche Gerüchte aufbrachten, sich für alle als Heuchler erkennbar gegeben hatten und jeder von ihnen entsprechend seiner Schuld  bestraft werden würde. Die schwerste Strafe war für  den Anführer der Munafiqan (Heuchler)  von Medina gedacht, denn er war am meisten für diese große Lüge und Verleumdung verantwortlich. Dies soll nach einigen Chroniken Abdullah Ibn Ubay gewesen sein.

Wir sehen:

Erstens:  Der Feind kommt nicht immer von außen. Manchmal besteht er auch aus Heuchlern unter den Muslimen selber, die  der Islamischen Gesellschaft Schwierigkeiten bereiten, z.B. durch Verbreitung von Gerüchten.

Zweitens: Bei kollektiven Sünden wird jeder Mittäter entsprechend seinem Anteil an dem Verbrechen bestraft.  Derjenige,  der die Hauptrolle bei einem Verbrechen oder einer Sabotage gespielt hat, erhält daher natürlich  die schwerste Strafe.

Jetzt besprechen wir noch die Verse 12, 13 und 14 der Sure 24. Und zwar steht in diesen Versen wie folgt:


لَّوْلَا إِذْ سَمِعْتُمُوهُ ظَنَّ الْمُؤْمِنُونَ وَالْمُؤْمِنَاتُ بِأَنفُسِهِمْ خَيْرًا وَقَالُوا هَـٰذَا إِفْكٌ مُّبِينٌ

„Warum haben denn, als ihr dies (e Lüge)  hörtet, die gläubigen Männer und Frauen nicht ihrerseits (gleich) eine gute Meinung gehabt und gesagt: Das ist eine glatte Lüge?" (24: 12)



لَّوْلَا جَاءُوا عَلَيْهِ بِأَرْبَعَةِ شُهَدَاءَ ۚ فَإِذْ لَمْ يَأْتُوا بِالشُّهَدَاءِ فَأُولَـٰئِكَ عِندَ اللَّـهِ هُمُ الْكَاذِبُونَ

„Warum brachten sie nicht vier Zeugen dafür? Da sie keine Zeugen gebracht haben, sind sie es also, die vor Allah die Lügner sind." (24: 13)


 وَلَوْلَا فَضْلُ اللَّـهِ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَتُهُ فِي الدُّنْيَا وَالْآخِرَةِ لَمَسَّكُمْ فِي مَا أَفَضْتُمْ فِيهِ عَذَابٌ عَظِيمٌ

„Wäre nicht Allahs Huld und Seine Barmherzigkeit im Diesseits und im Jenseits über euch, hätte euch für das, worauf ihr euch einließt (diese Aussagen, die ihr machtet)  mit Sicherheit eine schwere Strafe getroffen." (24: 14)


Die Verse im Anschluss an den Vers 11 richten sich an die Gläubigen, die sich von dem üblen Gerede beeinflussen ließen und, ohne der Sache nachzugehen,  das falsche Gerücht an andere weiterleiteten.  Sie werden gefragt, warum sie denn nicht positiv über die vom Gerücht betroffenen Gläubigen, gedacht und warum sie nicht diese Behauptung der Heuchler als große und offensichtliche Lüge zurückgewiesen haben.  Die Gläubigen waren sich doch sicher, dass die Gemahlin des Propheten sittsam ist, und zugleich kannten sie die schlechte Vergangenheit der Heuchler, und wussten dass sie schon vorher Lügen verbreitet hatten!  Warum haben sie ihnen dann ihre Behauptungen geglaubt?   Warum haben sie nicht verlangt, dass sie vier Zeugen beibringen, damit sie, falls sie das nicht tun, wegen der Verleumdung von ehrbaren Menschen bestraft werden?

Diese Koranstelle richtet sich an alle Gläubigen mit der Mahnung, selber niemanden grundlos zu verdächtigen. Keiner soll  ein Gerücht über ehrbare Menschen, gegen die eine Lüge erhoben wurde, glauben, sondern er soll sie  verteidigen, es sei denn es gäbe ganz klare Beweise dafür, dass die Behauptung stimmt.

Wir lernen:

Erstens: Gegenüber falschen Gerüchten, die in der Gesellschaft verbreitet werden, müssen die Gläubigen geeignet reagieren. Sie dürfen weder schweigen noch die Gerüchte weiterverbreiten.

Zweitens:  Der Rufmord an einem Mitglied der Islamischen Gesellschaft ist der Rufmord an allen ihren Mitgliedern.

Drittens: Zwischen den Mitgliedern einer Islamischen Gesellschaft  sollte das Prinzip herrschen, über Gläubige gut zu denken.

Viertens:  Es ist Aufgabe aller Muslime die Unantastbarkeit des Propheten und seiner Familie zu verteidigen. Jedem, der sie ins schlechte Licht rückt, ist ernsthaft  zu begegnen.

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