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Dienstag, 26 April 2016 18:41

Mit uns durch Iran-169

Im Namen Gottes und einen schönen Gruß an Sie liebe Hörerfreunde!  Die Provinz Khuzestan im Südwesten Irans war in der letzten Woche unser Gastgeber. Wir lernten einige Städte kennen und in diesem Sinne reisen wir heute in den Großraum Schuschtar, der im Norden der Provinz liegt.

Die Region besitzt eine 10.000 Jahre alte Geschichte. Religiöse, Antike und natürliche Gegebenheiten sind hier zahlreich vorhanden.

 Großraum Schuschtar verfügt über eine Fläche von knapp 3500 qkm. Er  liegt an den Ausläufen des Zagros-Gebirges, an seinen östlichen Grenzen, im Westen fließt der Fluss Dez. Durchschnittlich liegt die Region 150 m über dem Meeresspiegel. Der Berg Fadlak überschattet  die Region, er bildet den Auslauf der Monoklinale des Zagros an der Khuzestan-Ebene. Bis zur Provinzhauptstadt  Ahwaz sind es von Schuschtar 85 km, bis Teheran 831 km. Die Stadt Schuschtar ist das Zentrum des Großraumes; sie ist für die wertvollen historischen Denkmäler von besonderer Bedeutung.

Das Klima in Schuschtar gleicht anderen Städten von Khuzestan: Warm! Im Sommer erreicht man schon mal 50 Grad Celsius. Im Winter ist es angenehm. Die wichtigsten Anhöhen ist  Schuschtar-Kuh, Taft, Kuh-Tschal und Kuh-Siah.

Karun ist der wichtigste Fluss, der durch die Region fließt. Er entspringt den Bakhtiari-Bergen und zweigt in einen nördlichen und nordwestlichen Strom ab. Ein Zweig, der گرگر fließt nordöstlich an Schuschtar-Stadt vorbei und bildet in der Stadt einige sehr schöne Wasserfälle. Der andere Zweig, شطیط, fließt südwestlich, an der Stadt vorbei. Nach 50 Kilometern  fließen beide im Süden der Region wieder zusammen.

Karun und seine Abzweigungen umgeben Schuschtar wie eine Insel. Man muss über eine Brücke gehen, von der es um die Stadt einige gibt, um in die Stadt zu kommen. Die Lage auf der Khuzestan-Ebene segnet der Region  reiche  unterirdische Wasserressourcen. Die Region ist grün und sehr frisch.

Etwa 50% der landwirtschaftlich günstigen Ländereien und ein Drittel der fließenden Gewässer findet man im Großraum Schuschtar. Somit ist die Region auch landwirtschaftlich sehr aktiv und wichtig.  Zu den wichtigsten Agrarprodukten zählen Weizen, Gersten, Bohnen, Zuckerrüben, Zuckerrohr, Gemüse und Kräuter.

Klimabedingt besteht die Flora hauptsächlich aus Warmzonen-Pflanzen, nämlich Palmen, Konar, Weiden und Eukalyptus. An den Flüssen und Bächen sind große Buschflächen entstanden mit Weiden und Tamarisken.

 Landwirtschaft wird in Schuschtar sowohl traditionell als auch mechanisiert betrieben. Die Landwirtschafts- und Industrieanlage Karun befindet sich 12 km westlich der Stadt; sie stellt ein Beispiel für maschinell betriebene Landwirtschaft dar. Daneben befindet sich die Zuckerroh-Fabrik Karun, eine der größten Anlagen im Nahen Osten. Es entstanden zahlreiche Industrienebenzweige. Z.B. werden hier  Neopren-Bretter, Viehfutter, Papier hergestellt. Das Chemiewerk Karun und die Fischerei Karun sind ebenfalls hier angesiedelt. In den letzten Jahrzehnten hat die Fischzucht in Khuzestan großen Andrang gefunden. In Schuschtar wird dieser Beruf ebenfalls sehr breit ausgeübt.  Etwa 35% der Wasserlebewesen aus Khuzestan werden in Schuschtar gezüchtet. Ein Teil der Fische wird von den eigenen Bürgern verzehrt. Der Rest wird in andere Provinzen und Länder wie Kuwait exportiert.

Auch die Viehzucht bildet eine Einkommensquelle. Hier wird traditionell und industriell gearbeitet. Das Weidenland ist in den kalten Jahreszeiten grün. Die Bakhtiari-Nomaden ziehen Anfang Herbst nach Khuzestan und lassen sich  auf den Weiden um Schuschtar nieder. Bis Anfang Frühling wird das Weidenland genutzt. Die moderne Viehzucht bietet aber die Möglichkeit, neue Rassen heranzuziehen und die Produktion zu erhöhen.  So sind moderne Viehzuchtanlagen in der Region entstanden. Hier besteht auch die Möglichkeit zur Pferdezucht. 30% der Pferde in Khuzestan werden in Schuschtar gezüchtet.

Viele Säugetiere leben in dieser Region: Rehe, Wildkatzen, Füchse, Wölfe, Wildschweine und Mader. In den Gattwand-Anhöhen im Nordwesten des Großraums findet man Steinböcke, Ziegen und Bergziegen. Im Winter ziehen viele Vögel wie Enten, Gänse, Angoot, Storche, Kraniche und andere in die Region. Ende Sommer und bis zum ersten Regen kann man hier Jagdvögel wie Habichte, Falken und Adler beobachten.

Das Gründungsdatum von Schuschtar steht nicht fest. In der iranischen Geschichte wird es dem Pischdadi-König Houschang zugesprochen. Das älteste Werk, das hier gefunden wurde, zeigt, dass Schuschtar zur Zeit der Sassaniden existiert hat. Forschungsarbeiten haben viele antike Funde und Bauwerke ans Tageslicht gebracht. Sie zeigen, dass die Stadt in alten Jahrhunderten von ihren Herrschern weiterentwickelt wurde. Der Bau der Mizan- und Schadrawan-Dämme, der Salasel- und Rostam-Zitadellen, der Wasserfälle in Schuschtar und viele andere historische Bauten sind Beweis genug dafür. Aus Geschichtsbüchern geht hervor, dass Schuschtar seinen Namen von den reichen Wasserressourcen und dem ertragreichen Boden erhalten hat, denn Schuschtar soll „besser“ bedeutet haben. Früher galt sie als Hafenstadt, die durch den Karun mit Häfen in Indien und den Staaten am Persischen Golf verbunden war.

Bis Ende der Kadscharen-Dynastie hat der Handel in der Stadt geblüht, denn Landwirtschaft und Viehzucht sowie da Handwerk waren vielseitig und ertragreich. Die Stadt hat zahlreiche Geistliche, Wissenschaftler und Dichter hervorgebracht und dem Islam große Dienste geleistet. Daher gilt sie als eine der wichtigen Städte Irans in der Vergangenheit. Der marokkanische Abenteurer und Reisender Ibn Batuteh schriebt in seinem Reisebericht: Tos-tar (Schuschtar) ist eine schöne und grüne Stadt mit vielen Gärten und Feldern. Zahlreiche Basare zählen zu den Vorzügen und sie ist eine der ältesten Städte. An den  beiden Seiten der Stadt fließt ein Fluss vorbei. Obst ist sehr viel vorhanden. Sie ist sehr wohlhabend und gesegnet, die Basare sind beispiellos.

Ibn Batuteh lobt wie auch Ibn Khaldun die Kultur und das Städteleben in Iran, er hat in Tabriz und Schuschtar Wissenschaftler getroffen, die als Universalgenies galten. Für Ibn Batuteh waren die Wissenschaftler aus Schuschtar die Größten.

Der arabische Reisewanderer Abu Abdullah Mohammad ibn Ahmad Moghadasssi schrieb ebenfalls über die wohlhabende Stadt Schuschtar, in seinem Werk „Ahsan-ul Taghasim fitaarefat-al aghalim“ heißt es: In diesem Land gibt es keine schönere, festere und wichtigere Stadt als Schuschtar; ein Fluss zieht sich um sie. Palmenhaine und Gärten umgeben die Stadt. Weber sind in der der Verarbeitung von Wolle und Seide sehr gewandt und allen anderen Städten voraus.

Die Seide aus Schuschtar geht mindestens auf die Zeit der Sassaniden zurück. Viele Historiker und Reisende schrieben über die berühmten Stoffe aus Schuschtar und Khuzestan. Leider hat diese wertvolle Kunst unter den Kadscharen ziemlich nachgelassen. Heute trifft man noch Webereien in der Stadt, die dickeren Stoffe wie Chugha, für Umfänge der Bakhtiari-Nomaden geeignet, herstellen, oder eine Art Untersatz, Mojbafi, produzieren. Der Kelim und der Teppich aus Schuschtar sind von besonderem Ruhm und Schönheit.

 Nach der Geschichte und dem Handwerk möchten wir noch kurz einige historische Werke vorstellen.

Alte Anlagen wie dämme und zahlreiche Mühlen sind heute zu einem großen Museum geworden, sie zeigen auch die Gewandtheit der alten Perser bei der Regulierung ihrer Wasserströme.

Der Schapuri oder Mizan-Damm ist ein Beispiel. 2009 wurden die Dämme und Mühlen im Weltkulturerbe aufgenommen.

Weiteres werden wir in der nächsten Woche besprechen.

 

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