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Mittwoch, 11 Mai 2016 11:22

Mit uns durch Iran-170

Seid gegrüßt liebe Hörerfreunde. Letzte Woche befassten wir uns kurz mit der historischen Vergangenheit und der geografischen Lage des Großraums Schuschtar im Norden der Provinz Khuzestan.

Wir sprachen auch über die Bedeutung dieser Region in diesem Sinne. Dazu nannten wir die Mühlen und die Wasserfälle von Schuschtar, die 2009 als „Historische Wasseranlagen von Schuschtar“ als Weltkulturerbe bei der UNESCO registriert wurden.  Es wäre bestimmt interessant, dieses Thema heute etwas weiter zu erläutern.

 Eine komplexe Anlage von Brücken, Dämmen, Mühlen, Wasserfällen, Kanälen und gewaltigen Tunnels bilden ein System, das von den Achamäniden bis zu den Sassaniden die Aufgabe hatte, die Wasserressourcen optimal zu nutzen. Die Wasserfälle und Mühlen befinden sich im Lauf des Gargar-Flusses, ein Meisterwerk der Technik und Ingenieurskunst antiker Zeiten. Gargar ist ein künstlicher Kanal, dessen Bau dem Sassaniden-König Ardeschir Babakan zugesprochen wird. Das Gelände besteht aus Damm, Tunnels, Nebenkanälen und Wassermühlen, die als Industrie- und Wirtschaftsanlage konzipiert wurden und Teil der großen Wasseranlage von Schuschtar sind. In historischen Werken wurde wiederholt darauf hingewiesen.

Der Staudamm Gargar ist auf dem gleichnamigen Fluss gebaut worden, das Wasser staut sich dahinter und damit steigt der Pegel. Am oberen Teil wurden drei Tunnels angelegt.

Diese Tunnels leiten das Wasser in die Anlage; es wurden zahlreiche Kanäle eingebaut, die die Wassermühlen speisen und anschließend fließt das Wasser als Wasserfälle ab in einem Teich. Die französische Archäologin Madame Jane Dieulafoy nannte die Anlage die größte Industrieanlage vor der Industrierevolution.

Zu der Anlage gehören unter anderem der Kleindamm Mizan, der Dast-Gand Gargar-Bach, die Mühlen und die Wasserfälle, der Kleindamm Borj-Ayar, die Brücke über dem Kleindamm Schadrawan, die Salasel-Zitadelle und die Anlagen aus Ausguss des Dariyun-Baches, Kleindamm Khak und die Laschkar-Brücke.

Der Damm Schahpuri oder Mizan befindet sich im Nordosten von Schuschtar. Er teilt den Karun in zwei Zweige. Er wurde unter dem Sassaniden-König Schahpur I nach dem Sieg über den römischen Kaiser Valerian gebaut. Im Lauf der Geschichte wurde der Damm immer wieder repariert.

Die Schadrawan-Brücke ist ebenfalls aus dieser Zeit erhalten. Sie liegt 300 m westlich des Mizan-Dammes. Vom Fluss aus ist sie etwa 10 m hoch. 16 Bögen sind von der Brücke noch übrig. Die Salasel-Zitadelle ist ein historisches Bauwerk von Schuschtar; ein großes Schloss aus der Sassaniden-Zeit. Früher umgaben die Mauern große Innenhöfe und Militäranlagen, Bäder, Wachtürme und Soldatenquartiere. Drumherum war ein Graben angelegt werde, der heute größtenteils nicht mehr vorhanden ist.

Das Besondere an der Wasseranlage ist die Nähe zum historischen Teil der Stadt. Neben der industriellen Nutzung deckt die Anlage den Wasserbedarf der Stadt, wenn es nötig ist. Durch die Wasserfälle bilden sich Regenbögen, die ein hübsches Schauspiel bieten. Hinter den Dämmen, wo die drei Tunnels „Se Kureh“, „Dahaneh Schahr“ und „Beliti“ angelegt sind, bewundern Besucher ein ebenfalls erstaunliches Naturschauspiel. Durch diese Tunnels wird das Wasser in festgelegten Mengen in die Anlagen eingespeist.

Die Wasseranlage von Schuschtar war ihrer Zeit ein Meisterwerk der Technik und Ingenieurswissen, das sowohl in Iran als auch weltweit seinesgleichen sucht.

 Die Pilgerorte und Mausoleen zählen auch zum historischen Gesamtwerk von Schuschtar. Man findet sie in jeder Gasse und Straße und in jedem Viertel. Die zahlreichen Moscheen und Pilgerstätten zeigen die tiefe religiöse Verbundenheit der Menschen hier. So erhielt die Stadt den Beinamen „Haus der Gläubigen“. Die Gesamtmoschee von Schuschtar ist eine der bekanntesten Moscheen der Stadt. Sie wurde 254 im Mondkalender, vor etwa 12 Jahrhunderten gebaut. Auf den Wänden stehen in Stuckarbeit Koranverse in Kufi-Schrift. Nach Norden reihen sich 12 Säulen und nach Süden 8. Jede Säule ist rund 5 Meter hoch. Die Bögen und der hohe Iwan sowie der Vorhof, der in der sassanidischen Architektur gehalten ist, weisen das Gebäude der frühislamischen Zeit zu.  In der Moschee tritt man in einen großen Hof mit dicken und massiven Säulen, ein jeder über 1.5 m im Durchmesser. Das Gebäude ist hauptsächlich aus Stein und Ziegeln gebaut. Das Minbar ist etwa 700 Jahre alt. Das Minarett war ursprünglich 26 m hoch, das obere Teil wurde zerstört und heute misst man nur 18 m.

Wohnhäuser und Karawansereien zählen ebenfalls zu wertvollen historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zu den bekanntesten gehören das Mostoufi-Haus und das Moin-ul Tojar-Haus. Die Architektur stammt aus der Kadscharenzeit. Die Innenräume sind mit Stuck, Steinen und Ziegeln verziert. Sie haben eine schöne Aussicht auf den Karun. Das Mostoufi-Haus besteht aus einem inneren und einem äußeren Hausteil. Der äußere Teil, Biruni, ist heute Sitz der Organisation für Kulturerbe. Es besteht aus Flur, Räumen um den Eingang, Empfangssaal, großem Saal, Fassaden, die zum Schadrawan-Damm zeigt, und weiteren Räumlichkeiten. Das Moin-ul-Tojar-Haus hat eine Terrasse, zwei Stockwerke und Räume, die um den Umriss angelegt sind. Fenster und Türen sind aus Holz, bei manchen handelt es sich um Schiebetüren, die teilweise noch erhalten geblieben sind. Das Gebäude wurde in vergangenen Jahren in drei Teilen eingeteilt. Die Verzierungen bestehen aus Ziegeln auf Wänden mit Pflanzen- und geometrischen Mustern, Stuckarbeit, die als Luftschacht über den Torbögen angebracht wurden,  und anderen Mustern.

Beide Gebäude sind im Kulturschutzprogramm des Landes aufgenommen worden.

 Die historische Stadt Schuschtar hat auf Grund der historischen, religiösen und architektonischen Sehenswürdigkeiten sowie natürlichen Gegebenheiten wie Gärten und Erholungsorte stets eine große Anziehungskraft auf in- und ausländische Touristen ausgeübt. Ein wichtiges Unterschiedsmerkmal von anderen Städten sind die zahlreichen Gärten und Felder in der Stadt. Der wichtigste Grund dafür ist das reiche Wasserangebot durch den Fluss Karun, der die Stadt wie einen Juwel umgibt.  

Der historische Khan-Garten stammt aus der Kadscharenzeit. Er befindet sich am Gargar und ist damit einer der  wichtigsten Gärten der Stadt und einer der schönsten. Die Grundlage für die Wasseranlagen wurde in der Sassaniden-Zeit gelegt, doch unter den Kadscharen fand eine neue Sichtweise im Bewässerungssystem Einzug, die u.a. auf den Khan-Garten übergriff. Der Garten ist 20500 qm groß. Im Gegensatz zu anderen iranischen Gärten mit Straßen und einem Pavillon ist er traditionell und einheimisch gehalten worden. Im Garten sieht man Dattel-, Konar-, Apfelsinen-, Bananen-, Feigen-, Granatapfel- und Beerenbäume. Die Bewässerung erfolgt traditionell und über die Dst-Gand-Kanäle.

Nächste Woche setzen wir den Rundgang fort.

 

 


 

 

 

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