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Mittwoch, 05 Juni 2013 05:35

Nahost-Experte Lüders: Iran soll als Machtfaktor ausgeschaltet werden

Michael Lüders Michael Lüders
Written by:  Lavassani
Der Westen hat an einer friedlichen Lösung des Atomkonflikts gar kein Interesse.

Es geht vielmehr darum, den Iran als Regionalmacht auszuschalten. Das erklärte der Nahost-Experte Michael Lüders in einem vorgestern veröffentlichten Interview mit Qantara.de, einem Internetportal der Deutschen Welle.

Das eigentliche Ziel der westlichen Iranpolitik, so Lüders, bestehe darin, die Regierung Irans zu stürzen oder zumindest nachhaltig zu schwächen. Man erwarte von den Wirtschaftssanktionen, dass die Bevölkerung frustriert auf die Straße gehen und schießlich eine Revolte auslösen werde.

Die "Sanktionspolitik ist offiziell bemüht, (in der Atomfrage - die Red.) eine Verhandlungslösung mit dem Iran herbeizuführen", ist Lüders überzeugt. "In Wirklichkeit aber geht es darum, das Regime insgesamt zu destabilisieren. Das ist der entscheidende Punkt ... Der Iran ist das letzte übrig gebliebene Land zwischen Marokko und Indonesien, das eine nicht pro-westlich orientierte Politik betreibt, und deswegen ist der Iran im Visier ...

Wäre die iranische Regierung eine pro-westliche, würde sich niemand an der Atompolitik stören. So aber ist die Atompolitik des Iran ein Vehikel, um den Iran unter Druck zu setzen. Mein Eindruck ist: Es ist völlig egal, welche Zugeständnisse die Iraner machen oder nicht, der Druck auf den Iran verschärft sich trotzdem, weil, wie gesagt diese Sanktionen auf einen Regimewechsel abzielen und nicht auf ein Einlenken des Iran in der Atomfrage. Wenn es nur um eine Lösung im Atomstreit ginge, hätte man diese längst finden können. Aber man will diese Lösung gar nicht herbeiführen."
 
Die israelische und amerikanischen Androhungen eines Präventivschlags gegen den Iran hält Lüders für durchaus realistisch. Es sei aber ungewiss, ob sich die Hardliner oder mäßigende Kräfte durchsetzen, denn "man muss wirklich kein Prophet sein, um zu erkennen, dass ein Angriff auf den Iran die ganze Region in Brand setzen könnte. Die Folgen und die Kosten eines Angriffs auf den Iran wären so hoch und so verheerend, dass der 'Nutzen' in keinem Verhältnis stünde zu dem Schaden, den man anrichtet."
 
Auf die Frage, ob sich das Ergebnis der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen auf den Atomkonflikt auswirken könnten, antwortete Lüders: "Ehrlich gesagt glaube ich, dass es völlig egal ist, wer die Wahlen im Iran gewinnt - mit Blick auf die Überlegung, dass man einen Regimewechsel, eine Beendigung des islamischen Systems herbeiführen will. Dieser Wunsch bleibt vor allem in den Vorstellungen einflussreicher Kreise in den USA und in Israel bestehen. Die Gefahr einer weiteren Konfrontation bleibt, auch wenn sich vielleicht der Tonfall ändern mag."

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