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Mittwoch, 02 April 2014 16:25

Ukraine-Konflikt: Achse verschoben - Geopolitische Neugewichtung

Die Präsidenten Chinas und Rußlands, Xi Jinping und Wladimir Putin, vor dem G-20-Gipfel in Strelna bei Sankt Petersburg (5. September 2013) Die Präsidenten Chinas und Rußlands, Xi Jinping und Wladimir Putin, vor dem G-20-Gipfel in Strelna bei Sankt Petersburg (5. September 2013)
Die westliche Politik im Ukraine-Konflikt dürfte die energiepolitische Zusammenarbeit von Rußland und China beschleunigen.
Wenn es die Absicht des Westens war, Moskau und Peking noch näher zusammenzubringen als bisher, dann läuft alles nach Plan, heißt es in einem Beitrag der „Jungen Welt“ vom Mittwoch.

Der von den USA und der EU gesteuerte Putsch in der Ukraine und die neue prowestliche Regierung in Kiew würden dafür sorgen, das Zusammenwirken der Militär- und Rohstoffgroßmacht Rußland und der industriellen und finanziellen Supermacht China zu stärken. Das dürfte die beiden Länder ihren gemeinsamen Zielen näherbringen, insbesondere die Zurückdrängung der globalen Hegemonialansprüche Washingtons und die Marginalisierung des Dollars.
„Als Reaktion auf die anmaßenden und scheinheiligen Bestrafungsaktionen durch die USA und die EU-Länder wegen des Vorgehens auf der Krim manifestiert sich in Moskau eine geopolitische und wirtschaftliche Um­orientierung: weg von Europa und den USA in Richtung der Märkte in China, Indien etc.“, heißt es.

Die von Washington so dringend geforderte energiepolitische Abwendung Westeuropas von Rußland könnte daher schon bald, aber ganz anders als sich das die Scharfmacher hier erträumen, über die Europäer hereinbrechen.

Für Mai, wenn der russische Präsident Wladimir Putin Peking besucht, werde erwartet, daß das von den Medien als »Heiliger Gral« bezeichnete Mega-Gasgeschäft unterzeichnet wird.

Jahrelang waren die diesbezüglichen Verhandlungen zwischen Rußland und China immer wieder gescheitert, u.a. an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Nun scheinen die jüngsten schlechten Erfahrungen mit dem Westen den Kreml dazu bewogen zu haben, die letzten Hürden für eine schnelle und umfassende, energiepolitische Zusammenarbeit mit der Volksrepublik im Handumdrehen aus dem Weg zu räumen.
Zugleich soll ein ähnlich großer Energiedeal zwischen Rußland und Indien verhandelt werden.

„Deshalb klingen die von westlichen Scharfmachern in Medien und Politik arrogant abgegebenen Erklärungen ziemlich hohl, die Russen müßten sich wegen der gegenseitigen Abhängigkeit – »Wir brauchen russisches Gas, aber die Russen brauchen unser Geld genauso dringend« – die Sanktionen des Westens gefallen lassen, ohne reagieren zu können“, schrieb die Zeitung weiter.

Rußland könne sich jetzt innerhalb weniger Jahre ein solides asiatisches Standbein schaffen und sich dadurch von seiner Exportabhängigkeit vom Westen befreien, im Unterschied zu Westeuropa, das noch sehr lange keinen Ersatz für russisches Gas finden wird. Dies sei das vorläufige Resultat der Politik von Washington, Berlin, Paris und Brüssel gegenüber Moskau.
Aber auch die USA dürften nicht ungestraft davonkommen. Finanzexperten des Investmentportals Zero Hedge spekulierten Mitte März, daß Rußland und China durch das »Heilige-Gral«-Geschäft »mit einer auf Rohstoffen gestützten Achse verbunden« seien. Die könne das »Fundament für eine gemeinsame, durch Rohstoffe abgesicherte Reservewährung« bilden und habe »das Potential, den Dollar links liegen zu lassen«.
„Der Status des Dollars als Welt­reservewährung ist auch heute noch einer der Hauptpfeiler der globalen Machtprojektion Washingtons. Dies erlaubt dem US-Imperium, einen gigantischen Militärapparat zu unterhalten, der im Wesentlichen von Ausländern über den Kauf von Regierungsanleihen bezahlt wird. Daher haben die US-Amerikaner alle bisherigen Versuche, den Dollar zu entthronen, stets als Angriff auf ihre nationale Sicherheit begriffen und entsprechend aggressiv reagiert, u.a. im Irak, als Saddam Hussein begonnen hatte, sein Öl für Euro – statt wie weltweit üblich – für US-Dollar zu verkaufen. Inzwischen ist auch der Iran vom Dollar abgerückt. Teheran verkauft Öl für Gold an Indien und für die chinesische Währung Renminbi an China. Schon machen Gerüchte die Runde, wonach sogar Saudi-Arabien, dessen größter Kunde China ist, daran denkt, vom Petro-Dollar abzuweichen, zumal der Renminbi weltweit zunehmend als Reservewährung gehandelt wird. So ist verständlich, daß sich auch der Finanzplatz Frankfurt am Main rechtzeitig ein Stück von diesem großen Kuchen sichern will“, so die „Junge Welt“.
Anläßlich des Staatsbesuchs des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in der vergangenen Woche in Deutschland unterzeichnete die Bundesbank mit der Chinesischen Zentralbank (PBOC) ein Abkommen für Clearing und Zahlungsgeschäfte in Renminbi. Das britische Schatzministerium schloß am Montag ebenfalls ein ähnliches Abkommen ab. Paris und Luxemburg wollen folgen.
Rußlands, aber insbesondere Pekings handelspolitischer Einflußbereich, erstreckt sich von Süd- und Ostasien nach Afrika bis hin nach Lateinamerika. Mit vielen Staaten dieser Regionen treibt Peking schon jetzt unter Umgehung des Dollars seinen bilateralen Handel. Das gilt auch für den schnell wachsenden Warenaustausch mit Rußland, der in Rubel und Renminbi stattfindet.

Besorgt sehen westliche Analytiker in dieser Entwicklung einen ernst zu nehmenden Angriff auf die jahrzehntelange, unantastbare Position des Dollars. Diese Verschiebung der geopolitischen Achse gen Osten findet vor dem Hintergrund des nachlassenden globalen Einflusses der USA und der Gruppe der sieben hochindustrialisierten Nationen statt, von denen die meisten haushoch überschuldet sind.

Quelle: Junge Welt

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