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Dienstag, 16 Februar 2016 09:39

Mit uns durch Iran-163

Mit uns durch Iran-163
Im Namen Gottes und willkommen zu einer weiteren Folge aus dem Reisejournal „Mit uns durch Iran“. Die Provinz Khuzestan ist das Ziel unseres heutigen Ausfluges. Die Region ist reich an Ressourcen und Öl und ist daher als Land des schwarzen Goldes bekannt.

Die Fläche von Khuzestan beträgt 65.000 qkm, sie befindet sich im Südwesten Irans. Im Norden grenzt sie an die Provinzen Lorestan und Ilam, im Westen an den Irak, im Süden an den Persischen Golf und im Osten an die Provinzen Tschaharmahal Bakhtiari und Kohgiluye wa Boyerahmad. Die Industriestadt Ahwaz bildet die Provinzhauptstadt.

Topografisch sind zwei Regionen in der Provinz auszumachen eine Gebirgsregion und die Ebene. Das Gebirge befindet sich im Norden und Osten, die Berge bilden eine Fortsetzung des Zagros-Gebirges. Zu den wichtigsten Bergen zählen Zardkuh, Kuh-Siah, Kuh-Chal und Ab-Bandan. Die Ebene liegt dann im südlichen und westlichen Teil der Provinz. Ein Großteil davon besteht aus den Ablagerungen und Mündungsgebieten der Flüsse Karun, Karche und Jarahi (جراحی) mit etwa 41.000 qkm.

Die gesamte Region lliegt nicht sehr hoch, in manchen Teilen ist das Meerwasser weit vorgedrungen, in anderen treten die Flüsse über ihre Ufer und so haben sich große Lagunen gebildet, die hierzulande „Hur“ genannt werden. Die wichtigsten Hur befinden sich auf der Azadegan- und der Schadegan-Ebene. Die größte Lagune bzw. größter Hur nennt sich Hur-ol Azim, der aus den Überläufern der Flüsse Karche, Doiraj (دیرج) und Ausläufern von Arwand entstanden ist. Angesichts der topografischen Gegebenheiten ist das Klima unterschiedlich. In den höheren Gebirgsregionen ist der Winter kalt und der Sommer gemäßigt. An den Berghängen herrscht vorwiegend ein Halb-Wüstenklima. Auf der Ebene herrscht ausschließlich Wüstenklima. Dementsprechend zählen Khuzestan und seine Küsten zu warmen Klimazonen. Im Sommer steigt die Temperatur in Ahwaz, Abadan und Dezful schon mal auf 50 Grad Celsius. Die Hitze entsteht durch die weiten Wüstenebenen, der großen Sandwüsten in Saud-Arabien sowie die Nachbarschaft zum Persischen Golf, das tiefe Flachland und die fehlenden Berge und Hügel im südlichen Teil der Provinz, so dass diese enorme Hitze ungehindert ins Landesinnere dringen kann.

Auf der anderen Seite verdankt die Proviz seinen Wohlstand und Größe u.a. auch den zahlreichen Flüssen, die seit Jahrhunderten durch dieses Land ziehen. Der wasserreichste Fluss, Karun, und der längste Fluss, Karche, fließen durch Khuzestan. So entstehen grüne und äußerst ertragreiche Landstriche, die auch stets von den Regierungen und den Menschen beachtet wurden.

Die ertragreiche Erde, die großen Wasserressourcen und die enorme vorhandene Sonnenenergie, die günstige Arbeitssaison und die fleißigen Bürger haben Kuzestan zu einem Landwirtschaftspol hochgehoben. Ein Drittel der fließenden Gewässer in Iran  sind hier vorhanden. In der Produktion von Gemüse beansprucht Kuzestan einen besonderen Stellenwert für sich. In manchen Jahreszeiten decken die Agrarprodukte aus dieser Region einen Großteil des landesweiten Bedarfs. Die Prodution von Zuckerrorhr und die Flächen der Palmenhaine sind ebenfalls von Beachtung.

Das abwechslungsreiche Klima und Erde verleihen der Provinz ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild. Manche Teile sind mit Wäldern und Gestrüpp, manche mit kleinen Bäumchen und andere wieder nur mit Gras bedeckt.

Im Winter beherbergt Kuzestan mit seinen grünen Wiesen viel Vieh. Die Bakhtiari-Sippe zieht im Winter in diese Region.

Die Tierwelt in Kuzestan kann man sich in zwei Teilen vorstellen: Fische und Jagdtiere. In Flüssen, Lagunen und den Gewässern des Persischen Golfes tummeln sich rund 200 Fischarten. In den Süßgewässern leben Fische mit hohem Ernährungswert, die für die Bevölkerung sehr wichtig sind. Nur ein Teil wird ins Ausland exportiert. Jagdtiere sind der andere Teil der Tierwelt in Khuzestan. Früher bot die Provinz den geeigneten Lebensraum für Rehe, die aber heute deutlich reduziert sind. Sie leben heute in Naturschutzgebieten. Enten, Langschnabelhühner, Rebhühner und dergleichen sind u.a. in üppiger Population vorzufinden. Füchse, Schakale, Hyänen, Wölfe und Wildschweine trifft man eher in Gebirgs- und Waldregionen.

                       

Kuzestan war in der Vergangenheit Teil der großen und unabhängigen Herrscher der Elamiten. Forscher wie Frau Jane Dieulafoy und Jacques DeMorgan aus Frankreich zeigen, dass sich Elamiten etwa 8000 vor Christus in dieser Region angesiedelt hatten; wahrscheinlich waren sie das erste Volk, das sich hier niedersetzte. Aus historischen Dokumenten geht hervor, dass das heutige Kuhzestan bis zum 13. Jahrhundert vor Christus „Elam“ genannt wurde; danach tritt der Name „Anschan Susanka“, das Land von Anschan und Susa auf Schrifttafeln in Erscheinung.  Etwa 640 vor Christus erobern Achamäniden die Region und benannten sie in Anzan um. Assyrer sprachen aber weiterhin von Elam. Griechische Chronisten während der Achamäniden und Seleukiden, u.a. Herodot und Xenophon, nannten es Susayana, eine Ableitung von Susa.

Khuzestan war für die Fülle und Qualität des Zuckerrohres bekannt. Im 3. und 4. Jahrhundert im Mondkalender nannte man diese Region daher Khuzestan: das Land des Zuckers.

Khuzestan hat  im Laufe seiner Geschichte viele Höhen und Tiefe durchlebt. Doch das Land war stets Teil Irans. Im 19. Jahrhundert war es von großer Bedeutung, da es riesige Ölreserven barg und der Kolonialmacht Großbritannien über den Persischen Golf den Zugang zu freien Gewässern ermöglichte. Im ersten Weltkrieg griff der englische General Deilamin  (دیلامین) den Fluss Arwand an. Von dort drangen englische Truppen in Khuzestan ein; Scheich Khazal, der die meisten arabischen Stämme in dieser Region unter Kontrolle gebracht hatte, wurde zum Handlanger der Engländer.

Arabische Nomaden im Westen von Khuzestan erklärten den Krieg und opferten Leben und  Hab und Gut, um ihr Land zu verteidigen; dieser Krieg wurde als Jihad-Krieg benannt.

Schließlich ereilte Scheich Khazal die Gerechtigkeit, 1339 im Mondkalender einigte sich England mit seinem anderen Handlanger, Reza-Schah; Der Aufstand von Scheich Khazal wurde niedergeschlagen. Nach Reza Schah bestieg sein Sohn Mohammadreza, ebenfalls westlichen Mächten hörig, den Thron. Er akzeptierte alle Forderungen der USA und Alliierten. Die wichtigste Forderung galt dem billigen Ölverkauf an westliche Staaten, das hauptsächlich in Khuzestan gewonnen wurde. Nach dem glorreichen Sieg der Islamischen Revolution haben Imperialisten den Zugang zum iranischen Öl verloren. Sie hetzten Saddam Hussein gegen Islam, der einen achtjährigen Krieg gegen Iran anzettelte, so sollte Iran geschwächt und Kuzestan abgespalten werden. Doch auch jetzt waren es die persischen Araber, Türken, Kurden, Luren und andere, die Seite an Seite für ihre Religion und ihr Land kämpften und diese Verschwörungen mit großen Aufopferungen vereitelten. Khuzestan haftet in den Gedächtnissen als Land der Liebe und des Blutes, es erinnert an die Jahre, in denen die Kämpfer standhaft und tapfer für ihre Heimat geradestanden.

Das alte Land Khuzestan verfügt über historische, natürliche und industrielle Attraktivität, die schon immer von Bürger, in- und ausländischen Touristen beachtet wurden. Über 7000 Jahre Geschichte bieten einiges an historischen Werken, von denen  einige Weltruhm genießen. Darüber aber dann in der kommenden Woche. Bis dahin Auf Wiederhören!

 

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